Sommereggers Klassikwelt 10/2019: Gold, Brokat, Samt, Seide, Schönheit – was der Oper heute fehlt

Foto: © Wilfried Hösl

Interesse weckt nur, was authentisch ist. Keiner will verstaubten Plüsch und Rampensingen zurück haben, aber der derzeit beschrittene Weg führt unausweichlich zum Untergang dieser Kunstform. Wer wagt sich an neue Konzepte? Wer schafft eine Synthese aus alt und neu?

von Peter Sommeregger

Ihre erste Hochblüte erlebte die Musikgattung Oper im Barock und Rokoko. Ein Zeitalter, das für Prunk, üppige Gestaltung von Bauten, Innenräumen, Kleidung stand. Natürlich wurden auch Opernproduktionen optisch aufwändig und das Auge erfreuend gestaltet. Auf alten Stichen und Aquarellen kann man noch heute bewundern, welchen Stellenwert Schönheit und Ästhetik auf der Bühne in dieser Zeit hatten. „Sommereggers Klassikwelt 10/2019
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Ritterbands Klassikwelt 5 / 2019: Wo liegt Titipu ?

In Gilbert und Sullivan’s Titipu (beziehungsweise Japan) galten in der Tat drastische Strafen für ein „schweres“ Vergehen: Auf Flirten stand die Todesstrafe durch Enthauptung. Und dies nimmt bereits den Kern der Handlung des „Mikado“ vorweg.

von Charles E. Ritterband

Wo liegt Titipu? Das Land ist auf keinem Globus, keiner Weltkarte zu finden. Und doch existiert es. In einer Oper. Einer komischen noch dazu. Und dieses legendäre Land hat einen Herrscher. Er trägt den Titel „Mikado“. Und so heißt die komische Oper von Gilbert und Sullivan, Gilbert dem größten englischen Librettisten seiner Generation und Sullivan, dem führenden Komponisten seiner Zeit: der viktorianischen Ära. Der Mikado wurde auf dem Höhepunkt in jener glorreichen historischen Epoche des britischen Kolonialismus uraufgeführt, am 14. März 1885 im Savoy-Theatre am Londoner Strand. Knapp zehn Gehminuten vom heute noch existierenden Savoy wird vor ausverkauftem Haus, im London Coliseum (dem größten Theater der Theaterstadt London), das Stück jetzt wieder gezeigt – in einer phänomenalen Produktion der English National Opera ENO. Das „Savoy“ ist übrigens ein sozusagen legendäres Luxus-Hotel, und das Theater befindet sich tief im Untergeschoss dieses Gebäudes. Kein Wunder, dass die „Mikado“-Inszenierung den Art Déco Stil der 1920er-Jahre, in dem auch jenes berühmte Hotel erbaut ist, aufnimmt. „Ritterbands Klassikwelt 5 / 2019
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Lieses Klassikwelt 8 / 2019: Skandale

Auch im Lebenslauf der genialen Mozart- und Strauss-Sängerin Elisabeth Schwarzkopf gibt es Dinge richtig zu stellen: Dass sie 1942 Mitglied der NSDAP wurde, hatte nichts mit persönlichem Ehrgeiz oder menschlicher Kälte und am allerwenigsten mit Antisemitismus zu tun, sondern resultierte aus einer von Verzweiflung und Repressionen geprägten Situation.

von Kirsten Liese

So manche Operngänger suchen das Event. Sie wollen miterleben, was für Verrücktheiten sich Regisseure einfallen lassen und wie sie am Ende dafür ausgebuht werden.

Mittlerweile scheint sich aber das Publikum weniger stark davon beeindrucken zu lassen, die Provokation um der Provokation willen zieht nicht mehr. Oder war die jüngste Premiere von „Die Macht des Schicksals“ an der Deutschen Oper Berlin, bei der Zuschauer  „Verdi, Verdi“  riefen, nachdem auf der Bühne zusätzliche, werkfremde Texte ins Spiel kamen, doch ein Skandal? „Lieses Klassikwelt 8 / 2019
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Sommereggers Klassikwelt 9 / 2019: Im falschen Film – die Opernregie in schlechten Händen

Die Zeit, in der Opernregisseur noch eine eigenständige Berufsbezeichnung war, liegt gar nicht so lange zurück. Es waren Kenner der Materie, die vor allem mit den Bedürfnissen eines Opernbetriebes mit ständig wechselndem Programm und häufig wechselnden Rollenbesetzungen vertraut waren. 

von Peter Sommeregger 

Die Freudlosigkeit der heutigen Theaterästhetik, insbesondere jener des Musiktheaters, hat sicherlich mehrere Ursachen. Bei der Ursachenforschung stößt man aber relativ schnell darauf, dass Regieaufträge für Opernproduktionen heute häufig an mehr oder minder bekannte Filmregisseure vergeben werden. Übersehen wird dabei gerne, dass die Dramaturgie der Oper eine völlig andere als die des Films ist. Oper hat ihre eigenen Gesetze, das Primat der Musik schafft gewisse Zwänge, die vom Film oder Sprechtheater kommende Regisseure oft nicht erkennen können oder wollen. „Sommereggers Klassikwelt 9 / 2019
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Ladas Klassikwelt 6 / 2019: Wenn Kaffeetasse und Kaffeemühle zusammentanzen...

Fotos: Cracovia Danza © Ilja van de Pavert
Ich schaue sehr gerne das „Kaffeeballett“ live oder auf Youtube an, besonders in der dunklen Jahreszeit, wenn man mehr Kaffee trinkt. Egal wie grau und traurig es draußen ist, lache ich herzlich, wenn ich Kaffeetassen, -mühle, -kanne, -bohnen, Zuckerdose und andere lustige Charaktere im gemeinsamen Tanz zu der wunderschönen Bach-Musik auf der Bühne sehe.

von Jolanta Lada-Zielke

Die Geschichte der Erscheinung des Kaffees in Europa fing 1683 an. Nach der erfolgreichen Schlacht gegen die Türken am Kahlenberg (heute Wien), wobei der polnische König Jan III. Sobieski dem österreichischen Kaiser half, hinterließen die Osmanen auf dem Feld etwa 500 Säcke voller Kaffeebohnen. Die Bewohner von Wien dachten zuerst, es sei ein Futter für Kamele und wollten sie in die Donau schütten. Der österreichische Soldat Georg Franz Kolschitzky, der als Spion vielmals in der Türkei unterwegs gewesen war, wusste genau, was man mit der verlassenen Ware anfangen kann. Das erste Café in Istanbul war bereits 1554 gegründet worden. Kolschitzky verlangte, dass man ihm die Bohnen als Belohnung für seine Dienste herausgebe. Kurz danach eröffnete er das erste Kaffeehaus in Wien und belehrte die Bürger, wie man das Getränk zubereiten solle. Das Osmanische Imperium war untergegangen, der türkische Kaffee eroberte aber nach und nach ganz Europa. „Ladas Klassikwelt 6 / 2019
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Posers Klassikwelt 3/2019: Wie kommt man eigentlich zur klassischen Musik?

Pavarottis „La rivedrà nell’estasi” schaffte dann, was Elternhaus und Schule 26 Jahre vergeblich versucht hatten. Another classic-nerd was born! Zuerst nur Verdi, dann nur Puccini und Pavarotti, und ab irgendwann nur Wagner, Wagner und Wagner. Und Strauß! Ach ja: Bach und Händel in geringen Dosen auch noch.

von Ulrich Poser

… die einen sicherlich durch ihre Erziehung. Die Eltern weisen den Nachwuchs belehrend mit erhobenem Zeigefinger turnusmäßig auf vermeintliche Meisterwerke hin und hoffen auf einen positiven Erziehungseffekt. Das kann jedoch gründlich in die Hose gehen. Was die eigenen Eltern als Meisterwerk bezeichnen, kann den Sprößlingen mächtig auf die Nerven fallen. So geschehen in etlichen Sitzungen beim Urheber dieser Zeilen in den 1960er und 1970er Jahren mit Mozart und Operetten. Dem Herrn sei Dank, dass er seinerzeit nicht mit Wagner, Strauss oder Bach gequält wurde.

Die anderen kommen durch ihre schulische Ausbildung zur klassischen Musik. Früher kannte man das und nannte es Musikunterricht; der ist in der heutigen Internet- und Helikopterelternzeit leider weitgehend flächendeckend abgeschafft.

Empirischer Einschub: Wird man zu früh eingeschult, hat durchwegs nur Blödsinn im Kopf und ist darüber hinaus unfähigen Pädagogen hilflos ausgesetzt, nutzt auch der beste Musikunterricht nichts. Selbst wenn er sechs Jahre oder länger dauert.

Schließlich kann man zur klassischen Musik kommen, wenn man die Liebe dazu einfach im Blut hat und irgendein Zufall als Auslöser fungiert. 1988, ich erinnere mich genau, wurde im Hause Poser der erste CD-Player angeschafft. Ein schönes schwarzes Gerät der Firma Yamaha mit roter LED-Anzeige. Kurz darauf erfolgte der erste Gang zu Zittelmanns Musicland in Erlangen – ein übergut bestückter Schallplatten- und CD-Laden mit einer gewaltigen Klassikauswahl.

Wegen des „super Sounds ohne Knistern“ musste es als erstes eine Klassik-CD sein; ja, sogar Oper. Aber was? Mozart, Rossini und Operetten schieden wegen der frühkindlichen Schädigungen von vornherein aus. Wagner? Auf keinen Fall. Man sagt, zu schwer und zu viel Gekreische.
Rigoletto? Nö, zu abgedroschen.

Ah: „Un Ballo in Mascera“ klingt interessant. Zwar sagen einem die Namen auf dem Cover – Solti und Pavarotti – rein gar nichts; die Aufnahme wurde aber gekauft. Weil sie voll-digital (DDD) war.

Pavarottis „La rivedrà nell’estasi” schaffte dann, was Elternhaus und Schule 26 Jahre vergeblich versucht hatten. Another classic-nerd was born! Zuerst nur Verdi, dann nur Puccini und Pavarotti, und ab irgendwann nur Wagner, Wagner und Wagner. Und Strauß! Ach ja: Bach und Händel in geringen Dosen auch noch.

Ulrich Poser, 10. November 2019, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

 

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Der Franke Ulrich Poser, Jahrgang 1962, lebt in Hamburg und bezeichnet sich selbst als „musikverrückt“; im Laufe der Jahre hat er sich eine formidable Schallplatten- und CD-Sammlung mit einigen tausend Sammlerstücken zugelegt, die zum Bedauern seiner Ehefrau nahezu täglich erweitert wird. Im Symphonischen Chor Hamburg (als Bass) und in einer Rockband (als Sänger, Gitarrist und Keyboarder) ist Ulrich Poser darüber hinaus selbst als aktiver Musiker unterwegs.
Ulrich ist seit 1996 als Rechtsanwalt zugelassen und seit 2009 Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht. Er ist Geschäftsführer der Veranstaltungsrechtskanzlei Poser und Inhaber der auf die Veranstaltungsbranche spezialisierten Seminarfirma Poser-Seminare sowie Vorsitzender und Justiziar des Berufsverbandes Der Veranstaltungsberater e.V.
Der ausgesprochene Wagnernarr besucht seit 1988 nahezu jedes Jahr den Grünen Hügel in Bayreuth.

Lieses Klassikwelt 7 / 2019: Kritiker

Noch weniger verstehe ich die Prioritäten in der heutigen Opernkritik. Da lese ich meist ellenlange Abhandlungen über die noch so blödsinnigste Inszenierung … und über die Interpreten und die musikalische Ausführung nur wenige Sätze. Die Zeiten, in denen Kritiker zu beneiden waren, weil wir beispielsweise problemlos Pressekarten für die Bayreuther Festspiele bekamen, auf die andere Jahrzehnte lang vergeblich warten mussten, sind unterdessen vorbei. Zunehmend vertrödeln wir unsere Zeit mit miserablen Produktionen und beneiden heimlich die Zuschauer, die zwanglos jederzeit einen Flop vorzeitig verlassen können.

von Kirsten Liese

„Es gehört zu meinen Pflichten, Schönes zu vernichten als Musikkritiker“, so beginnt eines der bissigsten Lieder des grandiosen Humoristen Georg Kreisler. Köstlich,  freilich überspitzt, nimmt der Österreicher da meinen Berufsstand aufs Korn. Ich fühle mich dadurch nicht beleidigt,  im Gegenteil: Der geniale Sergiu Celibidache hat mich gelehrt, dass Kritiker oft armselige Gestalten sind, weil sie nichts von der Musik begreifen, sich nicht in sie versenken, sie nicht erleben können, mithin auch den klanglichen Reichtum in einer im breiten Tempo wiedergegebenen Sinfonie von Bruckner oder Tschaikowsky nicht ermessen können, weshalb sie langsame Tempi verteufeln. Für ihn waren Kritiker folglich „Nullitäten“. Und ich muss bekennen: Bevor ich anfing, mich mit Celi zu beschäftigen, wusste ich auch nicht darum. „Lieses Klassikwelt 7 / 2019
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Sommereggers Klassikwelt  8/2019: Der schwere Gang aufs Podium

Nicht jedem ist es gegeben, wie der über 90-jährige Herbert Blomstedt mit Elan und Schwung das Podium anzusteuern und nach wie vor stehend zu dirigieren. Beim letzten Konzert des großen Bernhard Haitink in der Philharmonie Berlin stieß der betagte Pultstar so deutlich an die Grenzen seiner physischen Belastbarkeit, dass man seinen Rückzug vom Konzertbetrieb wenig später gut nachvollziehen konnte.

von Peter Sommeregger

Ein festes Ritual in den Konzertsälen der Welt besteht darin, dass Dirigenten und Solisten eines Konzertes während des Applauses das Podium und den Saal verlassen, um erst bei anhaltendem Beifall zu weiteren Verbeugungen zurückzukehren. Dieser Vorgang kann sich bei großer Begeisterung des Publikums einige Male wiederholen. „Sommereggers Klassikwelt 8/2019
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Ritterbands Klassikwelt 4/2019: Mozarts Humor

Der griechisch-russische Dirigent Teodor Currentzis schreibt: „Mozarts Humor ist Punk-Humor“ – was von vielen Mozart-Verehrern nicht wirklich wahrgenommen werde.

von Charles E. Ritterband

Mozarts Humor hatte viele Nuancen: Kindisch (etwa der vierstimmige Kanon „Bona nox! Bist a rechta Ox“ KV 561), mal maliziös, mal selbstironisch. Der griechisch-russische Dirigent Teodor Currentzis schreibt: „Mozarts Humor ist Punk-Humor“ – was von vielen Mozart-Verehrern nicht wirklich wahrgenommen werde. Mozarts Verhalten sei immer exzentrisch gewesen. Die berühmten Bäsle-Briefe („allerliebstes bäsle häsle“) beispielsweise enthalten groben Schabernack und Nonsens bis hin zu derben Fäkalscherzen. „Ritterbands Klassikwelt 4/2019
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Ladas Klassikwelt 5 / 2019: „Ich verstehe unsere Aufgabe als Chorsänger, die Wahrheit unter die Leute zu tragen“

Foto: Barbara Baier © Martin Bursch

Interview mit der Sopranistin und Chorleiterin Barbara Baier

Hallo, liebe Klassik-begeistert-Leser!

Ich habe für Euch ein Gespräch mit Barbara Baier, in Bayreuth geborener Opernsängerin und Gesangspädagogin sowie Leiterin des Chores „Zamir“, geführt. Sie absolvierte ein Gesangsstudium an der Folkwang-Hochschule in Essen, trat als Solistin auf vielen deutschen Bühnen auf, auch in Dortmund, Wuppertal, Bremen und Bayreuth. Etliche Gastverträge hatte sie in Helsinki, St. Moritz, Wien und New York, Jerusalem, Haifa, Kepno, Chisinau, Lemberg. Barbara Baier unterrichtete Gesang an der städtischen Musikschule in Kulmbach – seit 2004 lehrt sie an der Universität in Bayreuth. Viele ihrer Schülerinnen und Schüler waren Preisträger bei „Jugend musiziert“.

von Jolanta Lada-Zielke

Wie war Ihr Weg von der Opernsängerin zur Chorleiterin?

Ich habe eine Gesangsausbildung in der Musikhochschule in Essen absolviert, aber auch noch privat gelernt. Dann bin ich ins Engagement an die Oper in Hagen als Soubrette gegangen, und anschließend nach Dortmund. Ich war freiberuflich tätig als ich mit meinen zwei Kindern nach Bayreuth zurückgekommen bin. Ich wollte kein festes Engagement mehr haben, weil das sehr schwierig ist, wenn ein Kind krank wäre und man auf der Bühne stehen muss. Meine Familie war mir wichtiger. Aber trotz allem habe ich als Solistin nicht aufgehört, und auch heute bin sehr viel unterwegs. Es ist ein großes Glück, dass ich beruflich tun darf und kann, was mir Spaß macht. „Ladas Klassikwelt 5/2019
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