Diese Aufführung wurde bereits im Jahr 1994 im Theater von Glyndebourne mitgeschnitten, was die etwas verschwommene Bildqualität erklärt.
Über den späten Zeitpunkt der Wiederveröffentlichung kann man nur spekulieren, er mag aber dem Andenken des 1921 an einer Covid-Infektion verstorbenen Regisseurs Graham Vick geschuldet sein. Vick, der seinen Stil in seinen letzten Jahren in Richtung zeitgenössischer Theaterästhetik veränderte, hatte davor zu Recht viel beachtete Inszenierungen weltweit geschaffen. „DVD-Rezension: Tchaikovsky Eugen Onegin klassik-begeistert.de, 20. Juli 2023“ weiterlesen
Vor genau einem Jahrhundert wurde die römische Arena erstmals mit einer Oper bespielt, seither wird das gewaltige Bauwerk jeden Sommer das Opera Festival mit den populärsten „Blockbusters“ von Verdi, Puccini oder Bizet (Carmen) mit spektakulären Inszenierungen bespielt – mit elfjähriger Unterbrechung während der Weltkriege und der jüngsten Pandemie. Die erste Inszenierung im Jahr 1913 war Verdis „Aida“, ganz im Stil der damals üblichen Massenaufmärsche mit exotisch kostümierten Statisten und aufwendigen Kulissen – und mit besonderer Spannung wurden vom Publikum die Elefanten im legendären Triumphmarsch erwartet. „Aida“ blieb noch vor „Carmen“ und „Nabucco“ mit nicht weniger als 736 Aufführungen die meistgespielte Oper in der Arena.
Arena di Verona Opera Festival, 16. Juli 2023
Giuseppe Verdi, Aida
Libretto: Antonio Ghislanzoni
Dirigent: Marco Armiliato Inszenierung: Stefano Poda
Aida: Anna Netrebko Radamès: Yusif Eyvazov Pharao: Simon Lim Amneris: Olesya Petrova Ramfis: Rafał Siwek Amonasro: Alberto Gazale
Orchester, Chor und Ballett der Fondazione Arena di Verona Chormeister: Roberto Gabbiani
In italienischer Sprache
von Dr. Charles E. Ritterband (Text und Fotos)
Während der Wiederaufnahme nach Covid wurde aus Sicherheitsgründen erstmals auf Kulissen verzichtet und stattdessen spielte sich das ägyptische Königsdrama ausschließlich vor hervorragenden Projektionen mit modernster Technik ab. Doch zum 100. Jubiläum der Festspiele und somit auch der „Aida“ in der Arena wurde eine Neuinszenierung (Stefano Poda) präsentiert, die alles bisherige buchstäblich in den Schatten stellte:
Effektvoll – vielleicht allzu effekthascherisch – wurden alle Register gezogen, welche die aktuelle Bühnentechnologie bietet: Ausgiebig kamen Laser-Strahlen in allen Farben zum Einsatz, die Hinterbühne wurde dominiert von einer riesigen mechanischen Hand, die sich eher unmotiviert bewegte und in ihrer High-Tech-Perfektion sehr an den geradezu epochalen Rigoletto-Kopf (mit identischer mechanischer Hand – von Verona übernommen?) der letzten Produktion der Seebühne Bregenz erinnerte.
Was diese knallig bunte, zweifellos beeindruckende aber letztlich ziemlich sinnlose Techno-Show mit Verdis guter alter Aida zu tun haben sollte, blieb allerdings offen. Dieser (offenbar eher nostalgisch eingestellte) Rezensent hätte jedenfalls die altbewährten ägyptischen Tempelsäulen vorgezogen, wie sie ja noch letztes Jahr in der großartigen Zeffirelli-Inszenierung zu bewundern waren. „Giuseppe Verdi, Aida Arena di Verona Opera Festival, 16. Juli 2023“ weiterlesen
Sol Gabetta & London Philharmonic Orchestra – Konzert im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals
Thomas Adès, „Three-piece Suite” aus der Oper „Powder Her Face”
Edward Elgar, Cellokonzert e-Moll op. 85 und Symphonie Nr. 1 As-Dur op. 55
Sol Gabetta, Cello Edward Gardner, Dirigent
London Philharmonic Orchestra
von Dr. Andreas Ströbl
Es gibt sie sicher reichlich, die Vergleiche und Wortspiele, zu denen Sol Gabettas Name inspiriert, aber das Konzert mit dieser Cello-Sonnenkönigin am 18. Juli in Lübeck war tatsächlich ein erneuter strahlender Höhepunkt in der Geschichte des Schleswig-Holstein Musik Festivals.
Strand oder Konzert? In Pärnu muss man sich nicht entscheiden: Tagsüber lockt das Meer, und nach Sonnenuntergang strömt das bunt gemischte Publikum jeden Alters in den Konzertsaal. Dort erleben sie Zee Zee und Musiker des Estonian Festival Orchestras mit einem spätromantischen Programm.
Pärnu, Estland, Pärnu Kontserdimaja, 17. Juli 2023
Sergei Rachmaninow Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll, op. 19 Zee Zee (Klavier) Marcel Johannes Kits (Cello)
Amy Beach Klavierquintett fis-Moll, op. 67 Zee Zee (Klavier) Sha Katsouris (Violine) Artur Podlesniy (Violine) Andres Kaljuste (Bratsche) Benjamin Nyffenegger (Cello)
von Petra und Dr. Guido Grass
Noch ist es hell hier im Norden Europas. Anders als an den vorigen Tagen sind nur wenige Menschen vor der Kontserdimaja, und im Foyer ist kein Gedränge. Ein Kammerkonzert um 22 Uhr steht auf dem Programm, was uns das geringe Interesse zu erklären scheint.
Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE DONNERSTAG-PRESSE – 20. Juli 2023
Bayreuth Katharina Wagner warnte vor teureren Festspiel-Tickets
Die Chefin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner, hat nach eigenen Angaben davor gewarnt, Tickets für das Opernspektakel auf dem Grünen Hügel teurer zu machen. Die Preissteigerungen in diesem Jahr seien «mit der Vorgabe, die inflationsbedingten Kostensteigerungen an die Kunden weiterzugeben» begründet, sagte sie dem Nordbayerischen Kurier (Dienstag). «Hiervor habe ich mehrfach gewarnt.» Radio Eins
Kritik – Verdis „Ernani“ bei den Bregenzer Festspielen Endspiel der Wagner-Söldner
Zum Auftakt der Festspiele am Bodensee stand mit „Ernani“ ein selten gespieltes Werk des jungen Verdi auf dem Programm. Regisseurin Lotte de Beer zeigte die irrwitzige Handlung sehr konsequent als absurdes Theater, was rundum überzeugte – wie auch die hervorragende Sängerriege. BR-Klassik.de
Salzburger Festspiele: Kartenvorverkauf boomt
Am Wochenende starten die Salzburger Festspiele 2023, der Kartenvorverkauf der boomt aber schon seit Wochen. Zwar werden rund zehn Prozent der Festspielkarten oft in letzter Minute gekauft, doch die bisherigen Zahlen stimmen den Kaufmännischen Direktor schon jetzt zufrieden. Von den mehr als 200.000 Karten sei heuer ein Großteil bereits verkauft, sagt der Kaufmännische Direktor der Salzburger Festspiele, Lukas Crepaz. „Der ‚Jedermann‘ sowie die großen Opern wie ‚Figaros Hochzeit‘, ‚Macbeth‘ und ‚Orfeo‘ sind bereits restlos ausverkauft.“ https://salzburg.orf.at/stories/3216481/
Die Entwicklung und Karriere vielversprechender NachwuchskünstlerInnen übt eine unvergleichliche Faszination aus. Es lohnt sich dabei zu sein, wenn herausragende Talente die Leiter Stufe um Stufe hochsteigen, sich weiterentwickeln und ihr Publikum immer wieder von neuem mit Sternstunden überraschen. Wir stellen Ihnen bei Klassik-begeistert jeden zweiten Donnerstag diese Rising Stars vor: junge SängerInnen, DirigentInnen und MusikerInnen mit sehr großen Begabungen, außergewöhnlichem Potenzial und ganz viel Herzblut sowie Charisma.
von Dr. Lorenz Kerscher
Wenn ein junger Mensch in einem musikliebenden oder sogar professionellen Umfeld aufwächst und großes Talent hat, wenn dieses von Anfang an gefördert wird und er sein Instrument von früher Kindheit an sehr fleißig übt, gelingt ihm wahrscheinlich auch ein erfolgreicher Einstieg in den Musikerberuf. Eher unerwartet kommt dies, wenn die Eltern sich überhaupt nicht mit Musik beschäftigen, sondern z. B. eine Farm betreiben, wenn die Kinder mit dem Laufen gleich auch das Reiten lernen, wenn die Kindheit vor allem ein naturverbundenes Abenteuer ist. Und doch gibt es solche Biografien und häufig sind gerade die faszinierendsten Künstlerpersönlichkeiten auf ungewöhnlichen Wegen ans Ziel gekommen. „Rising Stars 45: Ana de la Vega, Flöte – ein Naturkind von der Farm erobert die Konzertsäle“ weiterlesen
La Fura dels Baus inszeniert in Carl Orffs Carmina Burana ein gelungenes Spektakel
Kölner Philharmonie, 18. Juli 2023
Carl Orff (1895-1982) – Carmina Burana. Szenische Kantate in der Fassung für Schlagwerk und Klavier
Carlus Padrissa (La Fura dels Baus), Regie und Bühnenbild
César Belda, Dirigent
von Brian Cooper, Bonn
„CARMINA BURANA (verlegt vom 2. Juli 2020 + 8. Juli 2021 + 30. Juni 2022)“ las man, wenn man eine Karte für diese Veranstaltung des nunmehr 34. Kölner Sommerfestivals erwerben wollte. Endlich sind große Veranstaltungen wieder möglich! Acht Termine sind angesetzt, die Premiere ist ausverkauft, und auch die anderen Termine sind gut verkauft. Zuletzt war das nicht immer bei klassischen Konzerten der Fall. Klassisches Konzert? Nicht ganz. Es ist eher eine Show. Aber Carmina zieht noch immer. Die meisten Menschen dürften wegen Orffs Musik gekommen sein, möglicherweise nicht wegen La Fura dels Baus. Oder einfach wegen des „audiovisuellen Gesamtkunstwerks“, so der PR-Text, der sich am Wagnerschen Begriff orientiert und auch sonst nicht mit Superlativen geizt. Aber es ist in der Tat ein Gesamtkunstwerk aus Text, Musik, Bühnenbild, Kostümen, Licht, Choreographie und Videoprojektionen. „34. Kölner Sommerfestival, Carl Orff (1895-1982) – Carmina Burana Kölner Philharmonie, 18. Juli 2023“ weiterlesen
I Baltic Opera Festival in Gdańsk und Sopot von 14. bis 17. Juli 2023
Operette von Karol Szymanowski „Lotterie für Ehemänner oder Verlobte Nr. 69″
Richard Wagner „Der fliegende Holländer“
von Jolanta Łada-Zielke
Wagners Comeback nach Sopot ist zwar nicht voll Pomp und Prunk, aber im musikalischen Sinne erfolgreich gewesen. Das erste Baltic Opera Festival in Danzig und Sopot hat zwei sehr unterschiedliche musikalische Produktionen präsentiert: die Operette von Karol Szymanowski „Lotterie für Ehemänner oder Verlobte Nr. 69″ und „Der fliegende Holländer“ von Richard Wagner. Vielleicht ist es die Vielfalt und Zusammenstellung der Gegensätze, die dieses Event auszeichnen werden? Ich gebe zu, dass es in der Tat ein großer Schritt ist, die Werke Richard Wagners nach 83 Jahren wieder auf die Bühne der Zoppoter Waldoper zu bringen. Dies ist aber nur der erste Schritt. „I Baltic Opera Festival in Gdańsk und Sopot von 14. bis 17. Juli 2023 klassik-begeistert.de, 19. Juli 2023“ weiterlesen
Klassik und Pop. Beides einfach nur Musik, könnte man meinen. Doch da gibt es Unterschiede. Betrachtet man das Zuschauerinteresse, teilweise sogar enorme, Billy Joel im Hyde Park in London – 65.000 Tausend Zuschauer. Brooklyn Rider, ein Streichquartett, in der Londoner Wigmore Wall – überschaubare 300 Besucher, wenn es hochkommt. Der Grund ist vermutlich lapidar.
von Jürgen Pathy
„Oh, oh, oh, for the longest time“, grölt ein Pärchen, das sich in einer Fahrrad-Rikscha durch die Londoner Innenstadt karren lässt. Die Straße ist leergefegt von Autos. Fast schon wirkt es so, als habe man extra wegen des Billy-Joel-Konzerts die Zufahrten rund um den Londoner Hyde Park gesperrt. Dort hat der US-amerikanische Sänger, Pianist und Songschreiber kurz zuvor sein einziges Europakonzert gegeben. Sonst spielt er generell nur in den USA. Die Uhrzeit: Es ist ca. 11.30 p.m Greenwich mean time (GMT). Das heißt spät in der Nacht.
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DIE MITTWOCH-PRESSE – 19. Juli 2023
Bregenz/Festspiele Madame Butterfly zurück auf der Seebühne Seit 77 Jahren faszinieren die Bregenzer Festspiele ein breites Publikum mit großer Oper unter freiem Himmel. In diesem Jahr beginnt die Festivalsaison am 19. Juli. Knapp fünf Wochen lang wird mit rund 80 verschiedenen Veranstaltungen ein kontrastreiches Programm geboten, zu dem bis zu 215.000 Besucher und Besucherinnen erwartet werden. Heuer kehrt Puccinis „Madame Butterfly“ zurück zur Seebühne, im Festspielhaus entspinnt sich ein packendes Operndrama von Verdi, und auf der Werkstattbühne entfaltet sich Unerhörtes und Ungesehenes. Ein Ausblick BR-Klassik.de
Darf Currentzis in Salzburg auftreten?
Schon letztes Jahr gab es in Salzburg Demonstrationen, als Teodor Currentzis dort auftrat. 2023 wurde der griechisch-russische Dirigent wieder eingeladen: Vier Mal wird Currentzis bei den Salzburger Festspielen, die am Donnerstag starten, am Pult stehen. Und wieder gibt es eine heftige Kontroverse um seine Auftritte. Komponist Moritz Eggert wirft Teodor Currentzis vor, sich konsequent zu verweigern, den russischen Angriff auf die Ukraine zu verurteilen. BR-Klassik.de