Meine Lieblingsoper (43): "Lohengrin" von Richard Wagner

Klaus Florian Vogt als Lohengrin. Foto: © Holger Voigt

Birgit Nilsson, Mirella Freni, Edita Gruberova, Plácido Domingo, Luciano Pavarotti: Der Hamburger Mediziner und Klassik-Connaisseur Dr. Ralf Wegner hat die großen Weltstars der Opernwelt seit Ende der 1960er-Jahre alle live erleben dürfen: vor allem in der Staatsoper Hamburg, die in den 1970er-Jahren noch zu den weltbesten Opernhäusern zählte und sich heute um Anschluss an die deutsche und europäische Spitze bemüht. Begeben Sie sich in ein wunderbares Stück Operngeschichte und reisen Sie mit in eine Zeit, die scheinbar vergangen ist.

von Ralf Wegner

Wunder gibt es immer wieder. Offenbar auch heutzutage noch, wie Katja Ebstein 1970 beim Grand Prix in Amsterdam verkündete. Immerhin erreichte sie damit den dritten Platz. Wie lange halten aber Wunder? Bei Elsa offenbar nur einen Tag. Schon in der Hochzeitsnacht erträgt sie ihr Wunder nicht mehr und verlangt Aufklärung. Mit einem Wunder will sie nicht leben; aus Vertrauen wird Misstrauen. Es ist auch eine Zumutung, was ihr Held ihr auferlegt. „Meine Lieblingsoper (43): „Lohengrin“ von Richard Wagner“ weiterlesen

Das Voyager-Quartet feiert das Beethoven-Jahr in Richard Wagners Wohnzimmer – und überrascht mit allen Streichquartetten

Foto: © Voyager-Quartet

Villa Wahnfried Bayreuth, 9. August 2020

Voyager-Quartet:

Nico Christians (1. Violine)
Maria Krebs (2. Violine)
Andreas Höricht (Viola)
Klaus Kämper (Cello)

von Dr. Gerald Hofner

Das Münchner Voyager-Quartet ist längst kein Geheimtipp mehr, wenn es um die besonders direkte, sinnliche Vermittlung von Kammermusikklängen geht. Für das Beethoven-Jahr 2020 haben sich die vier nun eine gewaltige Aufgabe gestellt – die Interpretation aller Streichquartette des Meisters, sowie als Bonus der Großen Fuge für Streichquartett. „Voyager-Quartet, Beethoven, Wagner
Villa Wahnfried Bayreuth“
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Lieses Klassikwelt 44: Bruckner

Ich bin vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten, aber wenn ich Musik von Bruckner höre, empfinde ich so etwas wie Göttlichkeit. Noch zu meiner Studienzeit hätte ich nicht in Worte fassen können, warum das so ist. Ich war einfach nur emotional berührt von all den herrlichen Themen, die sich durch Bruckners Sinfonien ziehen, gepackt von der aufwühlenden Dramatik, der großen Feierlichkeit, den weihevollen Bläserchören und den imposanten Gipfelstürmen.

von Kirsten Liese

Als ich anfing, mich mit dem genialen Brucknerdirigenten Sergiu Celibidache zu beschäftigen und alles zu wissen begehrte, was er über den Spätromantiker und seine bahnbrechenden Werke zu sagen hatte, wurde mir meine Faszination bewusster. „Was du an Bruckner schätzt, ist nicht seine ‚Musik‘, sondern, was seine Klänge in dir hinterlassen, was absolut nicht fassbar, nicht zu definieren ist“, sagte Celi. Und: „Am Ende einer Bruckner-Symphonie erleben wir ein Gefühl der Vollkommenheit – das Gefühl, durch alles gegangen zu sein“, schließlich ist „niemand soweit wie Bruckner mit seiner klangbezogenen Korrelationsfähigkeit in den Kosmos eingedrungen“. Zwar tun sich zwischen gewaltigen Fortissimo-Klängen auch immer wieder Abgründe auf, wendet sich die Musik nach kraftvollen Passagen in tiefe Depression und Weltschmerz, aber in den finalen Apotheosen siegt immer die Hoffnung auf eine andere Welt und Rettung. „Lieses Klassikwelt 44: Bruckner“ weiterlesen

Über die Herausforderung, Wagner zu singen

Buchrezension:

Isolde Schmid-Reiter (Hg.): „Worttonmelodie – Die Herausforderung, Wagner zu singen“ (ConBrio 2020)

von Kirsten Liese

Facettenreich, praxisnah und erkenntnisreich setzt sich die Publikation, die Aufsätze, Reden und protokollierte Podiumsdiskussionen vereint, mit den Anforderungen an Wagnersänger, Mangelerscheinungen und Besetzungsschwierigkeiten auseinander. Experten aus allen Disziplinen – Musikwissenschaftler, Stimmenexperten, Sänger, Dirigenten, Regisseure, Intendanten, Künstleragenten und Hochschulprofessoren – kommen zu Wort.

Da geht es zunächst um Richard Wagners persönliche Ansprüche an die Interpreten, die er aufforderte, auf „selbstgefällige, vokale Virtuosität und die Darbietung vokaler Kunststücke um des persönlichen Erfolgs willen“ zu verzichten und stattdessen die Stimme „dem Wort und der szenischen Aktion anzupassen“. Er fürchtete also, dass der Text seiner Libretti zu kurz kommen könnte, der Ausdruck sollte Vorrang vor balsamischem Schöngesang haben. „Worttonmelodie – Die Herausforderung, Wagner zu singen
Buchbesprechung“
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Ladas Klassikwelt 37: „Heißes Herz und kühler Kopf“ – Christian Thielemanns Klassiker „Mein Leben mit Wagner“

von Jolanta Lada-Zielke

Foto: © Matthias Creutziger

Ein heißes Herz und ein nüchterner Verstand sollten jeden Wagner- Dirigenten auszeichnen, so schreibt Christian Thielemann in  seinem Buch „Mein Leben mit Wagner“, das er in Zusammenarbeit mit der Journalistin Christine Lemke-Matwey verfasst hat. Das Buch wurde im Jahr 2012 im C. H. Beck Verlag in München veröffentlicht, und im August 2015 erschien die englischsprachige Version davon in der Übersetzung von Antheia Bell ( Telegraph-Verlag). „Ladas Klassikwelt 37: „Heißes Herz und kühler Kopf“ – Christian Thielemanns Klassiker „Mein Leben mit Wagner“
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Lieses Klassiwelt 40: Kürzungen oder wer nichts gewagt, der nicht gewinnt

von Kirsten Liese

Die Opernwelt hat gerade eine Schrumpfversion von Wagners „Rheingold“ gefeiert, die auf dem Parkdeck der Deutschen Oper Berlin Premiere hatte. Ich habe mir diese Produktion erspart, halte es mit der Devise „ganz oder gar nicht“.  Dies vor allem auch deshalb, weil wir es hier mit einem Komponisten zu tun haben, der Gesamtkunstwerke schuf, bei dem mithin keine Note zu viel ist, geschweige denn eine Figur. Der Mime, so entnahm ich Hinweisen, kommt in der Kurzfassung von Jonathan Dove nicht vor. Immerhin schrieb Richard Wagner auch höchst selbst in einem Brief an Heinrich Heine: „Gar nichts liegt mir daran, ob man meine Sachen gibt. Mir liegt einzig daran, dass man sie so gibt, wie ich‘s mir gedacht habe. Wer das nicht will und kann, der soll es bleiben lassen“. „Lieses Klassikwelt 40: Kürzungen oder wer nichts gewagt, der nicht gewinnt“ weiterlesen

Ladas Klassikwelt 35: Ohne Worte, aber mit viel Herz

Die CD „Ring ohne Worte“ von der Staatskapelle Weimar unter der Leitung von Hansjörg Albrecht (Label: Oehms Classics)

von Jolanta Łada-Zielke

Dieses Album wurde bereits vor zwei Jahren rezensiert, gleich nachdem es veröffentlicht worden war. Ich möchte demnach keine Analyse davon bringen, keine Bemerkungen zu den dynamischen Proportionen machen, welches Instrument an welchen Stellen zu sehr auffällt oder ob die vom Dirigenten verlangten Tempi angemessen sind; das hat schon Andrea Braun für das Portal „Das Orchester” gemacht. Ich brauche nicht daran zu erinnern, welches Instrument einen Charakter mit seinem Klang imitiert, da eine genaue Beschreibung dessen auf der Schott Music-Website veröffentlicht wurde. Ich genieße einfach den „Ring“ als ein gesamtes Stück in der erstklassigen Aufführung eines Orchesters mit langer Tradition unter der Leitung von Hansjörg Albrecht. „Ladas Klassikwelt 35: Ohne Worte, aber mit viel Herz“ weiterlesen

Sommereggers Klassikwelt 36: Birgit Nilsson – Bigger than life

Den stärksten Eindruck hinterließ eine Siegfried-Aufführung mit ihr und Jean Cox, bei der sie ein Schluss-C in den Raum stellte, das atemberaubend mächtig und trotzdem wunderschön war. Wer das gehört hat, kann mit heutigen Wagner-Sängerinnen einfach nicht glücklich werden.

von Peter Sommeregger

Die am 17. Mai 1918 als einziges Kind eines Bauern im schwedischen Vastra Karup geborene ‎Märta Birgit Svensson sollte nach den Vorstellungen ihrer Eltern einen klar vorgezeichneten Weg einschlagen: einen Bauern heiraten und selbst Bäuerin sein. Es müssen die Gene ihrer Musik liebenden, und selbst gerne singenden Mutter gewesen sein, die in der jungen Birgit die Oberhand gewannen und sie einen Weg einschlagen ließen, der sie später bis auf olympische Höhen der Gesangskunst führen sollte. „Sommereggers Klassikwelt 36: Birgit Nilsson – Bigger than life“ weiterlesen

Meine Lieblingsoper 27: "Tristan und Isolde" von Richard Wagner

Foto: Stephen Gould (Tristan) und Petra Lang (Isolde) © Bayreuther Festpiele / Enrico Nawrath

So authentisch wie ihn sah man zuvor keinen sterben, man war zutiefst ergriffen. Aber plötzlich verstummte das Orchester und Vickers trat an die Rampe: „Es tut mir leid, ich kann nicht mehr singen“.

von Kirsten Liese

Als Droge und Narkotikum wird Wagners Musik oft beschrieben und empfunden. Mir geht das auch so, besonders beim Tristan.

Das hat natürlich schon mit der besonderen Handlung frei nach dem mittelalterlichen gleichnamigen Roman von Gottfried von Straßburg zu tun. Schließlich werden wir hier zu Komplizen einer verbotenen, heimlichen, außerehelichen Liebe. Tristan und Isolde werden zwar durch den Liebestrank, den sie zu sich nehmen, ohne seine Wirkung zu kennen, exkulpiert. Aber natürlich dient der Trank nur als ein Deckmäntelchen. Die von Erotik, Leidenschaft, Sehnsucht und Schmerz durchdrungene Musik spricht eine weitaus radikalere Sprache. „Meine Lieblingsoper 27: Richard Wagner, „Tristan und Isolde““ weiterlesen

Ladas Klassikwelt 31: Die Götter sind unter uns – Teil III

Foto: Stephen Gould als Siegfried © Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele

„Ich sah Stephen Gould mehrmals im Festspielpark spazieren gehen mit  auf die Noten fixiertem Blick. „Im letzten Jahr habe ich diese Partitur überall hin mitgenommen, wohin ich gegangen bin“, erzählte er mir damals im Interview.“

Ein Gespräch mit dem Heldentenor Stephen Gould und dem Regisseur Tankred Dorst (1925-2017)

von Jolanta Łada-Zielke

Wer ist eigentlich der Hauptheld der Nibelungen-Sage? Einige finden, der tapfere Siegfried, andere meinen, dass sich die Handlung vielmehr auf den Göttervater – Wotan – konzentriere, der Ruhm und Macht seines Königreichs anstrebt, aber seine Träume auf rechte und edelmütige Weise nicht erfüllen kann. In der Inszenierung von Tankred Dorst (Bayreuther Festspiele 2006) war Alberich (Andrew Shore) die zentrale Figur. Zwar verlor er seinen Schatz, blieb aber nicht ohne Einfluss auf die weiteren Ereignisse. Durch sein Handeln bewirkte er schließlich die endgültige Katastrophe. „Ladas Klassikwelt 31: Die Götter sind unter uns – Teil III“ weiterlesen