Der Hamburger Ballettgarten blüht und gedeiht

51. Hamburger Ballett-Tage, Ballettschule Hamburg Ballett  Hamburgische Staatsoper, 22. Juni 2026

John Neumeier inmitten des Ensembles der Ballettschule (Foto: RW)

Immer wieder beeindruckte, mit welcher Disziplin und Leistungsbereitschaft diese jungen Menschen ihr Bestes gaben, und unter den Größeren zeigten sich bereits zahlreiche Talente, die wir irgendwann einmal wieder auf der Bühne sehen werden.

Erste Schritte: Im Tanz mit Prokofjew, Protos Choros, aus Spring and Fall, Ruska, Yondering

Ballettschule Hamburg Ballett

51. Hamburger Ballett-Tage, 22. Juni 2026
Musik vom Band

von Dr. Ralf Wegner

Nicht die gut 30 allerkleinsten Tänzerinnen und Tänzer der Vorschulklassen füllten zunächst die Bühne der Hamburgischen Staatsoper, sondern 112 Schülerinnen und Schüler der sechs Ausbildungs- der nachfolgenden zwei Theaterklassen.

Für sie hatten sich die Lehrkräfte Carolina Borrajo, Kevin Haigen, Gigi Hyatt, Elizabeth Loskavio, Janusz Mason, Christian Schön und Anna Urban eine Uraufführung zur Musik von Sergej Prokofjew ausgedacht. Allein das war schon von der Koordination auf der Bühne eine Meisterleistung. Immer wieder beeindruckte, mit welcher Disziplin und Leistungsbereitschaft diese jungen Menschen ihr Bestes gaben, und unter den Größeren zeigten sich bereits zahlreiche Talente, die wir irgendwann einmal wieder auf der Bühne sehen werden, wenn auch nicht alle in der Hamburgischen Staatsoper, sondern auch in den anderen Balletthäusern auf der Welt.

Erst danach folgten die kleinen, die jungen Tänzerinnen und Tänzer der Vorschulklassen. Auch sie begeisterten mit ihrem Engagement und Durchhaltewillen. Konstantin Tselikov hatte für sie zu Sirtaki – Zorbas Dance (Mikis Theodoraks, Elliniki Hori) choreographiert. Sie tanzten es ganz bezaubernd und wurden vom Publikum, darunter sicher viele Eltern und Verwandte, mit Jubel überschüttet.

Aus einem 1991 in Hamburg uraufgeführten Werk John Neumeiers  (Spring and Fall, Musik von Antonin Dvorak) zeigten eine Tänzerin (die Französin Romane Cornu) und drei Tänzer (der Italiener Paolo Leanza, der aus dem mexikanischen Karibikstaat Quinta Roo stammende Quetzalcoatl Flores Cardeña und der Japaner Taichi Toshida) ihr fabelhaftes Können.

Nach Ruska: Schülerinnen und Schüler der Theaterklassen VII und VIII (Foto: RW)

Bis zu diesem Zeitpunkt war alles vom klassischen Tanz mit Sprüngen, Pirouetten und perfekten Tours en l’air und bei den ganz kleinen von Folkloreelementen gekennzeichnet. Das änderte sich mit dem folgenden Stück Ruska, getanzt von den Tänzerinnen und Tänzer der beiden Theaterklassen. Es handelte sich um ein 2022 uraufgeführtes Werk von Kristian Lever nach Cellosuiten von Johann Sebastian Bach.

Nach der Beschreibung im Aufführungszettel sollte sich die Gruppe wie ein einziger lebendiger Organismus von sich bewegenden und sich immer wieder neu erfindenden Individuen zeigen. Genauso wie diese Beschreibung klingt, sah es auf der Bühne auch aus. Der Organismus wirkte sehr bodenverhaftet. Männer und Frauen trugen ähnliche, optisch durchaus beeindruckende, farblich variierende Kleidung des Designers Angelo Alberto. Sie bewegten sich mehr oder weniger synchron zu den Celloklängen, ohne den Bodenkontakt zu verlieren.

Anläufe mündeten nicht in weiten Sprüngen, sondern im Spagatrutschen oder im sich Hinwerfen. Gemeinsames Überkopfwedeln der Hände waren noch die eindrucksvollsten Aktionen dieses weniger dem Ballett als dem sog. Contemporary Dance zuzuordnenden Werkes. Das Publikum reagierte aber wieder ganz begeistert und jubelte den Protagonisten unisono zu.

Nach der Pause ging es mit John Neumeiers beeindruckender Choreographie Yondering aus dem Jahre 1996 weiter. Nach Neumeier handelt es sich um eine emotional berührende, uramerikanische, auf sieben Liedtexten von Stephen C. Foster beruhende Musik. Es war einfach nur schön anzusehen, wie sich die jungen Leute diesen einfachen Melodien hingaben und kleine oder größere Geschichten wahr werden ließen. Im Auge und im Ohr blieb vor allem das reizend und gleichzeitig liebevoll von der Italienerin Rachele Borgis und dem Japaner Yuhi Fukuma getanzte Molly Do You Love Me?

Der Lehrkörper der Ballettschule des Hamburg Ballett: Konstantin Tselikov, Kevin Haigen, Gigi Hyatt, Elizabeth Loscavio, Victoria Zaripova und Stacey Denham (Foto: RW)

Großer und langanhaltender Jubel galt am Ende allen Beteiligten, den Lehrkräften der Ballettschule und vor allem John Neumeier, der ebenfalls auf die Bühne kam und von den jungen Tänzerinnen und Tänzern voller Bewunderung akklamiert wurde.

Dr. Ralf Wegner, 23. Juni 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Nijinsky, Ballett von John Neumeier Hamburg Ballett, Hamburgische Staatsoper, 16. Mai 2026

Interview: klassik-begeistert im Gespräch mit Charlotte Larzelere, Solistin Hamburg Ballett, 15. April 2026

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