Ladas Klassikwelt (44): Romantik heißt Sehnsucht…

„An diesem Abend entdeckten wir noch etwas: die Sehnsucht… zum normalen Leben zurückzukehren, Zuneigung ohne Angst vor einer Infektion zu zeigen, die Musik frei zu hören und zu spielen.“

Ein Klavierabend von Ottavia Maria Maceratini im Rahmen des Festivals junger Künstler Bayreuth

von Jolanta Łada-Zielke

Das Festival junger Künstler Bayreuth ist vorbei. Die Veranstaltung hinterließ schöne Erinnerungen, ein wenig Verlangen und ein paar neue Adressen in meinem Notizbuch. Ich erinnere mich auch an einige Namen junger Musiker, die ich diesen Sommer zum ersten Mal gesehen und gehört habe und von denen ich sicherlich wieder hören werde. „Ladas Klassikwelt (44): Romantik heißt Sehnsucht…“ weiterlesen

"Wagners Musik gewinnt auf der Orgel neue Farben und Ausdrucksmöglichkeiten"

Foto: © Christine Schneider

Festival junger Künstler Bayreuth 2020
Interview mit dem Konzertorganisten und Dirigenten Hansjörg Albrecht

Hansjörg Albrecht zählt zu den wenigen Künstlern, die international sowohl als Dirigent als auch als Konzertorganist regelmäßig präsent sind. Er gilt als musikalischer Grenzgänger und Querdenker ohne Berührungsängste. Als Dirigent geht er konsequent eigene Wege – zwischen Archiv und Neuschöpfung und mit einem umfangreichen Repertoire von Bach bis Gubaidulina. Mit seinen Orgeltranskritptionen etablierte er sich als Spezialist unter den Virtuosen seines Instruments. Beim Label Oehms Classics legte er bisher über 25 vielbeachtete CDs vor. 2013 wurde er für einen Grammy Award Nominiert.

Anlässlich des Konzerts „Wagner vermisst seine Festspiele“, das der Organist zusammen mit dem Perkussionisten Christian Felix Benning im Rahmen des „Festival junger Künstler Bayreuth“ aufgeführt hat, hat klassik-begeistert.de Hansjörg Albrecht zum Gespräch getroffen.

Interview: Jolanta Łada-Zielke

Der Münchener Bach-Chor, dessen künstlerischer Leiter Sie sind, gedenkt  Ende Juli traditionell mit einem Konzert Bachs Todestag. 2020 sind genau 270 Jahre seit dem Tod des Komponisten vergangen, aber Konzerte mit großen Ensembles (vor allem mit Chören) sind aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich. Haben Sie unter diesen schwierigen Bedingungen doch einen Auftritt mit Ihrem Chor organisieren können?

Hansjörg Albrecht: Aufgrund der andauernden Pandemie und der Ängste an vielen Orten, möglicherweise etwas falsch zu machen (und auch den organisatorisch-logistischen Mehraufwand zu scheuen), konnte leider kein Chorkonzert zum 270. Bach-Todestag stattfinden, obwohl wir alles versucht haben, um in eine der großen Kirchen in München hineinzukommen. Ich habe zwei Orgel-Choralbearbeitungen Bachs über „Jesu, meine Freude“ in der barocken Stadtkirche St. Peter in München eingespielt. Mit dem Bach-Chor haben wir in einer der großen Hallen der Messe München die Eingangsstrophe der gleichnamigen Bach-Motette fürs Netz aufgezeichnet – in einem großen Kreis aufgestellt und mit fliegender Kamera aus der Vogelperspektive gefilmt. Das war unsere spezielle musikalische Botschaft. Mir war es ganz wichtig, ein solch kleines Zeichen zu setzen, und zwar, um zu zeigen, dass der Münchener Bach-Chor A: noch da ist, und B: dass man solche zur Tradition gewordenen Konzerttermine jetzt nach Möglichkeit zumindest in einer „Ersatzform“ erhalten soll, damit nicht alles der Pandemie zum Opfer fällt. „„Wagners Musik gewinnt auf der Orgel neue Farben und Ausdrucksmöglichkeiten“,
Der Organist Hansjörg Albrecht im interview“
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"Die ganze Kunst- und Kulturszene in Bayreuth hat sich zusammengeschlossen"

Foto: Dr. Sissy Thammer © H. Wagner, Glashütten

Anders als die Richard-Wagner-Festspiele kann das Festival junger Künstler Bayreuth auch in diesem Jahr mit einem vielfältigen, wenn auch entsprechend reduzierten Programm aufwarten. Bereits seit 1950 widmet sich das Festival parallel zu den großen Opernfestspielen dem internationalen musikalischen Nachwuchs. Dr. Sissy Thammer ist seit 1986 Intendantin des Festivals junger Künstler. 1997 wurde sie für ihr Engagement von der Europäischen Bewegung Deutschland mit dem Preis „Frauen Europas“ ausgezeichnet.

Im Interview spricht Sissy Thammer über den Festivalbetrieb in Zeiten von Corona. Das Gespräch führte Jolanta Łada-Zielke in Bayreuth.

Wie ist es Ihnen gelungen, trotz allen Einschränkungen und Ängsten das 70. Festival junger Künstler Bayreuth zu organisieren?

Sissy Thammer: Als der Lockdown und der Shutdown im März kamen, waren wir bereits im sechsten Monat unseres Wirtschaftsjahres. Es war mir vollkommen klar, dass dieses Festival junger Künstler Bayreuth diese Pandemie inhaltlich überleben muss. Wir werden gefördert für unsere Projekte, und wenn wir keine liefern, entfällt unser Sinn. Das war das Grundproblem und wir haben sofort darüber nachgedacht, wie wir unserer Aufgabenstellung der Welt gegenüber nachkommen können. Es wäre möglich gewesen, dass das Festival ganz hätte ausfallen müssen; dann hätten wir das akzeptiert. Aber zunächst war unsere Kreativität gefragt. Es wäre falsch gewesen, das Festival „in der alten Form“ im Jubiläumsjahr zu organisieren. Ursprünglich hatten wir eine riesige Theatervorstellung mit Carl Orffs „Prometheus“ geplant, eine Aufführung Ludwig van Beethovens „Eroica“ und ein großes Barockkonzert. Ich dachte, wenn wir beginnen, hier Abstriche zu machen und etwas runter zu kürzen, führt uns das nicht ans Ziel. Wir haben einfach ganz schnell begriffen, dass wir die größten Veranstaltungen, Jubiläumspartys und Empfänge komplett ins nächste Jahr verschieben müssen. Das ist gelungen, weil uns viele öffentliche Institutionen und private Personen geholfen haben. „„Die ganze Kunst- und Kulturszene in Bayreuth hat sich zusammengeschlossen“ – Festivalintendantin Sissy Thammer im Interview“ weiterlesen

Bayreuth: "Jeder Ton zeigt eine Verbindung zu einem Teil der Seele" – ein Gespräch mit dem Ensembleleiter Vladimir Ivanoff

Vladimir Ivanoff beim Festival junger Künstler in Bayreuth 2020. Foto: Werner Schubert

„Wenn man ausdrücken möchte, was ins Dunkel, durch die Nacht zu gehen heißt, dann braucht die Musik eine bestimmte Art der Tiefe. Die Klaviermusik von Chopin und Rachmaninow verfügt über solche Tiefe. Auch die Musik arabischer Komponisten beschäftigt sich mit der Tiefe der Seele. Jeder Ton zeigt eine Verbindung zu einem bestimmten Teil der Seele.“

Festival junger Künstler Bayreuth, 2. August 2020

Konzertbericht aus Bayreuth und Interview mit dem Lautenisten, Perkussionisten und Ensembleleiter Vladimir Ivanoff

von Jolanta Łada-Zielke

Vladimir Ivanoff, geboren 1957 in Sofia, ist ein bulgarisch-deutscher Musiker, Arrangeur, Ensembleleiter und Musikwissenschaftler. Seit seiner Kindheit lebt er in Deutschland. 1987 absolvierte er das Studium der Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er studierte auch an der Hochschule für Musik in Karlsruhe und an der Schola Cantorum Basiliensis, wo er Renaissancelautespielen erlernte.

In seinen zahlreichen Projekten verbindet er die Musik verschiedener Epochen, Stilen und Kulturen. Er gründete mehrere Ensembles von denen das berühmteste Sarband (1986) ist. Seit 2013 ist Vladimir Ivanoff Stammgast des Festivals junger Künstler in Bayreuth. „„Jeder Ton zeigt eine Verbindung zu einem Teil der Seele“ – Ein Gespräch mit dem Ensembleleiter Vladimir Ivanoff“ weiterlesen

Kann Musik die Liebe nähren?

Foto: Barbara Sabarth

Festival junger Künstler Bayreuth
Steingraeber-Haus, 2. August 2020

von Jolanta Łada-Zielke

„If Music Be The Food of Love” – dieses Lied von Henry Purcell hörte man zu Beginn des Liederabends von Mirella Hagen, der im Rahmen des 70. Festivals junger Künstler in Bayreuth stattfand. Aufgrund der Pandemie ist die Dauer des Festivals kürzer und das Programm wird ständig aktualisiert. Das Motto der Veranstaltung: „SOL. Summer of Love” bezieht sich auf das Beatles-Lied “All You Need Is Love”. Die Konzerte und Workshops werden so gestaltet, dass sie stets mit dem Hauptthema – Liebe – zu tun haben. Nur die Liebe kann uns nämlich helfen, diese schwierige Zeit zu überstehen und die Musik kann dafür die Nahrung sein. Die Menschen sind hungrig nach echten Kunst- und Musikerlebnissen, auch wenn sie immer noch die Masken- und Abstandspflicht erfüllen müssen. „Mirella Hagen, Robin Engelen, Festival junger Künstler Bayreuth,
Steingraeberhaus, 2. August 2020“
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