Foto: Chor der Bayreuther Festspiele, Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele
„Wißt ihr, was daraus wird?“
Bayreuther Festspiele 2022 – Ein ganz persönlicher Rückblick (Teil 2)
von Patrik Klein
Musikalisch hörte man nicht nur bei der Tetralogie hingegen viel Positives, auf das ich mich hier im zweiten Teil meines Artikels konzentrieren möchte. Das Orchester der Bayreuther Festspiele unter Cornelius Meister, der für den zunächst geplanten Pietari Inkinen kurzfristig einspringen musste, klang im dritten Zyklus im Vergleich zu den öffentlichen Übertragungen in TV und Radio deutlich transparenter, dynamischer, eleganter, für den ein oder anderen etwas zu zart, aber frischer und damit auch „bayreuthwürdiger“. In der abschließenden Götterdämmerung steigerte der Dirigent die Qualität des Klanges sogar noch einmal auf stärkstes Festspielniveau.
Auf Facebook postete ich noch ganz emotional angefasst nach Das Rheingold: „Wir sind alle wie Wotan“. Das und noch einiges mehr musste man erst mal schlucken, wenn man die Grundidee von Valentin Schwarz akzeptierte und keine Sehnsucht hatte nach Götterwelt, Menschen und Nibelungen. Wenn man den Ring, Tarnhelm, Schwert und Speer nicht vermisste, dann war das durchaus plausibel und erst recht sehr spannend. Es gab Momente, wo es so richtig funkte im Graben und auch auf der Bühne. Ich wusste schon, warum ich den dritten Ring buchte. Musikalisch gab es nahezu nichts zu kritisieren. Dem wirklich eingespielten SängerInnenensemble gelang eine geschlossen gute musikalische Darstellung. Die Krone des Gesangs gebührte an diesem Abend Okka von der Damerau als Erda. Da war für einige Momente Gänsehautfeeling aufgrund ihrer saalfüllenden dunkelst timbrierten und Respekt einflößenden Mezzosopranstimme. Sie bekam zu recht auch den stärksten Applaus. Am Ende gab es viel Zuspruch und nur einige verhaltene Buhs. „Bayreuther Festspiele 2022 – Ein ganz persönlicher Rückblick (Teil 2)
klassik-begeistert.de 31. August 2022“ weiterlesen