Das Gold des Rheines besticht, nimmt ein, verzaubert, erschüttert und lädt zum Träumen ein

Richard Wagner, Das Rheingold  Bayerische Staatsoper, Nationaltheater, 3. Juli 2021

Benjamin Bruns singt wie von einem anderen Stern

Mit dieser Aufführung im Nationaltheater manifestiert die BSO während ihrer Münchner Opernfestspiele ihre Stellung in den Spitzenpositionen der weltweiten Festspielliga.

Bayerische Staatsoper, Nationaltheater, 3. Juli 2021
Richard Wagner, Das Rheingold

von Andreas Schmidt

Das Gold des Rheines besticht, nimmt ein, verzaubert, erschüttert und lädt zum Träumen ein. Die Macher in München bieten dem Publikum in dem zu rund 80 Prozent gefüllten Nationaltheater ein Jahrtausendstück eines Jahrtausendgenies auf höchstem Niveau, sehr empathisch und energetisch dirigiert durch den Generalmusikdirektor des Staatstheaters Wiesbaden – Patrick Lange. (Im Nationaltheater wurde „Das Rheingold“ von Richard Wagner in Anwesenheit König Ludwigs II. am 22. September 1869 uraufgeführt.)

Der ehemalige Assistent Claudio Abbados bekommt – zurecht – den meisten Beifall an diesem Abend… neben dem Gesangsstern of the night: Benjamin Bruns als Loge.

Was dieser BB an diesem Abend abliefert ist wirklich sensationell, amazing. BB kommt nach gehöriger Zeit das erste Mal auf die Bühne – und die Show des Abends ist auf einmal eine ganz andere. Dieser Ausnahmetenor brilliert durch zarteste Höhe, durch kraftvolle Bruststimmen, durch freie, selbstverständliche, klare Töne; er ist ein Loge, wie man ihn sich besser nicht vorstellen kann und unterstreicht dies auch durch sein bübisches Spiel.

Erst als BB nach einiger Zeit auf die Bühne kommt, entflammt er mit seiner Präsenz auch den Rest des Ensembles, macht alle wach und heiß auf außerordentliche Leistungen.

Vor allem Wotan (John Lundgren) wacht auf, der sehr zurückhaltend mit ein paar Fehltönen im hohen Register begann und vom Publikum – obgleich als letzter auf die Bühne gerufen – nur verhalten-artigen Beifall bekommt. Aber dieser JL steigert sich noch wirklich beachtlich im Laufe des Abends und vermag, the longer the night, wahres Wotangefühl abzurufen. Gerne von Anfang an so, Mr. Lundgren.

https://klassik-begeistert.de/interview-mit-benjamin-bruns-wiener-staatsoper-20-januar-2020/

Eigentlich hätte dirigieren sollen der umtriebige Russe Valery Gergiev,

der oft zu spät oder gar nicht kommt und das Gegenteil ist von dem Ganzkörperdirigenten Patrick Lange: VG gibt sehr sparsame Anweisungen und diese mit einem Zahnstocher.

Die AZ schreibt: „Sein berüchtigt knapper Reiseplan hat schon in der Vergangenheit bisweilen Ausfälle und Verspätungen herbeigeführt. Aus verschiedenen Gründen, so hört man, schaffte es der Dirigent nicht zur ersten Probe von Richard Wagners „Rheingold“ im Nationaltheater. Dann trat eine Quarantänepflicht für die Einreise aus Russland ein, und nun konnte Gergiev überhaupt nicht mehr kommen. Auch sein Auftritt bei „Klassik am Odeonsplatz“ (9. Juli) ist fraglich.

So kann John Lundgren als Wotan schneidende Befehle geben und Daniela Sindram als Fricka ihre ständigen Vorwürfe genießbar leicht artikulieren. Judit Kutasi hypnotisiert als klangsatte Erda, von den Riesen überzeugt der Fafner von Ain Anger mit seiner bassistischen Stabilität mehr als der zur Unruhe tendierende Christof Fischesser als Fasolt.

Was aber Benjamin Bruns als Loge und Johannes Martin Kränzle als Alberich in ihren gemeinsamen Szenen an feinster Komödie aufführen, ist sensationell. Beide, der Tenor wie der Bariton, verbinden nicht nur herrlichstes Wagner-Belcanto mit vollendeter Textintelligenz, sondern verbreiten eine solche Lust am Prahlen, Intrigieren, gegenseitigen Beleidigen, dass das Festspielpublikum selbst in reduzierter Besetzung beim Schlussapplaus fast ausflippt.“

Hösl (c)

Ja, BB und JMK waren die Gesangsstars des Abends – klassik-begeistert.de sieht BB in puncto Präsenz, Präzision, Gefühl und Variationsbreite noch vor JMK.

https://de.wikipedia.org/wiki/Benjamin_Bruns

Erda war in der Tat „klangsatt“, sie sang vor allem im tiefen Register Erda-erdengleich. Gänsehautgefühl, wunderbar.

Von den beiden Riesen überragte Ain Aigner (Fafner) seinen Co-Großen Christof Fischesser (Fasolt) um Längen. Aigner war so etwas von einem Riesen – Chapeau! CF nur ein braver Riesenassistent.

Die Rheintöchter ließen den Fluss fluten (Eliza Boom, Samantha Hankey und Nadine Weissmann), Fricka war ein stimmlicher Lichtblick mit tollen Farben, Mirjam Mesak (Freia), Mime (Wolfgang Ablinger-Sperrhacke) und Donner zeigten sich von ihrer besten Seite; nur Matthew Newlin (Froh) schien an diesem Abend seiner Aufgabe nicht ganz gewachsen.

Hösl (c)

Die Inszenierung spaltet das Publikum, manche sagen hui, manche pfui. Mir gefällt sie, sie ist einfach, reduziert, hat Tiefe und oft tolles Licht. Wie die Statisten der Bayerisches Staatsoper zum Schluss die Wellen des Rheines mit ihren Körpern andeuten, ist schon anmutig-berührend. Eindeutig verboten hingegen gehören die Starklicht-Bestrahlungen des Publikums mit Körperlampen einiger Statisten. Sie nerven und schmerzen, hier mal ein „Buh!“. Die Personenführung ist hochprofessionell und lebendig, sie belebt und macht Freude.

Mit dieser Aufführung im Nationaltheater manifestiert die BSO während ihrer Münchner Opernfestspiele ihre Stellung in den Spitzenpositionen der weltweiten Festspielliga.

Andreas Schmidt, 4. Juli 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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Musikalische Leitung

Kent Nagano (04.02.2012, 08.02.2012, 12.02.2012, 03.07.2012, 10.07.2012, 05.01.2013, 23.01.2013, 13.07.2013) , Kirill Petrenko (20.02.2015, 27.02.2015, 11.03.2015, 22.03.2015, 11.01.2018, 13.01.2018, 20.07.2018) , Erik Nielsen (30.06.2021) , Patrick Lange (03.07.2021)

Inszenierung

Andreas Kriegenburg

Bühne

Harald B. Thor

Kostüme

Andrea Schraad

Licht

Stefan Bolliger

Choreographie

Zenta Haerter

Dramaturgie

Miron Hakenbeck

Dramaturgie

Marion Tiedtke

Wotan

Johan Reuter (04.02.2012, 08.02.2012, 12.02.2012, 03.07.2012, 10.07.2012, 13.07.2013) , Egils Silins (05.01.2013, 23.01.2013) , Thomas J. Mayer(20.02.2015, 27.02.2015, 11.03.2015, 22.03.2015) , Wolfgang Koch(11.01.2018, 13.01.2018, 20.07.2018) , John Lundgren (30.06.2021, 03.07.2021)

Donner

Levente Molnár (04.02.2012, 08.02.2012, 12.02.2012, 03.07.2012, 10.07.2012, 05.01.2013, 23.01.2013, 13.07.2013, 20.02.2015, 27.02.2015, 11.03.2015, 22.03.2015) , Markus Eiche (11.01.2018, 13.01.2018, 20.07.2018), Milan Siljanov (30.06.2021, 03.07.2021)

Froh

Thomas Blondelle (04.02.2012, 08.02.2012, 12.02.2012, 03.07.2012, 10.07.2012) , Sergey Skorokhodov (05.01.2013, 23.01.2013, 13.07.2013) , Dean Power (20.02.2015, 27.02.2015, 11.03.2015, 22.03.2015, 11.01.2018, 13.01.2018, 20.07.2018) , Matthew Newlin (30.06.2021, 03.07.2021)

Loge

Stefan Margita (04.02.2012, 08.02.2012, 12.02.2012, 03.07.2012, 10.07.2012, 05.01.2013, 23.01.2013, 13.07.2013) , Burkhard Ulrich(20.02.2015, 27.02.2015, 11.03.2015) , Norbert Ernst (22.03.2015, 11.01.2018, 13.01.2018, 20.07.2018) , Benjamin Bruns (30.06.2021, 03.07.2021)

Alberich

Johannes Martin Kränzle (04.02.2012, 23.01.2013, 30.06.2021, 03.07.2021) , Wolfgang Koch (08.02.2012, 12.02.2012, 03.07.2012, 10.07.2012) , Tomasz Konieczny (05.01.2013, 13.07.2013, 20.02.2015, 27.02.2015, 11.03.2015, 22.03.2015) , John Lundgren (11.01.2018, 13.01.2018, 20.07.2018)

Mime

Ulrich Reß (04.02.2012, 08.02.2012, 12.02.2012, 03.07.2012, 10.07.2012, 05.01.2013, 23.01.2013, 13.07.2013) , Andreas Conrad (20.02.2015, 27.02.2015, 11.03.2015, 22.03.2015) , Wolfgang Ablinger-Sperrhacke(11.01.2018, 13.01.2018, 20.07.2018, 30.06.2021, 03.07.2021)

Fasolt

Thorsten Grümbel (04.02.2012, 08.02.2012, 12.02.2012, 03.07.2012, 10.07.2012, 05.01.2013, 23.01.2013, 13.07.2013) , Günther Groissböck(20.02.2015, 27.02.2015, 11.03.2015, 22.03.2015) , Alexander Tsymbalyuk(11.01.2018, 13.01.2018, 20.07.2018) , Christof Fischesser (30.06.2021, 03.07.2021)

Fafner

Phillip Ens (04.02.2012, 08.02.2012, 12.02.2012, 03.07.2012, 10.07.2012) , Steven Humes (05.01.2013, 23.01.2013, 13.07.2013) , Christof Fischesser(20.02.2015, 27.02.2015, 11.03.2015, 22.03.2015) , Ain Anger (11.01.2018, 13.01.2018, 20.07.2018, 30.06.2021, 03.07.2021)

Fricka

Sophie Koch (04.02.2012, 08.02.2012, 12.02.2012, 03.07.2012, 10.07.2012, 13.07.2013) , Elisabeth Kulman (05.01.2013, 23.01.2013, 20.02.2015, 27.02.2015, 11.03.2015, 22.03.2015) , Ekaterina Gubanova (11.01.2018, 13.01.2018, 20.07.2018) , Daniela Sindram (30.06.2021, 03.07.2021)

Freia

Aga Mikolaj (04.02.2012, 08.02.2012, 12.02.2012, 03.07.2012, 10.07.2012, 05.01.2013, 23.01.2013, 13.07.2013, 27.02.2015) , Golda Schultz(20.02.2015, 11.03.2015, 22.03.2015, 11.01.2018, 13.01.2018, 20.07.2018) , Mirjam Mesak (30.06.2021, 03.07.2021)

Erda

Catherine Wyn-Rogers (04.02.2012, 08.02.2012, 12.02.2012, 03.07.2012, 10.07.2012, 23.01.2013, 13.07.2013) , Qiu Lin Zhang (05.01.2013) , Okka von der Damerau (20.02.2015, 27.02.2015, 11.03.2015, 22.03.2015, 11.01.2018, 13.01.2018, 20.07.2018) , Judit Kutasi (30.06.2021, 03.07.2021)

Woglinde

Eri Nakamura (04.02.2012, 08.02.2012, 12.02.2012, 03.07.2012, 10.07.2012, 05.01.2013, 23.01.2013) , Hanna-Elisabeth Müller (13.07.2013, 20.02.2015, 27.02.2015, 11.03.2015, 22.03.2015, 20.07.2018) , Christina Landshamer(11.01.2018, 13.01.2018) , Eliza Boom (30.06.2021, 03.07.2021)

Wellgunde

Angela Brower (04.02.2012, 08.02.2012, 12.02.2012, 03.07.2012, 10.07.2012, 05.01.2013, 23.01.2013, 13.07.2013) , Jennifer Johnston(20.02.2015, 27.02.2015, 11.03.2015, 22.03.2015) , Rachael Wilson(11.01.2018, 13.01.2018, 20.07.2018) , Samantha Hankey (30.06.2021, 03.07.2021)

Floßhilde

Okka von der Damerau (04.02.2012, 08.02.2012, 12.02.2012, 03.07.2012, 10.07.2012, 05.01.2013, 23.01.2013, 13.07.2013) , Nadine Weissmann(20.02.2015, 27.02.2015, 11.03.2015, 22.03.2015, 30.06.2021, 03.07.2021) , Jennifer Johnston (11.01.2018, 13.01.2018, 20.07.2018)

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