Hochkarätige Besetzung im musikalischen Schneetreiben verläuft sich in Monotonie

DVD-Rezension: Hans Abrahamsen, The Snow Queen (Oper),  Bayerische Staatsoper,

DVD-Rezension

Hans Abrahamsen, The Snow Queen (Oper)

Bayerische Staatsoper
Cornelius Meister
Dirigent

 BSOREC 2002

von Peter Sommeregger

Die Oper „The Snow-Queen“ des dänischen Komponisten Hans Abrahamsen basiert auf dem Märchenstoff von Hans Christian Andersen. Uraufgeführt im Herbst 2019 in Kopenhagen in Dänischer Sprache, folgte nur Wochen später die Erstaufführung der Englischen Textfassung an der Bayerischen Staatsoper in München.

Hier hatte man für die Produktion nicht an großen Namen gespart. Als Regisseur nimmt sich Andreas Kriegenburg der Märchenerzählung an, Cornelius Meister am Dirigentenpult agiert äußerst kompetent, und die Besetzung ist geradezu opulent.

Vor allen anderen muss Barbara Hannigan genannt werden,die aus der Hauptrolle der Gerda ein wahres Kabinettstück macht. Stimmlich souverän führt sie ihren Sopran durch die mit Abstand umfangreichste Partie der Oper. In gleich drei Rollen ist die einstige Hochdramatische Katarina Dalayman zu erleben, ebenso der Bass Peter Rose, der, ein wenig befremdlich, die für einen Bass geschriebene Titelrolle singt, darüber hinaus aber auch das Rentier und die Uhr. Die Rolle des Kay, des verlorenen Partners von Gerda, wird geteilt: der Mezzosopran Rachael Wilson singt die Partie, der stark geforderte Schauspieler Thomas Gräßle übernimmt über weite Strecken die optische Darstellung.

Bis zu den kleinsten Rollen ist die Oper hochkarätig besetzt, die Bühnenbilder von Harald B. Thor, und die stilisierten Kostüme von Andrea Schraad sind sehr ansprechend. Die Bühnentechnik sorgt für permanentes Schneetreiben, was unwillkürlich frösteln lässt. Der Stoff ist auch keineswegs eine Wohlfühl-Geschichte, zumal Kriegenburg die Handlung in einer Nervenklinik spielen lässt, eine inzwischen reichlich verbrauchte Metapher.

Anfangs kann man sich noch mit den scharfen Tönen der Streicher anfreunden, die markant Winter und Kälte suggerieren. Im Verlauf der Handlung wartet man aber vergeblich auf tragfähige musikalische Einfälle.

Mehr und mehr stellt sich eine gewisse Monotonie ein, die das fast zwei Stunden lange Stück als zu lange erscheinen lässt. Auch eine stärkere Charakterisierung der einzelnen, so unterschiedlichen Figuren gelingt nicht. So stellt sich gegen Ende doch ein gewisser Leerlauf ein, den selbst die überragende Barbara Hannigan nicht aufhalten kann. Gut gemeint, gut gemacht, aber am Ende doch eher Kunstgewerbe.

Peter Sommeregger, 17. Januar 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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