Fotos: Daniel Dittus (c) Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und TV-Moderatorin Sandra Maischberger
NDR Elbphilharmonie Orchester Yuja Wang Klavier
Dirigent Alan Gilbert
Ludwig van Beethoven
Ouvertüre zu »Fidelio« op. 72 Franz Liszt
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 Es-Dur S 124 Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67
von Andreas Schmidt
Es geht an diesem Sonntagmorgen auch um Musik. Aber vornehmlich um Politik. Europa droht Schlimmes, Schlimmstes, und der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) spricht in der Elbphilharmonie anlässlich eines traditionellen Benefizkonzertes des Bundespräsidenten Tacheles, spricht von „Lügen“ des Diktators Wladimir Putin, den er öfter getroffen hat als deutscher Außenminister, spricht davon, dass nach dem Ende des Krieges eine Neuordnung Europas bevorstehe.
Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher (SPD) verspricht, dass die knapp 2-Millionen-Metropole an der Elbe Auen auch Flüchtlinge aus der Ukraine aufnehmen werde.
Gustav Mahler Symphonie Nr.2 c-Moll „Auferstehung“
Nadine Sierra Okka von der Damerau
Rundfunkchor Berlin Berliner Philharmoniker
Gustavo Dudamel
von Peter Sommeregger
Allein schon das angesetzte Werk, Mahlers emotionale Auferstehungssymphonie hätte den Abend zu etwas Besonderem gemacht, aber vor Beginn des Konzertes trat einer der Musiker nach vorne und teilte mit, dass Gustavo Dudamel und die Berliner Philharmoniker diese Aufführung dem Volk der Ukraine widmeten. Das Publikum erhob sich spontan und applaudierte für Minuten. Anschließend wurde noch um eine Schweigeminute gebeten.
Nach diesem bewegenden Beginn wirkte Mahlers Symphonie wie eigens ausgesucht für diesen bedrückenden dritten Tag des Krieges. Gustavo Dudamel zeigt schon mit der schneidend scharfen Einleitung, dass er diese Musik in ihrer ganzen emotionalen Tiefe ausloten kann und will. Das wuchtige Allegro maestoso des ersten Satzes stürmt mächtig voran, erst im zweiten Satz glätten sich die Wogen um dann im dritten, einem Wunderhorn-Lied nachempfundenen Satz „in ruhig fließender Bewegung“ zu den Vokalpassagen überzuleiten. Okka von der Damerau gestaltete das „Urlicht“ mit sonorem, vollem Klang, die Textzeile „Der Mensch liegt in größter Not“ traf den Nerv des sensibilisierten Publikums. Nadine Sierra ergänzte das Gesangsduo mit hellem, eher zartem Sopran. „Gustav Mahler, Symphonie Nr.2 c-Moll „Auferstehung“, Philharmonie Berlin, 26. Februar 2022“ weiterlesen
Jenůfa: Svetlana Aksenova
Küsterin: Nina Stemme
Števa Buryja: Pavol Breslik
Laca Klemeň: Pavel Černoch
Regie: Lotte de Beer
Arnold Schoenberg Chor ORF Radio-Symphonieorchester Wien Dirigent: Marc Albrecht
von Herbert Hiess
Es fällt schwer, den russischen Kriegsangriff auf die Ukraine auszublenden; zu dieser Stimmung passt leider (!) das Sujet der Abschiedsserie des scheidenden Intendanten Roland Geyer.
Leoš Janáčeks „Jenůfa“ basiert auf das Schauspiel „Ihre Ziehtochter“ von Gabriela Preissova, wie auch der tschechische Titel der 1904 uraufgeführten Oper heißt. Im Übrigen hat die Entstehungsgeschichte der Oper eine bewegte Vergangenheit. „Jenůfa“ ist die dritte Oper des Komponisten und die erste, die komplett durchkomponiert wurde – und nicht wie andere Werke in einem Particell geschrieben. Begonnen wurde die Komposition ca. 1894 und letztlich 1903 vollendet. In der Zwischenzeit ist die Originalpartitur verloren gegangen und mehrfach bearbeitet.
Die finale Version, die jetzt in Wien zu hören war, wurde von John Tyrrell und Sir Charles Mackerras (der übrigens in Wien großartige Aufführungen dieser Oper dirigiert hat) nach der Originalversion rekonstruiert.
Die aktuelle Produktion wurde von der zukünftigen Volksopernintendantin Lotte de Beer, die mitsamt ihrem Team das Werk in düsterste und trostlose Farben hüllte. Die Küsterin spielte eigentlich die Hauptrolle und betrachtete die Szenerie schon vom Gefängnis aus – das eigentlich das „innere Gefängnis“ der Frau symbolisierte.
In dem Werk geht es so ähnlich wie in Brittens „Peter Grimes“ um gesellschaftliche Zwänge und soziale Ächtung. Die Küsterin glaubte, dass das uneheliche Kind dem Ansehen der Familie sehr schaden würde. Ihr geht es nur darum, dass sie ihre Stieftochter Jenůfa „gut verheiraten“ will. Der Kindesvater des ermordeten Buben Števa will aber nichts von Jenůfa wissen und heiratet lieber die Richterstochter Karolka. Daraufhin bleibt nur der gutmütige Laca, der Jenůfa aus Eifersucht das Gesicht zerschnitt, auf das sie einst so stolz war.
Am Schluss heiratet sie dann doch Laca. Großartig die Hochzeitsszene, wie Lotte de Beer Jenůfa quasi als „willenlose Puppe“ darstellte, die sich so ihrem Schicksal ergab. Während der Hochzeit wurde der Kindesmord entdeckt und im Finale wurde letztlich die Szenerie in optimistische Farben getaucht, als Jenůfa die wahre Liebe zu Laca entdeckte. „Leoš Janáček: Jenůfa, Theater an der Wien, 24. Februar 2022 “ weiterlesen
John Adams Fearful Symmetries für Orchester oder Kammerorchester
Leonard Bernstein Sinfonie Nr. 2 für Klavier und Orchester »The Age of Anxiety«
von Harald N. Stazol
Als es meine schwarze, schwere Limousine fast hochhebt vor der Elbphilharmonie, Mademoiselle Sonntag hat mir ihren Wagen geschickt, nachdem meine Bürochefin schon angeordnet hat, dass ich auf jeden Fall mit einem Automobil „hin und zurück“ fahren solle, „sonst kannst Du die Story vergessen! Das ist der schwerste Sturm seit 30 Jahren!” Der Mercedes jedenfalls wackelt wie ein Schaukelpferd, ich will meiner schönen Begleiterin aus dem Fond helfen – allein, der Wind ist so stark, dass es mir zweimal nicht gelingt, die Tür zu öffnen, und Justin, der Fahrer, ruft nur über die gewaltig hereinströmenden Luftmassen, “Nein, mein Herr, Sie müssen warten”… „NDR Elbphilharmonie Orchester, Jean-Yves Thibaudet, Marin Alsop Elbphilharmonie, Hamburg, 18. Februar 2022“ weiterlesen
Für Sie in den Zeitungen gefunden:
Die SONNTAG-PRESSE – 20. Februar 2022
Hamburg Verdis „Luisa Miller“ – Das Drama und der Triumph der Vaterschaft
Asketisches Bühnenbild, der in zwei Logen aufgestellte Chor und ein Fest hervorragender Stimmen – so lässt sich die Aufführung von „Luisa Miller“ in der Staatsoper Hamburg kurz beschreiben.
Von Jolanta Lada-Zielke Klassik-begeistert.at
TTT Vinylschätze 7 – Tempi passati
nach 40Jahren: Anton Bruckner – Te Deum für Soli, Chor, Orgel und Orchester, Fassung 1883/84; Dirigent Sergiu Celibidache
Margaret Price, Sopran, Christel Borchers, Alt, Claes H. Ahnsjö, Tenor, Karl Helm, Bass, Münchener Bachchor, Philharmonischer Chor München, Chorleitung: Josef Schmidhuber, Elmar Schlöter, Orgel Münchner Philharmoniker, Live-Mitschnitt: 1. Juli 1982, Lukaskirche, München https://onlinemerker.com/ttt-vinylschaetze-7-tempi-passati-7-bruckner-te-deum/
DVD-Besprechung „Francesca da Rimini“ an der Deutschen Oper: Spitzenproduktion als Phantomaufführung
Von Peter Sommeregger Klassik-begeistert.de
Konzertgänger in Berlin Herabsphärend. Benedikt Kristjánsson und Margret Köll im Pierre-Boulez-Saal
Gegen die Barockharfe, die in diesem Konzert gleich in mehreren Formen zu erleben ist, wirkt das moderne Konzertgoldflügelgetüm wie ein monströser SUV im Vergleich zu einem wendig-schnittigen Fahrrad. Über mehr als 4000 Jahre leitet Michael Horst in seiner Einleitung die Bedeutung des Instruments und der dazugehörigen Stimme her, bis zu den Pyramiden und natürlich zum Orpheus-Mythos. https://hundert11.net/herabsphaerend/„Die SONNTAG-PRESSE – 20. Februar 2022“ weiterlesen
Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die MITTWOCH-PRESSE – 16. Februar 2022
Berlin Das Opfer Elina: Intensive „Makropulos“-Premiere an der Berliner Lindenoper NeueMusikzeitung/nmz.de
Verfluchte Unsterblichkeit
Zwischen Leidenschaft und impressionistischem Oberflächenglanz: Leoš Janáčeks Oper „Die Sache Makropulos“ in der Berliner Staatsoper unter den Linden. SueddeutscheZeitung.de
Dresden Gewaltige Gipfelgänge
Christian Thielemann und die Sächsische Staatskapelle mit einem Bruckner-Programm
Von Kirsten Liese Klassik-begeistert
Eine Entdeckung: Kammermusik von Paul Ben-Haim
Sie kennen Paul Ben-Haim nicht? Da hatten wir etwas gemeinsam bis zum heutigen Abend…
Von Frank Heublein Klassik-begeistert.de
Wiener KammerOrchester Stefan Vladar, Klavier, Dirigent
Arvo Pärt
Festina Lente (Fassung für Streicher und Harfe ad libitum) (1988)
Gustav Mahler
Adagietto (Symphonie Nr. 5) (1901–1902)
Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für Klavier und Orchester G-Dur K 453 (1784)
***
Joseph Haydn
Symphonie D-Dur Hob. I/57 (1774)
von Kathrin Schuhmann
Auf eine Reise, rückwärts durch die Zeit, entführte das Wiener KammerOrchester sein Publikum, das sich am Sonntagvormittag zahlreich im Mozart-Saal zusammengefunden hatte. Im bunt gemischten Programm reichten sich die Komponisten Arvo Pärt, Gustav Mahler, Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn die Hände. Sowohl Liebhaber der romantischen als auch solcher der klassischen Tonsprache sollten demnach auf ihre Kosten kommen. Es sei mir an dieser Stelle die Bemerkung erlaubt, dass – ganz im Gegensatz zu meiner Sitznachbarin, die ausschließlich für Mozart und Haydn gekommen war – mein Interesse an der Konzertveranstaltung insbesondere durch die ersten beiden Programmpunkte, die ‚jüngeren‘ Werke geweckt wurde und ich insbesondere der Komposition Pärts mit Spannung und Vorfreude entgegenblickte, handelt es sich dabei doch um ein eher selten aufgeführtes Werk im Wiener Konzertleben. „Wiener KammerOrchester, Stefan Vladar, Klavier, Dirigent, Pärt, Mahler, Mozart, Haydn Wiener Konzerthaus, Mozartsaal, 13. Februar 2022“ weiterlesen
Johannes Brahms Konzert für Klavier und Orchester Nr.2
Josef Suk Zrání (Lebensreife)
Symphonische Dichtung für großes Orchester und Frauenchor
Berliner Philharmoniker Kirill Petrenko Dirigent
Sir András Schiff Klavier
Damen des Rundfunkchors Berlin
von Peter Sommeregger
Für diesen winterlichen Abend hatte Kirill Petrenko ein Programm gewählt, das von gebrochenen Tönen gezeichnet war. Johannes Brahms‘ wahrhaft monumentales 2. Klavierkonzert, vom Komponisten selbst erst zwanzig Jahre nach dem Misserfolg seines ersten in Budapest uraufgeführt, ist allein schon mit seiner Länge eine Herausforderung für den Solisten.
Mit Sir András Schiff war ein Interpret der Spitzenklasse aufgeboten, der selbst erst kürzlich eine hoch gelobte Einspielung beider Brahms-Konzerte als Solist und Dirigent vorgelegt hatte.
Das Orchester und der Klavierpart gehen in diesem Werk über weite Strecken getrennte Wege. Schon zu Beginn versucht ein heroisches Thema aufzutrumpfen, wird aber schnell vom Klavier konterkariert. Brahms gelingt das Kunststück, gleichzeitig ein symphonisches Werk und ein Solistenkonzert zu schaffen. Zum ersten Mal enthält ein Solokonzert vier Sätze, was durch das als zweiten Satz eingeschobene Allegro appassionato den gesetzten Rahmen erweitert, während im lyrischen Andante ein berückend schönes Motiv vom Cello solo ausgeführt wird. „Kirill Petrenko und András Schiff mit Werken von Brahms und Suk, Philharmonie Berlin, 11. Februar 2022“ weiterlesen
Am heutigen Freitag, dem 11. Februar 2022 feiert Kirill Petrenko, seit 2019 Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, seinen 50. Geburtstag. Das lädt zu einem Rückblick auf die ersten fünfzig Jahre dieses außergewöhnlichen Musikerlebens ein.
Der Weg vom sibirischen Omsk bis zum Chefposten des Berliner Weltorchesters war ein weiter und sicher nicht leichter, zeigt anhand seiner Stationen aber bereits die Ernsthaftigkei der Lebensplanung und zusätzlich den sicheren Kompass dieses Ausnahme-Musikers.
Als Petrenkos Eltern mit dem Sohn Russland verließen, ließen sie sich in Österreichs westlichstem Bundesland Vorarlberg nieder, wo der junge Kirill, dessen Entscheidung für eine Dirigentenlaufbahn längst gefallen war, seine Studien am Landeskonservatorium Feldkirch fortsetzte und sein Klavierstudium mit Diplom abschloss. Es lässt sich kaum ermessen, wie viel Kraft dieser Umzug in ein neues Land und eine neue Sprache kostete. „Kirill Petrenko zum 50. Geburtstag, 11. Februar 2022, klassik-begeistert.de“ weiterlesen
Votiv Kino, Wien, 6. Februar 2022 Österreich Premiere, „Wagner, Bayreuth und der Rest der Welt“
von Jürgen Pathy
Einst meinte er, Wagner sei ein bisschen gefährlich. Einmal die Finger drinnen, verliere man die ganze Hand. Das scheint sich zu bewahrheiten. „Wenn die Umstände passen“, könne er es sich auch vorstellen, den Parsifal oder in den Meistersingern zu singen. Die Angebote dazu gäbe es. Einstweilen bleibe es aber beim „Lohengrin“, sagte Piotr Beczała nach der Österreich-Premiere von Axel Brüggemanns Filmdoku „Wagner, Bayreuth und der Rest der Welt“ im Wiener Votivkino letzten Sonntag.
Im Augenblick sei der Kalender einfach zu voll. „20 bis 30 Prozent Wagner“, das sei okay – mehr aber nicht. Dass er überhaupt anwesend war, gleicht schon einem Wunder. Immerhin ist Beczałas Terminkalender voll. Einige Tage zuvor New York, Donnerstag ein Liederabend in Barcelona, am Vortag Gast im Musikverein Wien und nun im Wiener Votivkino. Dabei spielt er in Axel Brüggemanns Doku gar keine Hauptrolle. „Österreich Premiere, Film „Wagner, Bayreuth und der Rest der Welt“, Votiv Kino, Wien, 6. Februar 2022“ weiterlesen