Sommerarena © Bühne Baden
Von der Sommerarena Baden …zur Staatsoper Wien

von Lothar und Sylvia Schweitzer
Bühne Baden – Wiener Staatsoper – Ilia Staple
Beim Durchblättern der vorbildlich handlichen Programmhefte (16 x 12 cm) der Bühne Baden mit Blick auf Operetten von Jacques Offenbach waren wir überrascht als Eurydike von „Orpheus in der Unterwelt“ in der Sommerarena Baden des Jahres 2017 eine seit der Spielzeit 2024/25 gefeierte Comprimaria der Wiener Staatsoper zu finden.
Ihr Name ist Ilia Staple und viele Rezensenten hoffen sie bald neben ihrer Adele in größeren Partien zu erleben. Die geborene Linzerin sammelte zwischen 2018 und 2024 im Staatstheater am Gärtnerplatz in München Erfahrungen als Sophie („Werther“), Musetta, Gilda, Olympia und Königin der Nacht. Beschämt müssen wir feststellen, dass sie uns damals in Baden, noch vor ihrer Münchner Zeit nicht außergewöhnlich aufgefallen ist. Im Ring in Erl (von uns „Neu-Bayreuth“ genannt) war sie die Rheintochter Woglinde, die Walküre Helmwige und die Stimme des Waldvogels.
Bühne Baden – Staatsoper Hamburg – Moritz Gogg
Eine Stadt – eine Oper (siehe auch Schweitzers Klassikwelt 35). In Hamburg war es „Arabella“ und unsere Erstbegegnung mit der Deutsch-Griechin Anja Harteros in der Titelpartie am 4. Februar 2009. Und da war noch ein Name, der uns bekannt vorkam: Moritz Gogg war Graf Dominik, einer der erfolglosen Verehrer Arabellas. Vom Badner Stadttheater – waren wir uns sicher – und durchstöberten 75 Programmhefte. Zuerst vermuteten wir aus „Paganini“ bzw. „Friederike“. Es war wieder die Sommerarena. In dem Singspiel „Das Dreimäderlhaus“ gab er 1999 noch während seines Gesangsstudiums an der Musikuniversität Wien Schuberts Freund Kupelwieser.
Der mehrfach preisgekrönte Pianist Moritz Gogg arbeitete 1993 bis 1997 als Korrepetitor und musikalischer Leiter bei den Bühnen Graz. Nach zwei Jahren Mitgliedschaft des Internationalen Opernstudios der Staatsoper Hamburg wurde er ab 2003 bis 2015 dort Ensemblemitglied, vornehmlich in Sekundarrollen. Es gibt u.a. eine Aufnahme mit ihm von der Hamburger Erstaufführung von Hindemiths „Mathis der Maler“ am 25. September 2005 unter der musikalischen Leitung von Simone Young. Nach einer Kehlkopferkrankung stieg Gogg auf das künstlerische Management um. Seit 2021 ist er Geschäftsführender Intendant der Erzgebirgischen Theater- und Orchester GmbH.
Bühne Baden – Wiener Staatsoper – Herwig Pecoraro
Den Franz Schubert sang damals 1999 übrigens der uns damals noch unbekannte Herwig Pecoraro, der in dem Jahr bereits an der Wiener Staatsoper als Erster Geharnischter, Monostatos, Pedrillo und David zum Einsatz kam und im Herbst am Ring in „Das Rheingold“ seinen ersten Mime sang. Wir hörten ihn wieder als Siegfried-Mime (Mai 2008).
Bühne Baden – Wiener Staatsoper – Jörg Schneider
Folgendes schrieben wir über Jörg Schneider als leidenschaftlichen Verehrer Lulus an der Wiener Staatsoper im Dezember 2017: „Vom Franz Schubert des Singspiels Das Dreimäderlhaus in der Sommerarena Baden 2016 zum Maler. In Jörg Schneider stecken enorme Potentiale. Schwelgerisch sein „Mir ist täglich, als sehe ich dich zum allerersten Mal.“

Bei einer Salome-Rezension erwähnten wir ihn als Herodes lobend gleich an zweiter Stelle nach der Interpretin der Titelpartie. Er stellt an der Wiener Staatsoper derzeit für uns die Idealbesetzung als Hauptmann im „Wozzeck“ dar. Keine Kopie, aber der würdige Nachfolger eines Stolze und eines Zednik. Nach dem Bericht eines Kollegen erhielt er für diese Rolle Sonderapplaus. Wir lesen von seiner „fulminanten Höhe“ zur Begrüßung der Marschallin im 3. Akt vom „Rosenkavalier“ und über seinen überaus bühnenpräsenten, stimmlich souveränen und durchschlagskräftigen Kaiser in „Turandot“, der in den Rezensionen selten so ausführlich beschrieben wird.
Bühne Baden – Théâtre du Capitole Toulouse – Andreas Schager
In Schweitzers Klassikwelt 149 „Es ist noch kein Meistersänger und
keine Meistersängerin vom Himmel gefallen“ recherchierten wir, dass der als Heldentenor zu betitelnde Andreas Schager als Operettentenor begann.
Als wir ihn im Jahr 2010 in der Sommerarena Baden in der Johann Strauß-Operette „Wiener Blut“ hörten, war sein Name noch mit österreichischem Diminutiv Schagerl geschrieben, von „Säger“ kommend. Also jemand, der Holz verarbeitet. Ein Jahr zuvor debütierte er als Wagnersänger bei den Tiroler Festspielen in Erl mit dem „David“ in den „Meistersingern“. Im selben Jahr 2010 war er in Erl Steuermann und sogar Erik im „Fliegenden Holländer“.
Unsere zweite Begegnung mit dem schon sehr heldisch klingenden Tenor war zu Sommerbeginn 2014 im Théâtre du Capitole Toulouse in „Daphne“ von Richard Strauss. Wir zitieren Schweitzers Klassikwelt 149: „Und dann tritt Apollo auf, als einfacher Rinderhirt, aber Andreas Schager ist eine Offenbarung. Kein distanziertes Hören mehr, eine Sternstunde beginnt.
Und Daphne Claudia Barainsky wächst in der Begegnung mit diesem Partner.“ Vorige Saison war Schager an der Wiener Staatsoper in beiden Ringzyklen im Juni sowohl als Siegmund als auch als Siegfried zu erleben.
Lettische Nationaloper Riga – Wiener Staatsoper – Kristīne Opolais
Wegen ihres Carmen-Debüts sind wir Elīna Garanča im Oktober 2007 nach Riga nachgeflogen und begegneten dort mit der „Mikaëla“ (lettische Rechtschreibung) einem zweiten Star, Kristīne Opolais.
In Wien achteten wir von nun an in den Voranzeigen auf ihren Namen und lernten sie als Puccini-Sängerin schätzen. Sie stellte als Tosca nicht die große Diva heraus. Trotz ihres steilen Aufstiegs aus ärmlicher Herkunft hat sich diese Tosca ihre Natürlichkeit bewahrt. Sie ist schwer verliebt in ihren Mario, der als Freigeist eigentlich nicht zu ihrer Frömmigkeit passt. Das alles wusste sie in Stimme und Gestik alle drei Akte so intensiv zu vermitteln, dass ihr Vissi d’arte keinen Höhepunkt mehr bieten musste.

In Victorien Sardous gleichnamigen Theaterstück ist Tosca ein lyrischer Mezzosopran. „Wie wäre es“, schreibt der Romanist Henning Mehnert in seinem Kommentar, „diese zarte Person so unter Stress stehend darzustellen, dass sie zum dramatischen Sopran wird?“ Ihr Sopran ist seit Riga hörbar nachgedunkelt. Christoph Suhre beobachtet ihre Tosca im November 2021 in Leipzig: Sie spielt keine eifersüchtige Furie oder exaltierte Primadonna. In ihrem Gebaren kommt immer wieder ihre soziale Herkunft durch.
Anders wird sie auf der Grazer Kasemattenbühne drei Monate vorher beurteilt: „Mit expressiver Kraft zeigt sie eine authentische Floria Tosca mit intensiven Eifersuchtsattacken.“

Auch hier wird ihr dunkler Sopran mit Höhensicherheit und herrlichen tiefen Lagen erwähnt. In Wien ist Kristīne Opolais ein seltener Gast. Ihr letzter Auftritt war – als Cio-Cio-San – im Herbst 2019!
Tiroler Landestheater – Wiener Staatsoper – Peter Seiffert
Peter Seiffert wurde 1980 Ensemblemitglied der Deutschen Oper Berlin und bald darauf von deren Generalintendant und Chefregisseur Götz Friedrich als Heldentenor repertoiremäßig aufgebaut.
Gerade bei Stadt- und Landestheatern wird es spannend, wenn dort junge Sängerinnen und Sänger auftreten, bei denen sich die Frage stellt, wie sie sich weiterentwickeln. 1982 hörte ich Seiffert am Tiroler Landestheater in der Zwischenfachpartie des Hoffmann und 1988 sang er im Royal Opera House Covent Garden seinen ersten Parsifal.
In Wien startete Seiffert Mitte Dezember 1984 mit einer einzigen Vorstellung als Matteo, einem glücklosen Verehrer Arabellas, der schließlich sein Glück mit ihrer Schwester Zdenka findet. Nach einer längeren Pause gab er 1989 und 1990 in sechs Vorstellungen den Hans in „Die verkaufte Braut“. Im Jahre 1995 erlebten wir ihn persönlich als Erik und seinen zweiten Lohengrin an der Wiener Staatsoper.
Einen großen und weiten Sprung erfuhren wir auch bei Lisette Oropesa. Zu Weihnachten 2007 sind wir ihr als The Dew Fairy (Das Taumännchen) in „Hansel and Gretel“ in New York an der MET das erste Mal begegnet. Nach dreizehn Jahren füllt in Wien ein neuer Name mit betörendem, vollem und rundem Klang den Raum und bietet vollendete Koloraturen. Sie ist bis heute unsere eindrucksvollste Konstanze geblieben.

Auch als Verdis Violetta weitere vier Jahre später hörten wir den wunderschönen Klang einer Stimme, wohl für eine Kurtisane zu mädchenhaft, die wir einfach als edel bezeichnen wollen.
Lothar Schweitzer, 8. Juni, 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Lothar und Sylvia Schweitzer
Lothar Schweitzer ist Apotheker im Ruhestand. Gemeinsam mit seiner Frau Sylvia schreibt er seit 2019 für klassik-begeistert.de: „Wir wohnen im 18. Wiener Gemeindebezirk im ehemaligen Vorort Weinhaus. Sylvia ist am 12. September 1946 und ich am 9. April 1943 geboren. Sylvia hörte schon als Kind mit Freude ihrem sehr musikalischen Vater beim Klavierspiel zu und besuchte mit ihren Eltern die nahe gelegene Volksoper. Im Zuge ihrer Schauspielausbildung statierte sie in der Wiener Staatsoper und erhielt auch Gesangsunterricht (Mezzosopran). Aus familiären Rücksichten konnte sie leider einen ihr angebotenen Fixvertrag am Volkstheater nicht annehmen und übernahm später das Musikinstrumentengeschäft ihres Vaters. Ich war von Beruf Apotheker und wurde durch Crossover zum Opernnarren. Als nur für Schlager Interessierter bekam ich zu Weihnachten 1957 endlich einen Plattenspieler und auch eine Single meines Lieblingsliedes „Granada“ mit einem mir nichts sagenden Interpreten. Die Stimme fesselte mich. Am ersten Werktag nach den Feiertagen besuchte ich schon am Vormittag ein Schallplattengeschäft, um von dem Sänger Mario Lanza mehr zu hören, und kehrte mit einer LP mit Opernarien nach Hause zurück.“