Der Schlauberger 32: Der mit dem Schlamm zwinkert – merkwürdige Kuriositäten

Der Schlauberger 32: Der mit dem Schlamm zwinkert – merkwürdige Kuriositäten

Tritt den Sprachpanschern ordentlich auf die Füße! Gern auch unordentlich. Der Journalist und Sprachpurist Reinhard Berger wird unsere Kultur nicht retten, aber er hat einen Mordsspaß daran, „Wichtigtuer und Langweiler und Modesklaven vorzuführen“. Seine satirische Kolumne hat er „Der Schlauberger“ genannt.

von Reinhard Berger

Neuerdings habe ich so einen Schleier in den Augen. Das liegt wohl an den ausgeschiedenen Fäkalien, über die ich heute mit Ihnen sprechen möchte. In meiner neuen kleinen Serie geht es um merkwürdige Kuriositäten, um doppelt gemoppelte Selbstverständlichkeiten.

So wie das Abwasserproblem, über das ein Zeitungskommentator schrieb, man müsse vor allem den Klärschlamm im Auge behalten.

Es war nur ein kurzer Augenblick, weil es einen langen ja nicht gibt, bevor ich erkannte: Der meinte es ernst! Und zwar ohne Augenzwinkern. Mit was hätte er auch sonst zwinkern sollen.

Augenzucken bekomme ich beim Thema Dieter Wedel. Der Kommentator eines Wochenblattes schrieb über den Ex-Intendanten der Hersfelder Festspiele, der sei aus gesundheitlichen Gründen ins Krankenhaus gebracht worden.

Ich weiß ja nicht, ob es noch andere Gründe gibt, weshalb ein Mensch ins Krankenhaus gebracht wird. Mir jedenfalls traten die Tränen in die Augen. Wohin auch sonst.

Foto: Alexas_Fotos auf Pixabay
Heimtückischer Lieblingsfehler – Heute: Der verdammte Genitiv

Geh nie tief – in den sprachlichen Keller. Denn da lauert er, der heimtückische Wes-Fall. Der Genitiv. Mit der ganzen Wucht seiner Verführungskraft bringt er sogar Profis der Rede- und Schreibkunst ins Wanken. So hörte ich kürzlich in den Nachrichten, dass „im Januar diesen Jahres“ irgendwas passiert war.

Es war auch etwas passiert, nämlich ein sprachlicher Fehlgriff. Es heißt ganz klar „im Januar dieses Jahres“. Genitiv. Duden. Ende der Diskussion.

Allerdings sieht die Gemengelage ganz anders aus, wenn wir vom Januar nächsten Jahres sprechen. Weil da nämlich ein Artikel vorangestellt werden kann. Beim Januar des nächsten Jahres.

Reinhard Berger, 3. Januar 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Zuerst erschienen in: HNA

Der Schlauberger 31: Achtung, es wird glitschig

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Reinhard Berger

Allerleikeiten: Reinhard Berger, geboren 1951 in Kassel, Journalist, Buchautor, Hunde- und Hirnbesitzer.
Vergänglichkeiten: Vor dem Ruhestand leitender Redakteur der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA).
Herzlichkeiten: verheiratet, zwei Söhne, zwei Schwiegertöchter, drei Enkel, ein Rottweiler.
Anhänglichkeiten: Bach, Beethoven, Bergers Nanne (Ehefrau).
Auffälligkeiten: Vorliebe für Loriot, Nietzsche, Fußball, Steinwayflügel, Harley-Davidson.
Öffentlichkeiten: Schlauberger-Satireshow, Kleinkunstbühne.
Alltäglichkeiten: Lebt auf einem ehemaligen Bauernhof.


www.facebook.com/derschlauberger

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Weihnachts-Satire: Jonas Kaufmann zu Gast im Verkaufkanal HSE24 klassik-begeistert.de

4 Gedanken zu „Der Schlauberger 32: Der mit dem Schlamm zwinkert – merkwürdige Kuriositäten“

  1. Lieber Schlauberger,
    ich lese immer mit Vergnügen Ihre Kolumne. Weiter so!
    Heute habe ich etwas anzumerken: Zum Thema Dieter Wedel, der aus „Gesundheitsgründen“ ins Krankenhaus kam.
    Wenn schon, dann müsste es heißen, aus „Krankheitsgründen“, wer gesund ist, kommt selten ins Krankenhaus.
    Aber Sie haben Recht, auch Krankheitsgründe sind eine überflüssige Erläuterung, warum jemand ins Krankenhaus kommt. Außer der kommt zu Besuch.

    Professor Karl Rathgeber

    1. Lieber Herr Rathgeber, vielen Dank für Ihre Reaktion. Sie haben völlig recht. Das ist eine Art Pleonasmus. Wie beim Bauchnabel (als ob es auch einen anderen Nabel gäbe), beim Haarekämmen (was denn sonst), beim Augenzwinkern (mit den Ohren kann ich nicht zwinkern) und bei der völlig ausgebrannten Hütte. Als ob etwas auch ein bisschen ausbrennen könnte.
      Ach, das könnte ich den ganzen Tag fortsetzen. In meinem Buch RÄDZELHAFT finden Sie noch mehr solcher Beispiele. Eins habe ich noch: die Zukunftsperspektiven. Und Zukunftspläne. Und Zukunftsaussichten. Das waren schon drei.
      Bleiben Sie wachsam und mir gewogen.
      Herzlichst Reinhard Berger

  2. Mit dem Genitiv stehen viele auf Kriegsfuß. Metoo. Habe ihn immer noch nicht ganz besiegt. Deshalb ein Dankeschön für den kurzen Ausflug zum Genitiv. Habe vor kurzem nämlich damit gerungen, ob „Ende des letzten Jahres“ die korrekte Form sei. Anscheinend ja.

    Jürgen Pathy

    Heißt es „Ende des letzten Jahres“ oder „Ende des letztes Jahres“? Letzteres klingt mir völlig falsch.

    1. Lieber Herr Pathy, es heißt „Ende des letzten Jahres“. Das ist grammatisch richtig, sachlich aber falsch. Denn ich hoffe doch nicht, dass es wirklich das letzte Jahr war. Sicherlich werden noch viele Jahre folgen, wenn nicht irgendein Wahnsinniger unsere Welt in Schutt und Asche legt. Na ja, noch ein paar Tage, dann hat dieser EINE Wahnsinn hoffentlich erstmal ein Ende. Vielleicht gibt Donald dann endlich Ruhe und konzentriert sich wieder auf die alten Walt-Disney-Filme, in denen er die Hauptrolle spielte. Zusammen mit Micky, seinem Vize.
      Noch eins: „Im Januar diesen Jahres“ ist auch falsch. Sie hören diese blöde Formulierung sogar immer wieder von Profis. Es heißt: „Im Januar dieses Jahres“.
      Bleiben Sie wachsam und mir gewogen.
      Herzlichst
      Reinhard Berger, Der Schlauberger

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