„Russen, die ich liebe!“
von Harald Nicolas Stazol
Der Tanz der Schwerter – wer würde, meinen 14-jährigen Ziehsohn Vince einbeziehend, bei so einer Headline nicht hineingezogen werden? Nun, Sergej Prokofjev schenkt es uns in Romeo und Julia:
Im Marynski 1988 werfen die purpurnen Ritter Brokatkissen im Takte der schon ekstatisch zu nennenden Streicher, Ta-tata-ta-ta-Ta-TAA-Taa stilbildend, – bei Nurejew schwingt man fast gefährlich die Säbel, in einer anderen werfen sie Seidenkissen unter die Knie im Fallen. Und dem aufscheinenden Menuett der alten Capulets stehen jene Spalier, schon dort ist Ästhetizismus alter Schule, zutiefst russisch, möchte man sagen, ein Hof legt Ehre ein, “nothing succeeds like Excess” sagt Maggie Smith als Dowager Duchess of Grantham in Downton Abbey, als man versucht mit prächtiger Tafel das Geld von Shirley McLaine einzuheimsen – nun, in dieser Inszenierung spielt Geld keine Rolle.
Es beginnt mit dem ersten Bild, dem florentinischen Hof, ein Reiterstandbild, um das im fahl-blauen Morgenlichte die Erinnyen herumfliehen, und -fließen, und der Fürst die Todesstrafe verhängt für Kämpfe und Händel aller Art auf Straßen und Plätzen. (Händel: Streitereien, nicht Georg Friedrich).
Zum Glück aber ist das Mercutio und Prokofjev und Nurejew schließlich völlig egal, denn sonst säße man ja jetzt einfach im Dunkeln, und nichts würde mehr passieren. Tut es aber, und wie! „Haralds Passionen VI: Shakespeare auf Russisch
klassik-begeistert.de 12. Juli 2022“ weiterlesen