Schweitzers Klassikwelt 165: Auf Wiederhören! Von der Sommerarena zur Wiener Staatsoper

Sommerarena © Bühne Baden

Von der Sommerarena Baden …zur Staatsoper Wien
Wiener Staatsoper © Christian Oeser

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Bühne Baden – Wiener Staatsoper – Ilia Staple

Beim Durchblättern der vorbildlich handlichen Programmhefte (16 x 12 cm) der Bühne Baden mit Blick auf Operetten von Jacques Offenbach waren wir überrascht als Eurydike von „Orpheus in der Unterwelt“ in der Sommerarena Baden des Jahres 2017 eine seit der Spielzeit 2024/25 gefeierte Comprimaria der Wiener Staatsoper zu finden.

Ihr Name ist Ilia Staple und viele Rezensenten hoffen sie bald neben ihrer Adele in größeren Partien zu erleben. Die geborene Linzerin sammelte zwischen 2018 und 2024 im Staatstheater am Gärtnerplatz in München Erfahrungen als Sophie („Werther“), Musetta, Gilda, Olympia und Königin der Nacht. Beschämt müssen wir feststellen, dass sie uns damals in Baden, noch vor ihrer Münchner Zeit nicht außergewöhnlich aufgefallen ist. Im Ring in Erl (von uns „Neu-Bayreuth“ genannt) war sie die Rheintochter Woglinde, die Walküre Helmwige und die Stimme des Waldvogels.

Bühne Baden – Staatsoper Hamburg – Moritz Gogg

Eine Stadt – eine Oper (siehe auch Schweitzers Klassikwelt 35). In Hamburg war es „Arabella“ und unsere Erstbegegnung mit der Deutsch-Griechin Anja Harteros in der Titelpartie am 4. Februar 2009. Und da war noch ein Name, der uns bekannt vorkam: Moritz Gogg war Graf Dominik, einer der erfolglosen Verehrer Arabellas. Vom Badner Stadttheater – waren wir uns sicher – und durchstöberten 75 Programmhefte. Zuerst vermuteten wir aus „Paganini“ bzw. „Friederike“. Es war wieder die Sommerarena. In dem Singspiel „Das Dreimäderlhaus“ gab er 1999 noch während seines Gesangsstudiums an der Musikuniversität Wien Schuberts Freund Kupelwieser.

Der mehrfach preisgekrönte Pianist Moritz Gogg arbeitete 1993 bis 1997 als Korrepetitor und musikalischer Leiter bei den Bühnen Graz. Nach zwei Jahren Mitgliedschaft des Internationalen Opernstudios der Staatsoper Hamburg wurde er ab 2003 bis 2015 dort Ensemblemitglied, vornehmlich in Sekundarrollen. Es gibt u.a. eine Aufnahme mit ihm von der Hamburger Erstaufführung von Hindemiths „Mathis der Maler“ am 25. September 2005 unter der musikalischen Leitung von Simone Young. Nach einer Kehlkopferkrankung stieg Gogg auf das künstlerische Management um. Seit 2021 ist er Geschäftsführender Intendant der Erzgebirgischen Theater- und Orchester GmbH.

Bühne Baden – Wiener Staatsoper – Herwig Pecoraro

Den Franz Schubert sang damals 1999 übrigens der uns damals noch unbekannte Herwig Pecoraro, der in dem Jahr bereits an der Wiener Staatsoper als Erster Geharnischter, Monostatos, Pedrillo und David zum Einsatz kam und im Herbst am Ring in „Das Rheingold“ seinen ersten Mime sang. Wir hörten ihn wieder als Siegfried-Mime (Mai 2008).

Bühne Baden – Wiener Staatsoper – Jörg Schneider

Folgendes schrieben wir über Jörg Schneider als leidenschaftlichen Verehrer Lulus an der Wiener Staatsoper im Dezember 2017: „Vom Franz Schubert des Singspiels Das Dreimäderlhaus in der Sommerarena Baden 2016 zum Maler. In Jörg Schneider stecken enorme Potentiale. Schwelgerisch sein „Mir ist täglich, als sehe ich dich zum allerersten Mal.

Jörg Schneider mit Agneta Eichenholz © Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Bei einer Salome-Rezension erwähnten wir ihn als Herodes lobend gleich an zweiter Stelle nach der Interpretin der Titelpartie. Er stellt an der Wiener Staatsoper derzeit für uns die Idealbesetzung als Hauptmann im „Wozzeck“ dar. Keine Kopie, aber der würdige Nachfolger eines Stolze und eines Zednik. Nach dem Bericht eines Kollegen erhielt er für diese Rolle Sonderapplaus. Wir lesen von seiner „fulminanten Höhe“ zur Begrüßung der Marschallin im 3. Akt vom „Rosenkavalier“ und über seinen überaus bühnenpräsenten, stimmlich souveränen und durchschlagskräftigen Kaiser in „Turandot“, der in den Rezensionen selten so ausführlich beschrieben wird.

Bühne Baden – Théâtre du Capitole Toulouse – Andreas Schager

In Schweitzers Klassikwelt 149 „Es ist noch kein Meistersänger und
keine Meistersängerin vom Himmel gefallen“ recherchierten wir, dass der als Heldentenor zu betitelnde Andreas Schager als Operettentenor begann.

Als wir ihn im Jahr 2010 in der Sommerarena Baden in der Johann Strauß-Operette „Wiener Blut“ hörten, war sein Name noch mit österreichischem Diminutiv Schagerl geschrieben, von „Säger“ kommend. Also jemand, der Holz verarbeitet. Ein Jahr zuvor debütierte er als Wagnersänger bei den Tiroler Festspielen in Erl mit dem „David“ in den „Meistersingern“. Im selben Jahr 2010 war er in Erl Steuermann und sogar Erik im „Fliegenden Holländer“.

Unsere zweite Begegnung mit dem schon sehr heldisch klingenden Tenor war zu Sommerbeginn 2014 im Théâtre du Capitole Toulouse in „Daphne“ von Richard Strauss. Wir zitieren Schweitzers Klassikwelt 149: „Und dann tritt Apollo auf, als einfacher Rinderhirt, aber Andreas Schager ist eine Offenbarung. Kein distanziertes Hören mehr, eine Sternstunde beginnt.

Und Daphne Claudia Barainsky wächst in der Begegnung mit diesem Partner.“ Vorige Saison war Schager an der Wiener Staatsoper in beiden Ringzyklen im Juni sowohl als Siegmund als auch als Siegfried zu erleben.

Lettische Nationaloper Riga – Wiener Staatsoper – Kristīne Opolais

Wegen ihres Carmen-Debüts sind wir Elīna Garanča im Oktober 2007 nach Riga nachgeflogen und begegneten dort mit der „Mikaëla“ (lettische Rechtschreibung) einem zweiten Star, Kristīne Opolais.

In Wien achteten wir von nun an in den Voranzeigen auf ihren Namen und lernten sie als Puccini-Sängerin schätzen. Sie stellte als Tosca nicht die große Diva heraus. Trotz ihres steilen Aufstiegs aus ärmlicher Herkunft hat sich diese Tosca ihre Natürlichkeit bewahrt. Sie ist schwer verliebt in ihren Mario, der als Freigeist eigentlich nicht zu ihrer Frömmigkeit passt. Das alles wusste sie in Stimme und Gestik alle drei Akte so intensiv zu vermitteln, dass ihr Vissi d’arte keinen Höhepunkt mehr bieten musste.

Kristīne Opolais als Tosca © Wiener Staatsoper

In Victorien Sardous gleichnamigen Theaterstück ist Tosca ein lyrischer Mezzosopran. „Wie wäre es“, schreibt der Romanist Henning Mehnert in seinem Kommentar, „diese zarte Person so unter Stress stehend darzustellen, dass sie zum dramatischen Sopran wird?“ Ihr Sopran ist seit Riga hörbar nachgedunkelt. Christoph Suhre beobachtet ihre Tosca im November 2021 in Leipzig: Sie spielt keine eifersüchtige Furie oder exaltierte Primadonna. In ihrem Gebaren kommt immer wieder ihre soziale Herkunft durch.

Anders wird sie auf der Grazer Kasemattenbühne drei Monate vorher beurteilt: „Mit expressiver Kraft zeigt sie eine authentische Floria Tosca mit intensiven Eifersuchtsattacken.“

Grazer Kasemattenbühne © Peter Palme

Auch hier wird ihr dunkler Sopran mit Höhensicherheit und herrlichen tiefen Lagen erwähnt. In Wien ist Kristīne Opolais ein seltener Gast. Ihr letzter Auftritt war – als Cio-Cio-San – im Herbst 2019!

Tiroler Landestheater – Wiener Staatsoper – Peter Seiffert

Peter Seiffert wurde 1980 Ensemblemitglied der Deutschen Oper Berlin und bald darauf von deren Generalintendant und Chefregisseur Götz Friedrich als Heldentenor repertoiremäßig aufgebaut.

Gerade bei Stadt- und Landestheatern wird es spannend, wenn dort junge Sängerinnen und Sänger auftreten, bei denen sich die Frage stellt, wie sie sich weiterentwickeln. 1982 hörte ich Seiffert am Tiroler Landestheater in der Zwischenfachpartie des Hoffmann und 1988 sang er im Royal Opera House Covent Garden seinen ersten Parsifal.

In Wien startete Seiffert Mitte Dezember 1984 mit einer einzigen Vorstellung als Matteo, einem glücklosen Verehrer Arabellas, der schließlich sein Glück mit ihrer Schwester Zdenka findet. Nach einer längeren Pause gab er 1989 und 1990 in sechs Vorstellungen den Hans in „Die verkaufte Braut“. Im Jahre 1995 erlebten wir ihn persönlich als Erik und seinen zweiten Lohengrin an der Wiener Staatsoper.

Einen großen und weiten Sprung erfuhren wir auch bei Lisette Oropesa. Zu Weihnachten 2007 sind wir ihr als The Dew Fairy (Das Taumännchen) in „Hansel and Gretel“ in New York an der MET das erste Mal begegnet. Nach dreizehn Jahren füllt in Wien ein neuer Name mit betörendem, vollem und rundem Klang den Raum und bietet vollendete Koloraturen. Sie ist bis heute unsere eindrucksvollste Konstanze geblieben.

Lisette Oropesa als Konstanze © Wiener Staatsoper

Auch als Verdis Violetta weitere vier Jahre später hörten wir den wunderschönen Klang einer Stimme, wohl für eine Kurtisane zu mädchenhaft, die wir einfach als edel bezeichnen wollen.

Lothar Schweitzer, 8. Juni, 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Lothar und Sylvia Schweitzer

Lothar Schweitzer ist Apotheker im Ruhestand. Gemeinsam mit seiner Frau Sylvia schreibt er seit 2019 für klassik-begeistert.de: „Wir wohnen im 18. Wiener Gemeindebezirk  im ehemaligen Vorort Weinhaus. Sylvia ist am 12. September 1946 und ich am 9. April 1943 geboren. Sylvia hörte schon als Kind mit Freude ihrem sehr musikalischen Vater beim Klavierspiel zu und besuchte mit ihren Eltern die nahe gelegene Volksoper. Im Zuge ihrer Schauspielausbildung statierte sie in der Wiener Staatsoper und erhielt auch Gesangsunterricht (Mezzosopran). Aus familiären Rücksichten konnte sie leider einen ihr angebotenen Fixvertrag am Volkstheater nicht annehmen und übernahm später das Musikinstrumentengeschäft ihres Vaters. Ich war von Beruf Apotheker und wurde durch Crossover zum Opernnarren. Als nur für Schlager Interessierter bekam ich zu Weihnachten 1957 endlich einen Plattenspieler und auch eine Single meines Lieblingsliedes „Granada“ mit einem mir nichts sagenden Interpreten. Die Stimme fesselte mich. Am ersten Werktag nach den Feiertagen besuchte ich schon am Vormittag ein Schallplattengeschäft, um von dem Sänger Mario Lanza mehr zu hören, und kehrte mit einer LP mit Opernarien nach Hause zurück.“

Schweitzers Klassikwelt 164: Kurze Bemerkungen über Opernaufführungen klassik-begeistert.de, 26. Mai 2026

Jan Lisieckis Grieg fesselt ausnahmsweise nicht

Jan Lisiecki © Ksawery Zamoyski

Enttäuschung auf hohem Niveau: Rotterdams Philharmonisch Orkest unter Lahav Shani in Köln.

Jan Lisiecki, Klavier
Rotterdams Philharmonisch Orkest

Lahav Shani, Dirigent

Edvard Grieg (1843-1907) – Klavierkonzert a-Moll op. 16

Johannes Brahms (1833-1897) – Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73

Kölner Philharmonie, 7.  Juni 2026

von Brian Cooper

Einige Freunde haben für dieses Konzert schon im März Karten gekauft. März 2025 wohlgemerkt, weit über ein Jahr vorher. Die große Martha Argerich soll nämlich Robert Schumanns Klavierkonzert spielen, der Abend – letztes Konzert im Edelabo „Premium“ – ist seit Monaten ausverkauft.

Dann allerdings folgt, lange vor dem 7. Juni, eine seltsam anmutende Absage „aus produktionstechnischen Gründen“, was immer das ist. (Frau Argerich, gerade 85 geworden, ist zum Glück putzmunter, ihr Hamburger Festival beginnt in knapp zwei Wochen.) Sogar die Karten darf man zurückgeben, der Sitzplan sieht so gesprenkelt aus wie selten, in allen Kategorien sind plötzlich wieder Karten verfügbar.

„Jan Lisiecki, Rotterdams Philharmonisch Orkest, Lahav Shani
Kölner Philharmonie, 7. Juni 2026“
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„Ich bin glücklich!“ – Interview mit dem Regisseur Dietrich Hilsdorf in Lübeck

Dietrich Hilsdorf – Photo: Andreas Ströbl

Dietrich Hilsdorf, geboren 1948, kann auf über 100 Inszenierungen in den Sparten Schauspiel, Oper und Musical sowohl im ganzen Bundesgebiet, aber auch in Catania und Wien zurückblicken. Mit „Jekyll and Hyde“ am Musical Theater Bremen wurde er 1999 Musical-Regisseur des Jahres. Der Deutsche Theaterpreis „Der Faust“ wurde ihm 2007 für Prokofjews „Die Liebe zu den drei Orangen“ an der Oper Chemnitz in der Kategorie „Beste Regie Musiktheater“ verliehen. Mit großem Erfolg inszenierte Hilsdorf Opern von Händel, Mozart und Verdi.

Giacomo Puccinis „Tosca“ ist seine erste Produktion am Theater Lübeck. Dietrich Hilsdorf war gerne für ein Gespräch mit „klassik-begeistert“ bereit.

Das Interview führten Dr. Regina und Dr. Andreas Ströbl.

klassik-begeistert: Lieber Herr Hilsdorf, inszeniert man die Tosca zu diesen Zeiten mit all den testosterongesteuerten Imperialisten und Neofaschisten, scheint sich eine Aktualisierung geradezu aufzudrängen. Greifen Sie in Ihrer Produktion aktuelle Themen auf? Wann spielt Ihre Tosca?

Dietrich Hilsdorf: Sie spielt da, wann und wo sie spielt, nämlich am 17. und 18. Juni 1800 in Rom. Das schreiben wir auch am Anfang groß drüber. Wir fangen an um 11:52 Uhr, in der Kirche Sant’Andrea. Die ist ja als Ort auch beschrieben und man kann sie auch heute noch besuchen, wie die anderen beiden Spielorte der Oper. „Interview: kb im Gespräch mit Dietrich Hilsdorf, Regisseur
Theater Lübeck, 8. Juni 2026“
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Auf den Punkt 97:  Was hätte Jürgen Kesting dazu gesagt?

Jürgen Kesting bei einem Podiumsgespräch der Salzburger Festspiele 2019, hinter ihm Jochen Kowalski © SF / Marco Borrelli

Der Journalist, Musikkritiker und Fachbuchautor Jürgen Kesting ist vor wenigen Tagen in Hamburg verstorben. Geboren 1940, wurde er mit einer Generation großer Sänger sozialisiert – Maria Callas, Elisabeth Schwarzkopf, Renata Tebaldi, Fritz Wunderlich, Franco Corelli, Luciano Pavarotti. Man nannte die 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts daher auch das zweite Goldene Zeitalter der Oper. Kesting nannte man den Stimmpapst, weil er die Sänger verehrte, liebte und kritisierte.

Richard Wagner  Tristan und Isolde

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Omer Meir Wellber Dirigent

Hamburgische Staatsoper, 7. Juni 2026

von Jörn Schmidt

Ich würde meinen, nicht alle Sänger mochten ihn. Im Nachruf von Dieter David Scholz (nmz) stand, die hätten Kesting dann als „Hals-Nasen-Ohren-Archäologen“ belächelt. Derlei Häme ist die größte Auszeichnung für einen Kritiker – ich schließe damit meine Worte auf den großartigen Kollegen.

„Auf den Punkt 97: Was hätte Jürgen Kesting dazu gesagt?
klassik-begeistert.de, 8. Juni 2026“
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Die Walküre in Wien: Liebe im Schatten des Untergangs

Die Walküre, Camilla Nylund © Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Kaum haben die Götter Walhall bezogen, beginnt ihr schönes neues Zuhause bereits zu bröckeln. Was im Rheingold als Streit um Gold, Macht und Verträge seinen Anfang nahm, wird in der Walküre zur Familienkrise von kosmischen Ausmaßen.

Richard Wagner, Die Walküre
Erster Tag des Bühnenfestspiels »Der Ring des Nibelungen«

Wiener Staatsoper,
7. Juni 2026

von Kathrin Schuhmann

Die Wiener Staatsoper setzte ihren aktuellen Ring des Nibelungen mit einem Abend fort, der die Qualitäten des Rheingold nicht nur bestätigte, sondern in vielerlei Hinsicht noch übertraf. Wo der Vorabend vor allem die Welt des Ringes errichtete, schenkt die Walküre seinen Figuren Herz, Blut und Emotionen. Das Ergebnis war ein Abend großen Musiktheaters, der das Publikum über mehr als vier Stunden hinweg in seinen Bann zog.

„Richard Wagner, Die Walküre
Wiener Staatsoper, 7. Juni 2026“
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Omer Meir Wellber berührt mit einem glanzvollen Tristan

Nach dem dritten Aufzug: Christoph Pohl (Kurwenal), Daniel Kluge (Ein Hirt), Franz-Josef Selig (König Marke), Omer Meir Wellber (musikalische Leitung), Catherine Foster (Isolde), Samuel Sakker (Tristan), Annika Schlicht (Brangäne), Moritz Gogg (Melot), Keith Kleine (Ein Steuermann), dahinter das Philharmonische Staatsorchester Hamburg (Foto: RW)

Omer Meir Wellber führt das Philharmonische Staatsorchester Hamburg mit seinem Tristan und Isolde-Dirigat zu einer glanzvollen musikalischen Leistung.

Mit welcher Zartheit die Pianissimi immer noch den Raum fluteten und mit welcher Inbrunst das Orchester unter seinem Dirigenten quasi zu einer Gesangsstimme verschmolz, berührte das Herz. Seit 2014 in Berlin unter Daniel Barenboim habe ich solch eine orchestrale glanzvolle Tristan-Aufführung nicht mehr erlebt.

Tristan und Isolde, Handlung in drei Aufzügen
Komposition und Libretto von Richard Wagner

Inszenierung:  Ruth Berghaus, Bühnenbild:  Hans-Dieter Schal

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Leitung:  Omer Meir Wellber

Hamburgische Staatsoper, 7. Juni 2026

von Dr. Ralf Wegner

Manchmal ist es schwierig, mit einer Rezension zu beginnen. Man will dieses und jenes anmerken, wird aber von der Aufführung letztlich so in den Bann gezogen, dass einzelne Fehler oder Minderleistungen schlicht nicht mehr wichtig erscheinen. „Richard Wagner, Tristan und Isolde, Omer Meir Wellber
Hamburgische Staatsoper, 7. Juni 2026“
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Susanne Zingel, Pastorin an St. Severin (Sylt): „Nach Katastrophen muss religiöser Glaube neu buchstabiert werden"

Pastorin Susanne Zingel © Claudia Kleemann

St. Severin  in Keitum auf Sylt ist eine kleine Berühmtheit.  Auch, weil dort schon viele Prominente geheiratet haben. Mit dem Klischee der Promi-Kirche bin ich nicht ganz einverstanden. Ich bin daher in die Kirche gegangen und habe mit den Verantwortlichen dazu gesprochen. Themen waren außerdem De grote Mandränke, Religion, leere Kirchen und Opernhäuser, Sylt, Matthias Eisenberg und natürlich Kirchenmusik.

Jörn Schmidt im Gespräch mit Pastorin Susanne Zingel und Kirchenmusiker Alexander Ivanov (Teil II)

klassik-begeistert: Haben Promi-Hochzeiten St. Severin so bekannt gemacht – oder gibt es weitere Gründe?

Susanne Zingel: Auch prominente Menschen heiraten. Die Gründe warum einige, das in St. Severin getan haben, sind ganz individuell. Für uns ist es nichts Besonderes, denn „prominent“ bedeutet dem Wortsinn nach „aus der Menge herausragend“. Hier in der Kirche feiern wir, dass bei Gott jeder Mensch prominent ist und jedes Brautpaar bestätigt die wunderbare Einmaligkeit des geliebten Partners. Bekannt ist St. Severin, weil wir das treu und zuverlässig für Insulaner und sehr viele Gäste möglich machen. Zu jedem Gottesdienst kommen Menschen, die hier geheiratet haben, Kinder, die hier getauft wurden und wir haben Zeit, sich daran zu erinnern. Ich spüre darin eine Sehnsucht, Teil einer größeren Geschichte zu sein. „Interview: Pastorin Susanne Zingel/Kirchenmusiker Alexander Ivanov (Teil II)
St. Severin, Sylt, Juni 2026“
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DIE MONTAG-PRESSE – 8. JUNI 2026

Rheingold 2026 © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE MONTAG-PRESSE – 8. JUNI 2026

Wien/Staatsoper
Das Rheingold in Wien: Ein glänzender Aufbruch ins Verderben
Wenn Götter bauen, wird es teuer. Im Rheingold müssen die Herrscher Walhalls bald erkennen, dass selbst göttliche Macht nicht vor offenen Rechnungen schützt. Was als Streit um den Lohn für eine Burg beginnt, setzt jene Katastrophe in Gang, die den gesamten Ring des Nibelungen bestimmen wird. In der Wiener Staatsoper wurde dieser Auftakt nun mit langem Applaus bedacht – und das durchaus verdient. Denn die Aufführung erwies sich als musikalisch packender Einstieg in Wagners monumentalen Kosmos.
Von Kathrin Schuhmann
Klassik-begeistert.de

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Das Rheingold in Wien: Ein glänzender Aufbruch ins Verderben

Rheingold 2026 © Wiener Staatsoper Michael Pöhn

Wenn Götter bauen, wird es teuer. Im Rheingold müssen die Herrscher Walhalls bald erkennen, dass selbst göttliche Macht nicht vor offenen Rechnungen schützt. Was als Streit um den Lohn für eine Burg beginnt, setzt jene Katastrophe in Gang, die den gesamten Ring des Nibelungen bestimmen wird. In der Wiener Staatsoper wurde dieser Auftakt nun mit langem Applaus bedacht – und das durchaus verdient. Denn die Aufführung erwies sich als musikalisch packender Einstieg in Wagners monumentalen Kosmos.

Richard Wagner, Das Rheingold

Wiener Staatsoper, 6. Juni 2026

von Kathrin Schuhmann

Das Rheingold ist keine Oper im herkömmlichen Sinn. Es gibt keine Arien, keine Liebesduette, keine Momente, in denen die Handlung stillsteht, damit ein Sänger seine große Nummer präsentieren kann. Stattdessen entfaltet Wagner ein dichtes musikalisches Gewebe, das die Geschichte unaufhaltsam vorantreibt. Umso wichtiger sind Dirigat, Ensembleleistung und die Fähigkeit, die vielen Figuren plastisch werden zu lassen. Genau hier lagen die Stärken dieser Aufführung in der Wiener Staatsoper. „Richard Wagner, Das Rheingold
Wiener Staatsoper, 6. Juni 2026“
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Edvin Revazovs neue Choreographie 5 Seasons überzeugt in der Elbphilharmonie mit klassisch basiertem Tanz

Das Musiker- und Ballettensemble: In der zweiten Reihe Mitglieder des Leon Gurvitch Ensembles, Jun Xia, Hyo-Jung Kang, Zeynep Demirel, Florian Pohl, Edvin Revazov, Leon Gurvich, Alexandre Riabko, Silvia Azzoni, Alessandro Frola, Anna Laudere, Martina Arduino und Marco Agostino, weitere Mitglieder des Leon Gurvitch Ensembles, in der erste Reihe Tänzerinnen und Tänzer des Hamburger Kammerballetts, des Hamburg Balletts sowie Ricardo Urbina (dritter von rechts) und Nicolas Gläsmann (ganz rechts) (Foto: RW)

Selten sah man Edvin Revazov so gelöst und glücklich wie nach dem Ende dieses abendfüllenden Balletts. Das Publikum dankte es ihm und allen Mitwirkenden mit Begeisterung und langanhaltend. Man muss sich dieses Stück wohl ein zweites Mal anschauen, um den Variationen der Jahreszeiten und den darin verwobenen Lebensgeschichten gerecht zu werden.

5 Seasons, Ballett von Edvin Revazov
Musik von Leon Gurvitch

Hamburger Kammerballett, Leon Gurvitch Ensemble

Elbphilharmonie, Hamburg, Uraufführung, 6. Juni 2026

von Dr. Ralf Wegner

Mancher wird mäkeln, das war ja nicht modern genug, führte nicht weg vom klassischen Ballett-Tanz und war auch musikalisch zu wenig sperrig. Aber gerade diese Art von auf langer Ausbildung und herausragender Leistung basierendem Können wollten sich an diesem Sonntag mehr als 4.000 Zuschauer in der Elbphilharmonie ansehen und anhören. Das spricht für sich selbst und der am Ende jubelnde Beifall sollte in den Ohren der Hamburger Kulturbürokratie lange nachklingen. „5 Seasons, Ballett von Edvin Revazov, Leon Gurvich
Hamburger Kammerballett, Elbphilharmonie, 6. Juni 2026“
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