Diese Salome zeigt kein Gesicht, dafür großes Format

KOB Salome Richard Strauss, Salome (Nicole Chevalier) © Jan Windszus

Richard Strauss

SA­LO­ME

Musikdrama in einem Aufzug [1905]
Libretto vom Komponisten
nach Oscar Wildes gleichnamiger Dichtung
in deutscher Übersetzung von Hedwig Lachmann

 

Salome   Nicole Chevalier
Jochanaan   Günter Papendell
Herodes   Matthias Wohlbrecht
Herodias   Karolina Gumos
Narraboth   Augustín Gómez

Inszenierung  Evgeny Titov
Choreografie   Martina Borroni
Kostüme   Esther Bialas
Bühnenbild   Rufus Didwiszus

Dirigent   James Gaffigan

Komische Oper Berlin,  22. November 2025, PREMIERE

von Peter Sommeregger

Die Komische Oper Berlin hatte im Jahr 2011 zuletzt eine Salome-Inszenierung herausgebracht, die von Kritik und Publikum gleichermaßen abgelehnt wurde, und bald vom Spielplan verschwand. Ganz anders verlief diesmal das Ende des Premierenabends: einhelliger Beifall für Regie und Ensemble, ein Erfolg auf der ganzen Linie! „Richard Strauss, Salome
Komische Oper Berlin, 22. November 2025, Premiere“
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Boris Godunow entfesselt Russlands ewigen Albtraum

Boris Godunow © Barbara Aumüller

Fazit: Keith Warner liefert eine werkdienliche, visuell opulente, konzeptuell kluge Inszenierung mit vielen starken und interessanten Ideen, die sich jedoch teilweise zu sehr in ihrer eigenen Bildwirkung gefällt und durch überstrapazierte Einfälle (Eier, Narr, Ente) an Schärfe einbüßt. Dazu kommt ein zu zahmes, farbloses Dirigat von Thomas Guggeis und ein Titelrollendarsteller ohne die nötige vokale Substanz und Ausstrahlung. Bleiben der herausragende Pimen von Andreas Bauer Kanabas, die grandiosen Chöre und die seltene Chance, die Schostakowitsch-Fassung komplett zu erleben. Eine Produktion mit Licht und Schatten – sehenswert für alle, die Mussorgski ernst nehmen, aber keine neue Referenzaufführung.

MODEST P. MUSSORGSKI (1839–1881)
BORIS GODUNOW                                                                                                               Oper in vier Akten mit Prolog

Text vom Komponisten nach Alexander S. Puschkin und Nikolai M. Karamsin
Uraufführung der zweiten Fassung 1874, Mariinski-Theater, St. Petersburg
Instrumentation von Dmitri D. Schostakowitsch (1939/40)

Inszenierung:  Keith Warner

Musikalische Leitung:  Thomas Guggeis
Chor und Kinderchor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Oper Frankfurt, 21. November 2025

von Dirk Schauß

In einer Ära, in der Imperien wanken und neue Despoten aus den Trümmern klettern – von den Kremlkorridoren bis zu den Boardrooms der Konzerne –, bleibt Modest Mussorgskis „Boris Godunow“ ein unerbittliches Spiegelbild unserer kollektiven Torheit und Hybris. „Modest P. Mussorgski, Boris Godunow
Oper Frankfurt, 21. November 2025“
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"Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne": Paavo Järvi dirigert Mahlers 1. Symphonie in Wien

Sol Gabetta und Paavo Järvi © Blende Drei

Manchmal muss man Hermann Hesses Satz aus dem Gedicht „Stufen“ heranziehen, um seine Eindrücke zu formulieren. Denn Paavo Järvi, der aktuelle Chefdirigent des Tonhalle-Orchesters Zürich, präsentierte mit den Symphonien Nr. 1 und 2 von Gustav Mahler den Beginn des neuen Mahler-Zyklus mit seinem hervorragenden Orchester.

Robert Schumann: Konzert für Violoncello und Orchester a-moll, op. 129

Gustav Mahler: Symphonie Nr. 1 D-Dur

Sol Gabetta, Violoncello

Paavo Järvi, musikalische Leitung
Tonhalle-Orchester Zürich

Musikverein Wien, 21. November 2025

von Herbert Hiess

Das Schweizer Orchester ist eines der führenden Klangkörper in Europa und nimmt auch weltweit einen gebührenden Platz ein. Und unter Paavo Järvi und zuvor unter David Zinman hat es berechtigterweise einen wohlverdienten Platz innerhalb der Orchesterlandschaft eingenommen. „Tonhalle-Orchester Zürich, Paavo Järvi
Musikverein Wien, 21. November 2025 “
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Wiener Staatsoper, mon amour 2: „Wohnst Du eigentlich schon in der Oper?“

Benjamin Bernheim als Rodolfo © Michael Pöhn, Wiener Staatsoper

Frauen und Männer gibt es viele. Wiener Staatsoper nur eine. Erbaut von Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg, thront sie seit 150 Jahren am Wiener Ring, der Prachtstraße der k.u.k. Monarchie.  Vor 70 Jahren hat man sie wieder eröffnet, am 5. November 1955.
Mit „Fidelio“ – eh klar, was würde besser passen als Beethovens „Freiheitsoper“ nach Jahren des Kriegs und der Zerstörung. Doch selbst US-Bomber konnten sie nicht dahinraffen. Am 18. März 1945, unabsichtlich soll es gewesen sein, der Bombenabwurf direkt über der Wiener Staatsoper. Bis auf die Grundmauern brannte sie nieder. Nur der Fronttrakt, die Feststiege, der Teesalon des Kaisers blieben erhalten. Klassik-begeistert-Autoren berichten über ihre Liebe zum Haus am Ring.

von Peter Sommeregger

Die Wiener Staatsoper feiert im November 2025 das 70-jährige Jubiläum ihrer Wiedereröffnung nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem Festakt am 5. November und einer Reihe weiterer Veranstaltungen.

Eine Ausstellung im Balkonumgang der Staatsoper beleuchtet bis Ende Januar 2026 Zerstörung und Wiederaufbau mit Fotografien und Exponaten.

Die Auseinandersetzung mit der Thematik wird in der laufenden Saison durch verschiedene Veranstaltungen fortgesetzt, unter anderem mit der Fidelio-Premiere im Dezember.

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In Wien im ersten Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg aufzuwachsen, bedeutete, da und dort noch Ruinen zerstörter Gebäude und auch Baulücken als gegeben wahrzunehmen. „Das war der Krieg“ sagten die Erwachsenen, für ein Kind war das ein sehr abstrakter Begriff. „70-jähriges Jubiläum Wiener Staatsoper II
Wiener Staatsoper, 23. November 2025“
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Wiener Staatsoper, mon amour 1: Zwischen Bomben und Berlioz – sie lebe hoch!

Wiederaufbau der Feststiege © Wiener Staatsoper GmbH

Frauen und Männer gibt es viele. Wiener Staatsoper nur eine. Erbaut von Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg, thront sie seit 150 Jahren am Wiener Ring, der Prachtstraße der k.u.k. Monarchie.  Vor 70 Jahren hat man sie wieder eröffnet, am 5. November 1955.
Mit „Fidelio“ – eh klar, was würde besser passen als Beethovens „Freiheitsoper“ nach Jahren des Kriegs und der Zerstörung. Doch selbst US-Bomber konnten sie nicht dahinraffen. Am 18. März 1945, unabsichtlich soll es gewesen sein, der Bombenabwurf direkt über der Wiener Staatsoper. Bis auf die Grundmauern brannte sie nieder. Nur der Fronttrakt, die Feststiege, der Teesalon des Kaisers blieben erhalten. Klassik-begeistert-Autoren berichten über ihre Liebe zum Haus am Ring.

von Jürgen Pathy

Regelmäßig würdige ich sie, diese stolze Braut aus Stein, Geschichte und Herz. Die Beziehung zu ihr ist eine besondere. Das beweisen nicht nur die regelmäßigen Streicheleinheiten. Früher führte mein Weg in die Arbeit direkt an ihr vorbei. Durch den Arkadengang, vor dem Herbert-von-Karajan-Platz. Die „Stadtseite“, wie Insider den Blick vom Haus in diese Himmelsrichtung bezeichnen. Über mir das Büro des Direktors, darunter die Laterne, schief – seit Direktor Bogdan Roščić die Räumlichkeiten bezogen hat. Vielleicht auch schon früher, aber die Fantasie spielt einem manchmal solche Streiche.

„70-jähriges Jubiläum Wiener Staatsoper I
Wiener Staatsoper, 22. November 2025“
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DIE SONNTAG-PRESSE – 23. NOVEMBER 2025

HSO Lohengrint © Valter Berecz

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE SONNTAG-PRESSE – 23. NOVEMBER 2025

Neuer Lohengrin: Junge Helden braucht die Opernwelt
Christopher Sokolowski, junger US-Tenor, Jahrgang 1991, begeisterte soeben als strahlender „Lohengrin“ an der Staatsoper in Budapest – und ist am Sprung zur großen Karriere im dramatischen Fach. „Ich glaube, Sie sind ein Heldentenor.“ Magische Worte in der noch jungen Karriere von Christopher Sokolowski. Ausgesprochen von einem Casting Direktor, als er hörte, wie sich der aus dem Hudson Valley bei New York stammende Tenor mit lyrischen Rollen abmühte. „Für mich war das alles, was ich hören musste. Ich habe mich immer zu Sängern wie Jonas Kaufmann, Giuseppe Giacomini und Mario Del Monaco hingezogen gefühlt. Bei ihnen habe ich genau verstanden, wie sie singen.“
krone.at

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Jenkins’ Mass for Peace rüttelt mich auf und entlässt mich mit Hoffnung

Die Ausführenden beim Schlussapplaus © Frank Heublein

Insgesamt erlebe ich ein wuchtiges fulminantes Konzert. Karl Jenkins hat keine Angst vor Musik mit großer Geste. Diese funktioniert an diesem Abend eindrucksvoll.

Karl Jenkins

The Armed Man: A Mass for Peace. Messe für Sopran, Muezzin, Chor und Orchester

Beth Taylor   Mezzosopran
Rahmudin Rajabi   Muezzin

Arcis-Vocalisten München
Münchner Rundfunkorchester

Anu Tali   Leitung

Herz-Jesu-Kirche München, 21. November 2025

von Frank Heublein

An diesem Abend wird in der Herz-Jesu-Kirche in München-Neuhausen mit The Armed Men, eine interkulturelle Friedensmesse des zeitgenössischen britischen Komponisten Karl Jenkins aus dem Jahre 2000 in der Reihe Paradisi Gloria des Bayerischen Rundfunks aufgeführt. Jenkins verarbeitet sehr unterschiedliche kulturelle und historische Quellen. Teile des christlichen Oratoriums, ein muslimischer Gebetsruf, ein französisches Volkslied aus dem hundertjährigen Krieg, Auszüge aus dem indischen Epos Mahabharata und einem Gedicht über Hiroshima sowie Verse einiger bedeutender englischer Dichter. „Karl Jenkins, The Armed Man: A Mass for Peace
 Herz-Jesu-Kirche München, 21. November 2025“
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Klein beleuchtet kurz 66: Bass-Bariton Oliver Zwarg verleiht Liedern aus dem 19. und 20. Jahrhundert neuen Glanz

Oliver Zwarg und Joseph Breinl in Syke; Foto Patrik Klein

Gemeinsam mit dem Pianisten und Professor für Liedgestaltung Joseph Breinl interpretiert er in dem beschaulichen Städtchen Syke nahe bei Bremen Loewe Balladen, Schubert Lieder und Ralph Vaughan Williams Zyklus „Songs of Travel“ unter dem Motto „Männer und Mythen“

Konzertsaal der Kreissparkasse in Syke, 21. November 2025

von Patrik Klein

Man kennt ihn als singenden Charakterschauspieler dramatischer Figuren aus der Welt der Oper, der an fast allen wichtigen europäischen Opernhäusern, wie den Festspielen von Salzburg, Edinburgh und den Wiener Festwochen gastierte.

Der Bass-Bariton Oliver Zwarg glänzte zuletzt als Kasper im Freischütz auf der Bregenzer Seebühne oder reüssierte als Titelheld in Alban Bergs Wozzeck am Staatstheater Darmstadt. Für diese Rolle wurde er sogar als Sänger des Jahres von der Zeitschrift „Opernwelt“ nominiert. Zudem bekleidet er seit drei Semestern eine Professur als Gesangslehrer an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz. „Klein beleuchtet kurz 66: Bass-Bariton Oliver Zwarg
Konzertsaal der Kreissparkasse in Syke, 21. November 2025“
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J.M. Kränzles „Winterreise“ ist ein Dokument künstlerischer und menschlicher Reife

 

Johannes Martin Kränzle hat sich damit einen Spitzenplatz in der kaum mehr zu überblickenden Winterreisen-Diskographie ersungen.

Ein Muss für die Liebhaber gepflegter Gesangskultur!

Franz Schubert
Winterreise

Johannes Martin Kränzle
Hilko Dumno

Hänssler HC 25011

von Peter Sommeregger

Mehrfach hatte der international gefeierte Bariton Johannes Martin Kränzle Schuberts berühmten Liederzyklus auf dem Konzertpodium und der Bühne bereits gesungen. Als der Sänger 2024 zum zweiten Mal mit einer lebensbedrohlichen Krankheit konfrontiert war, entschloss er sich zu der Plattenaufnahme, die sein Vermächtnis hätte werden können. Inzwischen ist Kränzle wieder auf dem Weg zur Genesung, die Einspielung stellt gottlob nicht den Endpunkt seiner großen Karriere dar. „Franz Schubert, Winterreise, Johannes Martin Kränzle
klassik-begeistert.de, 22. November 2025“
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DIE SAMSTAG-PRESSE – 22. NOVEMBER 2025

Olga Kulchynska als emphatische Blanche © Staatsoper/Michael Pöhn

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE SAMSTAG-PRESSE – 22. NOVEMBER 2025

Wien/Staatsoper
Strahlende Höhen, enge Bühne: „Dialogues des Carmélites“ in der Staatsoper (Bezahlartikel)
Poulencs „Dialogues des Carmélites“ konfrontierte mit einigen bemerkenswerten Rollendebüts, vor allem einem Hausdebüt, das nicht ohne Folgen bleiben sollte. In der Karajan-Ära war Poulencs einzige Oper erstmals im Haus am Ring zu erleben – auf Deutsch. Erstmals im französischen Original aufgeführt wurde sie bei der Premiere dieser Produktion im Mai 2023. Sie blickt historisch auf die Französische Revolution zurück, thematisiert die Wertediskussion der Zeit nach 1945, beleuchtet vor allem das Thema Angst aus mehrfacher Perspektive, wie man in einem fundierten Beitrag im diesmal besonders informativen Monatsmagazin der Staatsoper nachlesen kann. So gesehen ist „Dialogues des Carmélites“ ein Zeitstück, das nichts an Aktualität verloren hat, selbst wenn Inszenierungen seine verschiedenen Aspekte unterschiedlich gewichten. Das ist auch bei der gegenwärtigen von Magdalena Fuchsberger der Fall.
DiePresse.com

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