Foto: © Geoffroy Schied
Wagnerfreunde dürfen dicke Terminkreuze machen. Liebhaberinnen und Liebhaber des zeitgenössischen Musik- und Tanztheaters dürfen München nicht außer Acht lassen. Gespannt bin ich auf die Dirigate von Gemma New (Doctor Atomic) und Karina Canellakis (Werther).
München, 6. September 2026
von Frank Heublein
Oper mit den Schwerpunkten Wagner und zeitgenössischer Oper
Die Staatsoper wird gleich zwei, die letzten beiden Ringteile Siegfried und Götterdämmerung in der Saison produzieren, es sind die erste und vorletzte Produktion der Saison. Während der Festspiele gibt es dann zwei Ringaufführungen. Regisseur Tobias Kratzer will dafür die drei Teile an die Götterdämmerung anpassen. Tenor Benjamin Bruns ist in beiden Spielzeitpremieren als Siegfried zu erleben. Ihn habe ich am Haus in Ligetis Le grand macabre erlebt.
Die Spielzeit ist wieder eine mit Ja, Mai Festival. Damit liegt der zweite Schwerpunkt auf moderner Oper. Neben Ja, Mai gibt es zwei weitere Produktionen aus dem zwanzigsten Jahrhundert auf dem Spielplan. Adams Doctor Atomic ab Februar 2027 und die letzte Spielzeitpremiere, die im Juli 2027 in die Festspielzeit fällt: Brittens Death in Venice.
Doctor Atomic dirigiert die Neuseeländerin Gemma New. Sie habe ich mit Britten Anfang des Jahres im Einsatz gesehen. Ein an der Staatsoper sehr präsentes Regiegesicht sorgt für die szenische Umsetzung: Claus Guth. Marlis Petersen feierte in München in der Vergangenheit Erfolge, großartige Erinnerungen habe ich an Die tote Stadt. Sie singt die Kitty Oppenheimer.
Im späten April und frühen Mai wird Diana Syrses Liberty uraufgeführt. In Gordon Kampes Die Kreide im Mund des Wolfs wird Georg Nigl die einzige Rolle des Stücks ausprägen. Der Bariton hat mich zweimal überzeugt in Salzburg dieses Jahr. Sowohl in Dusapins Passion als auch in Henzes Prinz von Homburg. Meine Vorfreude ist groß. Georg Friedrich Haas‘ Kammeroper Koma wird kombiniert mit Monteverdis dramatischem Madrigal Il Combattimento Di Tancredi E Clorinda. Sopranistin Sarah Aristidou wird in beiden Stücken zu hören zu sein. Ich habe sie bei den Salzburger Festspielen in Dusapins Passion erleben dürfen. In München erinnere ich mich an ihren Auftritt in Ligetis Le grand macabre. Ich freue mich auf ihre Verve. Das Münchner Kammerorchester (MKO) wird unter der Leitung von Bas Wiegers musizieren. Romeo Castellucci inszeniert. Mich hat er dieses Jahr in Salzburg mit seiner Inszenierung von Messians Saint François d‘Assise überzeugt.
Die verbleibenden drei Premieren sind keine Mainstreamopern. Maria Stuarda von Donizetti. In Tschaikowskis Mazeppa wird Olga Kulchynska singen, die ich aus der Salzburger Produktion Giulio Cesare in Egitto in sehr guter Erinnerung habe. Die Titelpartie in Massenets Werther singt Tenorsuperstar Jonathan Tetelman, überragend am Haus in Gounods Faust in der abgelaufenen Spielzeit. US-Amerikanerin Karina Canellakis dirigiert. Die im Film- und Theaterbereich erfahrene Marie-Ève Signeyrole inszeniert.
Ballett mit Bausch-Gluck und Dracula
Eine wunderbare Kombination bringt eine meiner Lieblingsopern auf den Tanzboden. Pina Bauschs Interpretation von Glucks Orpheus und Eurydike wird innerhalb der Ballettwoche im April 2027 aufgeführt. Dazu gibt es ein weiteres nicht alltägliches Highlight: die Uraufführung eines Handlungsballetts. Carpatia – der Mythos der Untoten. Es ist die Heimat Draculas und Edward Clugs. Dieser choreografiert und inszeniert. Kommt ab November 2026 auf die Bühne.
Ausführlicher werde ich im Bericht über die Spielzeitpräsentation.
Frank Heublein, 6. September 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Spielzeitpräsentation 2026/27 Bayerische Staatsoper Nationaltheater, München, 15. März 2026
Ludwig van Beethoven, Fidelio Bayerische Staatsoper, 12. Juli 2026
Le Parc, Ballett von Angelin Preljocaj Bayerische Staatsoper, 26. Juni 2026