Schammis Klassikwelt 23: Die Kompositionen der Kastraten – Teil 2

Bild: Anton Domenico Gabbiani: Drei Musiker am Medici Hof in Florenz –  Galleria dell’Accademia, Florenz

Ist es von Vorteil, wenn man zugleich Komponist und Sänger ist? Kann in diesem Fall der Komponist die Partitur sänger-freundlicher gestalten? Und umgekehrt, versteht ein Sänger es dann besser die Ideen des Komponisten umzusetzen? Den meisten ist diese doppelte Begabung nicht gegeben. So sind auch die in diesem Beitrag aufgeführten Künstler meistens hauptsächlich wegen einer Gabe im Gedächtnis der Musikwelt geblieben, obwohl sie sich am Komponieren und am Singen versucht haben.

Dieser Beitrag hat keinen wissenschaftlichen Anspruch, sondern zählt einige Fakten und Anekdoten aus dem Leben einiger Sänger-Komponisten auf. Bei meiner Auflistung beschränke ich mich auf diejenigen, die eine gewisse Berühmtheit als (Opern)Sänger errungen haben. Trotzdem werde ich wahrscheinlich einige Künstler übersehen haben.

von Jean-Nico Schambourg

Der zweite Teil meines Beitrags konzentriert sich auf die Kastraten und deren Kompositionen. Die Glanzzeit dieser Stimmgattung erstreckte sich von Anfang des 17. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Viele von ihnen waren nicht nur als Sänger tätig, sondern auch als Gesangslehrer und Komponist.

„Schammis Klassikwelt 23: Sänger – Komponisten der Musikgeschichte Teil 2
klassik-begeistert.de, 21. Januar 2024“
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Chen Reiss und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen präsentieren Schumann und Mahler in Perfektion

TARMO PELTOKOSKI, 2021 © www.peterrigaud.com

Das Werk endet in tiefenentspannter Ruhe, fast wie ein faszinierender Traum. Und wieder ergriffenes Schweigen im Saal, dann bricht frenetischer Beifall los.

1. Premieren-Abonnementskonzert

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
„Irdische Liebe & himmlisches Leben“

Programm:

Robert Schumann: „Frauenliebe und Leben“ für Sopran und Orchester (bearbeitet für Orchester von Conrad Artmüller)

Gustav Mahler: Sinfonie Nr.4 G-Dur
(Orchesterreduktion von Yoal Gamzou)

Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

Chen Reiss  Sopran
Tarmo Peltokoski  Dirigent

Großer Saal der Bremer Glocke, 19. Januar 2024

von Gerd Klingeberg

Es ist einigermaßen heikel, beim Kunstlied die eigentlich vorgesehene Klavierbegleitung einem Orchester zu übertragen. Funktionieren kann dies nur mit einer gehörig volumenstarken Stimme. Oder aber mit einem deutlich zurückgenommen spielenden Orchester.

Die erste Variante kam beim Konzert der Deutschen Kammerphilharmonie in der Bremer Glocke kaum in Betracht; die israelische Sopranistin Chen Reiss ist keine Walküre. Nicht, dass sie sich nicht durchsetzen könnte. Aber bei Robert Schumanns „Frauenliebe und Leben“ geht es nicht darum, die Saalmauern vibrieren zu lassen. Nicht ein Maximum an Lautstärke, sondern ausgeprägtes Einfühlungsvermögen ist hier angesagt. Und das hat Reiss.

Mit feiner lyrischer Note, veredelt mit einem niemals übertriebenen Vibrato und ungemein expressiv gestaltet sie dieses 8-teilige Monodrama fast so, als würde sie sinnierende Selbstgespräche führen. Es ist die ganz auf authentische Textvermittlung abzielende, von lediglich angedeuteter Gestik unterstrichene Schlichtheit des Gesanges, die überzeugt. Und nicht eine vermeintlich publikumswirksame, auf Selbstdarstellung abzielende Exaltation.

Chen Reiss © Paul Marc Mitchell

Der noch sehr junge, von der Deutschen Kammerphilharmonie als längst „Principal Guest Conductor“ titulierte und mittlerweile weltweit hofierte Dirigent Tarmo Peltokoski bleibt ebenfalls in seiner Vorgabe zurückhaltend; groß gestikulierendes Maestro-Gehabe hat er nicht nötig.

„Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Chen Reiss, Sopran
Großer Saal der Bremer Glocke, 19. Januar 2024“
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Neues Traumduo gefunden: „Don Giovanni“ an der Wiener Staatsoper

Christian van Horn (Don Giovanni), Peter Kellner (Leporello). Alle Fotos: © Wiener Staatsoper / Stephan Brueckler

„Every song is a burner“, schwärmt ein junger Gast in den Gängen der Wiener Staatsoper. Seine weibliche Begleitung nickt nur zögernd, während sie in der Pause durch das Foyer schweifen. Bei „ ci darem la mano “, dem Verführungshit von Don Giovanni, könnten die Kantilenen zwar etwas geschmeidiger gemeißelt sein, ansonsten hinterlässt Christian Van Horn einen massiven Eindruck. An der Wiener Staatsoper debütiert der gefühlt zwei Meter große Hüne in der Titelpartie von Da Pontes und Mozarts dramaturgischem Meisterwerk. „Don Giovanni, Wolfgang Amadeus Mozart
Wiener Staatsoper, 17. Januar 2024“
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Andrea Kauten spielt Brahms Klavierkonzerte – diese Aufnahmen müssen keinen Vergleich mit anderen Einspielungen scheuen

CD-Tipp:

Brahms  The Piano Concertos

Andrea Kauten
Württembergische Philharmonie Reutlingen
Timo Handschuh

Solo Musica

von Peter Sommeregger

Die beiden Klavierkonzerte von Johannes Brahms für Tonträger einzuspielen, war für die Pianistin Andrea Kauten schon längere Zeit ein Wunschprojekt. Im Dezember 2022 und im Juni 2023 konnte sie dieses Vorhaben schließlich mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen und dem Dirigenten Timo Handschuh verwirklichen. „CD-Tipp: Brahms, The Piano Concertos
klassik-begeistert.de, 20. Januar 2024“
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Riccardo Muti und das Chicago Symphony reüssieren mit einem glanzvollen Abend in Frankfurt

© Todd Rosenberg Photography/Chicago Symphony Orchestra

Chicago Symphony Orchestra
Riccardo Muti, Dirigent

Anatoli Ljadow: „Der verzauberte See“. Märchenbild für Orchester op.62

Igor Strawinsky: „Der Feuervogel“. Ballett-Suite für Orchester (Fassung von 1919)

Johannes Brahms: Sinfonie Nr.2 op.73

Frankfurt, Alte Oper, 18. Januar 2024

von Kirsten Liese

Das Chicago Symphony befindet sich auf seiner letzten Tournee mit seinem scheidenden Chefdirigenten Riccardo Muti, die am 11. Januar in Brüssel ihren Anfang nahm. Aber so sehr wie sich Orchester und Dirigent nahestehen, kann und will man sich noch gar nicht vorstellen, wie es ohne den Maestro weitergehen soll. Drei Musiker jedenfalls, die ich am Tag darauf noch zu Interviews traf, sagten übereinstimmend, Muti sei unersetzbar. „Farewell Chicago Symphony Orchestra, Riccardo Muti, Dirigent
Frankfurt, Alte Oper, 18. Januar 2024“
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Er kam, sah und siegte - und 90 Dezibel in der Elbphilharmonie

© Joshua Bell

NDR ELBPHILHARMONIE ORCHESTER /
JOSHUA BELL / RYAN BANCROFT

ERNEST CHAUSSON (1855 – 1899)
Poème für Violine und Orchester op. 25
Entstehung: 1896 | Uraufführung: Nancy, 27. Dezember 1896

HENRI VIEUXTEMPS (1820 – 1881)
Konzert für Violine und Orchester Nr. 5 a-Moll op. 37

ALEXANDER VON ZEMLINSKY (1871 – 1942)
Die Seejungfrau

Elbphilharmonie, 18. Janaur 2024 

von Harald Nicolas Stazol

Was ein Glück, in der Lebenszeit des Joshua Bell sein Dasein zu fristen, im besten Fall zu frönen, und dessen höchst-begeistertes Lob ich nun schon seit Jahren singe – singend wie seine Stradivari, die gestern Abend so eminent strahlte mit ihm, eigentlich ab der ersten Note des Chausson, dass nach dem Vieuxtemps – absolutes Novum – die ersten Bravo-Rufe, unisono, fortissimo einsetzen, auf den Punkt, als wären sie selbst dirigiert, und diesen so überragenden Virtuosen dreimal zurückbitten, und er noch eine Zugabe hinhaucht in Begleitung der zerbrechlichen Harfenistin Anaëlle Tourret, eine Chopin Bearbeitung – aber nun die Zügel angespannt, denn mit dem „Poème für Violine und Orchester“, beginnt es ja, das alles Überstrahlende, dem sich im ausverkauften Haus wirklich NIEMAND entziehen kann…

„NDR ELBPHILHARMONIE ORCHESTER / JOSHUA BELL / RYAN BANCROFT
Elbphilharmonie, 18. Januar 2024 “
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Riccardo Mutis sparsame Gesten bewirken Großes

© Todd Rosenberg Photography/Chicago Symphony Orchestra

Auf seiner „Farewell Tour“ mit dem Chicago Symphony Orchestra quer durch Europa dirigiert der Maestro gleich zwei Programme in Frankfurt am Main. Der erste Abend dort zeitigt ein reizvolles Programm und gerät phänomenal.

Anatoli Ljadow (1855-1914) – Der verzauberte See. Märchenbild für Orchester, op. 62

Igor Strawinsky (1882-1971) – Der Feuervogel. Suite für Orchester

Johannes Brahms (1833-1897) – Sinfonie Nr. 2 D-Dur, op. 73

Chicago Symphony Orchestra
Riccardo Muti, Dirigent

Frankfurt, Alte Oper, 18. Januar 2024

von Brian Cooper, Bonn

Die laufende Saison ist nur so gespickt mit Tourneen der großen amerikanischen Orchester. Für die persönliche Konzertplanung bedeutet das: zweimal Boston, dreimal Philadelphia, zweimal Chicago, einmal Washington und einmal Dallas. Nicht schlecht für eine Saison. Und auch die Band aus Cleveland war im Oktober 2023 in Europa, aber die hatte ich diesmal nicht auf dem Schirm.

„CHICAGO SYMPHONY ORCHESTRA Amerika zu Gast
Frankfurt, Alte Oper, 18. Januar 2024“
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DIE FREITAG-PRESSE – 19. JANUAR 2024

Marc Niemann, Foto: Yvonne Boesel

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE FREITAG-PRESSE – 19. JANUAR 2024

Bremerhaven
Großes Klangkino sorgt mit reichlich Schwung und romantischen Schwelgereien für Beifallsstürme in Bremerhaven
„Orient“ – 4. Sinfoniekonzert. Bremerhaven hat einiges zu bieten, beispielsweise das Deutsche Auswandererhaus, das Klimahaus, ein großes Kreuzfahrt-Terminal. Eher wenig beachtet wird indes die Kultur der Seestadt. Dabei hat etwa das gut aufgestellte Philharmonische Orchester, das in den letzten Jahren unter seinem derzeitigen Chefdirigenten Marc Niemann eine überaus erfreuliche Entwicklung durchlaufen hat, immer wieder interessante, durchaus nicht dem üblichen Mainstream angepasste Konzertprogramme im Angebot.  Und dass das Ensemble statt einer Elphi oder der Bremer Glocke lediglich den akustisch aufgehübschten großen Saal des Stadttheaters zur Verfügung hat, wird durch engagierten Einsatz der Musizierenden gut kompensiert.
Von Gerd Klingeberg
Klassik-begeistert.de

„DIE FREITAG-PRESSE – 19. JANUAR 2024“ weiterlesen

John Neumeiers choreographische Inspiration lässt auch im 9. Lebensjahrzehnt nicht nach, unverändert gelingen ihm großartige Meisterwerke

Beethoven-Projekt II: Madoka Sugai und Alexandr Trusch (Foto: Kiran West)

5 Jahrzehnte Hamburg Ballett John Neumeier, Teil IX

Die im zweiten Teil des Beethoven-Projekt II genannten Stücks aufgeführte 7. Sinfonie des Bonner Komponisten ist so tanzüberbordend, dass einem schwindelig werden könnte. Ein Jahr später wagte sich Neumeier choreographisch an das wohl heiligste Werk der Musik­geschichte, an Johann Sebastian Bachs h-Moll Messe.


von Dr. Ralf Wegner

2021 widmete sich Neumeier einem weiteren Beethoven-Ballett, genannt Beethoven-Projekt II. Man kann sich Beethoven schlecht getanzt vorstellen, auch nicht die 9. Sinfonie, die Neumeier ursprünglich für eine Choreographie im Sinn hatte. Aber die im zweiten Teil von Beethoven-Projekt II aufgeführte 7. Sinfonie des Bonner Komponisten ist so tanzüberbordend, dass einem schwindelig werden könnte, das ist absolut sehenswert. Ein Jahr später wagte sich Neumeier choreographisch an das wohl heiligste Werk der Musikge­schichte, an Johann Sebastian Bachs h-Moll Messe. Er nannte es Dona Nobis Pacem. „Serie: 5 Jahrzehnte Hamburg Ballett John Neumeier, Teil IX
Staatsoper Hamburg, 19. Januar 2024“
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John Neumeiers Ballett "Die Kameliendame" wird auch in der 251. Vorstellung seit der Premiere im Jahre 1981 vom Publikum unverändert bejubelt

Madoka Sugai und Alessandro Frola als Marguerite und Armand (Foto RW)

Gestern tanzten Madoko Sugai und Alessandro Frola die Partien von Marguerite und Armand. Der Jubel am Ende der Vorstellung und die zahlreich geworfenen Blumensträuße bestätigten ihren großen Erfolg beim Publikum. Aber irgendetwas fehlte, und es war nicht die technische Beherrschung der Rollen, die war hervorragend.

Die Kameliendame
Ballett von John Neumeier nach dem Roman von Alexandre Dumas

Staatsoper Hamburg, Hamburg Ballett, 17. Januar 2024

von Dr. Ralf Wegner

Für die aktuelle Serie des Balletts Die Kameliendame wählte John Neumeier vier Tänzerinnen und vier Tänzer als Marguerite und Armand aus, und zwar Alina Cojocaru mit Alexandr Trusch, Anna Laudere mit Edvin Revazov, Madoka Sugai mit Alessandro Frola und Ida Praetorius mir Jacopo Bellussi.

„Die Kameliendame, Ballett von John Neumeier
Staatsoper Hamburg, Hamburg Ballett, 17. Januar 2024“
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