Posers Klassikwelt 2/2019: Wer oder was Poser (nicht) gefällt

Was Poser überhaupt nicht nachvollziehen kann: Wenn jemand sagt, „die Musik von Richard Wagner ist mir zu schwer“ oder „Beim Autofahren kann ich keinen Wagner hören“ oder „Wagneropern sind mir zu lang“.

Posers Klassikwelt 2/2019: Heute unter der Unterrubrik Poser macht`s kurz und knapp: „Posers Klassikwelt 2/2019
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Lieses Klassikwelt 5/2019: Der Fall Furtwängler

Es hat mich zutiefst berührt, wie Klaus Lang bis zu seinem selbstbestimmten Tod unermüdlich für Furtwängler kämpfte. Nur eines schaffte er nicht mehr: einen Intendanten oder Regisseur zu finden, der sein Stück auf die Bühne bringen würde. Bislang schlugen in der Fortsetzung zwar auch meine Bemühungen fehl. Aber ich bin ja noch da.

von Kirsten Liese

Im Frühjahr haben die Berliner Philharmoniker eine imposante Box mit den vielleicht wichtigsten Aufnahmen ihrer Geschichte veröffentlicht: sämtliche Konzertmitschnitte für den Rundfunk unter Wilhelm Furtwängler. Vieles darunter ist bis heute unübertroffen.

Leider hat sich jedoch in den Köpfen zahlreicher Menschen ein falsches Bild von dem größten deutschen Dirigenten festgesetzt: Sie sehen in ihm einen Opportunisten, Mitläufer, gar einen Kollaborateur der Nazis. „Lieses Klassikwelt 5/2019
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Sommereggers Klassikwelt 6/2019: Hört Altes, Kinder!

Es ist zum Teil erschütternd den konkreten Vergleich von Opern-Gesamtaufnahmen des gleichen Labels anzustellen. Wer die Zauberflöten-Einspielung Karl Böhms mit Fritz Wunderlich kennt, kann auf die aktuelle Veröffentlichung der Deutschen Grammophon mit Klaus Florian Vogt und Rolando Villazon wahlweise nur mit Gelächter oder Erbrechen reagieren.

von Peter Sommeregger

Seit etwa 12o Jahren ist es technisch möglich, menschliche Stimmen, aber auch alle anderen Arten von Geräuschen für die Ewigkeit zu konservieren. Schnell war klar, dass diese Entdeckung vor allem für Musiker auch kommerzielle Anreize bot.

Um das Jahr 1902, als man begann Opernarien aufzunehmen, erwies sich der Italienische Startenor Enrico Caruso als Glücksfall für die noch junge Branche. Caruso war nicht nur der berühmteste Opernstar seiner Zeit, er zeigte auch Interesse an dieser neuen Technik. Entscheidend wichtig war auch, dass sich seine Stimme optimal für Aufnahmen eignete. So wurde der Neapolitaner  quasi zum Türöffner für das neue Medium Schellackplatte. Grammophon-Apparate und auch die Platten selbst waren teuer, aber im Vergleich zu den für viele Menschen unerschwinglichen Opernkarten  preiswert. Viele Kollegen Carusos folgten seinem Beispiel, und so entstanden in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg unzählige Aufnahmen klassischer, bevorzugt Opernmusik. Die Aufnahmebedingungen waren primitiv, elektrischer Strom oder gar Mikrophone waren ja noch nicht erfunden. Und doch verblüfft noch heute die Authentizität der gesanglichen Leistungen. Man meint, Herrn Caruso durch den Grammophon-Trichter die Hand schütteln zu können. „Sommereggers Klassikwelt 6/2019,
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Ritterbands Klassikwelt 3/2019: Tyrannen auf der Opernbühne – und wie sie enden

Tyrannen sind natürlich Macbeth und Boris Godunov und – zumindest aus Schweizer Sicht – der Prototyp für alle Tyrannen: Der habsburgische Landvogt Gessler in Rossini’s Wilhelm Tell. Giacomo Meyerbeers Prophet wird in der gleichnamigen Oper mehrmals als „Tyrann“ bezeichnet – unter anderem von seiner eigenen Mutter Fidès. Es gibt Anti-Tyrannen, die nur gut und positiv sind, wie Titus in Mozarts „Clemenza di Tito“, und es gibt Tyranninnen, also Tyrannen weiblichen Geschlechts – Turandot in Puccinis letzter (und unvollendeter) Oper, die grundsätzlich alle Freier einen Kopf kürzer machen lässt, welche ihre drei ziemlich lapidaren Rätsel nicht erraten.

von Charles E. Ritterband

Das Personal der Opern besteht üblicherweise aus mehr oder weniger tragisch Verliebten, weniger aus erfolgreichen und meist aus gescheiterten Helden. Auffällig ist aber die Häufigkeit der Tyrannen auf der Opernbühne.

Die Liste ist lang: Sie reicht vom brutalen Römer Polizeichef Scarpia, der den politischen Gefangenen Angelotti in den Tod treibt und den Künstler Cavaradossi trotz Zusicherungen erschießen lässt, vom Gouverneur eines Staatsgefängnisses bei Sevilla, einem gewissen Don Pizarro, der den Gefangenen Florestan im tiefsten, dunkelsten Kerker verborgen hält und ihn möglichst bald aus der Welt schaffen will – bis hin zu den kleinen Tyrannen im eigenen Haushalt, wie den Doktor Bartolo, der sein Mündel Rosina wie eine Gefangene hält und Graf Almaviva, der eben diese Rosina zu seiner Gräfin macht und dann in seinem Schloss herrscht wie ein Despot und der trotz aller Versprechungen nicht auf das althergebrachte „ius primae noctis“ verzichten will und mit List und Tücke versucht, Susanna, die Braut seines Kammerdieners Figaro noch in der Hochzeitsnacht ins Bett zu kriegen. „Ritterbands Klassikwelt 3/2019 klassik-begeistert.de“ weiterlesen

Lieses Klassikwelt 4 / 2019: Emanzipation, #MeToo und Sexismus auf der Opernbühne

Apropos Liebe und Sexualität: Natürlich freut es mich, dass dank #MeToo sexuelle Belästigung kein Kavaliersdelikt mehr ist. Nur verwundere ich mich darüber, dass die öffentliche Empörung um Regisseure einen Bogen macht als gäbe es keinen Sexismus auf der Opernbühne. Sängerinnen wird bisweilen unerhört viel zugemutet.

von Kirsten Liese

Die Anfänge meiner beruflichen Laufbahn vor 25 Jahren waren nicht einfach. Die Feministin Alice Schwarzer hatte Recht, als sie damals sagte, eine Frau müsse doppelt so gut sein wie ein Mann. In den Redaktionen, für die ich arbeitete, saßen überwiegend Männer.

Heute bin ich auf Premieren, Pressekonferenzen und Festspielen immer noch überwiegend von männlichen Korrespondenten umringt, aber in den Redaktionen bin ich nur noch selten mit Machos konfrontiert, muss weniger kämpfen und erfahre mehr Wertschätzung. Und profitiere davon, dass in vielen Bereichen der Hochkultur ausdrücklich mehr Frauen erwünscht sind. Das nenne ich Fortschritt! „Lieses Klassikwelt 4/2019
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Sommereggers Klassikwelt 5/2019:
Von der Kunst des richtigen Hustens

Der unsterbliche Humorist Loriot führte bereits 1982 einen als Hustensymphonie bezeichneten Sketch in der Philharmonie Berlin auf. Erstaunlich, wie weit die Evolution des Hustens seither voran geschritten ist. Der frühere Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Sir Simon Rattle, reagierte besonders genervt auf diese Störung der Konzentration. Unvergesslich sind mir einzelne Gelegenheiten, wo er vom Pult aus einem hartnäckigen Huster einen Blick zuwarf, der hätte töten können.

von Peter Sommeregger

Jeder Mensch kennt die Situation: auch in den unpassendsten Momenten kann es passieren, dass sich ein plötzlicher Hustenreiz einstellt. Der kultivierte Mensch hält sich die Hand vor den Mund, räuspert sich eventuell, um den Hustenreiz zu stoppen. In den meisten Fällen hilft das.

Besonders unangenehm ist es natürlich, wenn  besagter Hustenreiz während eines Konzerts oder einer Opern/Theateraufführung auftritt. Der sozial denkende Mensch versucht, die Störung der ebenfalls  Anwesenden möglichst gering zu halten. In einem großen Konzertsaal wie der Berliner Philharmonie, die über eine ausgezeichnete Akustik verfügt, wird nicht nur der Vortrag der Künstler sehr gut hörbar, sondern leider auch alle Arten von akustischen Beimischungen, von denen Husten das störendste und unangenehmste ist. „Sommereggers Klassikwelt 5/2019,
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Einige Gedanken zum Thema Frédéric Chopin von einer Polin

Ich möchte nicht diskutieren oder darüber streiten, ob Chopin Frédéric François oder Fryderyk genannt werden soll. Für mich klingen die Worte des polnischen Dichters Cyprian Camil Norwid überzeugend, dass Chopin mit seinem großen Talent ein Weltbürger war. Ein hervorragender Musikweltbürger bleibt er jedenfalls für ewig.

von Jolanta Lada-Zielke

Ich komme aus Polen, darum erwartet man vielleicht von mir, dass ich ein paar Zeilen über unseren größten Komponisten schreibe. Zunächst zu seiner Nationalität. Alle Musikkenner wissen, dass er Pole war. Die Leute, die sich weniger für Musik interessieren, glauben oft aufgrund seines Namens, er sei Franzose.

Vor vier Jahren nahm ich an einen Onlineredaktionskurs in Hamburg teil. Im ersten Unterricht sollten alle 20 Teilnehmer einen Test des allgemeinen Wissens lösen. Eine Frage betraf die Nationalität von Frédéric Chopin, und es gab drei Optionen: Französisch, Polnisch und Ungarisch. Und was denken Sie, wie viele Personen die richtige Antwort wählten? Nur fünf. Selbst meine Tischnachbarin, die zehn Jahre lang auf Mallorca gelebt und Valldemossa oft besucht hatte, war wirklich überrascht, dass Chopin kein Franzose war. In Valldemossa, wo der Komponist 16 Monate (von 1838 – 1839) mit der Schriftstellerin George Sand und ihren Kindern verbrachte, steht auf jeder Tafel mit seinem Lebenslauf, dass er aus Polen stammte.

Wenn jemand meiner Bekannten an der polnischen Abstammung des Komponisten zweifelt, frage ich ihn oder sie kratzbürstig: „Na dann, wo wurde er geboren? Können Sie den Namen dieser Ortschaft aussprechen? Żelazowa Wola. (Schelasowa Wola). “ „Woher kommt denn sein Französisch klingender Name?“, werde ich gefragt.  Sein Vater Mikołaj kam ursprünglich aus Frankreich. Im Alter von 16 Jahren kam er nach Polen, wo er seine zweite Heimat fand. Die polnischen Einflüsse, vor allem die der polnischen Volksmusik, sind in Chopins Werken deutlich zu hören, besonders in Mazurkas, die auf den polnischem Tänzen „Mazur“ basieren, aber auch in Polonaisen.

Chopin komponierte vor allem Klavierstücke, es gibt aber einige Lieder, die er zu Texten polnischer Dichter schuf. Manche sind fröhlich und lustig wie Mädchenwunsch und Litauisches Lied, die anderen traurig oder sogar tragisch im Ausdruck wie Polens Grabgesang, das nach der Niederlage des November-Aufstands 1831 komponiert wurde. Frédéric Chopin musste seine Heimat noch vor diesem Ereignis verlassen, die Nachricht über den gescheiterten Aufstand erreichte ihn in Paris, wo er von 1831 bis zum Ende seines Lebens weilte. Als er 1849 starb, wurde sein Herz nach Polen zurückgebracht, wie er sich gewünscht hatte.

Die traurige und nostalgische Stimmung der Werke Chopins lieben vor allem Musiker und Musikliebhaber aus dem slawischen Sprachraum. Meine Gesangslehrerin fragte einmal eine Studentin aus Tschechien, die gerne die melancholischen Lieder Chopins für ihre Landsleute aufführte:  „Musst du so ein trauriges Zeug singen?“  „A nam se to libi! (Aber wir mögen es)antwortete die Tschechin.

Chopins Lieder in deutscher Sprache hat 2010 der Bariton Konrad Jarnot mit Klavierbegleitung des Pianisten Eugéne Mursky für den Günter Hänssler Musikverlag aufgenommen. Ich kann diese CD allen Liebhabern romantischer Lieder weiterempfehlen.

Anerkennung eines „rassenfremden Künstlers“

Im „Dritten Reich“ interpretierte man die ganze Musikgeschichte nach der Richtlinie der NSDAP. Es gab entweder die „reine deutsche“ oder die „entartete Musik“ zu der Jazz, Swing und Werke der Komponisten nicht-arischer Abstammung gehörten. Knapp zwei Monate nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, als Polen schon von deutschen Truppen besetzt war, erschien der Artikel „Kampf um Chopin“  von Ernst Krienitz in der Zeitschrift „Die Musik Woche“. Der Autor stellte die folgende Frage: „Besagter Chopin, der einzige polnische Musiker, der in den Tempel der Unsterblichkeit einging, repräsentiert er nun wirklich das Polentum? “

Dann zitiert er Robert Schumanns Aussage über Chopin:   „Hut ab, ihr Herren! Ein Genie!“; Krienitz behauptet, Schumann äußerte sich über den „jungen Pianisten aus Warschau“ so kameradschaftlich, weil er in seinen Werken „wesensverwandte Dinge“ entdeckt haben müsse. Dann deutet Krienitz daraufhin, dass einer von Chopins Musiklehrern, Josef Elsner, ein Deutsch-Böhme war, der seinem Schüler Johann Sebastian Bachs Werke zu studieren gab.

Nach Meinung von Krienitz war Frédéric  Chopin nur deswegen so genial, weil er unter dem Einfluss der großen deutschen Romantiker komponierte und ihnen eigentlich seine ganze Schöpfung zu verdanken habe. Wegen Chopins Beziehungen zur deutschen Musik konnten ihn die Nazis gnädig anerkennen. Ohne Bach und ohne die deutschen Romantiker wäre er „nie zu der Reife gelangt, die ihn zum begehrenswerten Klavierkomponisten gemacht hat“, so Krienitz.

Ich finde, dass der einzige positive Aspekt des Artikels derjenige ist, dass dessen Autor die polnische Abstammung des Komponisten nicht bestreitet. Zwar äußert er sich über ihn tendenziell, versucht aber nicht aus ihm einen Franzosen zu machen.

Aleksej Sultanov  – der unterschätzte Preisträger

1927 erfolgte in Warschau der erste Internationale Chopin-Wettbewerb, der seit 1955 alle fünf Jahre stattfindet. Wenn man die Geschichte der Veranstaltung verfolgt, sieht man, dass die Mehrheit der Preisträger aus slawischen und asiatischen Ländern kam. Eigentlich halte ich es für Klischeedenken, dass nur polnische, eventuell slawische Künstler Chopins Werke gut spielen können (ebenso wie dies, dass Richard Wagner ausschließlich von deutschen Sängern richtig gesungen werden kann).  Es gab jedoch einen russischen Interpreten, dessen Aufführung des Klavierkonzerts f-Moll mich total begeistert hat. Das war Aleksej Sultanov, der 1995 am 13. Chopin-Klavierwettbewerb teilnahm. Er spielte mit so viel Gefühl, dass ich den Tränen nahe war, als ich die Übertragung  des Wettbewerbs im Fernsehen sah. Meiner Meinung nach hätte er damals den Ersten Preis bekommen sollen. Die Jury beschloss aber keinen Ersten, sondern zwei Zweite Preise zu verleihen, die Sultanov  zusammen mit dem französischen Pianisten Philippe Giusiano bekam.

Ich möchte nicht diskutieren oder darüber streiten, ob Chopin Frédéric François oder Fryderyk genannt werden soll. Für mich klingen die Worte des polnischen Dichters Cyprian Camil Norwid überzeugend, dass Chopin mit seinem großen Talent ein Weltbürger war. Ein hervorragender Musikweltbürger bleibt er jedenfalls für ewig.

[i]Josef Wulf, Kultur im Dritten Reich. Musik; Bibliothek der Zeitgeschichte Ullstein, Frankfurt/M; Berlin 1989, S. 253-254.

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Jolanta Lada-Zielke, 48, wurde in Krakau geboren, hat an der Jagiellonen-Universität Polnische Sprache und Literatur studiert, danach das Journalistik-Studium an der Päpstlichen Universität Krakau abgeschlossen. Gleichzeitig absolvierte sie ein Gesangsdiplom in der Musikoberschule Władysław Żeleński in Krakau. Als Journalistin war Jolanta zehn Jahre in dem Akademischen Radiorundfunksender Krakau angestellt, arbeitete auch mit Radio RMF Classic, und Radio ART im Bereich „Bayreuther Festspiele“ zusammen. 2003 hat sie ein Stipendium vom Goethe Institut Krakau bekommen. Für ihre  journalistische Arbeit wurde sie 2007 mit der Jubiläumsmedaille von 25 Jahren der Päpstlichen Universität ausgezeichnet. 2009 ist sie aus privaten Gründen nach Deutschland gezogen, zunächst nach München, seit 2013 lebt sie in Hamburg, wo sie als freiberufliche Journalistin tätig ist. Ihre Artikel erscheinen in der polnischen Musikfachzeitschrift „Ruch Muzyczny“, in der Theaterzeitung „Didaskalia“, in der kulturellen Zeitschrift für Polen in Bayern und Baden-Württemberg „Moje Miasto“ sowie auf dem Online-Portal „Culture Avenue“ in den USA.  Jolanta ist eine leidenschaftliche Chor-und Solo-Sängerin. Zu ihrem Repertoire gehören vor allem geistliche und künstlerische Lieder sowie Schlager aus den Dreißigern.

Posers Klassikwelt 1/2019: Der Opernhonk

Wagner verkündete seinerzeit: „Kinder schafft Neues!“ Gesagt getan: Hier ist der Opernhonk, kurz OH genannt.

von Ulrich Poser

Honk ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für jemanden, den man nicht mag, zum Beispiel weil er einen ärgert. Das Wort hat in etwa die Bedeutung der gleichfalls auslegungsbedürftigen und beleidigenden Bezeichnung  Vollpfosten. Auch existiert eine Mischform, der sogenannte Vollhonk.

Wagner verkündete seinerzeit: „Kinder schafft Neues!“ Gesagt getan: Hier ist der Opernhonk, kurz OH genannt.

Der regelmäßige Opernbesucher wird leider regelmäßig von anderen Opernbesuchern geärgert, den Operhonks. Es erscheint nunmehr an der Zeit und darüber hinaus aus rein statistischen Gründen geboten , die verschiedenen Arten der Opernhonks wie folgt zu klassifizieren:

OH 1: Geht mit dem Rücken zum Publikum durch die Reihe auf seinen Platz ohne Danke fürs Aufstehen und Durchlassen zu sagen.

OH 2: Klatscht an der falschen Stelle während der Aufführung.

OH 3: Zumeist weiblich. Trägt soviel Schmuck und Ornament, dass jede auch nur schwache Bewegung der Arme zur massiv störenden Perkussioneinlage wird (auch Lamettahonk genannt).

OH 4: Drückt seinem Vordermann ständig seine Beine unter Nutzung des Vordersitzes in den Rücken.

OH 5: Schaut während der Aufführung auf sein hell erleuchtetes Handy.

OH 6: Spricht während der Aufführung und/oder hustet an der falschen Stelle (etwa während des Liebestodes im „Tristan“) laut ab.

Es stellt sich dem Gequälten allabendlich die Frage, wie man auf den  jeweiligen Opernhonk reagieren sollte. Bei OH1 und OH 2 reicht ein leichtes Augenverdrehen aus. Die Damen der OH-3-Kategorie sind unantastbar. Schließlich kann niemand in der Aufführung verlangen, „Bitte nehmen Sie jetzt Ihren Schmuck ab“ oder „Bitte bewegen Sie ihre Arme nicht mehr“. Eine schlimme Honk-Kategorie also, mit der man sich einfach abfinden muss.

Bei OH 4 und OH 5 reicht meistens ein böser Blick oder ein leise geflüstertes, energisches „Bitte aufhören!“

Den Opernhonk der höchsten Kategorie OH 6 kann man, so zeigt die Erfahrung, nur mit einem drastischen Auszischen zum Schweigen bringen. Da dieses Auszischen oft lauter ist als die Tat des Opernhonks, sollte man über die britische Lösung der Queen nachdenken: Niemals beschweren!

Ulrich Poser, 13. Oktober 2019, für

klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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Der Franke Ulrich Poser, Jahrgang 1962, lebt in Hamburg und bezeichnet sich selbst als „musikverrückt“; im Laufe der Jahre hat er sich eine formidable Schallplatten- und CD-Sammlung mit einigen tausend Sammlerstücken zugelegt, die zum Bedauern seiner Ehefrau nahezu täglich erweitert wird. Im Symphonischen Chor Hamburg (als Bass) und in einer Rockband (als Sänger, Gitarrist und Keyboarder) ist Ulrich Poser darüber hinaus selbst als aktiver Musiker unterwegs.
Ulrich ist seit 1996 als Rechtsanwalt zugelassen und seit 2009 Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht. Er ist Geschäftsführer der Veranstaltungsrechtskanzlei Poser und Inhaber der auf die Veranstaltungsbranche spezialisierten Seminarfirma Poser-Seminare sowie Vorsitzender und Justiziar des Berufsverbandes Der Veranstaltungsberater e.V.
Der ausgesprochene Wagnernarr besucht seit 1988 nahezu jedes Jahr den Grünen Hügel in Bayreuth.

Lieses Klassikwelt 3/2019: Deutsche Sprache

Heute scheint die deutsche Romantik die Jungen zu überfordern, findet auch Brigitte Fassbaender, eine weitere Grande Dame, die sich im hohen Alter noch für das Lied stark macht, mit Verweis auf den Zeitgeist und sprachliche Verkümmerungen, die diametral stehen zu der Poesie solcher Dichter wie Eichendorff, Heine oder Hesse und deren Spiegelungen seelischer Befindlichkeiten in der Natur.

von Kirsten Liese

Edda Moser wurde letzte Woche mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Das Bundespräsidialamt begründete dies mit dem „besonders ausgeprägten Sprachempfinden“ der Sängerin und Leiterin des Festspiels der deutschen Sprache „in den Dienst der Allgemeinheit“.

Das erscheint mir als ein unverhofft positives Zeichen in Zeiten, in denen die deutsche Sprache wie überhaupt alles Deutsche in Deutschland einen schweren Stand hat. In der Hochkultur läuft es zunehmend mehr in Englisch ab. Filmfestspiele sind dafür ein gutes Beispiel. Die Berlinale präsentiert ausschließlich die Wettbewerbsfilme mit Untertiteln in Deutsch und Englisch, alle Produktionen in den Nebenreihen dagegen nur mit englischen Untertiteln – wenn nicht in englischer Originalversion. Unsere europäischen Nachbarn sind da selbstbewusster, zeigen zuzüglich der englischen Untertitel immer auch die in der Landessprache, sei es nun Cannes,  Locarno, San Sebastian oder Venedig. „Lieses Klassikwelt 3/2019,
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Sommereggers Klassikwelt 4 / 2019: Mimis ewig kalte Hände: Die Mutlosigkeit der Klassik-Szene

Unverbrauchte Stücke würden auch den Regisseuren neue Entfaltungsmöglichkeiten und Ansätze bieten. Wären diese zunehmend destruktiv auftretenden Theatermacher vom Zwang der permanenten Neudeutung nur allzu bekannter Werke befreit, könnte sich vielleicht eine Musiktheater-Ästhetik jenseits mutwilliger Stückzertrümmerung und abstruser Umdeutungen entwickeln.  Das Publikum könnte wieder  Neugier auf Unbekanntes bekommen – und es hat noch keinem Museum geschadet, wenn es einmal durchgelüftet wird!

von Peter Sommeregger, Berlin

Dass die Oper zumindest in Teilen eine museale Kunstform ist, kann niemand leugnen. Die Zahl neuer Werke für das Musiktheater ist überschaubar, dass Intendanten zumeist einen Bogen um Uraufführungen machen, darf nicht verwundern. Außer hohen Kosten und begrenzter Aufmerksamkeit ist dabei nichts zu gewinnen. Ein Überraschungserfolg wie „Oceane“ von Detlef Glanert an der Deutschen Oper Berlin in der letzten Spielzeit stellt letztlich eine Ausnahme dar, und noch ist nicht gesichert, dass dieses Werk jemals ins Repertoire wachsen wird.

Seit dem Zweiten Weltkrieg sind es im Wesentlichen nur zwei Opern, die sich dauerhaft auf Internationalen Spielplänen halten konnten: Strawinskys „Rake’s Progress“ und B.A. Zimmermanns „Soldaten“. Eine wahrhaft magere Ausbeute für ein Dreiviertel-Jahrhundert!

Wer kann es den Intendanzen und ihren Dramaturgen verdenken, wenn sie auf Nummer sicher gehen wollen, und wiederum Mimis Muff, Carmens Kastagnetten und Violettas Schwindsucht hervor holen.  Ein Opernhaus ist ein wirtschaftliches Unternehmen und muss trotz aller Subventionen auch noch ein respektables Einspielergebnis vorweisen können. Was dabei auf der Strecke bleibt, sind aber Fantasie und kreative Ansätze. Musikbibliotheken und Archive sind voll von Partituren selten oder nie gespielter Werke aller Epochen.

Warum gelingt es der Szene der alten Musik, speziell der Barockoper, regelmäßig, seit Ewigkeiten nicht mehr Gespieltes erfolgreich wieder zu beleben? Ein Komponist wie Leonardo Vinci war völlig vergessen, seit der Ausgrabung seines brillanten „Artaserse“ kann das Publikum nicht genug von ihm bekommen. Eine Schwemme von zum Teil grandiosen Counter-Tenören bietet diesen Wiederbelebungen auch das erforderliche Personal, während in der konventionellen Opernszene die Standards des Gesanges nie geahnte Tiefpunkte erreichen, und die wenigen Stars bis zur Erschöpfung von einer Traviata oder einem Otello zum nächsten hetzen.

Die Barock-bzw. Counter-Szene scheint ein kreativer, innovativer Raum zu sein, in dem sich Spezialisten gefunden haben und mit Geduld Künstler und neue Aufführungsformen entwickeln. Franco Fagioli, der absolute Star der Countertenöre, ist seit seinen Anfängen einen langen, weiten Weg gegangen, der ihm aber ein gesundes Fundament für seine Weltkarriere verschafft hat.

Ein wenig Risikobereitschaft möchte man den Herren und Damen Intendanten schon empfehlen. Verdi, Puccini, Strauss haben noch mehr Werke als Aida, Boheme und Rosenkavalier geschrieben, Meyerbeer, Halevy füllten große Häuser mit Opern, die heute niemand mehr kennt. Von Wagners insgesamt dreizehn Opern werden zehn fast zu Tode gespielt, die frühen drei kennt kaum einer. Diese Liste ließe sich beliebig ausdehnen. Ist eine Ausgrabung gelungen, stürzen sich  aber sofort viele Häuser auf das Werk und beweisen damit erneut einen Mangel an Kreativität. Korngolds „Tote Stadt“, nach einem Welterfolg  der Uraufführung später von den Nazis verbannt, wird augenblicklich wieder landauf, landab gespielt. Das Werk verdient es durchaus, aber es gäbe noch sehr viel mehr von Korngold und anderen zu entdecken.

Unverbrauchte Stücke würden auch den Regisseuren neue Entfaltungsmöglichkeiten und Ansätze bieten. Wären diese zunehmend destruktiv auftretenden Theatermacher vom Zwang der permanenten Neudeutung nur allzu bekannter Werke befreit, könnte sich vielleicht eine Musiktheater-Ästhetik jenseits mutwilliger Stückzertrümmerung und abstruser Umdeutungen entwickeln.  Das Publikum könnte wieder  Neugier auf Unbekanntes bekommen – und es hat noch keinem Museum geschadet, wenn es einmal durchgelüftet wird!

Peter Sommeregger, Berlin, 9. Oktober 2019, für
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Der gebürtige Wiener Peter Sommeregger (Jahrgang 1946) besuchte das Humanistische Gymnasium. Er wuchs im 9. Gemeindebezirk auf, ganz in der Nähe von Franz Schuberts Geburtshaus. Schon vor der Einschulung verzauberte ihn an der Wiener Staatsoper Mozarts „Zauberflöte“ und Webers „Freischütz“ – die Oper wurde die Liebe seines Lebens. Mit 19 Jahren zog der gelernte Buchhändler nach München, auch dort wieder Oper, Konzert und wieder Oper. Peter kennt alle wichtigen Spielstätten wie die in Paris, Barcelona, Madrid, Verona, Wien und die New Yorker Met. Er hat alles singen und dirigieren gehört, was Rang und Namen hatte und hat – von Maria Callas und Herbert von Karajan bis zu Ricardo Muti und Anna Netrebko. Seit 25 Jahren lebt Peter in Berlin-Weißensee – in der Hauptstadt gibt es ja gleich drei Opernhäuser, die er auch kritisch rezensiert: u.a. für das Magazin ORPHEUS – Oper und mehr. Buchveröffentlichungen: „‘Wir Künstler sind andere Naturen.‘ Das Leben der Sächsischen Hofopernsängerin Margarethe Siems“ und „Die drei Leben der Jetty Treffz – der ersten Frau des Walzerkönigs“. Peter ist seit 2018 Autor bei klassik-begeistert.de .