Warum?

Foto 2014 © Bettina Stöß
Richard Wagner, Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg, Deutsche Oper Berlin, 5. Mai 2019

Ulrich Poser berichtet aus der Deutschen Oper Berlin

Die Vorstellung fing vielversprechend an: Der amerikanische Tenor Stephen Gould startete fulminant mit einem grandiosen „Dir töne Lob!“. Auch den Rest der Partie meisterte der „Bär aus Virginia“ mühelos. An manchen Stellen hätte man sich gewünscht, dass er sich etwas zurücknimmt; weniger wäre hier mehr gewesen. So hatte man doch zu oft den Eindruck, als hätte sich der fiebernde Tristan in die Wartburg verirrt. Eines ist aber sicher:
Es macht Freude, diesem Weltklassesänger mit Bayreuth-Festanstellung zuzuhören; er verfügt derzeit einfach über eine der stärksten und sichersten Wagnerstimmen.   „Richard Wagner, Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg, Deutsche Oper Berlin, 5. Mai 2019“ weiterlesen

Lebt Birgit Nilsson? Johohohe!

Foto: Premiere 2017 ©  Thomas Jauk
Richard Wagner, Der fliegende Holländer
Deutsche Oper Berlin, 4. Mai 2019

Ulrich Poser aus der Deutschen Oper Berlin  

Der Star des Abends war Catherine Foster als Senta. Bereits mit ihrem ersten Johohohe! bewies die britische Paradebrünnhilde eindrucksvoll, wer die Chefin im Ring war.

Wikipedimedia Commons © Catherine Foster

Diese Stimme, diese Stimme, diese Stimme! Mit ihrer aus vergangener Zeit kommend scheinenden Stimmkraft bot sie eine durchwegs sehr präsente, aber zu keiner Zeit übersteuerte vokale Darbietung. Die Spitzentöne kamen punktgenau, aber nie schrill. Die dramatischen Passagen sang sie mit gebotener Lautstärke, wobei sie dabei allenfalls 80 % ihrer vorhandenen Stimmkraft  aktivieren musste. Dieses Kraftpaket aus Nottingham scheint über schier unendliche Kraftreserven zu verfügen. Und genau dieser Umstand ließ beim  Rezensenten irgendwann die Frage aufkommen, ob da nicht vielleicht die legendäre Birgit Nilsson auf der Bühne steht. Wenn man kurz die Augen schloss, konnte man sich gut vorstellen, dass La Nilsson in etwa so gesungen haben muss: Gewaltig, aber nie schrill, überaus präsent, weich in den lyrischen Passagen, magisch in der Phrasierung und Dynamik, wunderbar textverständlich, akzentfrei, schlicht: An jedem Abend ein Gesamtkunstwerk schaffend. Frau Foster sang mit eineinhalb Ausnahmen alle anderen Protagonisten an diesem Abend glatt an die Wand. „Richard Wagner, Der fliegende Holländer, Deutsche Oper Berlin, 4. Mai 2019“ weiterlesen

Mit „Oceane“ gelingt der Deutschen Oper Berlin ein großer Wurf

Foto: © Bernd Uhlig
Großer Jubel für Detlev Glanerts neue Oper an der Bismarckstraße

Uraufführung Deutsche Oper Berlin, 28. April 2019
Detlev Glanert, Oceane, ein Sommerstück für  Musik
Text nach Theodor Fontane, Hans-Ulrich Treichel

von Peter Sommeregger

Die Deutsche Oper Berlin hat die Uraufführung dieser nach einem Fontane-Fragment entstandenen Oper geschickt geplant, Fontane ist im Jahr seines 200. Geburtstages in aller Munde. Anders als der Untertitel „ein Sommerstück“ vermuten ließe, ist das Werk aber eher düster, dieser Sommer klingt traurig aus, nicht nur im stimmungsvollen, zeitweise an Caspar David Friedrich erinnernden Bühnenbild.

Glanerts Musik ist keineswegs nur den Text illustrierende „Literaturoper“, sie drängt permanent vorwärts, ist melodiös, anspruchsvoll instrumentiert und sie enthält vor allem sehr dankbare Gesangspartien. Der Komponist versteht es, jede der handelnden Personen gut zu charakterisieren, für die Titelfigur Oceane bietet er alle Farben des Orchesters auf, von zartem Pianissimo der Violinen über den orgiastischen Tanzrhythmus im zweiten Bild bin zum elegischen Verströmen in Streicherklängen am Ende. „Oceane, Deutsche Oper Berlin, 28. April 2019,
Uraufführung, 28. April 2019“
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"Parsifal" in Berlin: eine musikalisch zwiespältige Wiederaufnahme einer zu Recht vielfach gescholtenen Inszenierung

Foto: © Matthias Baus
Deutsche Oper Berlin, 14. April 2019
Richard Wagner, Parsifal

von Dr. Ingobert Waltenberger (www.onlinemerker.com)

Während in der Staatsoper Unter den Linden Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ unter Daniel Barenboim ertönen, gibt man sich an der Deutschen Oper Berlin mit “Parsifal” spiritueller. Viel war im Vorfeld der Aufführung von Umbesetzungen zu lesen, die nicht nur zwei Hauptrollen (Kundry, Amfortas), sondern auch den Dirigenten betreffen. Das muss ja nicht unbedingt pauschal schlecht sein, wie im Falle der Kundry zu konstatieren ist. „Richard Wagner, Parsifal,
Deutsche Oper Berlin, 14. April 2019“
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"La Sonnambula" in Berlin: Das Publikum hat die Premiere genossen

Foto: Ante Jerkunica, Venera Gimadieva
© Deutsche Oper Berlin / Bernd Uhlig

Deutsche Oper Berlin
, 26. Januar 2019
Vincenzo Bellini, La Sonnambula

Stephen Zilias, Dirigent
Jossi Wieler/Sergio Morabito, Inszenierung/Dramaturgie
Anna Viebrock, Bühne/Kostüme
Venera Gimadieva, Amina
Jesús León, Elvino
Alexandra Hutton, Lisa
Ante Jerkunica, Graf Rodolfo

von Yehya Alazem

Die Inszenierung von Vincenzo Bellinis Oper „La Sonnambula“ von Jossi Wieler und Sergio Morabito, die von der Oper Stuttgart übernommen wurde, hat ihre Berliner Premiere in der Deutschen Oper Berlin gefeiert.

Die Kraft des Belcantos liegt größtenteils im Gesang, und dafür braucht man auch Sänger, die mehr oder weniger eine perfekte Technik besitzen und mit ihren Stimmen manchmal fast das Unmögliche schaffen sollen. „Vincenzo Bellini, La Sonnambula, Deutsche Oper Berlin, 26. Januar 2019“ weiterlesen

Sondra Radvanovsky ist eine Diva der alten Schule – Tosca in der Deutschen Oper Berlin

Foto: Sondra Radvanovsky als Tosca in der Metropolitan Opera
© Marty Sohl / Met Opera
Giacomo Puccini, ToscaDeutsche Oper Berlin, 6. Dezember 2018

Musikalische Leitung: Ivan Repusic
Inszenierung: Boleslaw Barlog
Bühne, Kostüme: Filippo Sanjust
Chöre: Thomas Richter
Kinderchor: Christian Lindhorst

Tosca: Sondra Radvanovsky
Mario Cavaradossi: Massimo Giordano
Scarpia: Ivan Inverardi
Angelotti: Samuel Dale Johnson
Der Mesner: Noel Bouley
Spoletta: Andrew Dickinson
Sciarrone: Paull-Anthony Keightley
Ein Schließer: Byung Gil Kim
Kinderchor der Deutschen Oper Berlin
Chor der Deutschen Oper Berlin
Orchester der Deutschen Oper Berlin

von Gabriel Pech

Floria Tosca ist die klassische Diva. Ihren Auftritt begleitet traditionell tosender Applaus. In der altehrwürdigen Inszenierung der Deutschen Oper, die mit ihrer Premiere 1969 fast schon als Antiquität anzusehen ist, darf sie das alles sein: Eine zur Marienfigur verklärte leidenschaftliche Schönheit, die gleichsam Ehrfurcht und Mitgefühl hervorruft.

Sondra Radvanovsky atmet diese Rolle mit ihrem ganzen Körper. Als eine der gefragtesten Verdi-Interpretinnen beheimaten sie die ganz großen Häuser dieser Welt. In dieser Saison verkörpert sie die Tosca parallel auch in der Metropolitan Opera, die seit den 90er Jahren ihr Zuhause darstellt. Man darf also ein kleines bischen »Met-Zauber« schnuppern in der Deutschen Oper Berlin. „Giacomo Puccini, Tosca, Deutsche Oper Berlin, 6. Dezember 2018“ weiterlesen

Der Nussknacker: Jede Menge Weihnachtszauber in der Deutschen Oper Berlin

Foto: Bettina Stöß (c)
Ballett-Feerie nach der Erzählung Nussknacker und Mausekönig mit der Musik von Peter I. Tschaikowsky,
Deutsche Oper Berlin, 
30. November 2018

von Yolanda Marlene Polywka

Die Weihnachtszeit steht vor der Tür, das merkt man auch den Programmen der großen Konzert- und Opernhäuser an. Da darf natürlich auch das märchenhafte Ballett Der Nussknacker mit der allseits bekannten und beliebten Musik von Peter I. Tschaikowsky nicht fehlen. In diesem Jahr wird die Ballett-Feerie – was für ein treffendes Wort – in Berlin in der Deutschen Oper aufgeführt.

Die Inszenierung von Vasily Medvedev und Yuri Burlaka orientiert sich szenisch und choreographisch stark an der historischen Vorlage, der Uraufführung aus dem Jahr 1892. Ausgehend von den originalen Kostümentwürfen von Iwan Wsewoloshski sowie den historischen Bühnenbildern von Konstatin Iwanow und Michail Botscharow ist ein großartiges Setting entstanden. „Nussknacker und Mausekönig, Ballett, Peter I. Tschaikowsky,
Deutsche Oper Berlin“
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Der Mann von nebenan - "Wozzeck" überzeugt in der Deutschen Oper Berlin

Foto: © Marcus Lieberenz
Alban Berg
WozzeckDeutsche Oper Berlin,
15. November 2018

von Gabriel Pech

Ole Anders Tandbergs Wozzeck in der Deutschen Oper Berlin gehört zu Berlins am meisten kontrovers diskutierten Premieren dieser Spielzeit. Dabei gibt es natürlich einiges, woran man sich stören könnte: Nacktheit, eine Rektaluntersuchung, scheinbar deplazierte Norwegenfähnchen…

Über eines sind sich die Kritiker relativ einig: Dass nämlich das Ensemble musikalisch einen großartigen Job macht – wenn man sich einmal in Bergs eigenwillige Tonsprache verliebt hat. Schon einmal vorweg: Mir hat auch die Inszenierung gefallen, und ich fühle mich verpflichtet, das zu erklären. Davor aber Ehre, wem Ehre gebührt. „Alban Berg, Wozzeck, 
Deutsche Oper Berlin, 15. November 2018“
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Deutsche Oper Berlin: Wagner und Zeitgenossen im Wechselspiel

Foto: Günter Karl Bose (c)
Deutsche Oper Berlin,
12. November 2018
Lieder-und Arienabend Alejandro Marco-Buhrmester als Abschluss des Symposiums des 
Richard-Wagner-Verbandes Berlin-Brandenburg

von Peter Sommeregger

Als krönenden Abschluss seines diesjährigen Symposiums lud der Richard-Wagner-Verband Berlin -Brandenburg zu einem Konzert ins Foyer der Deutschen Oper Berlin ein. Der Bass-Bariton Marco-Buhrmester ist in Berlin kein Unbekannter, vielen der Anwesenden war er auch von seinen regelmäßigen Bayreuther Auftritten bekannt.

Entsprechend dem Anlass sollte natürlich Wagner im Vordergrund des Programms stehen. Der sympathische Sänger hatte die interessante Idee, Stücke von Wagner solchen von Zeitgenossen gegenüber zu stellen, und zwar jeweils die gleiche Thematik oder sogar den gleichen Text behandelnde.

Der erste Teil „Lieder aus Faust“, stellte drei frühe Vertonungen Richard Wagners solchen von Ferruccio Busoni, Ludwig van Beethoven und Charles Gounod zum Vergleich vor. Marco-Buhrmester gestaltete die kurzen Stücke jeweils sehr pointiert und mit einer gehörigen Portion Humor, die in diesen Liedern ja auch angelegt ist.

Noch erheblich anspruchsvoller war der zweite Teil gestaltet, der unter dem Motto „Vierer Könige Verlust: Vater, Güte, Liebe, Treue“ stand. Die große Arie des Königs Vladislav aus Bedrich Smetanas viel zu selten gespielter Oper Dalibor ist eine sehr facettenreiche Komposition, für den geschmeidigen und höhensicheren Bass-Bariton Marco-Buhrmesters ein Paradestück. Es folgte Amfortas‘ Klage aus dem dritten Akt des Parsifal, dem Sänger gelang es auch hier, die besondere Atmosphäre des Werkes hörbar zu machen und sich in die zu interpretierende Rolle zu vertiefen.

Die große Arie des Königs Philipp aus Verdis Don Carlos gehört wiederum einer ganz anderen musikalischen Welt an. Mit ausgezeichneter Phrasierung und idiomatisch sauberem Italienisch lieferte der Sänger ein ergreifendes Porträt des unglücklichen Königs. Wagners Gegenstück dazu, die Klage des Königs Marke aus Tristan und Isolde beschloss das Programm. Auf allgemeinen Wunsch des Publikums musste Marco-Buhrmester als Zugabe die Verdi-Arie wiederholen, die beim zweiten Mal noch eindrucksvoller gelang.

Der aus Texas stammende Pianist Jonathan Ware, der seine Studien in Berlin an der Hochschule für Musik „Hans-Eisler“ abschloss, war an diesem Abend nicht nur ein sensibler Begleiter, er gestaltete den jeweiligen Klavierpart so gekonnt, dass man das Fehlen eines Orchesters nicht als störend empfand. Alejandro Marco-Buhrmester und ihm gelang es, im  nüchternen Foyer der Deutschen Oper eine dichte und konzentrierte Atmosphäre zu erzeugen. Chapeau!

Peter Sommeregger, 13. November 2018, für
klassik-begeistert.de

"Lohengrin" in Berlin: Klaus Florian Vogt setzt Maßstäbe

Foto: Lieberenz (c)

Ulrich Poser

berichtet über die Aufführung des „Lohengrin“ von Richard Wagner in der Deutschen Oper Berlin vom 28. Oktober 2018

Es gibt Opernabende, da sitzt man im Parkett und fühlt nichts. Es packt einen nicht, man sitzt eben nur da, und der Funke will nicht überspringen. Dann gibt es aber diejenigen Aufführungen, die einem einen wohligen Schauer nach dem anderen über den Rücken jagen und aufgrund massiver Endorphinausschüttung Glücksgefühle auslösen. Zu letzterem gehörte dieser Lohengrin in der Deutschen Oper Berlin. „Lohengrin, Richard Wagner, Klaus Florian Vogt (Tenor),
Deutsche Oper Berlin“
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