Frankophiles Forum Opéra goutiert 3 klassik-begeistert-Autoren und deren Tosca-Beiträge

klassik-begeistert-TOSCA aus Berlin im forumopera.com  klassik-begeistert.de, 3. November 2026

Benjamin Bernheim als Cavaradossi nach einer TOSCA-Aufführung in der Staatsoper Unter den Linden, Berlin. Foto: forumopera.com

Das bedeutendste frankophile Opernmagazin, Forum Opéra, hat in einem Beitrag über den französischen Tenor Benjamin Bernheim in der Puccini-Oper TOSCA an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin zwei Autoren und eine Autorin von klassik-begeistert ausgiebig gewürdigt und rezipiert. Es sind dies Ralf Krüger, Jean-Nico Schambourg und Kirsten  Liese. Sie hatten verschiedene Aufführungen der Jahrtausend-Oper besucht. Als Herausgeber danke ich meinen AutorInnen für ihre hervorragende Berichterstattung. AS

klassik-begeistert bringt eine Übersetzung des französischen Beitrags auf forumopera.com (Le magazine du monde lyrique).

Forum Opéra (forumopera.com) ist ein unabhängiges französischsprachiges Online-Magazin für Oper und klassischen Gesang. Es gilt als Pionier der frankophonen Opernportale. Gegründet wurde es 1999 von Camille de Rijck, zunächst als Forum, und 2001 wurde daraus ein Webzine mit unabhängiger Redaktion. Seither bringt es Themendossiers, Kritiken zu Aufführungen und Tonträgern, Podcasts und Videointerviews.  Erscheinungsland ist Belgien.

Bernheim, erster Cavaradossi in Berlin: Die Kritik ist begeistert, fast jedenfalls

31. Oktober 2026

Nicolai Gedda hatte den Cavaradossi nie gesungen. Das jedenfalls glaubte Benjamin Bernheim, der dem schwedischen Tenor tiefe Bewunderung entgegenbringt, wie er kürzlich gegenüber OPER! anvertraute. Die Archive der Wiener Staatsoper erzählen allerdings eine andere Geschichte: Gedda hat die Partie am 10. Februar 1965 an der Seite von Magda Olivero sehr wohl gesungen. Einundsechzig Jahre später, am 25. Oktober, wagte sich nun Bernheim an den Maler aus „Tosca“, an der Staatsoper Unter den Linden. Die ersten Kritiken überschlagen sich vor Lob. Fast jedenfalls.

Für Ralf Krüger (Klassik begeistert) stiehlt Bernheim seinen Partnern schlicht die Schau. Der Kritiker bewundert die Art, wie er die Stimme in die Höhe führt und Wellen der Emotion aufwühlt, und sieht in seinem Auftritt den stimmlichen Höhepunkt eines Abends, von dem er tief bewegt nach Hause ging.

Im selben Medium teilt Jean-Nico Schambourg diese Begeisterung. Schon bei „Recondita armonia“ applaudierte der Saal. Legato, Präzision der Höhen, Atemkontrolle, Intelligenz der Phrasierung: Er zählt Bernheim zu den besten Cavaradossi unserer Zeit. Mehr noch als die stimmlichen Mittel würdigt er die Verkörperung eines leidenschaftlichen Mannes, der Tosca mit demselben Überschwang liebt, mit dem er Scarpia hasst.

Eric Alexander Hoffmann (Online Merker) zeigt sich differenzierter. Er lobt zwar die Schönheit des Timbres, die Eleganz und die scheinbar mühelos angesetzten Höhen, bemerkt aber einen mitunter ungleichen Übergang zwischen Mittellage und oberem Register, wobei sich die hohen Töne von der Linie zu lösen schienen. Eine Frage der Kontinuität, nicht der Kraft, die sich mit wachsender Vertrautheit mit der Partie klären dürfte.

Am zwiespältigsten urteilt Kirsten Liese (Klassik begeistert). Sie bewundert uneingeschränkt ein „E lucevan le stelle“, in dem Bernheim die Angst und Verzweiflung des Helden greifbar macht. Die Duette mit Tosca lassen sie hingegen kalt: Es fehle ihnen die Weichheit und Wärme der großen italienischen Tenöre von einst, von Giuseppe Di Stefano bis Carlo Bergonzi. Sie findet das Timbre zu hell, die Darstellung zu blass und zieht ihm die dunkle Färbung und das Engagement von Jonas Kaufmann vor. Wo Schambourg einen fiebrig Liebenden hört, sieht sie eine Figur, deren Gefühle kaum über die Rampe kommen. Hier herrscht vollkommener Dissens.

Mehr Einigkeit besteht bei Aleksandra Kurzak. Für Hoffmann ist die polnische Sopranistin die große Triumphatorin des Abends: Ihre lange gereifte Tosca gipfelt in einem erschütternden „Vissi d’arte“. Liese geht so weit, sie in dieser Rolle mehreren berühmten Kolleginnen vorzuziehen, darunter Sondra Radvanovsky. Schambourg schätzt den Reichtum ihrer Farben und die Anmut ihrer lyrischen Momente, vermerkt jedoch einige Grenzen in den dramatischsten Passagen.

Davide Luciano, der ebenfalls sein Rollendebüt als Scarpia gab, überzeugt mit einem dunklen, großzügigen Bariton. Hoffmann bedauert, dass diese stimmliche Noblesse bisweilen die Düsternis der Figur mildere; Liese hingegen lobt seine Autorität und die Intensität seiner Auseinandersetzung mit Kurzak.

An der Spitze der Staatskapelle Berlin findet Alexander Soddy einhellige Zustimmung. Sein glühender, kraftvoller Puccini, stets aufmerksam gegenüber den Sängern, gehört zu den großen Trümpfen der Aufführung. Hoffmann hebt insbesondere seine Kunst hervor, von orchestralen Entladungen zu feinsten Nuancen überzugehen.

Die Inszenierung von Alvis Hermanis, 2014 uraufgeführt, spaltet die Gemüter stärker. Krüger und Schambourg loben ihre Klarheit, ihr erzählerisches Gespür und den Verzicht auf aufgesetzte Neudeutungen; Hoffmann findet sie trotz der Raffinesse von Bühnenbild und Projektionen zu konventionell, beinahe museal.

Ein weithin gefeiertes Rollendebüt also, auch wenn nicht alle in Bernheim schon den idealen Cavaradossi sehen. Nach einer letzten Berliner Vorstellung am 31. Oktober überquert der Tenor den Atlantik zu seinem Debüt in der Carnegie Hall, wo er mit dem Orchestra of St. Luke’s unter Louis Langrée Berlioz’ „Les nuits d’été“ singt. Nach den Pinseln des Cavaradossi heißt es am 5. November also wieder: zurück zu den Versen Gautiers.

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Bernheim, premier Cavaradossi à Berlin : la critique conquise, ou presque

31 octobre 2026

Nicolai Gedda n’avait jamais chanté Cavaradossi. C’est du moins ce que croyait Benjamin Bernheim, qui voue au ténor suédois une profonde admiration, comme il le confiait récemment à OPER!. Les archives de l’Opéra de Vienne racontent pourtant une autre histoire : Gedda a bien tenu le rôle le 10 février 1965, aux côtés de Magda Olivero. Soixante et un ans plus tard, le 25 octobre, Bernheim abordait à son tour le peintre de Tosca, à la Staatsoper Unter den Linden. Les premières critiques ne tarissent pas d’éloges. Ou presque.

Pour Ralf Krüger (Klassik begeistert), Bernheim vole tout simplement la vedette à ses partenaires. Le critique admire sa façon de conduire la voix vers l’aigu et de soulever des vagues d’émotion, et voit dans sa prestation le sommet vocal d’une soirée dont il est ressorti transporté.

Dans le même média, Jean-Nico Schambourg partage cet enthousiasme. Dès « Recondita armonia », la salle applaudit. Legato, précision des aigus, maîtrise du souffle, intelligence du phrasé : il range Bernheim parmi les meilleurs Cavaradossi du moment. Plus encore que les moyens, il salue l’incarnation d’un homme passionné, qui aime Tosca avec la même démesure qu’il hait Scarpia.

Eric Alexander Hoffmann (Online Merker) se montre plus nuancé. S’il loue la beauté du timbre, son élégance et des aigus émis avec une apparente facilité, il relève une jonction parfois inégale entre le médium et le haut de la tessiture, les notes supérieures semblant se détacher de la ligne. Une question de continuité plutôt que de puissance, que la fréquentation du rôle devrait permettre de régler.

Kirsten Liese (Klassik begeistert) est la plus partagée. Elle admire sans réserve un « E lucevan le stelle » où Bernheim rend palpables l’angoisse et le désespoir du héros. Mais les duos avec Tosca la laissent de marbre : il leur manquerait le moelleux et la chaleur des grands ténors italiens d’autrefois, de Giuseppe Di Stefano à Carlo Bergonzi. Elle juge le timbre trop clair, l’incarnation trop effacée, et lui préfère la couleur sombre et l’engagement de Jonas Kaufmann. Là où Schambourg entend un amoureux fiévreux, elle voit un personnage dont les émotions peinent à franchir la rampe. Le désaccord est entier.

Aleksandra Kurzak fait davantage consensus. Pour Hoffmann, la soprano polonaise est la grande triomphatrice de la soirée : sa Tosca, longuement mûrie, culmine dans un « Vissi d’arte » bouleversant. Liese va jusqu’à la préférer, dans ce rôle, à plusieurs illustres consœurs, dont Sondra Radvanovsky. Schambourg apprécie la richesse de ses couleurs et la grâce de ses moments lyriques, tout en notant quelques limites dans les passages les plus dramatiques.

Davide Luciano, qui faisait lui aussi ses débuts en Scarpia, séduit par un baryton sombre et généreux. Hoffmann regrette que cette noblesse vocale atténue parfois la noirceur du personnage ; Liese, au contraire, loue son autorité et l’intensité de son affrontement avec Kurzak.

À la tête de la Staatskapelle Berlin, Alexander Soddy fait l’unanimité. Son Puccini ardent et vigoureux, toujours attentif aux chanteurs, compte parmi les grands atouts du spectacle. Hoffmann salue en particulier son art de passer des déchaînements orchestraux aux nuances les plus ténues.

La mise en scène d’Alvis Hermanis, créée en 2014, divise davantage. Krüger et Schambourg louent sa lisibilité, son sens du récit et son refus des relectures artificielles ; Hoffmann la trouve trop conventionnelle, presque muséale, malgré le raffinement des décors et des projections.

Une prise de rôle largement saluée, donc, même si tous ne voient pas encore en Bernheim le Cavaradossi idéal. Après une dernière représentation berlinoise le 31 octobre, le ténor traversera l’Atlantique pour ses débuts au Carnegie Hall, dans Les Nuits d’été de Berlioz avec l’Orchestra of St. Luke’s et Louis Langrée. Après les pinceaux de Cavaradossi, retour aux vers de Gautier le 5 novembre.

klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at, 3. November 2026

Giacomo Puccini, Tosca, Benjamin Bernheim Berlin, Staatsoper Unter den Linden, 25. Oktober 2026

Giacomo Puccini, Tosca, Benjamin Bernheim Staatsoper Unter den Linden, Berlin, 27. Oktober 2026

Giacomo Puccini, Tosca, Bernheim und Kurzak Staatsoper Unter den Linden, 28. Oktober 2026

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