Dieser Mahagony-Flügel ist verliebt in András Schiff – besonders bei Bach

Sir András Schiff,  Wiener Konzerthaus

Foto: Olaf Malzahn
Wiener Konzerthaus, 3. Juni 2018
Sir András Schiff

Werke von
Felix Mendelssohn Bartholdy (Fantasie fis-moll op 28)
Ludwig van Beethoven Sonate Fis-Dur Op.78)
Johannes Brahms (Acht Klavierstücke op.76; Sieben Fantasien op.116)
Johann Sebastian Bach (Englische Suite. 6 d-moll BWF 811)

Von Charles E. Ritterband

Bereits die einführenden Worte dieses Meisters waren ein Hochgenuss: Sir András Schiff sprach von seinem Flügel der altehrwürdigen Wiener Klavierfabrik Bösendorfer aus wundervoll gemasertem, in vielen edlen Brauntönen glänzenden Mahagony-Holz. Der große, 1953 in Budapest geborene Pianist – viele sagen: der weltweit beste – sprach zärtlich von diesem einzigartigen, eigens für ihn hergestellten Instrument. Es ist im Vergleich zu Steinway-Flügeln länger, nämlich drei Meter statt nur 2,80, und Schiff stellte die Frage, weshalb alle Konzertflügel schwarz lackiert seien – schließlich dürften die Streichinstrumente auch in ihren Holzfarben auftreten.

Schiff entlockte seinem Flügel wunderbarste Töne; da es sich um ein relativ neues Instrument handelte, fehlten die Bässe weitgehend, dafür sangen die Höhen. Eine regelmäßige Konzertbesucherin ließ sich zum Bonmot verführen, dieser Flügel sei verliebt in András Schiff (und nicht umgekehrt).

Wie dem auch sei: Schiff betonte, dass die Auswahl eines Konzertprogramms wie dieses im Wiener Konzerthaus niemals zufällig, sondern sorgfältig durchdacht und geplant sei. Die Wiener Klassik dominierte mit Beethoven (Sonate Fis-Dur Op. 78), doch unverkennbar ein Schwerpunkt dieses überaus anspruchsvollen Programms waren Brahms (Acht Klavierstücke op.76 ; Sieben Fantasien op.116) und Felix Mendelssohn Bartholdy (Fantasie fis-moll op 28).

Besonders die Mendelssohn-Fantasie intonierte Schiff mit größter Subtilität und, wie alle Stücke, präzise, melodiös und zugleich mit völlig unprätentiöser Eleganz. Besonders gefielen die beiden munteren Capricci in fis- und h-moll in den Acht Klavierstücken von Brahms und, als Kontrast, die elegischen Fantasien op. 116. Höhepunkt des Programms war die Englische Suite Nummer 6 von Johann Sebastian Bach – für Schiff ist Bach der größte, der „Vater aller Komponisten“, ja geradezu ein Gott. Unter dem begeisterten Applaus der über 1865 Besucher in dem prachtvollen großen Jugendstil-Saal verwöhnte uns Schiff mit vier herrlichen Zugaben.

Charles E. Ritterband, 5. Juni 2018, für
klassik-begeistert.de

 

 

 

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