Kahchun Wong © Dirk Schauß
Ein Dirigent ringt unentwegt um die Gunst der hundert Seelen auf dem Podium. Kahchun Wong, Chefdirigent des Japan Philharmonic Orchestra und des Hallé Orchestra in Manchester, gab kürzlich sein mit Spannung erwartetes Debüt beim hr-Sinfonieorchester in Frankfurt – mit einem anspruchsvollen reinen Schostakowitsch-Programm. Das Gespräch mit ihm und unserem Autor, Dirk Schauß, wurde zu einem bemerkenswert offenen und persönlichen Austausch, der tief in die musikalische Arbeit, die Psychologie von Orchestern und seine eigene künstlerische Entwicklung eintaucht.
Das Gespräch fand am 19. Mai 2026 statt und wurde in englischer Sprache geführt.
von Dirk Schauß
Debüt und Schostakowitsch in Frankfurt, Teil I
klassik-begeistert: Herr Wong, Sie dirigieren in diesen Tagen zum ersten Mal das hr-Sinfonieorchester. Wie ist Ihr erster Eindruck von den Frankfurtern?
Kahchun Wong: Das stimmt, es ist mein absolutes Debüt hier. Und ich muss sagen: Das ist ein verdammt gutes Orchester. Unglaublich diszipliniert und mit einer spürbaren Begeisterung bei der Sache. Wir haben heute den zweiten Probentag hinter uns. Schon am ersten Tag war ich beeindruckt, mit welcher Ernsthaftigkeit sich die Musiker einer so anspruchsvollen Partitur wie Schostakowitschs Fünfter Sinfonie nähern. Das hatte streckenweise die Präzision einer Studioaufnahme. Wir versuchen wirklich, in jeder Phrase den Kern der Musik freizulegen. Dass die Musiker so mikrofonerfahren sind, merkt man sofort an ihrer enormen Klangsensibilität. Es ist eine wahre Freude. Das werden zwei hervorragende Konzerte. „Interview: kb im Gespräch mit Kahchun Wong, Dirigent
klassik-begeistert.de, 3. Juni 2026“ weiterlesen