Die DONNERSTAG-PRESSE – 21. JULI 2022

(c) Salzburger Festspiele, Marco Borrelli

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Die DONNERSTAG-PRESSE – 21. JULI 2022

Salzburger Festspiele
Präsidentin Kristina Hammer über Currentzis, Putin und Sponsoring
Auch eine Premiere: Kristina Hammer startet in ihre erste Festspielsaison. Kein leichter Auftakt für die neue Präsidentin. Seit Monaten wird über das Kultursponsoring der Festspiele diskutiert. Und auch die Causa Currentzis wirft ihre Schatten. Dazu äußert sich Hammer jetzt ausführlich im Interview mit BR-KLASSIK.
BR-Klassik.de

Salzburg
Satire und Sarkasmus gegen das Vergessen Festspiele / Currentzis / Babi Jar
DrehpunktKultur.at

Salzburger Festspiele: Standing Ovations für kontrovers diskutierten Teodor Currentzis
DerStandard.at.story

Grauen und Genuss
Die Salzburger Festspiele eröffnen mit einem grandiosen Konzert, dirigiert von Teodor Currentzis. Doch der steht wegen Verflechtung mit einer russischen Bank in der Kritik.
SueddeutscheZeitung.de

Eine Sinfonie gegen das Vergessen
Teodor Currentis dirigierte Dmitri Schostakowitschs „Babi Jar“
WienerZeitung.at

Teodor Currentzis mit Schostakowitsch in Salzburg
Wahre Musik im falschen Leben?
Das erste Konzert der Salzburger Festspiele dirigierte ihr umstrittener Star Teodor Currentzis. Kritisiert wird der Dirigent wegen des Sponsors seiner Ensembles: einer regimenahen russischen Bank, die auf der Sanktionsliste der EU steht. Die Festspiel-Leitung hält indes an ihm fest. Ein fantastisches Konzert, das den politischen Hintergrund jedoch nicht vergessen machte.
BR-Klassik.de

Currentzis desavouiert die Musik nicht
Auftakt zur Ouverture spirituelle: Einhellige Begeisterung für Teodor Currentzis und das fulminante Gustav Mahler Jugendorchester mit Schostakowitschs Symphonie „Babi Jar“.
https://www.diepresse.com/6167795/currentzis-desavouiert-die-musik-nicht

Alice Harnoncourt ist tot. Pionierin des Originalklangs
Musikerin, Managerin, Mutter: Ohne Alice Harnoncourt wäre für ihren Mann Nikolaus vieles schwieriger gewesen. Sie kümmerte sich um die Kinder, organisierte Konzertreisen und Interviews – und brillierte als Solistin im gemeinsamen Ensemble „Concentus Musicus“. Nun ist die Barockgeigerin in Wien verstorben.
https://www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/nachruf-alice-harnoncourt-ist-tot-gestorben-100.html

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Die Alhambra wird nach Plön verlegt – zwei Ausnahmekünstler verzaubern mit spanischem Repertoire

Plön, Nikolaikirche, 18. Juli 2022

Konzert im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals

Werke von beiden Albéniz, Guridi, Soler, Granados, Tárrega und de Falla

Lucero Tena, Kastagnetten
Xavier de Maistre, Harfe

von Dr. Andreas Ströbl

„Ich wusste gar nicht, dass das ein so tolles Konzertinstrument ist!“ – Was ein Besucher des grandiosen Konzerts in der Plöner Nikolaikirche bemerkte, gab sicher die Meinung Vieler wieder, die die phantastische mexikanische Kastagnetten-Legende Lucero Tena noch nie erlebt hatten. „Paganini der Kastagnetten“ wurde sie einmal genannt und in der Tat dürfte es im gesamten Universum keine vergleichbare Künstlerin geben. Diese Gran Dama der spanischen Musik hat sich nach ihrer Karriere als Flamenco-Tänzerin auf das Spiel der bis dahin eher aus der rhythmischen Begleitung spanischer Folklore vertrauten Holzklappern spezialisiert. Es ist unglaublich, welche Klangfarben und Dynamiken, Lautstärken und Zartheiten sie aus dem so einfachen Perkussionsinstrument zaubert.

Mit dieser 83-jährigen, durch die Musik junggebliebenen Legende stand am 18. Juli der desgleichen legendäre französische Harfenist Xavier de Maistre auf der Bühne. Die beiden begeisterten das norddeutsche Publikum mit einer umwerfenden spanischen Feurigkeit aus fast durchweg wohlbekanntem klassischem Repertoire des 18. bis 20. Jahrhunderts. Einer dieser Ausnahmekünstler allein hätte schon Begeisterungsstürme hervorrufen können, zusammen verwandelten sie die Nikolaikirche in einen Tempel des Tanzes und der Lebensfreude.

Foto: (c) Dr. Regina Ströbl

Bereits bei der einführenden Sonate von Mateo Pérez de Albéniz (Sonate D-Dur op. 13) zeigte sich das perfekt synchrone Spiel der beiden und die liebevolle Harmonie, die das ganze Konzert prägte. Durchweg auswendig und mit geschlossenen Augen bewies diese würdevolle Dame, wie differenziert Kastagnetten gespielt werden können – sie füllte mit einzelnen Klappertönen mitunter den ganzen Kirchenraum, dann wieder entlockte sie ihnen mit feinster Zartheit kaum hörbare Laute. „Konzert im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals
Plön, Nikolaikirche, 18. Juli 2022“
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Die MITTWOCH-PRESSE – 20. JULI 2022

Festspielhaus Bayreuth. Foto: © Andreas Schmidt

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Die MITTWOCH-PRESSE – 20. JULI 2022

Bayreuth
Wagner-Festspiele: Stephen Gould, der Ironman von Bayreuth
Der Amerikaner Stephen Gould nimmt heuer bei den Bayreuther Festspielen den Plural in der Kategorie „Heldentenor“ beim Wort. Er gibt gleich drei Wagner-Superhelden: Tristan, Tannhäuser und Siegfried in der „Götterdämmerung“.
BR-Klassik.de

Bayreuth
„Ring“-Dirigent Meister: „Habe gespürt, dass ich zurückkehren würde“
1998 kam Cornelius Meister als Stipendiat erstmals nach Bayreuth. Die Faszination für die Richard-Wagner-Festspiele hat ihn seitdem nicht wieder losgelassen. Und jetzt hatte Bayreuth für ihn noch eine ganz große Überraschung parat.
NeueMusikzeitung/nmz.de

So eine Chance gibt es für jeden Regisseur nur einmal im Leben!
Ich komme tatsächlich aus einer Musikerfamilie, wo es selbstverständlich war, samstags in die Oper oder ins Konzert zu gehen, ein Instrument zu lernen (in meinem Fall die Geige seit meinem 7. Lebensjahr) oder auch ins Regal zu greifen und einen Klavierauszug des „Rheingolds“ hervorzuholen und mit neun Jahren zu Soltis Aufnahme mitzusingen – wovon es sogar ein Foto gibt. „
Von Luc Roger
Klassik-begeistert.de

München/ „Macbeth“
Der Weltstar George Petean macht den Unterschied aus
Seit der Ankündigung der Oper „Macbeth“ im Spielplan 2021/2022 sind alle Hauptrollen umbesetzt worden:
Von Jean-Nico Schambourg
Klassik-begeistert.de

Klassik AirLeben – das Rockkonzert in Leipzig
Ein klassisches OpenAir-Konzert hat ja auch immer etwas von einem Rockkonzert. Weite Flächen, Monitore, elektronische Verstärkung, Bier- und Wurst-Buden und vor allem entspanntes Niederlassen des Publikums auf der großen Wiese zwischen tobenden Kindern unter dem Sternenhimmel
Von Gerald Hofner
Klassik-begeistert.de

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Sommereggers Klassikwelt 145: Zu Besuch bei den Mendelssohns

Foto: Der historische Musiksalon © Dirk Brzoska

Felix Mendelssohn dagegen, wenn auch in Hamburg geboren und in Berlin aufgewachsen, war für das Leipziger Musikleben eine prägende Figur.

 von Peter Sommeregger

Eigentlich für eine Wagner-Aufführung nach Leipzig gereist, wurde ich durch ein Hinweisschild auf das Mendelssohn-Haus aufmerksam, das seit inzwischen über 20 Jahren Felix Mendelssohns letzte Wohnung, in der er 1847 auch starb, als Museum der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Leipzig ist zwar der Geburtsort Richard Wagners, aber durch den frühen Umzug von Wagners Familie nach Dresden, wo der spätere Komponist aufwuchs, ist Dresden eher als Leipzig Wagner-Stadt. Felix Mendelssohn dagegen, wenn auch in Hamburg geboren und in Berlin aufgewachsen, war für das Leipziger Musikleben eine prägende Figur.

Mendelssohn, der lange eine feste Position ablehnte, um mehr künstlerische Freiheit zu haben, konnte aber schließlich dem Leipziger Angebot, Gewandhaus-Kapellmeister zu werden, nicht widerstehen. Im Alter von knapp 26 Jahren übernahm er 1835 dieses bedeutende Amt und war darin ungemein erfolgreich. Die Universität Leipzig verlieh ihm bereits 1836 die Ehrendoktorwürde. Trotz zahlreicher Reisen, mehrfach auch nach England, behielt Mendelssohn die Leipziger Stellung bei, ein Intermezzo als Preußischer Generalmusikdirektor in Berlin blieb ebenfalls Episode. „Sommereggers Klassikwelt 145: Zu Besuch bei den Mendelssohns
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Festspiel-Liederabend Bostridge/Pappano: Depressiver Wahnsinn – eine Winterreise ohne Selbstmitleid

Foto: Ian Bostridge, © Ben Ealovega

Prinzregententheater, München, 18. Juli 2022

Festspiel-Liederabend: Ian Bostridge

Franz Schubert (1797–1828)
Winterreise op. 89 D 911 (Text: Wilhelm Müller)

von Willi Patzelt

Es gibt Werke, die lassen einen ratlos zurück. Freilich nicht in einer Ratlosigkeit, in der man sich fragen würde, warum man dieses Werk überhaupt hören solle. Diese Ratlosigkeit gibt es auch. Sie begegnet einem hin und wieder bei barocken Kleinmeistern oder bei manch moderner Musik. Aber es gibt auch Ratlosigkeit in Bezug auf Werke, die einen überwältigen, sodass man sich fragt: „Was war das gerade? Was habe ich hier erlebt?“. Man fragt das nicht aus Abschätzigkeit. Nicht im Geringsten. Denn diese Werke lassen einen tief bewegt, und doch umso ratloser, zurück. Wahrscheinlich lieben wir sie gerade deshalb so sehr.

Franz Schuberts Winterreise ist wohl für viele ein solches Werk. Und die am 18. Juli 2022 im Prinzregententheater aufgeführte Winterreise mit dem Tenor Ian Bostridge und dem sonst vor allem als Dirigent renommierten Antonio Pappano am Klavier, lässt manchen wohl sogar noch ratloser zurück als eine „gewöhnlichen“ Winterreise.

Die Winterreise zu hören, entführt immer wieder in Abgründe, die einem sonst im eigenen Leben hoffentlich erspart bleiben. Franz Schubert schrieb sie, bereits an Syphilis erkrankt und unter schwersten Depressionen leidend, im Jahr 1827, nachdem er auf beide Teile des gleichnamigen Gedichtzyklus von Wilhelm Müller aufmerksam wurde. Schuberts Freund Joseph von Spaun äußerte sich später über die Entstehung: „Schubert wurde durch einige Zeit düster gestimmt und schien angegriffen. Auf meine Frage, was in ihm vorgehe, sagte er nur: ‚Nun, ihr werdet es bald hören und begreifen.‘“ Regelrecht verstört waren Schuberts Freunde, als sie dann im Rahmen einer privaten Aufführung – sie nannten diese „Schubertiaden“ – den neuen Zyklus zu hören bekamen. Sie waren wohl die Ersten, die jene Ratlosigkeit durchlebten, die seither sicherlich Millionen von Zuhören widerfuhr. „Festspiel-Liederabend: Ian Bostridge
Prinzregententheater, München, 18. Juli 2022 “
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La Capitale d’Été: Baden-Baden hat ein neues Festival

Foto: © Michael Gregonowits

Das Festspielhaus Baden-Baden ist um eine weitere Attraktion reicher: Ein neues Festival mit Yannick Nézet-Séguin und dem Chamber Orchestra of Europe endet mit einer triumphalen Aufführung des 2. Klavierkonzerts von Johannes Brahms


Baden-Baden, Festspielhaus, 15.-17. Juli 2022

Johannes Brahms (1833-1897) – Klavierkonzerte Nr. 1 (op. 15, am 15.7.) und 2 (op. 83, am 17.7.)

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) – Adagio h-Moll, KV 540, Klavierkonzert A-Dur KV 414 (Version für Klavier, Streichquartett und Kontrabass), Fantasie c-Moll KV 475, Klavierquartett g-Moll KV 478

Louise Farrenc (1804-1875) – Sinfonien Nr. 2 in D-Dur, op. 35 (am 17.7.), und Nr. 3 in g-Moll, op. 36 (am 15.7.)

Yannick Nézet-Séguin, Dirigent & Klavier (16.7.)
Seong-Jin Cho, Klavier (15. & 17.7.)
Chamber Orchestra of Europe

Musikerinnen und Musiker des Chamber Orchestra of Europe:
Lorenza Borrani, Violine
Lucy Gould, Violine
Nimrod Guez, Viola
Richard Lester, Violoncello
Enno Senft, Kontrabass

von Brian Cooper, Bonn

Baden-Baden hat ein einzigartiges Flair, insbesondere bei Sonnenschein. Pierre Boulez dürfte seine guten Gründe gehabt haben, diese Stadt als seinen Wohnsitz erkoren zu haben. Das Licht ist außergewöhnlich, in Stadt wie Region kann man sich prima erholen, und wenn man auf der Lichtentaler Allee promeniert („spazieren“ klänge zu profan), hört man eine Vielzahl verschiedenster Sprachen. Innerhalb nur einer Stunde vernahm ich Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Niederländisch und Russisch – oder war es vielleicht doch Ukrainisch?

Leider ist in Baden-Baden die Dichte an SUVs und teuren Autos der lärmenden Sorte sehr hoch, und man schreckt förmlich auf, wenn präpotente Jungmänner auf der Langen Straße die Gaspedale ihrer Boliden durchdrücken.

Und doch müsste man die Einwohnerzahl fast verdoppeln, um sich Großstadt nennen zu dürfen. Vielleicht ist es ganz einfach die kleinste Weltstadt der Welt – sehr mondän, sehr international –, dies freilich mit dem größten Konzertsaal Deutschlands, dem Festspielhaus, das alljährlich Menschen aus vieler Damen und Herren Länder zu diversen Festivals anzieht.

© Brian Cooper

Die Osterfestspiele mit den Berliner Philharmonikern sind dabei wohl das Flaggschiff, das allerdings an Glanz und Güte mächtig Konkurrenz im eigenen Hause zu bekommen sich anschickt: La Capitale d’Été heißt das neue Sommerfestival, in dessen Zentrum der 47-jährige Frankokanadier Yannick Nézet-Séguin nicht nur als Dirigent, sondern auch als Pianist in Erscheinung tritt.

Der Festivalname leitet sich übrigens ab von einem Eintrag Eugène Guinots aus dem Jahre 1847, der das Bonmot prägte, man müsse wohl, nach der Hauptstadt Europas gefragt, zwei Städte nennen: Paris sei die Winterhauptstadt, die Sommerhauptstadt hingegen „Baden“. „La Capitale d’Été, Yannick Nézet-Séguin, Dirigent & Klavier
Baden-Baden, Festspielhaus, 15.-17. Juli 2022“
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"Macbeth" in München: Der Weltstar George Petean macht den Unterschied aus

Nationaltheater, Bayerische Staatsoper, München, 18. Juli 2022
Giuseppe Verdi, Macbeth

von Jean-Nico Schambourg

Seit der Ankündigung der Oper „Macbeth“ im Spielplan 2021/2022 sind alle Hauptrollen umbesetzt worden:

Zuerst kündigte die Bayerische Staatsoper in Folge des Ukraine-Krieges das Engagement der Anna Netrebko als Lady Macbeth. Sie wurde ersetzt durch Ekaterina Semenchuk.

Vor einigen Tagen dann die Umbesetzung der Rollen von Macbeth und Banco: George Petean übernahm die Titelrolle und Christian Van Horn die seines Weggefährten und Rivalen.

Am Vorstellungsabend wurde dann auch die Rolle des Macduff krankheitshalber umbesetzt: es übernahm kurzfristig Giovanni Sala.

„Giuseppe Verdi, Macbeth
Nationaltheater, Bayerische Staatsoper, München, 18. Juli 2022“
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Die DIENSTAG-PRESSE – 19. JULI 2022

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die DIENSTAG-PRESSE – 19. JULI 2022

Foto: Bayerische Staatsoper © Felix Löchner

München
„Capriccio“ an der Bayerischen Staatsoper Damrau und Strauss: Alt werden, jung bleiben
BR-Klassik.de

Münchner Opernfestspiele: Hochsommerliche Schwere
Regisseur David Marton zeigt in München, dass „Capriccio“, die letzte Oper von Richard Strauss, alles andere als harmlos ist.
SueddeutscheZeitung.de

„Oh – in Ihrem Salon vergehen die Stunden, ohne dass die Zeit älter wird. Frau Gräfin!“
Capriccio lohnt sich, diese letzte Premiere der ersten Spielzeit des neuen Führungsduos Dorny und Jurowski an der Bayerischen Staatsoper.
Von Frank Heublein
Klassik-begeistert.de

„Capriccio“ im Prinzregententheater: Flucht aus der Wirklichkeit
Opernfestspiele in München: Die Oper „Capriccio“ von Richard Strauss als Neuinszenierung im Prinzregententheater.
MünchnerAbendzeitung.de

Erl/ Tiroler Festspiele
Besser als Bayreuth? Erl in Tirol fasziniert mit „Walküre“
Die weltbekannte Wiener/Münchner Mezzo-Sopranistin Brigitte Fassbaender hat seit 1994 respektable 85 Inszenierungen auf die Bühne gebracht – und man merkt es auch diesem zweiten Teil von Wagners „Ring“-Zyklus sofort an, dass hier eine erfahrene Sängerin mit extrem reicher Regie-Erfahrung inszeniert hat.
Von Dr. Charles E.Ritterband
https://klassik-begeistert.de/richard-wagner-die-walkuere-tiroler-festspiele-erl-17-juli-2022/ „Die DIENSTAG-PRESSE – 19. JULI 2022“ weiterlesen

„Oh - in Ihrem Salon vergehen die Stunden, ohne dass die Zeit älter wird. Frau Gräfin!“

Foto: Diana Damrau als Gräfin Madeleine in der Oper „Capriccio“,  
© Wilfried Hösl

Prinzregententheater, München, 17. Juli 2022  Premiere

An diesem Abend findet die Premiere von Richard Strauss letzter Oper „Capriccio“ im Prinzregententheater in München statt. Achtzig Jahre nach der Uraufführung am 28. Oktober 1942 im Münchner Nationaltheater.

Richard Strauss, Capriccio

Bayerisches Staatsorchester
Lothar Koenigs, Dirigent

von Frank Heublein

„Capriccio“ lohnt sich, diese letzte Premiere der ersten Spielzeit des neuen Führungsduos Dorny und Jurowski an der Bayerischen Staatsoper.

Sängerisch zeigt sich das gesamte Ensemble auf höchstem Niveau. Einmal mehr beweist auch das Bayerische Staatsorchester seine außergewöhnliche Klasse. Nachhören können Sie die Aufführung bis zum 24. Juli 2022 in der App des Bayerischen Rundfunks, die Premiere wird live im Radio übertragen. Richard Strauss gerät zu meinem Lieblingskomponisten. Moment! Die Oper beginnt erst.

Ich komme etwas früher, damit ich das Programmbuch scannen kann und: Schuhe. Mein jetzt nicht mehr geheimes Vergnügen, meinen Mitbesuchern und Mitbesucherinnen auf die Schuhe zu schauen. Heute sind unpassende Strümpfe selten. Das Buch „Der Gentleman“ hat mich vor einigen Jahren informiert, dass die Socke farblich dem Hosenbein gleichen soll und nicht dem Schuh. Nun, heute hat eine erhebliche Anzahl der männlichen Besucher keine (sichtbaren) Socken an. Turnschuhe, sportliche Slipper, schicke Slipper, Schuhe aus grobem Leder und bestimmt Wasser abweisend. Gefühlt die Hälfte der Männer hat schickere Halbschuhe an. Ich sehe ein vereinzeltes Paar schwarze Lackschuhe.

Die Damen haben in aller Regel schickeres Schuhwerk, bei Männern gibt es arge Verfehlungen in Form ausgetretener Latschen, dass mir zuweilen der Atem stockt. Im Moment des Gedankens, dass die Opern besuchenden Frauen den durchschnittlich besseren Schuhgeschmack haben als die Männer, sticht mir ein irritierend unpassend zum Gesamtoutfit bunt schillernder Turnschuh am Frauenfuß ins Auge. Rosane Birkenstocks mit Zehentrenner. Das Vergnügen, elegant getragene mondäne High-Heels zu beobachten, wo könnte ich das besser ausleben als in der Oper, noch dazu einer Opernfestspielpremiere? Ich labe mich an zahlreichen tollen Varianten gut und gekonnt getragener hoher dünner Pfennigabsätze.

Richard Strauss schrieb an dieser Oper etwa acht Jahre. Erstmals aufgeführt wurde sie im Kriegsjahr 1942. Inhaltlich sind Richard Strauss und seine Librettisten sehr introspektiv. „Capriccio“ handelt von der Kunst und der Oper. Was wiegt stärker in der Kunst? Die Musik? Die Worte? Die Oper ist ein Spiel im Spiel im Spiel. Denn im Verlauf der Oper „Capriccio“ wird die Handlung der Oper als Oper beauftragt. Ich tauche in den Strudel ein. „Richard Strauss, Capriccio
Prinzregententheater, München, 17. Juli 2022 Premiere“
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Besser als Bayreuth? Erl in Tirol fasziniert mit der „Walküre“

Fotos: Tiroler Festspiele Erl 2022, © Dr. Ritterband

Die weltbekannte Wiener/Münchner Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender hat seit 1994 respektable 85 Inszenierungen auf die Bühne gebracht – und man merkt es auch diesem zweiten Teil von Wagners „Ring“-Zyklus sofort an, dass hier eine erfahrene Sängerin mit extrem reicher Regie-Erfahrung inszeniert hat: Da stimmt einfach alles. Nach ihrem erfolgreichen „Rheingold“ vom letzten Jahr im alten Passionstheater Erl mit seiner erstklassigen Akustik brilliert sie mit einem exquisiten Ensemble und einem hervorragenden Orchester unter dem souveränen Dirigat von Erik Nielsen in einer packenden, musikalisch großartigen „Walküre“.

Tiroler Festspiele Erl, 17. Juli 2022

Richard Wagner, „Die Walküre“

Orchester der Tiroler Festspiele Erl
Musikalische Leitung: Erik Nielsen
Regie: Brigitte Fassbaender
Bühnenbild und Kostüme: Kaspar Glarner
Video: Bibi Abel
Licht: Jan Hartmann

von Dr. Charles E. Ritterband (Text und Foto)

Unter der Ägide von Brigitte Fassbaender baut sich Erl in Tirol mit seinen beiden architektonisch bemerkenswerten Festspielhäusern inmitten einer atemberaubend schönen und zum Ring höchst passenden Gebirgslandschaft allmählich zur Reputation eines „österreichischen Bayreuth“ auf. Während in der Ära Kuhn die Aufführungen zwar musikalisch durchaus respektabel waren, machten die Inszenierungen und vor allem die Bühnenbilder einen bisweilen selbstgebastelten Eindruck; unvergesslich der nicht mehr zu stoppende Lachanfall des Drachen und Ex-Riesen Fafner, dessen beachtliche Leibesfülle den Sessel zusammenbrechen ließ, auf dem er nichtsahnend Platz genommen hatte.

Die optische Wirkung des „Ring“ ist hingegen unter Brigitte Fassbaenders Regie von perfekter Professionalität; Bühnenbilder (Kaspar Glarner), Videos (Bibi Abel ) und Lichteffekte (Jan Hartmann) sind clever und raffiniert den knappen räumlichen Verhältnissen dieser vor allem für konzertante oder allenfalls teil-szenischen Aufführungen konzipierten Bühne angepasst.

Da wird die bewährte Maxime „weniger ist mehr“ realisiert. Mit ganz wenigen Versatzstücken und vor allem mit exzellenten Projektionen auf den beiden halbrunden Beton-Seitenwänden der Bühne wird der Zuschauer überaus wirksam in das biedere Wohnhaus des Hunding und seiner zwangsweise angeheirateten Gattin Sieglinde mit dem Eschen-Stamm oder in die schroffe Bergwelt der Wotan-Burg versetzt. Hier die schwindelerregend spießige Blümchentapete in ihrer trostlosen Unendlichkeit, dort ein gewaltiger Marmorsteinbruch, der überwältigende Macht suggeriert: Der Effekt sitzt. Sparsam werden immer wieder maschinell betätigte (aber leider nicht ganz geräuschlose), kleine, schräge Hubpodien eingesetzt, welche der engen Bühne eine Art vierter Dimension verpassen.

Und da man sich in der „Walküre“ drei Akte lang wundert, wie denn die Regie die technische Herausforderung des Feuer-Rings um Brünhildes Ruhestätte lösen werde, so erwartete den Zuschauer in Erl eine hervorragend gelungene Überraschung: Schon zuvor beobachtete ein junger hübscher Mann in knallgelben Anzug von einer Empore herab diskret das Geschehen unter ihm auf der Bühne und die Vermutung, dass es sich nur um Loge (Thomas Riess) handeln könne, bestätigte sich alsbald: Auf Geheiß Wotans ließ er Stichflammen aus der Bühne emporschießen und schließlich einen mit Trockeneis-Rauchschwaden ergänzten roten Lichterkranz um die Bühne hervorzaubern. Das funktionierte perfekt. „Richard Wagner, „Die Walküre“,
Tiroler Festspiele Erl, 17. Juli 2022“
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