Wiener Staatsoper, mon amour 4: Meine erste Liebe und mein zweites Zuhause

Blick auf den Beleuchtungskranz des Großen Saals der Wiener Staatsoper © Christian Öser

Frauen und Männer gibt es viele. Wiener Staatsoper nur eine. Erbaut von Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg, thront sie seit 150 Jahren am Wiener Ring, der Prachtstraße der k.u.k. Monarchie.  Vor 70 Jahren hat man sie wieder eröffnet, am 5. November 1955.
Mit „Fidelio“ – eh klar, was würde besser passen als Beethovens „Freiheitsoper“ nach Jahren des Kriegs und der Zerstörung. Doch selbst US-Bomber konnten sie nicht dahinraffen. Am 18. März 1945, unabsichtlich soll es gewesen sein, der Bombenabwurf direkt über der Wiener Staatsoper. Bis auf die Grundmauern brannte sie nieder. Nur der Fronttrakt, die Feststiege, der Teesalon des Kaisers blieben erhalten. Klassik-begeistert-Autoren berichten über ihre Liebe zum Haus am Ring.

von Dr. Rudi Frühwirth

Mein erster Abend in der Staatsoper war im Jahr 1964, im zarten Alter von 12 Jahren. Auf der Bühne siechte Hilde Güden als Mimì dahin, an meinen Namensvetter Rodolfo habe ich keine Erinnerung – laut dem Archiv der Staatsoper war es Juan Oncina. Für die Inszenierung und das zauberhafte Bühnebild war Franco Zeffirelli verantwortlich, und ist es bis heute. „70-jähriges Jubiläum Wiener Staatsoper IV
Wiener Staatsoper, 25. November 2025“
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„Schubertiade“ schenkt ein faszinierendes Kammerkonzert im Haus Eden in Lübeck

v.l. Kirill Volkov, Danang Dirhamsyah, Foto: Axel Wuttke

Das Zusammenspiel und die Einheit in der Empfindung und im Ausdruck schufen hier ein faszinierendes Hörerlebnis. Es ist eine Freude, mitzuerleben, wenn junge Künstler so leidenschaftlich und unprätentiös musizieren.

Franz Schuber:  Klaviersonate in A-Dur, D 664

Franz Schubert:  Arpeggione-Sonate, D 821

Bratsche:  Kirill Volkov
Klavier:  Danang Dirhamsyah

 Haus Eden, Lübeck, 23. November 2025

von Axel Wuttke

Der aus Indonesien stammende Pianist und Klavierpädagoge Danang Dirhamsyah und der russisch-griechische Bratschist und Pädagoge Kirill Volkov widmeten sich in ihrem, „Schubertiade“ betitelten Konzert zwei besonders eindringlichen Werken von Franz Schubert. Es ist der Possehl-Stiftung Lübeck zu verdanken, die eine kleine Konzertreihe junger Musiker, im besonderen Ambiente des Musiksaals im Haus Eden in Lübeck, ermöglicht. „Franz Schubert/ Kirill Volkov und Danang Dirhamsyah
 Haus Eden, Lübeck, 23. November 2025“
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Lübecks GMD Stefan Vladar feiert mit beiden Brahms Klavierkonzerten seinen 60. Geburtstag

Stefan Vladar © Olaf Malzahn

Herzlichen Glückwunsch, Stefan Vladar! Lübecks GMD schenkt sich und dem Publikum zweimal Brahms zum Geburtstag

Johannes Brahms
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 d-Moll op. 15 und
Nr. 2 B-Dur op. 83


Roberto Paternostro
, Dirigent

Stefan Vladar, Klavier
Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck

Lübeck, Musik- und Kongresshalle, 3. Symphoniekonzert, 23. November 2025

von Dr. Andreas Ströbl

Zum Geburtstag gibt’s Geschenke, klar. Wenn man sich aber selbst etwas schenkt, das klingt, und wozu man ein nicht ganz kleines Instrument und ein größeres Orchester benötigt, dann haben auch die anderen etwas davon. So überreichte Lübecks GMD Stefan Vladar am 23. November 2025 einem begeisterten Publikum die beiden Klavierkonzerte von Johannes Brahms zu seinem 60. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!

„Johannes Brahms, Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 d-Moll und Nr. 2 B-Dur
MUK Lübeck, 23. November 2025“
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Eisiges Leuchten aus dem Norden: Helsinki Philharmonic begeistert in der Alten Oper

© Alte Oper Frankfurt/Tibor-Florestan Pluto

Das Helsinki Philharmonic unter Jukka-Pekka Saraste ist derzeit in einer Form, die kaum zu übertreffen ist. Sie spielen Sibelius nicht – sie sind Sibelius. Guido Sant’Anna ist ein besonderes Talent, das gerade erst beginnt, die Geigerwelt aufzumischen. Und wer gestern in der Alten Oper war, hat einen jener Abende erlebt, an die man sich noch länger erinnern wird. Ein Konzert, das unter die Haut ging – und dort hoffentlich lange nachglüht.

Outi Tarkiainen  „Songs of the Ice“

Jean Sibelius Violinkonzert d-Moll op. 47

Jean Sibelius Sinfonie Nr. 1 e-Moll op. 39


Guido Sant’Anna,
Violine

Helsinki Philharmonic Orchestra
Jukka-Pekka Saraste, musikalische Leitung

Alte Oper Frankfurt, 23. November 2025

von Dirk Schauß

Am 23. November 2025 lag Frankfurt unter einer dünnen, frischen Schneeschicht, die Luft biss, und die Alte Oper schien sich geradezu zu freuen, endlich wieder einmal richtig finnisch durchgefroren zu werden. Das Helsinki Philharmonic Orchestra, eines der besten Ensembles Skandinaviens, gastierte unter seinem Chefdirigenten Jukka-Pekka Saraste mit einem Programm, das kälter, klarer und ehrlicher nicht hätte sein können: pure nordische Seele, von der Gegenwart bis ins Herz der Romantik. „Helsinki Philharmonic Orchestra, Jukka-Pekka Saraste
Alte Oper Frankfurt, 23. November 2025“
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Aida oder Seerose, die neue Hamburger Oper wird in der Elbe liegen

Visualisierung der Neuen Oper in Hamburg © BIG & Yanis Amasri Sierra, Madrid

Ein Bericht von Dr. Ralf Wegner

Am 13. November 2025 wurden die Konzepte für die neue Hamburger Oper vorgestellt. Aus fünf Beiträgen wurde einstimmig der Entwurf des Kopenhagener Büros Bjarke Ingels Group gewählt. Die Visualisierung zeigt sich kreisförmig schräg nach oben windende begehbare, durchfensterte Ebenen, die bis auf eine Höhe von 36 m führen. Nach vorn zur Spitze der Baakenhöft genannten Elbhalbinsel setzt sich die Terrassierung fort. Das eigentlich eckige Baakenhöft wird nach diesem Entwurf vorn schiffsbugartig gerundet und imaginiert mit den rückwärtigen Aufbauten eine Art Passagierschiff, im Sinne eines eleganten „AIDA“-Kreuzfahrers. Von oben gesehen ähnelt der Bau auch einer sich entblätternden Seerose. „Konzepte für die neue Hamburger Oper
Hamburg, 23. November 2025“
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Warum wir uns mehr Zeit zum Verweilen in der Natur nehmen sollten

Jakub Hrůša © Dieter Nagl

Jakub Hrůša und die Bamberger Symphoniker erteilen in Köln eine Lehrstunde dafür, warum wir uns mehr Zeit zum Verweilen in der Natur nehmen sollten.

Bamberger Symphoniker
Jakub Hrůša, Dirigent

Ludwig van Beethoven – Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 – Pastoral-Sinfonie oder Erinnerung an das Landleben. Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei

Richard Strauss – Eine Alpensinfonie op. 64 TrV 233 – Tondichtung für großes Orchester

Kölner Philharmonie, 23. November 2025

von Daniel Janz

Eine Enttäuschung (Nomen) ist laut Duden eine Nichterfüllung von Hoffnungen oder Erwartungen, die jemanden unzufrieden stimmt. Erwartungen an eine Aufführung entstehen dabei stets im Abgleich mit dem eigenen Wissen, mit früheren Erlebnissen und auch mit dem Ruf der Interpreten. Spricht es also für das grundsätzlich hohe Niveau eines Orchesters und Dirigenten oder aber für vorneweg zu hohe Erwartungen, dass sich der Rezensent von der heutigen Aufführung enttäuscht zeigt, obwohl das Publikum sie am Ende mit Stehenden Ovationen feiert? „Bamberger Symphoniker, Jakub Hrůša, Dirigent
Kölner Philharmonie, 23. November 2025“
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Auf den Punkt 78: Hör mal, wer da hämmert…

Stefan Vladar © Jan Philip Welchering

Hör mal, wer da hämmert“ ist der deutsche Titel einer US-amerikanischen Sitcom („Home Improvement“) der 1990er-Jahre. Ich habe mir keine einzige  der insgesamt 204 Episoden angesehen. Fragen Sie mich also bitte nicht, woher ich diese Serie kenne. Keine Ahnung… Ich weiß indes, dass Stefan Vladar viel für das Theater Lübeck getan hat.

Johannes Brahms / Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 d-Moll op. 15
Johannes Brahms / Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 B-Dur op. 83

Stefan Vladar / Klavier
Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck
Roberto Paternostro / Dirigent

Musik- und Kongresshalle Lübeck, Konzertsaal, 23. November 2025

von Jörn Schmidt

Allein schon seine Verdienste um die deutsche Spätromantik. In der Hansestadt Lübeck hat der österreichische Dirigent und Pianist in seiner Amtszeit eine fulminante Salome und eine brillante Elektra verantwortet.

Überhaupt, die Oper Lübeck. Das Lübecker Theater zählt zu den bedeutenden, noch erhaltenen Jugendstil-Theatern Europas. Die Liste der prägenden Dirigenten ist ein Who’s Who der deutschen Kapellmeistertradition. Unter anderem wirkten dort:

Hermann Abendroth (1905–1911), Wilhelm Furtwängler (1911–1915), Eugen Jochum (1928/29), Christoph von Dohnányi (1957–1963), Gerd Albrecht (1963–1966) oder Bernhard Klee (1966–1973). „Auf den Punkt 78: Hör mal, wer da hämmert…
MUK Lübeck, 23. November 2025“
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Wiener Staatsoper, mon amour 3: Ich gedenke meiner Lieblingsstadt 

Die Meistersinger von Nürnberg © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Frauen und Männer gibt es viele. Wiener Staatsoper nur eine. Erbaut von Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg, thront sie seit 150 Jahren am Wiener Ring, der Prachtstraße der k.u.k. Monarchie.  Vor 70 Jahren hat man sie wieder eröffnet, am 5. November 1955.
Mit „Fidelio“ – eh klar, was würde besser passen als Beethovens „Freiheitsoper“ nach Jahren des Kriegs und der Zerstörung. Doch selbst US-Bomber konnten sie nicht dahinraffen. Am 18. März 1945, unabsichtlich soll es gewesen sein, der Bombenabwurf direkt über der Wiener Staatsoper. Bis auf die Grundmauern brannte sie nieder. Nur der Fronttrakt, die Feststiege, der Teesalon des Kaisers blieben erhalten. Klassik-begeistert-Autoren berichten über ihre Liebe zum Haus am Ring.

von Kirsten Liese

Wo sind die Zeiten dahin, als es noch gmütlich war in Wien“, so beginnt einer der besten Titel des Satirikers Georg Kreisler. Ein höchst brillanter humorvoller Text, im irrwitzigen Parlando von ihm vorgetragen auf die Melodie einer berühmten Klaviersonate von Mozart, durchdrungen von Hassliebe, nur noch ironischer und weniger aggressiv als Thomas Bernhard.

Wien bleibt Wien“, heißt es im Refrain, „das ist grad das Schöne dran. Wien bleibt Wien, dass man sich dran gewöhnen kann“ und dann:  „ …hier gibt’s nur Melodien und Harmonien, die in Berlin nicht mehr ziehen“.

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Das schrieb Kreisler 1969. Und heute? Hat die Tendenz noch Fahrt aufgenommen, vermeiden die Orchester an der Spree doch die vielfach herabgewürdigten „ausgetretenen Pfade“, so dass in oft kleinteiligen Programmen mehr Musik von Suk, Glinka, Hindemith, Bartók, Poulenc, Ligeti, Schönberg, Strawinsky oder Zeitgenossen zu hören ist als von Mozart, Haydn, Beethoven, Schubert, Brahms, Schumann, Bruckner oder Tschaikowski. Die geniale Sinfonik der Klassik und Romantik sieht sich an den Rand gedrängt was in Wien freilich nicht der Fall ist. „70-jähriges Jubiläum Wiener Staatsoper III
Wiener Staatsoper, 24. November 2025“
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Kathartisch, berührend, gut: Tristan und Isolde begeistern an der Deutschen Oper Berlin

TRISTAN UND ISOLDE, Premiere am 1. November 2025 in der Deutschen Oper Berlin © Bernd Uhlig

Ich wüsste, schrieb ich einem Freund nach dem Besuch des neuen Tristan an der Deutschen Oper Berlin, grad nichts, das wichtiger sein könnte als Musik. Vielleicht, weil das Heulen dann einmal nicht verzweifelt sei, sondern kathartisch. Dass mich Michael Thalheimers abstrakte neue Inszenierung so sehr bewegte, lag außer an der hohen musikalischen Qualität der Aufführung wahrscheinlich eben an der weitgehend leeren Bühne und der vorzüglichen Personenregie.

Richard Wagner
Tristan und Isolde

Handlung in drei Aufzügen (1865)
Deutsche Oper Berlin, 23. November 2025

Musikalische Leitung   Sir Donald Runnicles

Inszenierung   Michael Thalheimer
Bühne   Henrik Ahr
Kostüme   Michaela Barth
Chor   Jeremy Bines

Tristan   Clay Hilley
König Marke   Georg Zeppenfeld
Isolde   Elisabeth Teige
Kurwenal   Thomas Lehman
Brangäne   Irene Roberts
Melot   Dean Murphy

Herrenchor und Orchester der Deutschen Oper Berlin
Orchester der Deutschen Oper Berlin

Englischhorn   Chloé Payot
Holztrompete   Thomas Schleicher

von Sandra Grohmann

Instrumentalsoli berühren in der Oper häufig besonders – so auch die „Alte Hirtenweise“ zu Beginn des dritten Aufzugs von Tristan und Isolde. Sie konzentriert Gegensätze in sich: Sehnsucht und Hoffnung ebenso wie Resignation und Einsamkeit, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, Todesverlangen und das Warten auf die Geliebte – ja bald alle widersprüchlichen Regungen liebender Menschen. Wenn sich diese Melodie in die Seele der Zuhörer klagt wie an diesem Abend, öffnet das die Herzen weit.

„Richard Wagner, Tristan und Isolde
Deutsche Oper Berlin, 23. November 2025“
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DIE MONTAG-PRESSE – 24. NOVEMBER 2025

Wiederaufbau der Feststiege © Wiener Staatsoper GmbH

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE MONTAG-PRESSE – 24. NOVEMBER 2025

Wien/Staatsoper
Wiener Staatsoper, mon amour 1: Zwischen Bomben und Berlioz – sie lebe hoch!
Regelmäßig würdige ich sie, diese stolze Braut aus Stein, Geschichte und Herz. Die Beziehung zu ihr ist eine besondere. Das beweisen nicht nur die regelmäßigen Streicheleinheiten. Früher führte mein Weg in die Arbeit direkt an ihr vorbei. Durch den Arkadengang, vor dem Herbert-von-Karajan-Platz. Die „Stadtseite“, wie Insider den Blick vom Haus in diese Himmelsrichtung bezeichnen. Über mir das Büro des Direktors, darunter die Laterne, schief – seit Direktor Bogdan Roščić die Räumlichkeiten bezogen hat. Vielleicht auch schon früher, aber die Fantasie spielt einem manchmal solche Streiche.
Von Jürgen Pathy
Klassik-begeistert.de

„DIE MONTAG-PRESSE – 24. NOVEMBER 2025“ weiterlesen