Paavo Järvis zweite Schubert-CD überzeugt mit Schwung und starken Kontrasten

Schubert, Symphonies Nr. 6 & 5, Paavo Järvi  klassik-begeistert.de, 21. April 2026

CD/Blu-ray Besprechung:

Järvis zweite Schubert-Einspielung mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen überzeugt mit Schwung, Elastizität und ausgeprägten Kontrasten

Paavo Järvi
Schubert   Symphonies Nr. 6 & 5

The Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

Sony Music 19958 44499 2 (2026)

von Dr. Gerd Klingeberg

Mit Volume 2 legen Paavo Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie eine weitere Einspielung von Franz Schuberts Sinfonien vor, diesmal mit der anno 1817/18 komponierten Kleinen C-Dur-Sinfonie Nr. 6 und der gut ein Jahr zuvor entstandenen Nr.5 B-Dur.

Beide Werke sind ursprünglich für ein ambitioniertes Laienorchester konzipiert worden; von daher sollten die spieltechnischen Herausforderungen für ein Top-Orchester weitestgehend problemlos zu bewältigen sein. Umso entscheidender ist es allerdings, die vielen kompositorischen Feinheiten und spezifischen Eigenarten beider Sinfonien durch sorgfältige Interpretationen herauszuarbeiten. Die im Beischreiben erwähnte „historisch informierte Aufführungspraxis“ mag dabei zusätzlich von Vorteil sein.
Elastisch beschwingtes Spiel

Das Ergebnis einer entsprechenden Herangehensweise wird bereits unmittelbar hörbar bei der opulenten Eingangsgeste. Und deutlich mehr noch beim nachfolgenden Allegro des Kopfsatzes der Sechsten: Gleichermaßen mitreißend beschwingt wie auch von einem großen Maß an musikantischer Energie angetrieben, wird die Komposition nachempfunden als munteres, kontrastreiches Dialogisieren von Streichern und Bläsern. Im Folgesatz Andante überzeugt das vorsichtig angegangene, gefühlvolle Nebeneinander aus folkloristisch lieblicher Liedhaftigkeit und feiner Eleganz in zunehmend zupackendem Aufbau samt kurzen eruptiven Einwürfen.

Ausgesprochen elastisch und straff pulsierend startet das Scherzo, markant durchsetzt von hart kontrastierenden Schlägen; das spürbar gemäßigtere Trio fungiert als kurzer besinnlicher Ruhepol.
Heiter gelöst und spritzig, dabei allmählich gehörig Fahrt aufnehmend, geht es im abschließenden Allegro moderato zur Sache – wobei das „moderato“ bisweilen auch mal zum veritablen Presto umfunktioniert wird. Besonders reizvoll sind dabei die blitzsauberen Streicherpartien mit ihren wie getupften, fein kolorierend unterlegten Verzierungen. Die Schlusstakte erfolgen in ausgeprägter Gewichtung, markant und wuchtig.

Optimale Transparenz auch bei stark angezogenen Tempi

In der Sinfonie Nr. 5 wird von Beginn an der grundlegend freundliche Charakter betont. Dies gilt auch für das kantable „Andante con moto“  (2. Satz), wobei man sich hier jedoch ein noch etwas ruhigeres Tempo, vielleicht ein noch romantischeres Eintauchen in die mattglänzend schöne Melodik gewünscht hätte – so wie es in den Wiederholungen des variierten Hauptthemas schließlich doch noch etwas mehr zum Ausdruck gebracht wird.

Munter stampfend kommt das Menuetto daher, konterkariert von nicht minder forschen, aber dennoch deutlich moderater anmutenden Legatopartien. Die leicht verträumte Färbung des Trios gerät im ungeduldigen Vorandrängen etwas in den Hintergrund.

Im sehr lebhaften, teils bis zur Rasanz gesteigerten Allegro-Finalsatz brilliert das Orchester ungeachtet auch stark angezogener Tempi mit optimal transparenter Ausführung. Eine zwischenzeitliche Rücknahme des Tempos leitet schließlich den letztlich eher unspektakulären, aber für eine Besetzung ohne Klarinetten, Pauken und Trompeten dennoch sehr markanten Schlusspart ein.

Fazit: Wie bereits bei der Einspielung der Schubert-Sinfonien 7 und 4 ist es Paavo Järvi und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen erneut gelungen, auch den Sinfonien 6 & 5 die meisterhaft angelegte kompositorische Substanz entstaubend in ganzer Nuancenfülle herauszuarbeiten:

Für Freunde Schubertscher sinfonischer Musik ist die neue CD daher zweifellos ein Muss.

Dr. Gerd Klingeberg, 21. April 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

CD-Besprechung: Paavo Järvi, Schubert Symphonies Nr. 7 & 4 klassik-begeistert.de, 17. Dezember 2025

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