Ladas Klassikwelt 49: Die scheinbare Leichtigkeit von Mozarts Musik

Ladas Klassikwelt 49: Die scheinbare Leichtigkeit von Mozarts Musik

„In dem Buch haben wir es mit einem Mann zu tun, der eine exquisite Küche, elegante Kleidung und gute Unterhaltung mag, der aber ein treuer und verantwortlicher Ehemann seiner Constanze ist. Außerdem arbeitet er jeden Tag fleißig an seinen Werken. Sein einziges Problem ist, nicht mit dem Geld umgehen zu können.“

von Jolanta Łada-Zielke

„Eine kleine Nachtmusik“ von Mozart kennen auch diejenigen, die wenig über Klassische Musik wissen. Auf entsprechende Art und Weise vermitteln Mozarts Werke mit ihrer Leichtigkeit den Eindruck, als ob das Komponieren dem Häkeln ähnlich wäre. Selbst sein „Requiem“ hat trotz seiner ernsten, manchmal sogar tragischen Stimmung diese Leichtigkeit. Aber einem solchen Effekt ging harte Arbeit voraus. Das Darstellen dieser anderen Seite der Biographie von Wolfgang Amadeus (genauer Amadé) Mozart war das Ziel von Konrad Beikircher, dem Autor des Buches „Mozart und die Schwerelosigkeit der Musik“, das vom Arena-Verlag im Rahmen des Zyklus „Lebende Biographien“ veröffentlicht wurde. Die Illustrationen wurden von Sebastian Coenen angefertigt.

Das Interessanteste in diesem Buch ist die Erzählweise, die abwechselnd sowohl in der dritten als auch in der ersten Person ausgeführt wird. Der Autor spricht teils als Mozart selbst, teils als sein Biograph. Beide beschreiben das Leben des Komponisten und die Epoche, in der er lebte, aus heutiger Sicht. Dadurch wird der Leser in seine Welt hineingezogen, in der es noch keine Smartphones und Castings gibt. Man fährt bei einer Konzerttour mit einer Pferdekutsche, Werbung erfolgt durch Empfehlungsbriefe.

Mozart (am Klavier) musiziert mit dem gleichaltrigen Thomas Linley junior (Violine). Florenz 1770

Die wunderbare Kindheit Mozarts war nicht ganz sorglos; obwohl alle von seinem Talent verzaubert waren, wollte niemand ihn oder seinen Vater Leopold fest anstellen. Der Autor behauptet, wenn schon im 18. Jahrhundert eine solche Institution wie die GEMA existiert hätte, hätte Mozart von Tantiemen für die „Entführung aus dem Serail“ gut leben können, da diese Oper zu seinen Lebzeiten enorm populär war und immer wieder inszeniert wurde.

Beikircher befasst sich auch mit dem Erscheinungsbild des Komponisten, welches wir aus dem Film „Amadeus“ von Miloš Forman kennen. Er verhält sich dort wie ein egozentrischer Frauenheld, der von seiner eigenen Vollkommenheit überzeugt ist. In dem Buch haben wir aber mit einem Mann zu tun, der eine exquisite Küche, elegante Kleidung und gute Unterhaltung mag, der aber ein treuer und verantwortlicher Ehemann seiner Constanze ist. Außerdem arbeitet er jeden Tag fleißig an seinen Werken. Sein einziges Problem ist, nicht mit dem Geld umgehen zu können.

Foto: ivabalk auf pixabay

Laut dem Autor des Buches ist es auch nicht wahr, dass Mozarts Konkurrent Antonio Salieri seinen frühen Tod verursachte, obwohl er selbst dies am Ende seines Lebens behauptete, als er schon im psychiatrischen Krankenhaus weilte. Zu der Zeit, als die beiden in Wien wirkten, war Salieri erfolgreicher als Mozart, sodass er keinen Grund hatte, seinen Rivalen loszuwerden.

Das Buch ist für jüngere Leser gedacht, darum habe ich es von zwei zwölfjährigen Mädchen testen lassen. Sie heißen Amelia und Melina und spielen schon seit einigen Jahren Klavier. Am besten hat ihnen das „Tagebuch“ des Komponisten gefallen, in dem sich der Autor als Mozart darstellt und seinen Lebenslauf in der heutigen Sprache erzählt.

Melina sagt, es wäre nicht schlecht, wenn die ganze Geschichte genau auf diese Weise erzählt würde. Die zitierten Fragmente der authentischen Briefe des Komponisten sind voll von Archaismen, die die Mädchen nicht immer verstanden haben. Im Text gibt es auch unbekannte Begriffe aus der Musikgeschichte, wie zum Beispiel Opus. Amelia hat darauf hingewiesen, dass einige der Ereignisse zu lang beschrieben sind. Beide Mädchen wollten das letzte Kapitel über den Tod des Komponisten nicht lesen, da sie dieses Thema unangenehm gefunden haben. Aber im Großen und Ganzen hat ihnen das Buch sehr gut gefallen, weil sie davon viele Dinge gelernt haben, die man ihnen in der Schule nicht erzählt. Sie finden jedoch, dass die Story für Kinder erst ab zehn Jahren geeignet sei und zwar für diejenigen, die sich mit Musik beschäftigen.

Man sieht, dass die Lektüre des Buches „Mozart und die Schwerelosigkeit der Musik“ nur scheinbar einfach und leicht ist.

Jolanta Łada-Zielke, 4. Oktober 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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© Jolanta Lada-Zielke

Jolanta Lada-Zielke, 49, kam in Krakau zur Welt, hat an der Jagiellonen-Universität Polnische Sprache und Literatur studiert und danach das Journalistik-Studium an der Päpstlichen Universität Krakau abgeschlossen. Gleichzeitig absolvierte sie ein Gesangsdiplom in der Musikoberschule Władysław Żeleński in Krakau. Als Journalistin war Jolanta zehn Jahre beim Akademischen Radiorundfunksender Krakau angestellt, arbeitete auch mit Radio RMF Classic, und Radio ART anlässlich der Bayreuther Festspiele zusammen. 2003 bekam sie ein Stipendium vom Goethe-Institut Krakau. Für ihre  journalistische Arbeit wurde sie 2007 mit der Jubiläumsmedaille von 25 Jahren der Päpstlichen Universität ausgezeichnet. 2009 ist sie der Liebe wegen nach Deutschland gezogen, zunächst nach München, seit 2013 lebt sie in Hamburg, wo sie als freiberufliche Journalistin tätig ist. Ihre Artikel erscheinen in der polnischen Musikfachzeitschrift „Ruch Muzyczny“, in der Theaterzeitung „Didaskalia“, in der kulturellen Zeitschrift für Polen in Bayern und Baden-Württemberg „Moje Miasto“ sowie auf dem Online-Portal „Culture Avenue“ in den USA.  Jolanta ist eine leidenschaftliche Chor-und Solo-Sängerin. Zu ihrem Repertoire gehören vor allem geistliche und künstlerische Lieder sowie Schlager aus den Zwanzigern und Dreißigern. Sie ist seit 2019 Autorin für klassik-beigeistert.de.

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