Louisa Sophia Jefferson, Klavier © Shigeru Kawai Europa
Nach einer spektakulären Sternstunde von Stefan Bonev am Wochenende stürzte sich nun auch Louisa Sophia Jefferson mit einem mitreißenden Programm in die Fußstapfen der Klavierlegenden. Die Elbphilharmonie eröffnet wohl gerade eine pianistische Talentschmiede, weiter so!
Louisa Sophia Jefferson, Klavier
Werke von Ludwig van Beethoven, Frédéric Chopin, Johann Sebastian Bach/Johannes Brahms, Sergej Prokofjew und Igor Strawinsky
Elbphilharmonie Hamburg, Kleiner Saal, 31. März 2026
von Johannes Karl Fischer
Drei virtuose Spitzenwerke von Beethoven, Strawinsky, Prokofjew und als Zwischengericht ein bisschen Chopin: Dieses Programm hätte glatt aus der Feder der Pianistenlegende Maurizio Pollini stammen können! Naja, er gewann ja auch mit 18 den prestigeträchtigen Chopin-Wettbewerb, das ist schon eine recht einmalige Leistung. Und auch die heutige Pianistin Louisa Sophia Jefferson ist mit gerade einmal 20 bereits stolze Master-Absolventin, verkündete Beirat der Stiftung Flügel-Fundus Matthias Maschlanka in seiner Einführungsrede. Da tappt jemand in den Fußstapfen der ganz Großen, würde ich mal sagen …
Jefferson eröffnet mit einer grandiosen Appassionata …
Völlig furchtlos stürzte sich die aufsteigende Star-Pianistin in das mitreißende Programm und erntete zurecht stehende Ovationen im ausverkauften Kleinen Saal der Elbphilharmonie. Bereits die quer über die Tasten rollenden Arpeggi der Beethoven-Appassionata schwebten mit Grandezza aus ihren Fingern, mühelos legte sie die langen Melodien in den Saal. Die Reife dieses pianistisch bahnbrechenden Werks spielte sie mit Liebe aus, man spürte die Melodien tief ins musikalische Herz dringen. Regelrecht rauschhaft spielte sie dann den Schlusssatz, als wollte sie in einen feurigen Tanz mit diesen mitreißenden Melodien über die Bühne sausen.

… und beschenkt das Publikum mit Brahms’ Bach-Verehrung!
Da brauchte die musikalische Seele erstmal ein wenig Ruhe, die bekam sie auch mit einer wunderbaren Darbietung von Chopins f-Moll-Ballade op. 52. Wie eine sanft auf der Zunge zergehende Schokoladenpraline flossen die Noten aus den Saiten und streichelten die Ohren des Publikums. Ein besonderes Highlight des Abends war die recht rar gespielte Brahms-Transkription der Bach’schen d-Moll-Chaconne. Die originale Geigenfassung gilt als einer der ergreifendsten Werke der Klassik, auch Louisa Sophia Jeffersons Aufführung der Klaviertranskription kostete alle feinsten Ecken dieser schlichten wie schreitenden Melodien mit Liebe aus.

Nach der Pause ging es mit Prokofjews vierter Klaviersonate nochmal ordentlich zur Sache. Inmitten musikalisch introvertierter, doch intensiven Emotionen führte die Pianistin diese Musik ergreifend durch alle klanglichen Höhen und Tiefen, ehe sie sich zum Schluss die Spannung dieser Klänge frei umher toben ließ. Hier glänzte auch der Shigeru Kawai Flügel – mittlerweile Stammgast im Hamburger Musiktempel – besonders stark mit klaren, kraftvoll resonierenden Melodien, wie perfekt gemacht für die ausdrucksvollen Melodien der musikalischen Romantik.
Stehende Ovationen für Strawinsky
Ein absoluter Showstopper waren zum Schluss dann noch Strawinskys Drei Petruschkasätze – frisch von einem Meisterkurs bei Lang Lang. Auch nach einem bereits extrem fordernden Programm hatte die Solistin nicht nur noch Energie für dieses akrobatischen Wunder der Klavierkunst, nein, an den mehroktavigen Sprüngen und über die Klaviatur sausenden Läufen hatte sie sogar sichtlich Spaß. Louisa Sophia Jefferson lebte hier für ihre Kunst und ließ das Publikum für zwei viel zu kurze Stunden an dieser namenlosen Freude teilhaben.

Zwei Zugaben legte die Heldin des Abends obendrauf: Einen zauberhaft fließenden Satz aus Tschaikowsky Die Jahreszeiten und natürlich die Yuja-Wang-Style verjazzte Version von Mozarts Alla-Turca-Rondo.
Das Publikum feierte die Pianistin wie Martha Argerich 2.0, eine lange Foto-Schlange bildete sich nach dem Konzert vor dem Künstlerausgang.
Was steht nur als nächstes auf dem Programm, vielleicht Hammerklavier in der Carnegie Hall?
Johannes Karl Fischer, 1. April 2026 für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
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