Dresden: Anne-Sophie Mutter und das Kammerorchester Wien-Berlin begeistern mit Mozart

Anne-Sophie Mutter, Kammerorchester Wien-Berlin, Rainer Honeck, Kulturpalast Dresden, 26. Mai 2019

Foto: Anne-Sophie Mutter  © Harald Hoffmann / DG
Kulturpalast Dresden,
26. Mai 2019
Anne-Sophie Mutter, Violine und Künstlerische Leitung Violinkonzerte
Kammerorchester Wien-Berlin
Rainer Honeck, Konzertmeister und Künstlerische Leitung 

von Pauline Lehmann

Bei den Dresdner Musikfestspielen gastieren Anne-Sophie Mutter und das Kammerorchester Wien-Berlin mit ihrem Mozart-Programm im Dresdner Kulturpalast. Nach den beiden Violinkonzerten Nr. 2 in D-Dur und Nr. 3 in G-Dur sowie dem sinfonischen Erstlingswerk in Es-Dur bildet das fünfte Violinkonzert in A-Dur mit der preschenden Alla turca im Finalsatz zugleich Höhepunkt und Abschluss der Matinee.

Es sind die gleichen Konzerte, mit denen Anne-Sophie Mutter vor über 40 Jahren ihre Weltkarriere begann. 1977 debütierte sie mit Mozarts Violinkonzert Nr. 3 bei den Pfingstfestspielen in Salzburg mit den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan. Ein Jahr später folgte die erste Aufnahme für die Deutsche Grammophon – ein Album mit Mozarts Violinkonzerten Nr. 3 und 5.

In Anne-Sophie Mutters Violinspiel vermischen sich innige Musikalität und virtuoses Können. Der runde, warme – auf der G-Saite sonore – Ton mit durchgängigem, aber nicht zu dick aufgetragenem Vibrato und die seichte Bogenführung lassen die lyrischen Passagen erstrahlen. Spiccato-Stellen im Pianissimo – fast auf der Stelle ohne Bogenverbrauch – und filigrane Läufe wirken elegant und mühelos.

In der Reprise des ersten Satzes des Violinkonzerts in G-Dur verzögert Anne-Sophie Mutter, und das anschließende Adagio erklingt sachter und zurückhaltender als gewöhnlich. Das Rondeau. Allegro kommt frisch daher mit seiner eingeworfenen volksliedhaft anmutenden Melodie, welche dem Violinkonzert den Beinamen »Straßburger« verleiht.

Mozart – selbst ein herausragender Violinist, der bereits im Alter von drei Jahren mit dem Geigenspiel begann – schrieb seine fünf Konzerte für Violine und Orchester allesamt 1775 in Salzburg. Seine erste Sinfonie komponierte das Wunderkind bereits im Winter 1764/65 in London. In den Jahren 1763 bis 1766 führte die zweite Reise Vater Leopold, Wolfgang und Maria Anna nach Westeuropa – über München, Frankfurt und Brüssel ging es nach Paris und für 15 Monate nach London. Dort waren es vor allem die Sinfonien Johann Christian Bachs, die das sinfonische Schaffen des jungen Mozart prägten.

Das Kammerorchester Wien-Berlin vereint Musiker zweier Spitzenorchester, der Wiener und Berliner Philharmoniker. Den Impuls zur Gründung des Klangkörpers brachte Sir Simon Rattle mit dem Wunsch, anlässlich seines 50. Geburtstags beide Ensembles unter seinem Dirigat zu vereinen.

Dem Klangideal, kammermusikalische Präzision und sinfonische Fülle zu verbinden, wird das Kammerorchester Wien-Berlin in jeder Hinsicht gerecht. Im kontrastreichen ersten Sinfoniesatz ist es vor allem die forsche, energetische Seite, die hervortritt. In ihrem Zusammenspiel mit Anne-Sophie Mutter sind die Musiker sehr flexibel. Sie reagieren auf jede Nuance der Stargeigerin, und die Übergänge zwischen Tutti und Solo verlaufen fließend.

Das Publikum lässt sich schnell zu stehenden Ovationen hinreißen. Es folgen zwei Mozart’sche Zugaben, in welchen Anne-Sophie Mutter und das Kammerorchester Wien-Berlin sich nochmals steigern und vollauf mit ihrem dynamischen Zusammenspiel überzeugen.

Pauline Lehmann, 28. Mai 2019, für
klassik-begeistert.de

Wolfgang Amadeus Mozart, Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 D-Dur KV 211
Konzert für Violine und Orchester Nr. 3 G-Dur KV 216 »Straßburger Konzert«
Sinfonie Nr. 1 Es-Dur KV 16
Konzert für Violine und Orchester Nr. 5 A-Dur KV 219 »Türkisches Konzert«

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