Unsere Lieblingsoper (40): „Iolanta“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Von den uns bekannten Opern Pjotr Iljitsch Tschaikowskis, „Eugen Onegin“, „Mazeppa“, „Die Zauberin“ und „Pique Dame“, war letztere lange Zeit unsere Favoritin – bis wir am Vormittag des 27. September 2009 in Moskau auf der Ersatzbühne des Bolschoi-Theaters die zwei Jahre vor seinem Tod komponierte lyrische Oper in einem Akt „Iolanta“ erlebten. „Unsre Lieblingsoper (40): „Iolanta“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski“ weiterlesen

Kaufmanns Otello: Eine erstklassige Einspielung – Irrsinn kann nicht verlangt werden!

Ulrich Poser rezensiert die Neueinspielung von Verdis vorletztem Geniestreich Otello mit den Protagonisten Jonas Kaufmann, Federica Lombardi und Carlos Álvarez

Foto: Jonas Kaufmann, Sony Classical (c)

Die reale Welt ist derzeit auch coronabedingt aus den Fugen geraten. Die Opernhäuser spüren dies in besonderem Maße. Keine Zuschauer bedeuten keine Eintrittseinnahmen. Das ist zum Weinen traurig. Wer weint,  braucht ein Taschentuch. Das Taschentuch (italienisch: fazzoletto) ist der zentrale Gegenstand im Otello: Das Mittel Jagos, seine böse List in die Tat umzusetzen.

Auch dem Rezensenten kommen öfters die Tränen. Nicht nur wegen des coronabedingten Totalausfalls der geliebten Opernvorstellungen, sondern auch, wenn offensichtliche Meisterwerke wie die zu rezensierende Otello-Neueinspielung von griesgrämigen Motzern mehr oder weniger grundlos schlecht rezensiert werden.

Denn die Neueinspielung des Otello (von Sony Classical) ist mehr als meisterlich.

„CD-Rezension: Otello, Jonas Kaufmann
klassik-begeistert.de“
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Die DONNERSTAG-PRESSE – 2. JULI 2020

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Die DONNERSTAG-PRESSE – 2. JULI 2020

© Felix Löchner

Bayerische Staatsoper lockt online 630.000 Zuschauer
Die Bayerische Staatsoper hat seit der Corona-bedingten Schließung im März mehr als 40 Veranstaltungen über das Internet angeboten. Die 13 Live-Streams und knapp 30 aufgezeichneten Vorstellungen als Video-on-Demand erreichten rund 630.000 Zuschauer, teilte das Haus am Mittwoch mit. Allein das letzte „Monatskonzert“ zum Abschluss der Saison verfolgten online fast 36.000 Menschen. Im Saal des Nationaltheaters erlebten 100 Zuschauer das Bayerische Staatsorchester unter der Leitung von Generalmusikdirektor Kirill Petrenko und den Tenor Jonas Kaufmann.
https://www.musik-heute.de/21202/bayerische-staatsoper-lockt-online-630-000-zuschauer/

Bregenz
So sehen die Festtage der Festspiele aus
Konzerte, Lesungen und eine Opernuraufführung sowie weniger Publikum als unbedingte Auflage.
https://www.vn.at/kultur/2020/07/01/so-sehen-die-festtage-der-festspiele-aus.vn

Graz
Styriarte präsentiert „Geschenke der Nacht“
„Ansagen, nicht absagen“ war seit Beginn der CoV-Krise Leitlinie der styriarte – am Mittwoch startet nun das neue Programm, das unter dem Motto „Die Geschenke der Nacht“ steht.
https://steiermark.orf.at/stories/3055791/

Wien
Symphoniker hoffen auf „Glanz und Aufbruch“
Orchester stellt Programm für nächste Saison vor.
Wiener Zeitung

New York
Alles abgesagt: Die Broadway-Theater bleiben bis Jahresende zu
Heuer wird es keine Vorstellungen am Broadway in New York mehr gegen. Alle Veranstaltungen für 2020 wurden abgesagt.
Die Presse

Sommerakademie Lilienfeld
Auftakt für das Musikfestival
Niederösterreichische Nachrichten

Freischaffende Musiker im Lockdown: Raus aus dem Corona-Sumpf
Deutschlandfunk.de

Die Regeln des Internets
Großversuch zum Thema klassische Musik und digitale Medienkunst: Die Symphoniker Hamburg und Mahlers „Lied von der Erde“.
Sueddeutsche Zeitung

Lernkurven, Perspektiven – Andrea Zietzschmann, die Intendantin der Berliner Philharmoniker im Gespräch
Neue Musikzeitung/nmz.de

Nürnberg
Selcuk Cara provoziert mit Wagner-Inszenierung
Selcuk Cara aus Friesland macht gerade in Nürnberg Schlagzeilen. Dort inszeniert der Regisseur eine Bearbeitung von Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“. Und das nicht irgendwo in Nürnberg, sondern auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände der Nazis. Das Projekt ist Teil der Nürnberger Bewerbung für den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“. Doch die Verbindung von Wagner mit der NS-Vergangenheit der Stadt können manche nur schwer ertragen. Schon vor der Premiere gab es heftige Kritik.
https://www.ndr.de/kultur/musik/Die-Meistersinger-von-Nuernberg „Die DONNERSTAG-PRESSE – 2. JULI 2020“ weiterlesen

Schweitzers Klassikwelt 8 : Aus dem Zeitalter der LP: Arabella

Foto: Lisa della Casa,  Arabellissima  © Foto Fayer

von Lothar Schweitzer

Die Rezensionen über diese Oper von Richard Strauss nach der Premiere bei den Salzburger Festspielen 1958  sind nicht überwältigend ausgefallen. Die Feuilletons waren meine erste Begegnung mit dem Werk. Die „Arabella“ – ein Studienfreund nannte seine erste Tochter nach dieser Oper – führt bis heute ein Schattendasein neben dem „Rosenkavalier“. Ich las sogar Vergleiche mit einer Operette!

Im Gegensatz zu „Don Giovanni“ und „Tiefland“ lernte ich „Arabella“ in der Oper und nicht zuerst durch eine Schallplatte näher kennen und lieben. Es war der denkwürdige 17. Juni 1960 mit Lisa della Casa, Dietrich Fischer-Dieskau und der bezaubernden Anny Felbermayer als Zdenka, die sie an dem Abend das einzige Mal an der Wiener Staatsoper sang. „Schweitzers Klassikwelt 8
klassik-begeistert.de“
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Erstaunliches Jugendwerk: Korngolds "Violanta" auf DVD

Foto: Edoardo Piva

„Glückliches Italien, wo man Opern noch im Sinne ihrer Schöpfer aufführen kann, wie der starke Applaus des Publikums am Ende beweist.“

DVD-Rezension: Erich Wolfgang Korngold, Violanta (Dynamic 37876)

von Peter Sommeregger

Der Komponist Erich Wolfgang Korngold, bereits als sogenanntes Wunderkind berühmt und erfolgreich, musste als Jude gegen Ende der 1930er Jahre aus Europa emigrieren und ließ sich in Hollywood nieder. Dass ihm dort eine bedeutende Karriere als Filmkomponist gelang, konnte ihn aber nicht völlig für den Verlust seiner Erfolge als Opernkomponist entschädigen. Seine insgesamt dritte Oper „Die tote Stadt“, 1920 uraufgeführt, war ein echter Welterfolg gewesen, aber wie alle seine Werke im von den Nazis dominierten Europa von den Spielplänen verbannt. „DVD-Rezension: Erich Wolfgang Korngold, Violanta“ weiterlesen

Sommereggers Klassikwelt 42: Evelyn Lear, meine erste Lulu

„Dass diese von Otto Schenk inszenierte Produktion zum Sensationserfolg wurde, war bestimmt nicht zum kleinsten Teil der sängerischen und darstellerischen Leistung Evelyn Lears geschuldet. Die Aufführung war Stadtgespräch, ich konnte gerade noch eine auch für einen Schüler erschwingliche Karte ergattern.“

von Peter Sommeregger

An diesem 1. Juli sind es bereits acht Jahre, dass die große Sängerin Evelyn Lear gestorben ist. Wenn ich ihrer gedenke, steigen wieder Erinnerungen an meine frühen Opernerlebnisse der 1960er Jahre auf. Dass diese Erinnerungen noch so leicht abrufbar sind, hat sicher auch mit den damals noch viel ausgeprägteren Persönlichkeiten und Eigenheiten der Künstler zu tun. Perfekt war auch damals nicht alles, aber man liebte manche Künstler vielleicht gerade wegen bestimmter Eigenheiten. Der heute vorherrschende Trend zur Selbstoptimierung und Perfektionierung hat Individualität weitgehend ausgemerzt. „Sommereggers Klassikwelt 42: Evelyn Lear, meine erste Lulu“ weiterlesen

Die MITTWOCH-PRESSE – 1. JULI 2020

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Foto: © Simon Redel, Symphonischer Chor Hamburg, Elbphilharmonie Hamburg

Berlin
Viel Kritik am Gesangsverbot
Viele Corona-Beschränkungen für Kunst und Kultur werden gelockert, auch das Singen erlauben einige Bundesländer unter strengen Hygienevorschriften wieder. In Berlin dagegen heißt es dagegen nun: Singen in Räumen ist verboten. Außer an Schulen?
BR-Klassik

Bregenzer Festtage
Bregenzer Festtage mit Opernuraufführung
Nach Festspiel-Absage kommt ein gekürztes Programm ins Festspielhaus.
Wiener Zeitung

Wiener Café Oper verabschiedete sich mit Charity Flohmarkt
Kurier

München/ Bayerische Staatsoper
Bayerische Staatsoper: Kirill Petrenko dirigiert für König Ludwig II.
Münchner Abendzeitung

Dirigenten kritisieren ungleiche Corona-Verordnungen
Dresden/Berlin (MH) – Generalmusikdirektoren und Chefdirigenten haben in der Corona-Pandemie unterschiedliche Regeln für Wirtschaft und Kultur kritisiert. Wenn Flüge, Züge und Strände sich mit Menschen füllen könnten, Theater und Konzertsäle aber leer bleiben müssten, sei das „ein täglicher Schlag ins Gesicht aller Kulturschaffenden“, erklärte die „GMD und Chefdirigent*innenkonferenz“ in einem am Dienstag verbreiteten Schreiben. Trotz umfangreicher Sicherheitskonzepte werde den Häusern weitgehend eine wirtschaftliche sinnvolle Saalbelegung verweigert.
http://www.musik-heute.de/21199/dirigenten-kritisieren-ungleiche-corona

Dresden
Semperoper stellt Corona-Spielplan vor: Oper als «Essenz»
Die Welt.de

Wien
Dominique Meyer: „In Wien liebt man vor allem große Stimmen“ Bezahlartikel
Dominique Meyer hat zehn Jahre lang die Wiener Staatsoper geleitet. Im „Presse“-Gespräch erinnert er sich an große und dramatische Momente mit Beczała, Netrebko und Keenlyside – und erklärt, wie er „sein“ Ensemble geführt hat.
Die Presse

Klassische Musik in Zeiten von Corona: Beethoven für 99 Zuhörer
Darf Geld eine entscheidende Rolle spielen, wenn es um Kunst geht? Eine Begegnung mit dem Stuttgarter Generalmusikdirektor Cornelius Meister.
Tagesspiegel „Die MITTWOCH-PRESSE – 1. JULI 2020“ weiterlesen

Ein Fest der Stimmen beeindruckt zum Saisonende in der Wiener Staatsoper

Wiener Staatsoper:
GALAKONZERT DES JUNGEN ENSEMBLES am 27. Juni 2020


Marco Armiliato, Adam Plachetka. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Von Manfred A. Schmid

Erstmals seit knapp vier Monaten steht das Staatsopernorchester wieder auf der Bühne der Wiener Staatsoper: Ein hoffnungsvolles Anzeichen dafür, dass der Opernbetrieb – nach den empfindlichen Einschränkungen infolge der Corona-Krise – allmählich doch wieder auf Touren zu kommen scheint. Zwar steht für die nächsten zwei Monate zunächst einmal die gewohnte Sommerpause auf dem Programm. Dennoch ist für die kommende Spielzeit – mit dem Amtsantritt des neuen Staatsoperndirektors Bogdan Roscic – Optimismus angesagt: Die Oper lebt und atmet jedenfalls wieder. Etwas zögerlich noch und weit entfernt vom Vollbetrieb. Es reicht gerade einmal für Arien, Duette und einen immerhin beinahe halbszenisch dargebotenen Ensembleauftritt.

Es könnte aber durchaus sein, dass sich bald viele Opernliebhaber bald wieder nach den von Teilen der Kritik oft arg zerzausten Operndirektor sehnen werden. Das abschließende Galakonzert jedenfalls zeigt, dass „sein“ Ensemble mit zahlreichen herausragenden und hoffnungsvollen Kräften aufzuwarten hat, von denen einige in letzter Zeit bereits international für Aufsehen gesorgt haben, während das anderen für die Zukunft durchaus ebenfalls zuzutrauen ist. Es ist in der Tat ein vornehmlich junges Ensemble, das hier mit geballter Kraft zu einer Art Leistungsschau angetreten ist. Viele davon hat Meyer selbst im Laufe der Jahre entdeckt und engagiert, wie er in seiner Abschiedsrede nicht ohne Stolz hervorhebt.

Der erste Teil vor der Pause – dass es eine Pause gibt, ist ebenfalls ein Anzeichen für langsam einsetzende Normalität – ist, wie es sich für das erste Wiener Opernhaus gehört, Mozart gewidmet. Adam Plachetka mit Don Giovannis „Fin ch’han dal vino“ und Chen Reiss mit „Se il padre perdei“ sowie Benjamin Bruns mit „Fuor‘ del mar“, beide aus Idomeneo, belegen mit ihren Auftritten, dass sie zu denen gehören, denen der Sprung in eine internationale Karriere bereits gelungen ist. Valeriia Savonskaias feinfühlig vorgetragene Arie der Fiordiligi „Temerari … Come scoglio“ aus Cosi fan tutte setzt ein kräftiges Zeichen für einen hoffungsvollen Neuzugang. 2019 gewann die russische Sopranistin den 38. Hans Gabor Belvedere-Wettbewerb und wurde erst vor einem Jahr Ensemblemitglied. Diese Sängerin möchte man gerne auch weiterhin öfter sehen und hören. Zukünftige Engagements führen sie in der nächsten Saison an die Deutsche Oper Berlin und an das Theater Dortmund.


Adam Fischer, Valentina Nafornita. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Von geradezu überschäumender Spielfreude geprägt sind die folgenden Stücke aus Mozarts Le nozze di Figaro. Für Mai und Juni war die Mezzosopranistin Rachel Frenkel als Cherubino vorgesehen, eine Partie, in der sie bereits in München Aufsehen erregt hat. Die Aufführungsserie fiel dem Coronavirus zum Opfer. Ihr nunmehriger Auftritt mit „Non so più cosa son, cosa faccio“ zeigt, dass dem Wiener Publikum da etwas entgangen ist. Olga Bezsmertna(„Dove sono“, Arie der Contessa d’Almaviva) und Svetlina Stoyanova („Voi che saptete, Arie des Cherubino) sind bereits so etwas wie Fixsterne am Opernhimmel, was auch für Valentina Nafornita gilt, die Susannas „Deh vieni non tardar“ mit Verve zum Funkeln bringt. Vor ihr hatte bereits Alessio Arduini als mit Leidenschaft und Schläue ausgestatteter Figaro (Aprite un po‘ quegli occhi“) seinen akklamierten Auftritt. Ein ausdrucksstarker Bariton, den man in den letzten Jahren leider viel zu selten auf der Bühne seines Wiener Stammhauses angetroffen hat. Fulminat beschlossen wird der Mozart gewidmete Programm-Block mit dem Finale des 2 Akts der nozze. Eine geballte Ladung spielstarker Kräfte im Einsatz: Bezsmertna, Carroll, Plummer, Plachetka, Kellner, Coliban, Ebenstein, Onishenko). Das ist schon sehr nahe am Opern-Vollbetrieb. Es fehlen eigentlich nur noch die Kostüme, so einsatzfreudig gehen sie ans Werk. Man kommt zwar längst nicht an das legendäre Wiener Mozart-Ensemble der 50er Jahre heran, ist in seiner Homogenität aber dennoch höchst erfreulich.

Nach der Pause dann ein Arienreigen, der die Vielfalt des Repertoires widerspiegelt, der aber auch Lücken offenlegt. Samuel Hasselhorns seelenvoll vorgetragene Arie „Wie Todesahnung … O du mein holder Abendstern“ und Tomasz Koniecznys aufrüttelnd klagendes „Die Frist ist um“ erinnern daran, dass in der Ära Meyer – außer dem alljährlichen  Ring –  Wagner ziemlich stiefmütterlich behandelt worden ist: Tannhäuser, Tristan und Isolde, Die Meistersinger – allesamt Fehlanzeigen.

Zuvor zwei Highlights des Abends: Josh Lovell, ebenfalls erst seit 2019/20 Ensemblemitglied und bisher nur als Lysander in Benjamin Brittens A Midsummer Night’s Dream in Erscheinung getreten, zeigt mit der Arie „Ah, mes amis“ des Tonio aus „La Fille du régiment“ was für einen strahlend hellen Tenor er hat. Die gefürchteten Höhen bewältigt er mit Bravour. Hoffentlich sieht und hört man auch ihn möglichst bald wieder! Aus Donizettis La Fille stammt auch die Arie der Marie „Salut à la France“. Daniela Fally lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen, mit ihren darstellerischen Fähigkeiten und auch gesanglich zu brillieren.

Auf das von Ileana Tonca und Margaret Plummer höchst innig gestalteten „Abendsegen“ aus Humperdincks Hänsel und Gretel, das im Nachspiel auch dem Staatsopernorchester unter der Leitung von Adam Fischer die Chance bietet, sich klangmalerisch fein nuanciert zu entfalten, folgt ein Gustostück erster Güte: Michael Laurenz bietet als Frantz in „Jour et nuit“ aus Offenbachs Les Contes d‘Hoffmann ein köstlich komödiantisch aufbereitetes Vergnügen, was den Wusch aufkommen lässt: Möglichst viel mehr Laurenz in den nächsten Saisonen!

Komödiantisch und recht ausgelassen geht es im folgenden Duett „Al Capricci“ aus Rossinis L’Italiana in Algeri weiter. Margarita Gritskova und Orhan Yildiz sind trotz ihrer Jugendlichkeit ausgeprägte Sing-Schauspieler von Format und bestens aufeinander eingestellt. Zu den vielversprechenden Entdeckungen von Direktor Meyer gehören auch Mariam Battistelli und Jinxu Xiahou. Die Mezzosopranistin Battistelli ist zuletzt als Musetta in der Boheme aufgefallen. Mit so nachhaltigem Eindruck, dass sie mit deren Prachtnummer „Quando me’n vo“ auch jetzt dabei ist, während der vielseitige Tenor Xiaho mit der Arie „Ella mi fu rapita“ des Herzogs aus Verdis Rigoletto zu punkten versteht.

Den abschließenden Programmteil leiten drei Verdi-Arien ein, dirigiert vom sichtlich gerührten Dirigenten Marco Armiliato,  der an diesem Abend vornehmlich für das italiensche Fach zuständig ist und sich mit seinem Kollegen Adam Fischer – beide sind  Ehrenmitglieder des Hauses – abwechselt. Anita Hartig singt „Pace, pace“ aus La forza del destino, Szilvia Vörös mit „O don fatale“ aus Don Carlo und Jongmin Park „Come dal ciel precipita“ aus Macbeth. Hartig und Park festigen mit ihren Auftritten ihren Ruf als langjährige und vielfach bewährte Stützen des Hauses. Szilvia Vöros ist ein Neuzugang und bisher eher in unterstützenden Rollen, u.a. als Dienerin (Frau ohne Schatten), Dame (Zauberflöte) und Elfe (Rusalka) in Erscheinung getreten. Für die kommende Saison ist sie aber bereits als Mercedes in der Carmen angekündigt.

Den glanzvollen, wenn auch stimmlich nicht ganz ausgewogenen Schlusspunkt setzt die Schlussfuge „Tutto nel mondo è burla“ aus Verdis Falstaff, in der neben vielen schon oben genannten Künstlerinnen und Künstlern auch noch Stephanie Houtzeel, Zoryana Kushpler, Clemens Unterreiner, Leonard Nacvarro, Bendikt Kobel und Ryan Speedo Green mitwirken.


Überreichung der Ehrenmitgliedschaft. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Auf den mit nur 100 Personen im Parterre nicht gerade lautstarken Applaus folgt keine Zugabe, sondern ein Schlussakt mit der Überreichung der Ehrenmitgliedschaft des Hauses an den scheidenden Direktor Dominique Meyer sowie an den noch bis Jahresende wirkenden Kaufmännischen Direktor, Thomas Platzer. Dominique Meyer zieht eine Bilanz seiner Amtszeit, verabschiedet sich dankbar von seinem Team und dem Publikum und verspricht, weiterhin als Botschafter für Wien wirken zu wollen. Freude und Wehmut. So soll es auch sein.

Manfred A. Schmid, 29. Juni 2020 (onlinemerker.com)

Die DIENSTAG-PRESSE – 30. JUNI 2020

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die DIENSTAG-PRESSE – 30. JUNI 2020

Foto: Teatro alla Scala, Milano, (c) © Andreas Schmidt

Mailand/Scala
Requiem für Covid-19-Opfer
Nach der Sommerpause will die Mailänder Scala die Toten des Coronavirus ehren – mit einem Requiem von Verdi, gespielt im Dom. Schon im Juli soll es erste Konzerte im Opernhaus geben.
Der Spiegel

Wien/ Volksoper
Saisonende in der Volksoper: Mineralwasser für alle!
Operetten- und Musicalkonzert als ein Best-of-Stammrepertoire
Der Standard

Britische Künstler fürchten Corona-Ruin: „Unsere Kulturszene ist am Zusammenbrechen“
Großbritannien lockert seinen Lockdown. Doch die Situation vieler britischer Künstler bleibt davon unberührt. Sie sind verzweifelt und wütend. Eine Reportage.
Tagesspiegel

Ladas Klassikwelt 38: Virtuell oder real, Hauptsache: international!
„Die schwierige Situation der Künstler während der Corona-Pandemie hat bei einigen außergewöhnliche Kreativität ausgelöst. Der israelische Ashirachor fing mit virtuellen Proben an und lud das befreundete Ensemble aus Deutschland – den Zamirchor aus Bayreuth – dazu ein. Die Leiterin des Zamirchors Barbara Baier nahm diese Einladung mit Begeisterung an.“
Jolanta Lada-Zielke hat mit der Bayreuther Chorleiterin Barbara Baier gesprochen
Klassik-begeistert

Die Pianistin Uta Weyand reist in die Vergangenheit: Mit einem Steinway-Flügel aus dem Baujahr 1892
„Im Jahr 2014 schließlich wurde eine umfangreiche Restaurierung des historischen Instruments im Hamburger Steinway-Werk vorgenommen. Hier kommt Uta Weyand ins Spiel, die als ihren Beitrag zur Restaurierung ein Benefizkonzert gab. Dabei scheint sich so etwas wie eine emotionale Beziehung zwischen dem Flügel und der Pianistin entwickelt zu haben, die letztlich zur Idee dieser nun vorliegenden CD führte.“
Peter Sommeregger berichtet regelmäßig über neue CDs
https://klassik-begeistert.de/cd-besprechung-uta-weyand-1892-reflections/

Wien
Staatsoperndirektor Meyer verabschiedet sich
Ein bunter Vokalabend und die Ehrenmitgliedschaft des Hauses am Ring
Der Standard

Meyer-Abschied: Virtuoses Adieu in allen Tonlagen
Die Presse

Symphoniker und Honeck sehr menschlich
Orchesterglanz mit Tschaikowski und Verdi im Musikverein
Der Standard „Die DIENSTAG-PRESSE – 30. JUNI 2020“ weiterlesen

Die Pianistin Uta Weyand reist in die Vergangenheit: Mit einem Steinway-Flügel aus dem Baujahr 1892

CD -Besprechung: Uta Weyand, 1892 Reflections (Ars Produktion)
Kompositionen von Debussy, Albéniz, Grieg und Brahms

„Im Jahr 2014 schließlich wurde eine umfangreiche Restaurierung des historischen Instruments im Hamburger Steinway-Werk vorgenommen. Hier kommt Uta Weyand ins Spiel, die als ihren Beitrag zur Restaurierung ein Benefizkonzert gab. Dabei scheint sich so etwas wie eine emotionale Beziehung zwischen dem Flügel und der Pianistin entwickelt zu haben, die letztlich zur Idee dieser nun vorliegenden CD führte.“

von Peter Sommeregger

Die Pianistin Uta Weyand hat ihrer neuen CD den ungewöhnlichen Titel „1892 Reflections“ gegeben. Das hat zweierlei Gründe: zum einen ist der Steinway-Flügel, auf dem Weyand diese CD einspielte, Baujahr 1892. Dies brachte die Pianistin auf die Idee, in musikalischer Form über dieses spezielle Jahr musikalisch zu reflektieren. „CD -Besprechung: Uta Weyand, 1892 Reflections“ weiterlesen