Schweitzers Klassikwelt 156: So kann man sich (konnten wir uns) bei Rezensionen irren

Changing Voice © Werbegrafik Delight Star Studio

Der Dichter und Sänger Leonard Cohen empfand jeden gelungenen Abend als Glück und Gnade. So kann bei einer einmaligen Begegnung mit einer Sängerin oder einem Sänger ein falsches Bild entstehen, das aber durch den Bericht darüber noch dazu vervielfältigt wird.

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Ein nicht beeindruckender Prolog des Tonio zum Beispiel kann in den folgenden fünfundsechzig Minuten von „Pagliacci“ schwer wettgemacht werden. Doch dann lesen wir überraschend von einer „La Traviata“ an der Staatsoper Unter den Linden über denselben Interpreten: „Der Bariton war ein Vater Germont wie aus dem Bilderbuch, fast war er zu sympathisch. Mit schöner ausgeglichener Stimme, makellosem Legato und mühelosen Höhen begeisterte er, harmonierte großartig und rücksichtsvoll in den Duetten mit Violetta im zweiten Bild und räumte natürlich in der herrlich gesungenen Arie regelrecht ab.“ Vielleicht war er als Tonio damals ein zu ausgeprägter Kavaliersbariton. „Schweitzers Klassikwelt 156: So kann man sich bei Rezensionen irren
klassik-begeistert.de, 3. Februar 2026“
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Schweitzers Klassikwelt 155: Chorsängerinnen und -sänger mit Solovertrag eingesetzt

Chor und Extrachor der Wiener Staatsoper in „Nabucco“ © Michael Pöhn/Wiener Staatsoper

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Es klingt widersprüchlich: Da wird ein 2. Bass in einer stummen Rolle eingesetzt.

So im „Rosenkavalier“ als Leopold. In den Opernführern ist diese Rolle oft nicht namentlich angeführt, sondern nur undifferenziert unter „Lakaien“.

Reclams Opernführer hebt vor den angeführten „Lakaien“ einen „Leiblakai des Ochs von Lerchenau“ heraus, im von uns schon mehrmals erwähnten und gelobten „Opera“ finden wir den „Lerchenauschen Leiblakaien“.

Nur einmal wird in der Oper sein Vorname erwähnt, wenn der Baron Ochs auf Lerchenau ihm resignierend zuruft: „Leopold, wir gehn!“ In den seit 1959 gesehenen „Rosenkavalier“-Aufführungen ist in den Besetzungslisten sein Name „Leopold“ immer angeführt gewesen, meist als Drittletzter. In einer Produktion des Salzburger Landestheaters im Rahmen der Salzburger Kulturtage 1993 lesen wir: „Leopold, Sohn und Leiblakai des Ochs.“ „Schweitzers Klassikwelt 155: Chorsängerinnen und -sänger
klassik-begeistert.de, 20. Januar 2026“
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Schweitzers Klassikwelt 154: Wie sich Stimmen ändern, Teil II 

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Dem „Fidelio“, in der dreiaktigen Urfassung „Leonore“ genannt, diente als Vorlage die Oper „Leonore, oder Die eheliche Liebe“ 1798 von Pierre Gaveaux. Im Personenverzeichnis lesen wir an der Spitze irritiert:

„Dom Fernand, Minister und Grande von Spanien (Basse Taille)“ Basse Taille wörtlich übersetzt: Niedere Gürtellinie. Als Nächstes steht: „Dom Pizarre, Gouverneur eines Staatsgefängnisses (2nde Haute-Contre)“ Und darunter lesen wir: „Florestan, Gefangener (1ière Haute-Contre)“. Wir recherchieren im Internet. Haute-contre: Stimmumfang in der Barockzeit, eine Männerstimme mit besonders hohem Tonumfang. „Schweitzers Klassikwelt 154: Wie sich Stimmen ändern, Teil II 
klassik-begeistert.de, 7. Januar 2026“
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Schweitzers Klassikwelt 154: Wie sich Stimmen ändern, Teil I 

„Il Barbiere di Siviglia“ von Giovanni Paisiello im Theater an der Wien 2015 mit Mari Eriksmoen (Rosina) und Pietro Spagnoli (Bartolo) User: Francisco Peralta Torrejón

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Sind es hormonelle Veränderungen, dass Basilios Stimme bei Rossini wie Kanonendonner klingt, bei Mozarts Fortsetzung der Geschichte wie die eines Tenorinos?

Drei Jahre vor der Wiener Premiere von „Le nozze di Figaro“ wurde in Giovanni Paisiellos „Barbiere di Siviglia“ oder „Die nutzlose Vorsichtsmaßnahme“ (Uraufführung Petersburg 1782) Rosinas Gesangslehrer wie bei Rossini für einen Bass resp. Bassbariton geschrieben. Rossinis „Barbiere“ kam erst nach Mozarts Tod in Rom zur Uraufführung. Also in dem Fall die Vorgeschichte nach der Fortsetzung. „Schweitzers Klassikwelt 154: Wie sich Stimmen ändern, Teil I 
klassik-begeistert.de, 6. Januar 2026“
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Schweitzers Klassikwelt 153: Opern können Offenbarungen gleichen

Moses vor dem nicht verbrennenden Dornbusch, Janusz Grabianski in „Bibelgeschichten“ erzählt von Gertrud Fussenegger, Verlag Ueberreuter

Der Begriff Offenbarung bedeutet eine Erfahrung von bisher Unbekanntem, welche einen großen Eindruck hervorruft. Man ist da oft in Erklärungsnotstand.

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Als Kind soll ich bei Opernübertragungen im Radio verständnislos bemerkt haben. „Da versteht man ja nichts.“  Es war die Weihnachtszeit und sie spielten im Radio Franz Schmidts Oratorium „Das Buch mit sieben Siegeln“. Ich drehte den Apparat nicht ab, sondern bangte in Unkenntnis dieser neutestamentlichen Vision eines Verfassers mit Namen Johannes, dass dieses beeindruckende Stück nicht zu früh zu Ende kommt.

Doch dieses Erlebnis entbehrte vorerst der Nachhaltigkeit. „Schweitzers Klassikwelt 153: Opern können Offenbarungen gleichen
klassik-begeistert.de, 23. Dezember 2025“
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Auf den Punkt 82: Il signor Wellber parla italiano…

Foto: Archiv © Brinkhoff/Mögenburg

Sein Klangideal ist der Deutsche Klang, hat mir Omer Meir Wellber vor gar nicht langer Zeit verraten. Den genauen Wortlaut lesen Sie bitte hier bei klassik-begeistert in unserem großen Interview mit dem neuen Hamburger Generalmusikdirektor. Gleich in seiner ersten Spielzeit dann die Überraschung, Gaetano Donizettis Melodramma giocoso L’elisir d’amore hat sich der Maestro vorgeknöpft… ob sich das mit seinem Klangideal verträgt?  Das konnte nur granatenmäßig in die Hose gehen… oder doch nicht?


Gaetano Donizetti
/ L’elisir d’amore

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Omer Meir Wellber / Dirigent

Hamburgische Staatsoper, 20.  Dezember 2025

von Jörn Schmidt

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich danke Tobias Kratzer und seinem Vorgänger Georges Delnon vielmals, dass Jean-Pierre Ponnelles Inszenierung nach knapp 50 Jahren immer noch in Hamburg gegeben  wird.

Mir liegt diese zeitlose Ästhetik. Aber Filmfehler gibt’s auch in der Oper. Falls Sie nicht so oft ins Kino gehen – Filmfehler sind kleine Details, die ungewollt in einen Film geraten und nicht ganz korrekt sind. „Auf den Punkt 82: Il signor Wellber parla italiano…
Hamburgische Staatsoper, 20.  Dezember 2025“
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Klein beleuchtet kurz 68: Puccinis Madama Butterfly erscheint am Volkstheater Rostock in neuem Gewand

Madama Butterfly Volkstheater Rostock 1. Akt © Thomas Ulrich

Die Sat.1 Doku-Soap „Hochzeit auf den ersten Blick“ stand Pate für eine mit neuen Sichtweisen gespickte Version des Werkes vom Komponisten aus Lucca – Klassik und Moderne müssen sich nicht unbedingt zu Gegensätzen offenbaren – ein Abend in Rostock voller Emotionen, ironischer Unterhaltung, Dramen und vor allem musikalischen Höhepunkten.

von Patrik Klein

Puccinis Meisterwerk Madama Butterfly zählt sicher zu den am häufigsten gespielten Werken des gesamten Opernrepertoires.

Der Komponist setzte sich in dem 1904 uraufgeführten Werk mit dem Verhältnis zwischen den kapitalistischen westlichen Staaten, vertreten durch die Vereinigten Staaten, und einem exotisch-verklärten Traditionsland aus dem fernen Osten auseinander. „Klein beleuchtet kurz 68: Puccinis Madama Butterfly
Oper Rostock, 19. Dezember 2025“
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Auf den Punkt 81: Für ein absolutes Böllerverbot in der Elbphilharmonie

Elbphilharmonie © Ralph Larmann

+++ Silvester 2025  in der Elbphilharmonie +++ Hinweise zum Programm durchgesickert +++

Ob  Andreas Schmidt, der Herausgeber von klassik-begeistert, geahnt hat, dass ich mit Silvester  nicht sonderlich viel anfangen kann und mich an dem Tag nur dort wohlfühle, wo privates Feuerwerk bei Strafe verboten ist…?

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Omer Meir Wellber / Dirigent

Elbphilharmonie Hamburg, Großer Saal, 31. Dezember 2025, 11:00 Uhr

von Jörn Schmidt

Sieht ganz so aus, möchte ich meinen. Denn Andreas hat mir heute eine E-Mail von Tanja Franke weitergeleitet, ihres Zeichens Pressesprecherin der Hamburgischen Staatsoper. Betreff der Pressemitteilung (PM):

„SILVESTERKONZERT 2025 des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg  mit Operettenklassikern von Johann Strauß, einer Uraufführung sowie einem humoresken Überraschungswerk“. „Auf den Punkt 81: Silvester 2025 in der Elphi, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Omer Meir Wellber
Elbphilharmonie Hamburg, 31. Dezember 2025, 11:00 Uhr“
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Auf den Punkt 80: Großartige Dorfdisco-Volten in der Laeiszhalle

Laeiszhalle Hamburg © Thies Rätzke

Eine Dorfdisco zum Kochen zu bringen, ist nicht schwer. Jeder Möchtegern-DJ  weiß, wie man die Tanzfläche füllt und Kondensat an die Fenster zaubert. Man lege ein paar Gassenhauer auf und lasse die Boxen lauter wummern, als die Physik hergibt.  Y.M.C.A.“ (Village People) geht immer (noch), „I Will Survive“ (Gloria Gaynor) ebenso. Auch „Daddy Cool“ (Boney M.)  und „Dancing Queen“ (ABBA). Sie erkennen da Muster… Und wenn wir jetzt mal jeglichen Bildungsdünkel ablegen: Im Konzertsaal funktioniert dieses Rezept ebenso.

Wolfgang Amadeus Mozart
/ Ouvertüre zur Oper „Le nozze di Figaro“ KV 492

Wolfgang Amadeus Mozart / Klavierkonzert Nr. 27 B-Dur KV 595

Peter I. Tschaikowsky / Symphonie Nr. 4 f-Moll op. 36

Szymon Nehring / Klavier
Symphoniker Hamburg

Aurel Dawidiuk / Dirigent

Laeiszhalle Hamburg, Großer Saal, 14. Dezember 2025


von Jörn Schmidt

Die Kollegen vom Hamburger Abendblatt haben Aurel Dawidiuk zum neuen „Stern am Dirigentenhimmel“ erkoren. Heute war der 25 Jahre junge Mann in der wunderschönen Hamburger Laeiszhalle zu Gast.

Und musste abliefern. Denn derlei Kritiker-Hymnen können einen ziemlichen Druck aufbauen – ein Stern kann schließlich schnell wieder untergehen und vom Horizont verschwinden. Und das will natürlich keiner. „Auf den Punkt 80: Großartige Dorfdisco-Volten
Laeiszhalle, 14. Dezember 2025“
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Schweitzers Klassikwelt 152: Es gibt moderne Regieideen, die uns gefallen oder sogar begeistern


Das ist sicher auch „Geschmacksache“, wie unser Enkelkind einmal in einem anderen Zusammenhang altklug bemerkte. Wir sind uns sicher, dass Mozart ein Typ war, der über viele Eskapaden Begeisterung zeigen würde.

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Wenn zum Beispiel, die Königin der Nacht nicht am Sternenhimmel erscheint, sondern aus dem Bett Taminos springt, was wir in einer nicht mehr greifbaren Rezension erfahren haben, ohne den Beweggrund ganz zu verstehen.

Man kann das Ambiente von „Così fan tutte“ interessant verändern, ohne dem Inhalt der Oper Gewalt anzutun. So geschehen an der Hamburger Kammeroper. Der spanische Regisseur Alfonso Romero Mora lässt die Diskussion über die Treue der Frauen während einer Herzoperation spielen. „Schweitzers Klassikwelt 152: Moderne Regieideen, die uns gefallen oder sogar begeistern
klassik-begeistert.de, 9. Dezember 2025“
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