George Li brilliert am Klavier – Philharmoniker begeistern mit Tschaikowskys 5. Sinfonie

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg / Manfred Honeck /
George Li
Richard Strauss
, Elektra / Sinfonische Rhapsodie
Sergej Rachmaninow,

Rhapsodie über ein Thema von Paganini op. 43 für Klavier und Orchester
Peter I. Tschaikowsky, Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64
Elbphilharmonie, 12. März 2017

Von Sebastian Koik

Der Dirigent dieses Konzerts, Manfred Honeck, hat gemeinsam mit dem tschechischen Komponisten Tomáš Ille eine symphonische Suite aus den wichtigsten Abschnitten der Oper Elektra von Richard Strauß erstellt, ein symphonisches Konzentrat dieser großartigen Oper. Die Zusammenstellung überzeugt, die Umsetzung allerdings nicht so ganz. Das Stück wird am Sonntagvormittag ordentlich, allerdings nicht packend genug gespielt. Es ist nicht genug Spannung im Spiel, auch fehlt es an Tiefe und Emotionalität.

Das zweite Stück ist eines der schönsten Klavierkonzerte: Die Rhapsodie über ein Thema von Paganini op. 43 für Klavier und Orchester von Sergej Rachmaninow. Rachmaninow kreiert 24 Variationen zu einem Thema von Paganini. 24 kunstvolle Variationen, die nahtlos ineinander übergehen und das Ausgangsthema von Paganini in allen erdenklichen Farben und Facetten beleuchten. Dabei fasst der Komponist jeweils eine Gruppe von Variationen unter einem großen Bogen zusammen und erweckt damit den Eindruck eines üblichen dreisätzigen Solokonzerts.

Die deutsche Musikkritik-Legende Joachim Kaiser lobte die Paganini-Rhapsodie als Rachmaninows „spirituellstes, witzigstes, elegantestes Werk für Klavier“. Das Stück verlangt enorme Virtuosität vom Solisten, und der Pianist George Li, 21 Jahre jung, meistert sie mit größter Selbstverständlichkeit und scheinbarer Leichtigkeit. Der US-Amerikaner spielt mit blitzschnellen Fingern – ist aber nicht nur Virtuose, sondern überzeugt auch mit großartiger Musikalität, mit Tiefe, mit Leidenschaft. Er weiß auch die langsameren Passagen wunderbar zu gestalten. Das ist eine pianistische Weltklasseleistung!

Nach der Pause spielen die Philharmoniker die 5. Sinfonie von Tschaikowsky, ein Werk mit dem der Komponist lange kämpfte und rang. Über zehn Jahre waren seit der 4. Sinfonie vergangen, Tschaikowsky hatte große Selbstzweifel. Er fürchtete am Ende seiner Kreativität zu sein. Doch die Quälerei lohnte sich: Letztendlich schuf er dann doch ein neues Werk, mit dem er zufrieden war – ein Werk, das die Zuhörer begeisterte.

Vor 128 Jahren probte und leitete Tschaikowsky selbst die deutsche Uraufführung in Hamburg. Und er war sehr angetan vom Philharmonischen Staatsorchester Hamburg: „Nirgends begegnete ich solcher Begeisterung von Seiten der Musiker wie in Hamburg.“ Und auch am Sonntagvormittag begeistert das Philharmonische Staatsorchester mit dieser 5. Sinfonie. Das Orchester spielt sie ganz wunderbar: Knackig, spritzig! Mit Selbstbewusstsein und Mut.

Es ist alles da: Große Musikalität, Spannung, Kraft. Im Spektrum von zartester Sanftheit bis zu mächtigster Gewalt spielen die Philharmoniker hochpräzise, absolut auf den Punkt. Die ersten zwei Sätze der Sinfonie spielt das Orchester absolut vollkommen. Besser gespielt kann man sich das nicht vorstellen! In den letzten beiden Sätzen lassen Spannung und Präzision ein wenig nach. Es ist nicht mehr ganz das unfassbare Niveau der ersten beiden Sätze, dennoch sehr, sehr gut. Das Publikum ist begeistert.

Sebastian Koik, 13. März 2017,
für klassik-begeistert.de

+++++

Am zweiten Aufführungstag, Montagabend, gelang dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg die Elektra-Bearbeitung deutlich besser als am Sonntag. Von Anfang an waren die Musiker voll bei der Sache und spielten sehr hingebungsvoll.

Skandalös hingegen war das Verhalten zahlreicher Zuschauer, die trotz starken Hustens in die Elbphilharmonie gekommen waren, und diesen auch in den schönsten Piano-Stellen lautstark auslebten.

So, liebe Leute, bleibt man Zuhause und schickt einen guten Freund ins Konzert!

Dass manche Banausen schon zwei Minuten vor dem Ende der Tschaikowsky-Sinfonie den Schluss beklatschten, gehört in der Elbphilharmonie leider zum schlechten Ton. Das Hamburger Publikum muss einfach lernen, dass in Deutschland und Mitteleuropa zwischen den Sätzen nicht geklatscht wird. Und vor dem Ende schon gar nicht.

Man klatscht ja auch nicht einfach im Kino, während der Hollywood-Streifen läuft.

Es ist ganz einfach: Man schweigt, hört gut zu und beobachtet aufmerksam den Dirigenten. Wenn der in Stille verharrt und nach einigen Sekunden abwinkt, darf man klatschen. Kleiner Tipp: Wenn man sich nicht sicher ist, ob das Stück schon vorbei ist, wartet man lieber, bis versiertere Konzertgänger dem Orchester und dem Dirigenten gratulieren.

Andreas Schmidt, Herausgeber klassik-begeistert.de,
13. März 2017

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.