Grausam – schockierend – erschütternd – dramatisch – überwältigend…

François-Xavier Roth © Marco Borggreve

Bernd Alois Zimmermann: Die Soldaten

Gürzenich-Orchester Köln
Dirigent: François-Xavier Roth
Herrenchor und Extrachor der Oper Köln
Inszenierung: Calixto Bieito

Elbphilharmonie, 21. Januar 2024

von Iris Röckrath

Das waren die ersten Worte, die nach dem Verhallen des allerletzten Fortissimo-Decrescendo in meinen Kopf hämmerten. Die Wucht des Krieges, das Abstumpfen und die Gewalt der Soldaten, das Leid der Frauen – an diesem Abend wurde all das erschreckend deutlich nicht nur durch die drastische Musik, sondern auch durch die phantastische intensive halbszenische Umsetzung des Stoffes durch den spanischen Star-Regisseur Calixto Bieito.

„Bernd Alois Zimmermann: Die Soldaten, Gürzenich-Orchester Köln, François-Xavier Roth
Elbphilharmonie, 21. Januar 2024“
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"Das verfluchte Geisterschiff" – Es war eine ganz tolle Bearbeitung von Wagners „Der fliegende Holländer“ für Kinder

Alle Bilder aus dem Programmheft. Grafische Gestaltung und Illustration: Irene Neubert  Fotos: Michael Pöhn

DAS VERFLUCHTE GEISTERSCHIFF
Richard Wagner, Gerald Resch

Musikalische Leitung  MARKUS HENN, ERIC MELEAR
Inszenierung  NINA BLUM
Bühne  MARCUS GANSER
Kostüme  AGNES HAMVAS
Choregrafie  KATHLEEN BAUER
BÜHNENORCHESTER DER WIENER STAATSOPER

WANDEROPER durch das Gebäude der WIENER STAATSOPER
Text MARGIT MEZGOLICH/RICHARD WAGNER
Konzept NINA BLUM

Wiener Staatsoper, 22. Januar 2024

von Lothar Schweitzer

Als ich mit meinem Enkel Aeneas nach der Vorstellung ins Freie trat, fragte ich ihn nach seinen Eindrücken im Vergleich zu unserem gemeinsamen Besuch des Salzburger Marionettentheaters mit „Hänsel und Gretel“ und er antwortete mir von selbst, dass das heute ja keine Oper war. Es war eine ganz tolle Bearbeitung von Wagners „Der fliegende Holländer“ für Kinder.

Mein Enkel war an diesem Vormittag mit zehn Jahren und als ein Schüler der vierten Volksschulklasse sichtlich der Älteste des jungen Publikums. Das Dargebotene sollte wohl mit seinem großen Anteil an gesprochenem Text und viel Pantomime auch keine Werbung für die Kunstrichtung Oper sein, eher für das Musical, welches mit seinem spezifischen Verhältnis zwischen gesprochenem Wort und Gesang in unsrer Zeit größere Publikumsschichten anspricht.

„Das verfluchte Geisterschiff, Richard Wagner, Gerald Resch
Wiener Staatsoper, 22. Januar 2024“
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DIE MITTWOCH-PRESSE – 24. JÄNNER 2024

Foto: © Semperoper Dresden/Ludwig Olah

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DIE MITTWOCH-PRESSE – 24. JÄNNER 2024

Dresden
„Tristan“ in Dresden – (k)ein Vollrausch
Wenn Thielemann auf dem Programmzettel steht, tritt regelmäßig ein, was vorher bereits zu erwarten ist: absolute Perfektion – Klangmagie vom Allerfeinsten. Doch gleich dem Lächeln des nach dem Tageskampf verstorbenen „Helden ohne Gleichen“ ist Thielemanns Tristan in Dresden über weite Strecken ein milder und ein leiser, und dabei jedoch ein nicht minder klangmagischer. Um das fulminante Rollendebüt von Klaus Florian Vogt als Tristan und die herrliche Lokalmatadorin Camilla Nylund erreicht eine perfekte Sängerbesetzung das absolute Maximum an Qualität. Mit einer wunderbaren Inszenierung gelingt Gesamtkunstwerk vom Allerfeinsten. Und dennoch: Die abgründig-perversen Seiten des Tristan bleiben an diesem Abend unbefriedigt.
Von Willi Patzelt
Klassik-begeistert.de

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Eine musikalische Weltreise über den Atlantik und wieder zurück – Herz, was willst du mehr?

Laeiszhalle Hamburg © Thies Rätzke

Eine musikalische Weltreise in zwei Stunden, ohne Flugausfall, Sicherheitscheck, Warteschlangen und verschwundenen Koffern, nur einer kurzen Passkontrolle, wie im Privatjet – zum Nulltarif quasi – was will man an einem Sonntagabend mehr?

Symphoniker Hamburg

Bas Wiegers  Dirigent
Thomas Beijer  Klavier

Darius Milhaud (18921974) Saudades do Brasil op. 67 (Orchesterfassung, Auswahl)
Manuel de Falla (18761946) Noches en los jardines
de EspañSymphonische Impressionen für Klavier und Orchester

Charles Ives (1874–1954) Three Places in New England
George Gershwin (18981937) An American in Paris

Laeiszhalle, Hamburg, 21. Januar 2024

von Harald Nicolas Stazol

Es ist nicht so häufig – nein, recht eigentlich ist es in meiner langjährigen Karriere als Kritiker noch NIE vorgekommen, dass die soeben gehörte Lichtgestalt von Pianist, Thomas Beijer, nach seiner wundervollsten-starken Interpretation der „Noches en los jardines de España“ von Manuel de Falla nach der Pause neben einem sitzt.

Nur einen Platz weit bin ich getrennt von seiner Frau, deren Hand er während des weiteren Ablaufes hält, glücklich beide – aber vielleicht hätte ich den Braten schon riechen können, brach die Dame aus Amsterdam, die mir vorher noch ein Programmheft schenkte, „ich habe zwei“, nach der Darbietung ihres Mannes in „Juhuiijuhuii“ aus, wie sie die Laeiszhalle wohl eher seltener zu hören bekommt – und nun halten sie eben Händchen, sehr innig –, er gemahnt mit schwarzem Vollbart und vollem, schwarzen Haar, das ein wenig an den jungen Zaren Nikolaus II. erinnert. „Symphoniker Hamburg, Bas Wiegers Dirigent, Thomas Beijer Klavier
Laeiszhalle, Hamburg, 21. Januar 2024“
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Dieser „Barbiere di Siviglia“ ist ein Ohren- und Augenschmaus!

Wenn man von einer so häufig gespielten Oper wie Rossinis Dauerbrenner wirklich erneut begeistert werden soll, muss schon eine besondere Aufführung dahinterstecken. Der Wiener Staatsoper ist das mit der Inszenierung von Herbert Fritsch geglückt, die 2021 aufgezeichnet wurde.

Gioachino Rossini
Il Barbiere di Siviglia

Chor und Orchester der Wiener Staatsoper
Michele Mariotti   Dirigent

Herbert Fritsch   Regisseur

Unitel c-major 765404

von Peter Sommeregger

Der Regisseur verzichtet auf Bühnenbild und Requisite, nur ein paar farbige, transparente Kunststoffbahnen definieren den Bühnenraum, ist von einem Briefchen die Rede, so wird dessen Existenz nur simuliert, spielt Figaro die Mandoline, so ist diese gar nicht real vorhanden. Zum Ausgleich dafür tragen alle Beteiligten aber prächtige, historisch und stilistisch passende Kostüme, die Victoria Behr entworfen hat. „Blu-ray-Rezension: Gioachino Rossini, Il Barbiere di Siviglia
klassik-begeistert.de, 24. Januar 2024“
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Sommereggers Klassikwelt 220: Es lohnt sich mit dem Tenor Julius Patzak zu beschäftigen

Foto: Patzak in der Garderobe des Salzburger Festspielhauses (1947) de.wikipedia.org

von Peter Sommeregger

Der am 9. April 1898 in Wien geborene Julius Patzak begann frühzeitig eine musikalische Ausbildung, strebte ursprünglich eine Laufbahn als Dirigent und Kirchenmusiker an. Ab dem Jahr 1926 bildete er sich aber autodidaktisch zum Sänger aus. Erste Engagements führten ihn ins böhmische Reichenberg (Liberec) und nach Brünn. Bereits 1928 wurde er an das Nationaltheater in München engagiert.

„Sommereggers Klassikwelt 220: Erinnerungen an den Tenor Julius Patzak
klassik-begeistert.de, 24. Januar 2024“
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DIE DIENSTAG-PRESSE – 23. JÄNNER 2024

Foto: © Semperoper Dresden/Ludwig Olah

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DIE DIENSTAG-PRESSE – 23. JÄNNER 2024

Dresden
Dresden: Klaus Florian Vogt vollendet seinen Wagner-Zyklus und triumphiert auch als Tristan
Es ist vollbracht. Klaus Florian Vogt schließt die letzte Lücke seines Wagner-Fachs, von Lohengrin bis Parsifal hat er jetzt alle großen Rollen durch. Auch den Tristan singt er sanft wie Stolzing-Lieder, Vogt bleibt eben Vogt. Völlig mühelos schwebt er durch die endlosen Kraftakte von Wagners wohl forderndster Tenorpartie, selbst den von vielen Spitzensängern gefürchteten dritten Aufzug bewältigt er ganz ohne Müh’. Er steht einfach da, der Körper des schwer verwundeten Tristans zittert durch die stark verschmutzte Kulisse, und singt. Nicht mehr, nicht weniger.
Von Johannes-Karl Fischer
Klassik-begeistert.de

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Schweitzers Klassikwelt 106: Ein Blumenstrauß hervorragender Kritiken

Es kommt zu einem Synergismus, der einer Sängerin, einem Sänger besonders schmeichelt und eine ganz besondere Wirkung zeigt. Sie oder Er ist mehr oder minder aus einem Kollektiv herausgehoben oder von einer durchwachsenen Vorstellung entbunden. Lange waren wir unsicher, ob dieses Experiment anonym erfolgen soll, weil es sich ja nur um eine Auswahl weniger Künstler und Künstlerinnen handeln kann. Oder sollten wir diese nur mit Portraits oder Szenenfotos bringen? Es sind zum Teil Sänger und Sängerinnen, die nicht international im Rampenlicht stehen. Unsere Leser und Leserinnen kennen schon unsre Neigung für das Unauffälligere.


von Lothar und Sylvia Schweitzer

Wir zitieren aus unsren Aufzeichnungen und beginnen unsere acht Sträuße mit einem langjährigen Ensemblemitglied unsrer Wiener Staatsoper, mit der Altistin Zoryana Kushpler.

Zoryana Kushpler © Irina Baranska-Voronina

„Beispielgebend ist da als ‚zweite Geige‘ Zoryana Kushpler, die als Suzuki im wahrsten Sinn des Wortes in ihrer dienenden Rolle aufgeht und sie gleichzeitig mit Leben und Wohlklang ausfüllt.“ „Bei Zoryana Kushpler war die Vorfreude auf ihre Mutter Lucia schon groß und wir wurden von ihrer Härte und Strenge gepackt.“

„Antons leidende Mutter (Pünktchen und Anton, Iván Eröd) wird von Zoryana Kushpler rührend gestaltet. Sie legt die Rolle in Bescheidenheit an, ohne aufzutrumpfen.“

„Schweitzers Klassikwelt 106: Ein Blumenstrauß hervorragender Kritiken
klassik-begeistert.de, 23. Januar 2024“
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Was zeichnet die außergewöhnlichen Ballette von John Neumeier aus?

Dona Nobis Pacem (Foto: Kiran West)

5 Jahrzehnte Hamburg Ballett John Neumeier, Teil X

Wie wohl bei keiner anderen Balletttruppe auf der Welt sind Neumeiers Tänzerinnen und Tänzer in der Lage, ihre Gefühle in Tanz zu wandeln, in das Innere einer Person zu schlüpfen und deren Haut so lange zu dehnen und zu strecken, bis sie mit dieser Figur eins geworden sind.

von Dr. Ralf Wegner

Viele Neumeier-Ballette faszinieren von Anfang an. Es gibt aber auch solche, die erst mit der Zeit einen inneren Sog zum Wiedersehen entwickelten. Mit jedem neuen Sehen ziehen Neumeiers Choreographien tiefer in die Geschichte und in die zwischenmenschlichen Beziehungen hinein, wie die recht komplexe Artus Sage, Neumeiers Interpretation von Anton Tschechows Drama Die Möwe oder zuletzt das intime Kammerballett Ghost Light. „Serie: 5 Jahrzehnte Hamburg Ballett John Neumeier, Teil X
Staatsoper Hamburg, 23. Januar 2024“
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„Die Wunde, die uns weinen macht“ – Puccinis „La Bohème“ am Volkstheater Rostock

Photos: Premiere 2022 © Dorit Gätjen (Volkstheater Rostock)

Giacomo Puccini
La Bohème, Opera lirica in vier Bildern

Natalija Cantrak, Sopran
Gustavo Mordente Eda, Tenor
Grzegorz Sobczak, Bariton
Karola Sophia SchmidSopran

Eduardo Browne Salinas, Dirigent
Norddeutsche Philharmonie Rostock

Cusch Jung, Inszenierung

Volkstheater Rostock, 21. Januar 2024

von Dr. Andreas Ströbl

In eine Künstlergruppe der 1970er Jahre entführt Cusch Jungs Inszenierung von Puccinis „La Bohème“ am Volkstheater Rostock. Die Versetzung in diese gerade in den europäischen und US-amerikanischen Großstädten oft wilde Aufbruchszeit ist ausgesprochen stimmig. Es hat immer wieder solche Jahre oder Jahrzehnte gegeben, in denen Künstler, Literaten und Komponisten von den Zeitläuften besonders inspiriert wurden, sich neue Freiheiten erkämpft oder politische Umbruchssituationen Möglichkeiten eröffnet haben, die zuvor in weiter Ferne lagen. „Giacomo Puccini, La Bohème
Volkstheater Rostock, 21. Januar 2024“
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