Mozart-Glück mit sparsamsten Mitteln: "Die Entführung aus dem Serail" in der Pasinger Fabrik München

Foto: © Fotografie Pokorny

Pasinger Fabrik München, 21. Dezember 2019

Wolfgang Amadeus Mozart, Die Entführung aus dem Serail

von Gabriele Lange

Bassa Selim ist ein Großkünstler mit Verlustängsten und spießigen Eltern. Und Konstanze eine biedere Dame auf Selbstverwirklichungstrip. Mozart macht Spaß in Münchens kleinstem Opernhaus! „Wolfgang Amadeus Mozart, Die Entführung aus dem Serail,
Pasinger Fabrik München, 21. Dezember 2019“
weiterlesen

"Tosca" an der Mailänder Scala: Alles vorhanden – außer der Netrebko

Foto: © Marco Brescia & Rudy Amisano

Saioa Hernández ist eine ganz fantastische Floria Tosca. Ihr berühmtes „Vissi d’arte“ war eine berührende Glanzleistung und der unbestreitbare musikalische Höhepunkt dieses Abends an der Scala.

Teatro alla Scala di Milano, 22. Dezember 2019

Giacomo Puccini, Tosca

von Charles E. Ritterband

Die Italiener mögen’s dramatisch – und wo mehr als in der Tosca, vielleicht Puccinis großartigstem Meisterwerk: Da schwebt am Ende die Diva nach ihrem Todessturz von der Engelsburg (natürlich verkörpert von einer identisch kostümierten Stunt-Woman) angestrahlt von zahlreichen, gebündelten Scheinwerfern zum allgemeinen Staunen der aufmarschierten Soldaten effektvoll gen Himmel.

Und wenn die Tosca den brutalen Polizeichef Baron Scarpia mit dem vom Esstisch entwendeten Messer ersticht, gibt sie’s ihm gleich doppelt und dreifach. Sie sticht zur Sicherheit mehrfach zu, auch auf den bereits am Boden röchelnden Bösewicht, und gibt ihm dann noch den Rest, indem sie ihn erwürgt. Und dann, begreiflicherweise unter Schock, erlebt sie die Mordszene gleich nochmals als Vision – mit ihrem Double als Akteurin. Und, sehr stimmig, unter den Häschern Scarpias herrscht genau ähnlich viel handgreifliche Brutalität wie er sie seinen Opfern angedeihen lässt – da geht man höchst unzimperlich mit den Kollegen um. „Giacomo Puccini, Tosca,
Teatro alla Scala Mailand, 22. Dezember 2019“
weiterlesen

Eine umjubelte "Traviata" an der Royal Opera London

Foto: © 2019 ROH / Catherine Ashmore

Diese Traviata-Inszenierung ist längst ein Klassiker und sie hat Bestand – offensichtlich. Eine Tragödie aus dem frivolen Paris des 19. Jahrhunderts, in einer durch und durch italienischen Oper, aufgeführt in einem der traditionsreichsten englischen Theater – das ist ein kultureller Mix, der seinesgleichen sucht.

The Royal Opera London, 21. Dezember 2019

Giuseppe Verdi, La Traviata

von Charles E. Ritterband

Diese „Traviata“ ist wunderschön – Bühne und Ausstattung von Bob Crowley führen in das opulente Paris Mitte des 19. Jahrhunderts, wo sich leicht degenerierte Aristokraten und rasch reich gewordene Großbürger in den Salons – auch jenen von berühmten Kurtisanen wie eben der Violetta Valéry alias „La Traviata“ – die Hand reichen, große Beträge ohne mit der Wimper zu zucken beim Roulette aufs Spiel setzen, gegeneinander intrigieren und sich anschließend bei Duellen im Morgengrauen in den großen Pariser Parklandschaften ins Jenseits befördern. „Giuseppe Verdi, La Traviata,
The Royal Opera London, 21. Dezember 2019“
weiterlesen

Brillante Koloraturen und subtilste Pianissimi in Händels "Rodrigo" im Theater an der Wien

Foto: Emöke Baráth. © Zsófi Raffay

Es gibt in dieser Oper eine Stelle von atemberaubender Schönheit und Emöke Baráth verlieh dieser einmaligen Passage die ganze Subtilität und Zartheit, welche sie verlangt – es war ein wunderbares Solo-Stück lediglich von einem mit höchster Einfühlsamkeit gespielten Violoncello (Nicolas Crjanski) begleitet. Zum Weinen schön.

Theater an der Wien, 20. Dezember 2019

Georg Friedrich Händel, Rodrigo (oder: Vincer se stesso è la maggior vittoria), Konzertante Aufführung

von Charles E. Ritterband

Georg Friedrich Händel schrieb diese Oper in italienischer Sprache im Alter von 21 Jahren auf seiner vierjährigen Bildungsreise nach Italien – sie wurde im Oktober 1707 uraufgeführt. Der päpstlich Nuntius, von dem Werk sichtlich angetan, berichtete dem Papst nach Rom, dass im Teatro di Via del Cocomero „die von dem sehr berühmten Musiker Giorgo Eden aus Sachsen komponierte Oper“ in Anwesenheit „ihrer allerdurchlauchtigsten Hoheiten“ aufgeführt worden sei – und diese sei „sehr gut“.

Tatsächlich blieb diese Oper weitgehend unbekannt, große Teile davon blieben lange Zeit verschollen. Erst in unserer Zeit, 1984, wurde das vollständige Werk aufgeführt – und zwar bei den Innsbrucker Festwochen. „Georg Friedrich Händel, Rodrigo,
Theater an der Wien, 20. Dezember 2019“
weiterlesen

Dieser Abend ist ein wahres Feuerwerk!

Bildquelle: St. Michaelis

St. Michaelis Hamburg, 21. Dezember 2019

Johann Sebastian Bach, Weihnachtsoratorium

Miriam Feuersinger, Sopran
Elisabeth Graf, Alt
Jörg Dürmüller, Tenor
Andreas Schmidt, Bass

Chor St. Michaelis
Orchester St. Michaelis
(Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters
und des NDR Elbphilharmonie Orchesters u.a.)

Leitung: Christoph Schoener

von Harald Nicolas Stazol

Weltrang, ein großes Wort: aber hier im Hamburger Michel, dieser protestantischen Kathedrale, offenbart Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“ unter dem wirklich erstaunlich präzisen Taktstock des wirklich – nun noch ein Superlativ – überragenden Christoph Schoener mit dem wirklich beeindruckenden Chor und Orchester von St. Michaelis (unter ihnen Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg und des NDR Elbphilharmonie Orchesters): Jede Note sitzt, jede Fermate, jedes eben so konsequente Tempo, es sitzen die Modulationen und es glänzt eine unvergleichliche Sopranistin mit dem ebenso programmatischen Namen MIRIAM FEUERSINGER … und wenn man es zu diesem zutiefst religiösen Stück sagen darf: Dieser Abend ist ein wahres Feuerwerk. „Johann Sebastian Bach, Weihnachtsoratorium,
St. Michaelis Hamburg, 21. Dezember 2019“
weiterlesen

Die MONTAG-PRESSE – 23. DEZEMBER 2019

Foto: © Wilfried Hösl

Für Sie und  Euch in den Zeitungen gefunden:
Die MONTAG-PRESSE – 23. DEZEMBER 2019

München
Bayerische Staatsoper: THE SNOW QUEEN. Premiere
„Lame Duck“ – Collage introvertierter Wirkungsarmut mglw. für Kognitivisten
https://onlinemerker.com/muenchen-bayerische-staatsoper-the-snow-queen-premiere/
München
Psycho statt Liebe – Hans Abrahamsens “The Snow Queen“ in München
Neue Musikzeitung

Neue Oper „The Snow Queen“: Klirrend, komplex und poetisch
https://www.rtl.de/cms/neue-oper-the-snow-queen-klirrend-komplex

Nichts ist schlimmer als Weihnachten in Wien
Wie die Flucht vor gierigen Weihnachtsmännern, Advent-Klimbim und „Last Christmas“ gelingen kann. Eine Anklage.
Wiener Zeitung

Bewundert viel und viel gescholten: Dominique Meyer
Er ist die graue Eminenz des internationalen Opernbetriebs: Dominique Meyer leitet seit 2010 die Wiener Staatsoper – mit Auslastungsquoten, von denen andere Bühnen träumen. Wofür aber steht der Mann künstlerisch, der im März als Nachfolger von Alexander Pereira die Mailänder Scala übernimmt?
Neue Zürcher Zeitung

„Konzertgänger in Berlin“
Raffiniert maskiert: Prokofjews „Verlobung im Kloster“ an der Staatsoper
Weihnachtsferien sind unter Opernabhängigen die gefürchtetste Zeit: lauter schwatzende und knipsende Touristen in mittelmäßigen Aufführungen. Eine beflügelnde Perle im Jahresendprogramm dürfte Die Verlobung im Kloster von Sergej Prokofjew sein, die jetzt an der Staatsoper Unter den Linden wiederaufgenommen wurde.
https://hundert11.net/raffiniert-maskiert/ „Die MONTAG-PRESSE – 23. DEZEMBER 2019“ weiterlesen

CD-Tipps zum Frohen Fest und zum Jahresausklang von klassik-begeistert.de

Liebe Leserinnen und Leser von klassik-begeistert.de,

Wir möchten Ihnen zum Weihnachtsfest und für den Rutsch gen 2020 ein paar CDs präsentieren, die uns sehr gefallen. Musik mit dem gewissen extra…. Klassik zum Träumen, zum Verweilen, zum Innehalten.

Klassik fürs Herz und für die Seele.

Hier sind unsere Empfehlungen für alle Klassik-Liebhaberinnen und Liebhaber – Empfehlungen für den eigenen Gebrauch … und Empfehlungen, um Verlegenheitsgeschenke zu vermeiden.

Foto: © Maxim Schulz, Elbphilharmonie, Hamburg „CD-Empfehlungen von klassik-begeistert.de zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel
klassik-begeistert.de“
weiterlesen

Die SONNTAG-PRESSE – 22. DEZEMBER 2019

Foto: Wiener Staatsoper – Zuschauerraum,© Michael Pöhn

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die SONNTAG-PRESSE – 22. DEZEMBER 2019

München
„The Snow Queen“ an der Bayerischen Staatsoper

Showdown auf dem Seziertisch
Seit Jahren beschäftigt sich der dänische Komponist Hans Abrahamsen mit dem Thema „Schnee“, nun also seine erste Oper zu dem Thema: „The Snow Queen“, nach dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen. Rund zehn Jahre hat Abrahamsen daran gearbeitet. Im Oktober wurde sie in Kopenhagen in dänischer Sprache uraufgeführt, jetzt kam die englische Fassung als deutsche Erstaufführung an die Bayerische Staatsoper – in der Regie von Andreas Kriegenburg.
https://www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/kritik-premiere

Wien/ Staatsoper
„Persinette“ an der Staatsoper: So geht Kinderoper Bezahlartikel
„Persinette“ von Albin Fries (Musik) und Birgit Mathon (Text) im Haus am Ring – Wenn Rapunzel einfach nur viel Freude macht.
Kurier

Wien/ Staatsoper
Puccinis „Bohème“ mit einem unerwarteten Debüt Bezahlartikel
Irina Lungu überraschte als Mimì, Pirgu überzeugte als neuer Rodolfo.
Die Presse

Wiener Staatsoper: Holender kritisiert Bohuslav-Bestellung
Der frühere Staatsopern-Direktor hält fest, dass die ÖVP-Landesrätin bisher nichts mit Theater und Oper zu tun gehabt hätte.
https://www.msn.com/de-at/nachrichten/other/wiener-staatsoper-holender
Staatsoper mit Petra Bohuslav, Akademie ohne Simona Noja
Die Presse

Szenische Darstellung auf der Opernbühne „Spiel, spiel, spiel! Spiele mit Gefühl!“
Wie hat sich bei der Interpretation von Opernrollen die Gewichtung zwischen Darstellung und Stimme verändert? Was erwarten Sängerinnen, Regisseure und Publikum?
DeutschlandfunkKultur

„Eugen Onegin“: meine Lieblingsoper
Es ist doch nicht nur die Oper der zwei Arien und zweier Walzer. Es ist Verwobene Schicksalhaftigkeit einer Liebe, die nicht zueinander findet, eben die Unzeit der Liebe. Aber dass man ihr, wenn man sich auf Onegin einlässt, auf ewig verfällt, das sei hiermit bezeugt.
Harald N. Stazol berichtet aus Hamburg und Moskau.
Klassik-begeistert

Hamburg
Bach vs. Bach: 1. Teil eines orchestralen Vergleiches an Beispiel des Weihnachtsoratoriums, BWV 248
„Ein recht karger Kirchenraum“ sagt meine durch und durch hanseatische Freundin B. – sie hat mich ins „Weihnachtsoratorium“ von Johann Sebastian Bach eingeladen, die Hamburger Camerata soll brillieren wie der einzigartige Trompeter vieler Rezitative, doch dazu kommen wir noch – der „recht karge“ Kirchenraum von St. Nikolai am Klosterstern schwingt sich in ungeahnter Höhe wie eine Blüte jener, wie ich antworte, „Fünfziger, Schatz. Man hatte wenig Sex.“
Harald N. Stazol berichtet aus der Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern in Hamburg.
Klassik-begeistert

Amerang
Große Oper ganz intim
Karten für die Festspiele im Schloss Amerang sind bereits erhältlich
https://plus.pnp.de/ueberregional/kultur/3551150_Grosse-Oper-ganz-intim.html „Die SONNTAG-PRESSE – 22. DEZEMBER 2019“ weiterlesen

Husteninferno in der Laeiszhalle Hamburg: Die Symphoniker Hamburg eröffnen das Beethoven-Jahr 2020 mit Carolin Widmann (Violinkonzert) und der „Pastorale“

Nach Schluss des 1. Satzes schwoll das Husteninferno im Saal derartig an, dass es fast einem verabredeten Flashmob ähnelte. Wann wird einmal in einer derartigen Situation ein Dirigent sich zum Publikum umdrehen und dieses bitten, sich zur Durchführung eines gemeinschaftlichen Aushustens zu erheben? Wenn dann noch – während des Konzerts – einzelne Besucher laut hustend den Saal verlassen und dann dabei noch mehr Lärm machen, frage ich mich, wo eigentlich die Grenze des Respektes ist. Peinlich für Hamburg und eine Respektlosigkeit gegenüber den Musikern.

Foto: © Thies Rätzke
Laeiszhalle, Hamburg
, 19. Dezember 2019
Symphoniker Hamburg
Konzert: Ludwig van Beethoven
Musikalische Leitung: Sylvain Cambreling
Solistin:  Carolin Widmann, Violine
Veranstalter: Symphoniker Hamburg, Intendant: Daniel Kühnel

von Dr. Holger Voigt

Was könnte es Schöneres geben, als inmitten des vorweihnachtlichen Trubels und der bleiernen Dunkelheit einen Schritt zur Seite zu treten und sich der Leuchtkraft Beethovenscher Musik zu öffnen? So geschehen in der ehrwürdigen Laeiszhalle in Hamburg an einem finsteren Donnerstagabend, fünf Tage vor Heiligabend.

Ludwig van Beethovens Geburtstag (17. Dezember 1770)  jährt sich am 17. Dezember 2020 zum 250. Mal, und damit steht ein prall gefülltes Gedenkjahr ins Haus. Die Hamburger Symphoniker hatten sich deshalb entschlossen, noch vor Weihnachten ein Auftaktkonzert zu präsentieren. „Symphoniker Hamburg, Ludwig van Beethoven,
Laeiszhalle, Hamburg, 19. Dezember 2019“
weiterlesen

"Eugen Onegin": meine Lieblingsoper

Es ist doch nicht nur die Oper der zwei Arien und zweier Walzer. Es ist Verwobene Schicksalhaftigkeit einer Liebe, die nicht zueinander findet, eben die Unzeit der Liebe. Aber dass man ihr, wenn man sich auf Onegin einlässt, auf ewig verfällt, das sei hiermit bezeugt.

Bild: Pjotr Tschaikovsky, Öl auf Leinwand, 1893,
Nikolai Kusnezow, Tretjakow-Galerie, Quelle: wikipedia.de

von Harald Nicolas Stazol

„’Eugen Onegin‘ ist eine Oper von zwei Arien und zwei Walzern“, sagt meine Nachbarin Doris, die schon 1965 mit ihrem Mann in der Met im Balanchine „Nußknacker“ saß. Die Pracht und Größe des Weihnachtsbaums im Salon der Drosselmeiers gilt in New York City als Indikator der Konjunktur, in den Jahren wurden die Tannen immer höher – „was fasziniert Dich denn so daran?“, fragt sie über die Teetasse, und ich denke kurz nach und finde keine Antwort. Ich weiß nur, dass ich Tschaikovskys Meisterwerk seit einem Jahr non-stop höre, nach des in Versform gehaltenen, nun mit wunderbarer Musik unterlegten Epos von Alexander Puschkin – der ganz nebenbei erst bei seinem 200. Duell getötet wurde. „Eugen Onegin, Pjotr Tschaikovsky, Meine Lieblingsoper
klassik-begeistert.de“
weiterlesen