Klein beleuchtet kurz 69: Wann tun Sie endlich etwas dagegen, Herr Lieben-Seutter?

London Philharmonic Orchestra, Karina Canellakis – Foto: Patrik Klein

Wenn die Insassen von acht Reisebussen das London Philharmonic Orchestra zersägen.

London Philharmonic Orchestra

Alexander Malofeev, Klavier
Karina Canellakis,Dirigentin

von Patrik Klein

Nach vier kulturlosen Wochen in den Tropen war man ausgehungert nach Musik, nach klassischer Musik, ja nach berührender Musik.

Und eigentlich darf man sicher sein, dass wenn man ein Ticket für das London Philharmonic Orchestra hat, dass es gut wird – manchmal sogar sehr gut – gelegentlich sogar exzellent.

Gestern Abend war es anders. Es kann jedoch auch sein, dass mir der Hörgenuss durch das ungehörige Publikum dermaßen verhagelt wurde, dass ich die Feinheiten überhörte, nicht wahrnahm, sondern einfach nur genervt war. „London Philharmonic Orchestra, Alexander Malofeev, Klavier, Klein beleuchtet kurz 69
Elbphilharmonie, 25. Februar 2026“
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Riccardo und Chiara Muti durchdringen „Macbeth“ in Turin als packenden Psychothriller

Macbeth Klavierhauptprobe © Daniele Ratti

Ich kann es immer wieder nur sagen: Wer Verdi liebt, sollte Riccardo Muti hören. So akribisch wie er feilt kein Zweiter an Text, dynamischen und klanglichen Feinheiten. Sein jüngster „Macbeth“ in Turin gibt davon eindrücklich Zeugnis. Dies auch dank einer stimmigen, intellektuell anspruchsvollen Regie und Sängerdarstellern, die im Laufe des Abends über sich hinauswachsen.

Giuseppe Verdi     Macbeth

Musikalische Leitung    Riccardo Muti

Regie    Chiara Muti
Bühnenbild     Alessandro Camera
Kostüme    Ursula Patzak
Choreografie    Simone Valastro
Choreinstudierung    Piero Monti

Chor und Orchester des Teatro Regio Torino

Teatro Regio Torino, 26. Februar 2026

von Kirsten Liese

Francesco Maria Piave schrieb das Libretto zu Verdis „Macbeth“, aber kluge Regisseure beschäftigen sich auch mit der literarischen Vorlage von Shakespeare. Zumal in einer Zusammenarbeit mit Riccardo Muti, der in seinen Einstudierungen stets dem Dichter große Bedeutung gibt.

Bei Peter Stein, mit dem Muti das Musikdrama 2011 in der Salzburger Felsenreitschule einstudierte, war das ebenso eindrücklich zu erleben wie nun in der Inszenierung seiner Tochter Chiara Muti in ihrer dritten Zusammenarbeit nach „Così fan tutte“ (2018 zunächst in Neapel, 2021 dann in Turin) und „Don Giovanni“ (2022). „Giuseppe Verdi, Macbeth, Musikalische Leitung Riccardo Muti
Teatro Regio Torino, 26. Februar 2026“
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Thielemanns Dresdner „Tristan“: Es reicht nur zu gebremster Liebesglut

CD/Blu-ray Besprechung:

Richard Wagner
Tristan und Isolde

Klaus Florian Vogt  Tristan
Camilla Nylund  Isolde
Georg Zeppenfeld  König Marke
Martin Gantner  Kurwenal
Tanja Ariane Baumgartner  Brangäne

Sächsische Staatskapelle Dresden
Christian Thielemann  Dirigent

C Major Blu-ray 770804

 von Peter Sommeregger

 Am Ende seiner langjährigen Tätigkeit in Dresden wollte Christian Thielemann 2024 noch einen letzten Höhepunkt setzen, nämlich eine Serie von Aufführungen von Wagners „Tristan und Isolde“. Mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden im Graben der Semperoper, von Richard Wagner selbst einst als „Wunderharfe“ gepriesen, war schon eine optimale Voraussetzung geschaffen. „CD/Blu-ray Besprechung: Richard Wagner, Tristan und Isolde
klassik-begeistert.de, 2. März 2026“
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Doulce Mémoire besingt ein ewiges Vermächtnis

CD/Blu-ray-Besprechung:

Lasso   Agostini
Lagrime di San Pietro

Doulce Mémoire

Denis Raisin Dadre, musikalische Leitung

Alpha Classics, Alpha1209

von Dirk Schauß

Manche Alben scheinen nicht einfach nur veröffentlicht zu werden; sie ereignen sich wie ein Schicksalsschlag. Wenn das französische Ensemble Doulce Mémoire unter der Leitung von Denis Raisin Dadre nun ein Programm vorlegt, das sich den „Tränen“ widmet, dann schwingt von der ersten Sekunde an eine Metaphysik mit, die weit über das bloße Abspielen von Renaissance-Noten hinausgeht. „CD/Blu-ray-Besprechung: Lasso Agostini, Lagrime di San Pietro
klassik-begeistert.de, 2. März 2026“
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DIE MONTAG-PRESSE – 2. MÄRZ 2026

Svatopluk Sem, Vera-Lotte Boecker © Monika Rittershaus

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE MONTAG-PRESSE – 2. MÄRZ 2026

Berlin/Staatsoper
Minimalistisch und poetisch in einem: Berlin krönt seinen Janáček-Zyklus mit „Das schlaue Füchslein“
Die größte Aufmerksamkeit galt der Berliner Staatskapelle, die vor wenigen Tagen als bestes Orchester mit einem Award der Zeitschrift „Oper!“ ausgezeichnet worden war. Ihr schöner, zu der böhmischen Musik passender warmer Klang und die Klasse jeder einzelnen Sektion war nicht zu überhören, farbenreich brachte sie die Partitur zum Leuchten. Seitens der dynamischen Gestaltung blieb allerdings noch Luft nach oben. Ted Huffmans Inszenierung wartet mit fantasiereichen Kostümen und virtuoser Akrobatik auf.
Von Kirsten Liese
Klassik-begeistert.de

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Das Theater an der Wien bringt ein barockes Musical in größter Vollendung

L’Opera Seria © Werner Kmetitsch

1769 wurde Gassmanns Oper in drei Akten im Wiener Burgtheater uraufgeführt. Das Stück ist eine authentische (bis heute offensichtliche) Parodie auf das allgemein übliche „Theaterleben“. Dabei wird kein Klischee ausgelassen. Eine Renommeeleistung vom grandiosen Regieteam und den exzellenten Sängern

Florian Leopold Gassmann                            L’Opera Seria
Commedia per Musica in drei Akten
Libretto von Ranieri de’ Calzabigi

Mit: Pietro Spagnoli, Roberto de Candia, Petr Nekoranec, Josh Lovell, Julie Fuchs, Andrea Carroll, Serena Gamberoni u.a.

Statisterie des MusikTheaters an der Wien
Les Talens Lyriques

Dirigent: Christophe Rousset

Regieteam: Laurent Pelly, Elisabeth de Ereno, u.a.

MusikTheater an der Wien, 28. Februar 2026 PREMIERE

von Herbert Hiess

Florian Leopold Gassmann als Komponist ist selbst bei  eingefleischten Musikfreunden ein unbeschriebenes Blatt; der Mozart-Zeitgenosse zeichnet sich durch eine hochprofessionelle Instrumentierung aus – wenn auch mit wenig bemerkenswerten (musikalischen) Einfällen. Aber immerhin schafft er es, vor allem in Akt zwei und drei, einem interessanten musikalischen Verlauf zu präsentieren. „Florian Leopold Gassmann, L’Opera Seria / grandioses Regieteam
MusikTheater a.d. Wien, 28. Februar 2026 PREMIERE“
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Minimalistisch und poetisch in einem: Berlin krönt seinen Janáček-Zyklus mit „Das schlaue Füchslein“

Magdalena Kožená, Vera-Lotte Boecker © Monika Rittershaus

Die größte Aufmerksamkeit galt der Berliner Staatskapelle, die vor wenigen Tagen als bestes Orchester mit einem Award der Zeitschrift „Oper!“ ausgezeichnet worden war. Ihr schöner, zu der böhmischen Musik passender warmer Klang und die Klasse jeder einzelnen Sektion war nicht zu überhören, farbenreich brachte sie die Partitur zum Leuchten. Seitens der dynamischen Gestaltung blieb allerdings noch Luft nach oben. Ted Hufmans Inszenierung wartet mit fantasiereichen Kostümen und virtuoser Akrobatik auf.

Leoš Janáček  „Das schlaue Füchslein“

Musikalische Leitung: Sir Simon Rattle

Inszenierung: Ted Huffman
Bühne: Nadja Sofie Eller
Kostüme: Astrid Klein

Einstudierung Chor: Dani Juris
Staatsopernchor, Kinderchor der Staatsoper

Staatskapelle Berlin

Staatsoper Unter den Linden, 28. Februar 2026,  Premiere

von Kirsten Liese

„Am Ende der Oper weine ich, weil sie eine tiefe Wahrheit erzählt“, sagt Simon Rattle. Mir geht es ähnlich, aber auch, weil „Das schlaue Füchslein“ den grausamen Umgang der Menschen mit den Tieren berührt. – Zu einer Zeit, in der noch kein Bewusstsein dafür herrschte, wieviel Leid in einem Pelzmantel steckt.

Jedenfalls kommt mir keine zweite Oper in den Kopf, die Mitgefühl mit den Bewohnern des Waldes derart explizit zum Ausdruck bringen würde wie dieses bezaubernde Werk von Leoš Janáček, dessen Aufführungsgeschichte in Berlin bedeutsame Stationen erlebte. „Janáček, Das schlaue Füchslein, Staatskapelle Berlin, Sir Simon Rattle
Staatsoper Unter den Linden, 28. Februar 2026,  Premiere“
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Auf den Punkt 83: Vorsicht vor Schlagerfuzzis

Giuseppe Verdi, Rigoletto, Deutsche Oper Berlin © Bettina Stöß

Giuseppe Verdi / Rigoletto

Melodramma in drei Akten
Libretto von Francesco Maria Piave
Uraufführung am 11. März 1851 in Venedig
Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 21. April 2013

Orchester der Deutschen Oper Berlin
Roberto Rizzi Brignoli  / Dirigent

Deutsche Oper Berlin, 1.  März 2026

von Jörn Schmidt

DISCLAIMER I – Es ist nichts falsch daran, Schlager zu mögen oder zu singen. Für die dringendst gebotenen Differenzierungen lesen Sie bitte hier bei klassik-begeistert meine Interviews mit den Opernstars Romana Amerling und Mariangela Sicilia.

DISCLAIMER II – Schlager schaden  Ihrem Herzen.

Ein Disclaimer ist eine rechtliche Erklärung, die typischerweise verwendet wird, um sich von Haftung für bestimmte Inhalte zu befreien. Funktioniert nicht immer, aber mit ist besser als ohne.

Konkret habe ich meiner Kolumne den ersten Disclaimer vorangestellt,  damit Andreas Schmidt, der Herausgeber von klassik-begeistert, vor äußerungsrechtlichen Abmahnungen geschützt ist. Denn nicht jeder Künstler findet es vielleicht lustig, als Schlagerfuzzi (s.u.) dazustehen. „Auf den Punkt 83: Vorsicht vor Schlagerfuzzis
Deutsche Oper Berlin, 1. März 2026“
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Lahav Shani musiziert meisterlich, als Dirigent wie als Pianist

Lahav Shani © Marco Borggreve

Das Orchester aus Rotterdam gestaltet vor nur halbvollen Rängen ein ausgezeichnetes Konzert in der Essener Philharmonie.

Paul Dukas (1865-1935) – L’apprenti sorcier (Der Zauberlehrling)

Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) – Suite für Variété-Orchester
Dmitri Schostakowitsch – Konzert Nr. 2 F-Dur für Klavier und Orchester op. 102

Richard Strauss (1864-1949) – Till Eulenspiegels lustige Streiche. Tondichtung op. 28

Rotterdams Philharmonisch Orkest
Lahav Shani, Klavier und Leitung

Philharmonie Essen, 28. Februar 2026

von Brian Cooper

Lahav Shani ist in dieser Spielzeit Portraitkünstler der Philharmonie Essen. Das Wort „Portraitkünstler“ ist vielleicht nicht ganz unwichtig angesichts der Tatsache, dass er eben nicht nur ein gefeierter Dirigent ist, sondern auch ein hervorragender Pianist. In beiden Funktionen war er an diesem überaus unterhaltsamen Abend zu erleben. Kontrabass spielt er auch noch, genau wie sein Vorgänger beim Israel Philharmonic, Zubin Mehta, aber das führte jetzt zu weit…

Das Programm, das das exzellente Rotterdam Philharmonic Orchestra (daheim: Rotterdams Philharmonisch Orkest) nun in Essen spielte, war extrem reizvoll. Daher verwunderte, dass die Ränge an diesem Samstagabend vergleichsweise leer waren. Allenfalls knapp über die Hälfte der Plätze waren besetzt. „Lahav Shani, Strauss und Schostakowitsch
Philharmonie Essen, 28. Februar 2026 “
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Pique Dame: Im Tode versperrt die Gräfin Hermann den Weg in ihre “höhere” soziale Klasse

A. Soghomonyan, O. Maslova, O. Petrova © J. Berger-ORW Liège

Die Opéra Royal de Wallonie in Lüttich spielt momentan eine neue Produktion von Piotr Tschaikowskis Oper “Pique Dame”. Interpretiert von einem Ensemble aus fast ausschließlich russischsprachigen Sängern unter der musikalischen Leitung vom Lütticher Chefdirigenten Giampaolo Bisanti, zeigt die Inszenierung der Regisseurin Marie Lambert-Le Bihan auf starke Art und Weise die sozial unmögliche Beziehung der beiden Hauptcharakteren Lisa und Hermann.

Piotr Iljitsch Tschaikowski (1840-1893)
PIQUE DAME
Oper in drei Akten  (Libretto von Modest Tschaikowski)

Musikalische Leitung: Giampaolo Bisanti

Inszenierung: Marie Lambert-Le Bihan
Bühne & Kostüme: Cécile Trémolières

Opéra Royal de Wallonie, Lüttich, 27. Februar 2026

von Jean-Nico Schambourg

Sowohl Herrmann als auch Lisa sind gefangen in ihrer jeweiligen eigenen Welt. Hermann, ein Mensch aus dem einfachen Volk kommend, der sich alles im Leben erkämpfen muss, glaubt durch die Sage der drei Karten den Weg in die höhere Gesellschaft gefunden zu haben und wird am Schluss von der toten Gräfin verlacht. Sie hatte schon zu ihrer Lebzeiten keine Sympathie für ihn, da er nicht aus ihrer Gesellschaftsschicht kommt.

„ Piotr Iljitsch Tschaikowski, Pique Dame, Inszenierung Marie Lambert-Le Bihan
Opéra Royal de Wallonie, Lüttich, 27. Februar 2026“
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