Wir gedenken von uns gegangener SängerInnen

Titelbild: Tabgha am See Gennesaret (Bayerischer Rundfunk)

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Aus den Medien sind die schockierenden Meldungen bekannt. Der uns durch die Schallplattenfirma RCA viel sagende Bariton Leonard Warren und der Bassbariton Hermann Uhde, selbst als Escamillo und Großinquisitor an der Wiener Staatsoper gehört, brachen leblos auf der Bühne zusammen. Viele unserer einst bewunderten Lieblinge haben uns bereits verlassen, im zweiten Jahrzehnt unsres Jahrtausends häufen sich unsere traurigen Entdeckungen, wenn wir für ein Feuilleton in ihren Biografien recherchieren.  So weilen von den fünfzehn auf der Bühne erlebten Ochsen auf Lerchenau (siehe Schweitzers Klassikwelt 65) sieben nicht mehr unter uns. Trostreich ist, dass oft erst in einem hohen Alter der Lebensbogen vieler SängerInnen zu Ende ging. Vielleicht ist der Beruf auf der Opernbühne doch nicht zu aufreibend, so dass man die Lorbeeren nach einem erfüllten Künstlerleben noch lange gemeinsam mit Familie und Freunden genießen kann. „Schweitzers Klassikwelt 74: Wir gedenken von uns gegangener SängerInnen
klassik-begeistert.de 1. November 2022“
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Die Hugenotten von Meyerbeer: eine Aufführung der Extraklasse in der Semperoper Dresden

Foto: »Les Huguenots/Die Hugenotten« © Semperoper Dresden/Ludwig Olah

Les Huguenots / Die Hugenotten
7. Vorstellung seit der Premiere am 29. Juni 2019

Die Hugenotten
Musik von Giacomo Meyerbeer
Text von Eugène Scribe und Émile Deschamps

Sächsische Staatskapelle Dresden
Sächsischer Staatsopernchor
Knaben des Kinderchores der Sächsischen Staatsoper Dresden
John Fiore, Dirigent
Peter Konwitschny, Inszenierung
Johannes Leiacker, Bühnenbild und Kostüme

Solisten
Raoul de Nangis, Sergey Romanovski
Marcel, Lawson Anderson
Catherine de Médicis, Sabine Brohm
Marguerite de Valois, Elena Gorshunova
Graf de St. Bris, Tilmann Rönnebeck
Valentine, seine Tochter, Jennifer Rowley
Graf de Nevers, Dimitris Tiliakos
Urbain, Page der Marguerite, Štĕpánka Pučálková
und weitere Solisten

Semperoper Dresden, 22. Oktober 2022

von Olaf und Brigitte Barthier

Eine Grand Opéra in einem der schönsten Opernhäuser

Die Uraufführung fand am 29. Februar 1836 im Le Peletier in Paris statt. Es war Meyerbeers zweite große Oper, die nach „Robert, der Teufel“ zur Aufführung gekommen ist. Sie ist allein in Paris wohl über 1000 mal aufgeführt worden und gehört damit zu den meistgespielten Opern im 19. Jahrhundert.

Auch in Dresden gehörten „Die Hugenotten“ bis in die 1920er-Jahre zum Repertoire des Opernhauses. Durch den aufkommenden Antisemitismus und die Machtübernahme der Nationalsozialisten verschwand Meyerbeer vom Spielplan der Opernhäuser.

Die von uns besuchte Aufführung ist eine Inszenierung von 2019, rückgehend auf einen in Dresden nicht unbekannten Regisseur und dessen Team. Er hat in Dresden bereits vieles inszeniert, in den 90er-Jahren Richard Wagners „Tannhäuser“, noch heute im Repertoire der Semperoper vertreten. In der letzten Spielzeit brachte er Schostakowitschs „Die Nase“ zur Aufführung. „Die Hugenotten, Musik von Giacomo Meyerbeer
Semperoper Dresden, 22. Oktober 2022“
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Simon Stones umstrittene „La Traviata" spaltet die Gemüter

Foto: © Michael Pöhn

LA TRAVIATA
Musik von Giuseppe Verdi
Text von Francesco Maria Piave nach Alexandre Dumas (Sohn)
Melodramma in drei Akten

Wiener Staatsoper, 29. Oktober 2022

von Jürgen Pathy

Etwas mehr Schmutz – den hätte es musikalisch zeitweise durchaus vertragen. An der Wiener Staatsoper leitet Thomas Guggeis, 29, gerade die aktuelle Serie von „La Traviata“, der meistgespielten Oper von Giuseppe Verdi. Höhepunkte setzt der blutjunge Dirigent erst zum Ende. Zuvor führt er zwar ein feines, beinahe schon edles Dirigat, schlüpft aber viel zu sauber in die Partitur, die durchaus mehr Derbheit vertragen könnte. Vielleicht aber auch nur, um das Regiekonzept zu unterstützen.

Die Dosis macht das Gift

Damit hat Simon Stone in Wien schon viel Staub aufgewirbelt. Das Konzept des gebürtigen Schweizers, der lange Zeit in Australien gelebt hat: Alte Klassiker durch den Fleischwolf drehen und mit teils sogar neuem Text in die Gegenwart transportieren. „Überschreibungen“ nennt Stone das. Damit hat er am Sprechtheater für Furore gesorgt. Nun hat man den „Regie-Shootingstar“, den auch das ferne Hollywood mit Angeboten lockt, auf die Oper losgelassen.

„LA TRAVIATA, Musik von Giuseppe Verdi
Wiener Staatsoper, 29. Oktober 2022“
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An diesem Abend versammelt sich die Crème de la Crème des Swinging Jazz in der Elbphilharmonie

Foto: Iris Röckrath

Jazz in der Elbphilharmonie

JOSHUA REDMAN / BRAD MEHLDAU / CHRISTIAN MCBRIDE / BRIAN BLADE

Joshua Redman saxophone
Brad Mehldau piano
Christian McBride bass
Brian Blade drums

»A Mood Swing Reunion«

Elbphilharmonie, Großer Saal, 29. Oktober 2022

von Iris Röckrath

Jazz auf allerhöchstem Niveau in der Elbphilharmonie hören zu dürfen, kommt einem Sechser mit Zusatzzahl gleich. „Wir sind ausverkauft“, viele Menschen versuchten noch an der Abendkasse ihr Glück. Leider ohne Erfolg.

Alle Besucher, die ein Ticket ergattern konnten, empfangen das Quartett, dass sich bereits 1994 (als junge Mittzwanziger) zu dem legendären Album „Mood Swing“ zusammengefunden hatte, im großen Saal mit nicht enden wollendem herzlichen Applaus und Bravorufen. „»A Mood Swing Reunion« Jazz in der Elbphilharmonie
Elbphilharmonie, Großer Saal, 29. Oktober 2022“
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Sing mich um den Verstand! – Das Theater Lübeck schenkt leichte Muse auf hohem Niveau

Theater Lübeck, Photos: Lutz Roeßler

Die folgenden drei Vorstellungen dieser vielseitigen Revue mit Garantie für gute Laune sind am 12. November, am 3. und am 16. Dezember 2022.

Sing mich um den Verstand!
Operetten- und Musical-Revue

Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck
Chor des Theaters Lübeck

Paul Willi-Förster, Dirigent
Bernd Reiner Krieger, Idee und Realisation

Theater Lübeck, 29. Oktober 2022

von Dr. Andreas Ströbl

Eine „Mischung aus höherem Blödsinn und großen Gefühlen“ nennt Bernd Reiner Krieger, stellvertretender Operndirektor des Lübecker Theaters, seine Operetten- und Musical-Revue. Die ist so bunt wie das Herbstlaub, aber bei weitem nicht so melancholisch wie der Jahresausklang. Dieses Potpourri aus berühmten und weniger bekannten Stücken zaubert schlichtweg gute Laune, spielt zuweilen mit starken Emotionen und bricht sie dann komödiantisch wieder. „Sing mich um den Verstand! Operetten- und Musical-Revue
Theater Lübeck, 29. Oktober 2022“
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DIE MONTAG-PRESSE – 31. OKTOBER 2022

© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

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DIE MONTAG-PRESSE – 31. OKTOBER 2022

Wien/Staatsoper
Polizei trug pöbelnden Besucher aus Staatsoper
Ein 55-jähriger Deutscher ist am Samstagabend von der Polizei aus der Wiener Staatsoper getragen worden. Der Mann hatte andere Besucher und Angestellte angepöbelt und die Vorstellung gestört, berichtete „Heute“.
https://wien.orf.at/stories/3180137/

Polizei trägt Randalierer aus der Oper, bekommt dafür Applaus
Heute.at

Staatsoper: Polizisten zerrten aggressiven Besucher aus dem Saal
Zwischenfall und Spektakel in der Staatsoper am Samstagabend bei „La Traviata“ – zunächst Saalverweis, dann Hausverbot
Kurier.at

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César Franck, der berühmte Unbekannte

CD-Rezension:

César Franck Edition

16 CD

Warner 0190296317859

von Peter Sommeregger

Der Komponist César Franck entzieht sich vielfach einer exakten Einordnung, das beginnt schon bei seinem familiären Hintergrund und der Region seiner Geburt.

Francks Mutter stammte aus Aachen, der Vater aus einem im Dreiländereck gelegenen Dorf. Nach der Heirat ließ sich die junge Familie in Lüttich nieder, wo César am 10. Dezember 1822 geboren wurde. So ist der Komponist von deutsch-belgischer Abstammung, aber nicht zuletzt durch sein Studium am Pariser Konservatorium der französischen Impressionistischen Schule zuzurechnen. „CD-Rezension: César Franck Edition
klassik-begeistert.de 30. Oktober 2022“
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DIE SONNTAG-PRESSE – 30. OKTOBER 2022

Foto: Thomas Hengelbrock © Florence Grandidier

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DIE SONNTAG-PRESSE – 30. OKTOBER 2022

Wuchtige Virtuosität
Thomas Hengelbrock dirigiert die Münchner Philharmoniker, Alexandre Kantorow spielt Rachmaninows erstes Klavierkonzert.
SueddeutscheZeitung.de.münchen

Berlin/Deutsche Oper
Zwei musikalische Welten: Deutsche Oper zeigt „Negar“
Viele sagen, dass die Proteste im Iran zurzeit die stärksten sind, die es seit der Revolution 1979 gab. Da passt es, dass an der Deutschen Oper Berlin ein Musiktheaterstück uraufgeführt wird, dass in Teheran spielt – obwohl „Negar“ schon längst hätte Premiere haben sollen.
inforadio.de

„Negar“ – Musiktheater von Marie-Ève Signeyrole und Keyvan Chemirani
rbb.online.de

Berlin
Staatsoper Unter den Linden: Vaudeville in Havanna
Späte Uraufführung: „La Piccola Cubana“ von Hans Werner Henze und Hans Magnus Enzensberger im Alten Orchesterprobensaal der Berliner Staatsoper
Tagesspiegel.de

„DIE SONNTAG-PRESSE – 30. OKTOBER 2022“ weiterlesen

„Glücklich macht uns Illusion“ – „Die Fledermaus“ flattert fröhlich in Lübeck

Foto: © TL/Olaf Malzahn

Die Fledermaus
Operette von Johann Strauß  

Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck
Chor des Theaters Lübeck
Stefan Vladar, Dirigent

Michael Wallner, Inszenierung

Theater Lübeck, 28. Oktober 2022

von Dr. Andreas Ströbl

Darf man in diesen Zeiten Operetten aufführen? Darf man sich ohne schlechtes Gewissen amüsieren, in Wiener Walzerseligkeit schwelgen und über die Schwächen von harmlosen Trotteln und selbstgefälligen Machos lachen, während die Welt täglich mehr in Chaos und Gewalt versinkt?

Das Theater Lübeck hat sich gerade jetzt entschlossen, die Operette schlechthin, Johann Strauß’ „Fledermaus“ in einer Inszenierung von Michael Wallner auf den Spielplan zu setzen. Nach einer gefeierten Premiere am 14. Oktober 2022 gab es auch bei der zweiten Aufführung den ersten begeisterten Applaus gleich nach der Ouvertüre. Die ist in der Tat nicht zu unterschätzen, weil sie kompositorisch ausgesprochen anspruchsvoll ist, schließlich wechseln hier in rascher Folge Dynamik und Rhythmen, damit Stimmungen und musikalische Bilder. „Die Fledermaus, Operette von Johann Strauß
Theater Lübeck, 28. Oktober 2022“
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Dieser „Traviata“ fehlen echte Emotionen

Blu-ray-Rezension:

Giuseppe Verdi
La Traviata

Orchestra e Coro del Maggio Musicale Fiorentino
Zubin Mehta  Dirigent
Davide Livermore  Regisseur

Dynamic  57955

von Peter Sommeregger

Ganze fünf Minuten reichen dem Regisseur Davide Livermore, um seine Traviata-Inszenierung in eine mäßig geschmackvolle Beliebigkeit abgleiten zu lassen. Was wir zu sehen bekommen, ist plumpes Rampentheater, basierend auf dem schier unausrottbaren Missverständnis, das diesen Stoff von je begleitet. „Blu-ray-Rezension: Giuseppe Verdi, La Traviata
klassik-begeistert.de 29. Oktober 2022“
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