Lady Macbeth © Stephan Walzl – Shelley Jackson (Katerina Lwowna Ismailowa) mit Opernchor des Oldenburgischen Staatstheaters
Was hat diese Oper für Klangfarben, tiefe Verzweiflung, Spott, Ironie, Bösartigkeit, zackige Rhythmen und Walzerseligkeit, allerdings nicht immer ernst gemeint. Schostakowitsch reißt den Zuhörer mit in eine Geschichte, in die man nicht gehören will, aber in die man hineingezogen wird, der Sog ist zu stark. Rasmus Baumann, der GMD des Musiktheaters im Revier Gelsenkirchen, nimmt genau diese Gelegenheit beim Schopf und reißt die Zuhörer mit in den Untergang der Katerina. Er zaubert mit dem in Höchstform aufspielenden Oldenburgischen Staatsorchester einen fulminanten, präzise akzentuierten Klangrausch, ohne die vielen innerlichen und geradezu fast unhörbar leisen Momente zu vernachlässigen.
Lady Macbeth von Mzensk
Oper in vier Akten von Dmitri Schostakowitsch
Libretto von Alexander G. Preis und vom Komponisten
Sinfonieorchester Oldenburg
Musikalische Leitung: Rasmus Baumann
Regie Joan Anton Rechi
Oldenburgisches Staatstheater, Premiere 7. Februar 2026
von Axel Wuttke
Vom Opfer zur Täterin
Wenn Katerina am Ende allein auf der kalt ausgeleuchteten Bühne steht und ins Publikum schaut, sehen wir in das Gesicht einer Mörderin. Sie ist am Ende ihres Weges, der Wunsch nach Freiheit, die Suche nach Glück, nach erfüllter Liebe sind kläglich gescheitert. Kann der erste von ihr verübte Mord noch als Notwehr angesehen werden, um den Geliebten Sergej zu retten, ist der von beiden an ihrem Ehemann begangene Mord, von ihr schon gedanklich geplant. Hier tritt die Wandlung ein, aus dem Opfer der brutalen, frauenverachtenden Lebensumstände auf dem Gut in der russischen Provinz wird eine selbstbewusste, sich, genau wie die Männer, rücksichtslos alles nehmende Frau. Sie hat eine Richtung eingeschlagen, die kurzes, vermeintliches Glück verheißt und sie in die Katastrophe führt. Ein Irrtum? Oder der einzige Ausweg? „Dmitri Schostakowitsch, Lady Macbeth von Mzensk
Oldenburgisches Staatstheater, Premiere 7. Februar 2026“ weiterlesen