Ritterbands Klassikwelt 4/2019: Mozarts Humor

Der griechisch-russische Dirigent Teodor Currentzis schreibt: „Mozarts Humor ist Punk-Humor“ – was von vielen Mozart-Verehrern nicht wirklich wahrgenommen werde.

von Charles E. Ritterband

Mozarts Humor hatte viele Nuancen: Kindisch (etwa der vierstimmige Kanon „Bona nox! Bist a rechta Ox“ KV 561), mal maliziös, mal selbstironisch. Der griechisch-russische Dirigent Teodor Currentzis schreibt: „Mozarts Humor ist Punk-Humor“ – was von vielen Mozart-Verehrern nicht wirklich wahrgenommen werde. Mozarts Verhalten sei immer exzentrisch gewesen. Die berühmten Bäsle-Briefe („allerliebstes bäsle häsle“) beispielsweise enthalten groben Schabernack und Nonsens bis hin zu derben Fäkalscherzen. „Ritterbands Klassikwelt 4/2019
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Ladas Klassikwelt 5 / 2019: „Ich verstehe unsere Aufgabe als Chorsänger, die Wahrheit unter die Leute zu tragen“

Foto: Barbara Baier © Martin Bursch

Interview mit der Sopranistin und Chorleiterin Barbara Baier

Hallo, liebe Klassik-begeistert-Leser!

Ich habe für Euch ein Gespräch mit Barbara Baier, in Bayreuth geborener Opernsängerin und Gesangspädagogin sowie Leiterin des Chores „Zamir“, geführt. Sie absolvierte ein Gesangsstudium an der Folkwang-Hochschule in Essen, trat als Solistin auf vielen deutschen Bühnen auf, auch in Dortmund, Wuppertal, Bremen und Bayreuth. Etliche Gastverträge hatte sie in Helsinki, St. Moritz, Wien und New York, Jerusalem, Haifa, Kepno, Chisinau, Lemberg. Barbara Baier unterrichtete Gesang an der städtischen Musikschule in Kulmbach – seit 2004 lehrt sie an der Universität in Bayreuth. Viele ihrer Schülerinnen und Schüler waren Preisträger bei „Jugend musiziert“.

von Jolanta Lada-Zielke

Wie war Ihr Weg von der Opernsängerin zur Chorleiterin?

Ich habe eine Gesangsausbildung in der Musikhochschule in Essen absolviert, aber auch noch privat gelernt. Dann bin ich ins Engagement an die Oper in Hagen als Soubrette gegangen, und anschließend nach Dortmund. Ich war freiberuflich tätig als ich mit meinen zwei Kindern nach Bayreuth zurückgekommen bin. Ich wollte kein festes Engagement mehr haben, weil das sehr schwierig ist, wenn ein Kind krank wäre und man auf der Bühne stehen muss. Meine Familie war mir wichtiger. Aber trotz allem habe ich als Solistin nicht aufgehört, und auch heute bin sehr viel unterwegs. Es ist ein großes Glück, dass ich beruflich tun darf und kann, was mir Spaß macht. „Ladas Klassikwelt 5/2019
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Lieses Klassikwelt 6/2019: Eine Lanze für die Kammermusik

„Meine schönsten Erinnerungen reichen in meine Studienzeit zurück. Den Hymnus von Julius Klengel spielten wir nicht, aber dafür die wunderschöne Bachianas Brasileiras Nr. 5 von Heitor Villa-Lobos für acht Celli und Sopran. Der ganze Raum fing da an zu schwingen, man fühlte sich ungemein beseelt.“

von Kirsten Liese

Die Kammermusik liegt im Sterben, sagte Dietrich Fischer-Dieskau in meinem letzten Interview mit ihm wenige Jahre vor seinem Tod. Sein Pessimismus deckte sich mit meinen Eindrücken, gestaltete es sich doch schon damals zunehmend schwieriger, andere Streicher zu finden, mit denen man Streichquar-, quin- oder -sextette spielen konnte. „Lieses Klassikwelt 6/2019
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Sommereggers Klassikwelt 7/2019: Der Friedhof der verschwundenen Primadonnen

Eine der ganz großen ihrer Zunft war zweifellos Mathilde Mallinger (1847-1920) , die 1868 in der Münchner Uraufführung von Richard Wagners “Die Meistersinger von Nürnberg“ die Rolle der Eva kreierte. Später wurde sie der Star der Berliner Hofoper, an der sie ein breites Repertoire verkörperte. Ein zerbrochenes Fragment ihrer Grabstele ist erhalten, befindet sich aber nicht mehr am originalen Standort.

von Peter Sommeregger

Der Bau der Berliner Mauer 1961 hat nicht nur unendliches Leid über viele Menschen der geteilten Stadt gebracht, er hat auch in vielen Bereichen wertvolle kulturgeschichtliche Substanz zerstört. Ein trauriges Beispiel dafür ist der St. Hedwigs-Friedhof an der Liesenstraße, welche die Bezirke Mitte und Wedding trennt. Dadurch wurde die Friedhofsmauer automatisch zur Grenzlinie. Sie wurde abgerissen, und ein breiter Streifen des Geländes eingeebnet. Dieser Aktion fielen unzählige historische Grabmale zum Opfer, einige wenige Steine konnten in den hinteren, weiter bestehenden Teil des Friedhofs gerettet werden, der Großteil aber wurde vernichtet, oder ist seither verschollen. „Sommereggers Klassikwelt 7/2019,
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Ladas Klassikwelt 4/2019: Alma und Gustav Mahler in malerischer und sakraler Umgebung – Reflexionen nach einer Frankreich-Chorkonzertreise

Die Musik im allgemeinen Sinne ist immer ein SACRUM –
wenn man sie gut macht.

von Jolanta Lada-Zielke

Der Carl-Philipp-Emanuel-Bach Chor aus Hamburg war vom 17. bis zum 20. Oktober 2019 in Frankreich, wo er zwei a-capella Konzerte gab: in der Kirche St. Eustache in Paris und in der Kathedrale in Chartres. Beide wurden von Hansjörg Albrecht geleitet, der noch zwei Orgelstücke dazu vorspielte: Die „Fantasie und Fuge g-Moll“  von Johann Sebastian Bach und  „Fantaisie op.1 pour orgue“ von Jean Guillou, französischer Komponist, Organist und Pianist, der im Januar 2019 gestorben ist.

Beide Kirchen sind Traumkonzerträume, besonders für die Chorauftritte. In unserem Repertoire  befanden sich vielstimmige a-cappella Lieder von Alma und Gustav Mahler in der Chortranskription von Clytus Gottwald (1) sowie die Bach-Motette „Jesu, meine Freude“.; „Was machte das Barockstück in solcher spätromantischen Gesellschaft?“ könnte man fragen. Es gibt zumindest zwei gemeinsame Eigenschaften für das alte Werk und die Stücke aus dem fin de siécle.  Die erste ist die Mehrstimmigkeit (polyphon sowie homophon), die zweite ist die Rhetorik. Eine Liebesklage, ein Wandermotiv, ein breiter Weg in Mahlers Liedern – das alles wurde auch musikalisch so gezeigt wie das Barockkomponisten machten. Und es gibt noch ein Thema, das alle Werke verbindet: die Liebe. In dem Bach-Werk ist das eine unendliche Liebe zu Jesus, bei beiden Mahlers die Liebe zu anderen Menschen. Vielleicht auch zu einander, obwohl diese Beziehung nicht einfach war. „Ladas Klassikwelt 4/2019 klassik-begeistert.de“ weiterlesen

Posers Klassikwelt 2/2019: Wer oder was Poser (nicht) gefällt

Was Poser überhaupt nicht nachvollziehen kann: Wenn jemand sagt, „die Musik von Richard Wagner ist mir zu schwer“ oder „Beim Autofahren kann ich keinen Wagner hören“ oder „Wagneropern sind mir zu lang“.

Posers Klassikwelt 2/2019: Heute unter der Unterrubrik Poser macht`s kurz und knapp: „Posers Klassikwelt 2/2019
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Lieses Klassikwelt 5/2019: Der Fall Furtwängler

Es hat mich zutiefst berührt, wie Klaus Lang bis zu seinem selbstbestimmten Tod unermüdlich für Furtwängler kämpfte. Nur eines schaffte er nicht mehr: einen Intendanten oder Regisseur zu finden, der sein Stück auf die Bühne bringen würde. Bislang schlugen in der Fortsetzung zwar auch meine Bemühungen fehl. Aber ich bin ja noch da.

von Kirsten Liese

Im Frühjahr haben die Berliner Philharmoniker eine imposante Box mit den vielleicht wichtigsten Aufnahmen ihrer Geschichte veröffentlicht: sämtliche Konzertmitschnitte für den Rundfunk unter Wilhelm Furtwängler. Vieles darunter ist bis heute unübertroffen.

Leider hat sich jedoch in den Köpfen zahlreicher Menschen ein falsches Bild von dem größten deutschen Dirigenten festgesetzt: Sie sehen in ihm einen Opportunisten, Mitläufer, gar einen Kollaborateur der Nazis. „Lieses Klassikwelt 5/2019
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Sommereggers Klassikwelt 6/2019: Hört Altes, Kinder!

Es ist zum Teil erschütternd den konkreten Vergleich von Opern-Gesamtaufnahmen des gleichen Labels anzustellen. Wer die Zauberflöten-Einspielung Karl Böhms mit Fritz Wunderlich kennt, kann auf die aktuelle Veröffentlichung der Deutschen Grammophon mit Klaus Florian Vogt und Rolando Villazon wahlweise nur mit Gelächter oder Erbrechen reagieren.

von Peter Sommeregger

Seit etwa 12o Jahren ist es technisch möglich, menschliche Stimmen, aber auch alle anderen Arten von Geräuschen für die Ewigkeit zu konservieren. Schnell war klar, dass diese Entdeckung vor allem für Musiker auch kommerzielle Anreize bot.

Um das Jahr 1902, als man begann Opernarien aufzunehmen, erwies sich der Italienische Startenor Enrico Caruso als Glücksfall für die noch junge Branche. Caruso war nicht nur der berühmteste Opernstar seiner Zeit, er zeigte auch Interesse an dieser neuen Technik. Entscheidend wichtig war auch, dass sich seine Stimme optimal für Aufnahmen eignete. So wurde der Neapolitaner  quasi zum Türöffner für das neue Medium Schellackplatte. Grammophon-Apparate und auch die Platten selbst waren teuer, aber im Vergleich zu den für viele Menschen unerschwinglichen Opernkarten  preiswert. Viele Kollegen Carusos folgten seinem Beispiel, und so entstanden in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg unzählige Aufnahmen klassischer, bevorzugt Opernmusik. Die Aufnahmebedingungen waren primitiv, elektrischer Strom oder gar Mikrophone waren ja noch nicht erfunden. Und doch verblüfft noch heute die Authentizität der gesanglichen Leistungen. Man meint, Herrn Caruso durch den Grammophon-Trichter die Hand schütteln zu können. „Sommereggers Klassikwelt 6/2019,
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Ritterbands Klassikwelt 3/2019: Tyrannen auf der Opernbühne – und wie sie enden

Tyrannen sind natürlich Macbeth und Boris Godunov und – zumindest aus Schweizer Sicht – der Prototyp für alle Tyrannen: Der habsburgische Landvogt Gessler in Rossini’s Wilhelm Tell. Giacomo Meyerbeers Prophet wird in der gleichnamigen Oper mehrmals als „Tyrann“ bezeichnet – unter anderem von seiner eigenen Mutter Fidès. Es gibt Anti-Tyrannen, die nur gut und positiv sind, wie Titus in Mozarts „Clemenza di Tito“, und es gibt Tyranninnen, also Tyrannen weiblichen Geschlechts – Turandot in Puccinis letzter (und unvollendeter) Oper, die grundsätzlich alle Freier einen Kopf kürzer machen lässt, welche ihre drei ziemlich lapidaren Rätsel nicht erraten.

von Charles E. Ritterband

Das Personal der Opern besteht üblicherweise aus mehr oder weniger tragisch Verliebten, weniger aus erfolgreichen und meist aus gescheiterten Helden. Auffällig ist aber die Häufigkeit der Tyrannen auf der Opernbühne.

Die Liste ist lang: Sie reicht vom brutalen Römer Polizeichef Scarpia, der den politischen Gefangenen Angelotti in den Tod treibt und den Künstler Cavaradossi trotz Zusicherungen erschießen lässt, vom Gouverneur eines Staatsgefängnisses bei Sevilla, einem gewissen Don Pizarro, der den Gefangenen Florestan im tiefsten, dunkelsten Kerker verborgen hält und ihn möglichst bald aus der Welt schaffen will – bis hin zu den kleinen Tyrannen im eigenen Haushalt, wie den Doktor Bartolo, der sein Mündel Rosina wie eine Gefangene hält und Graf Almaviva, der eben diese Rosina zu seiner Gräfin macht und dann in seinem Schloss herrscht wie ein Despot und der trotz aller Versprechungen nicht auf das althergebrachte „ius primae noctis“ verzichten will und mit List und Tücke versucht, Susanna, die Braut seines Kammerdieners Figaro noch in der Hochzeitsnacht ins Bett zu kriegen. „Ritterbands Klassikwelt 3/2019 klassik-begeistert.de“ weiterlesen

Lieses Klassikwelt 4 / 2019: Emanzipation, #MeToo und Sexismus auf der Opernbühne

Apropos Liebe und Sexualität: Natürlich freut es mich, dass dank #MeToo sexuelle Belästigung kein Kavaliersdelikt mehr ist. Nur verwundere ich mich darüber, dass die öffentliche Empörung um Regisseure einen Bogen macht als gäbe es keinen Sexismus auf der Opernbühne. Sängerinnen wird bisweilen unerhört viel zugemutet.

von Kirsten Liese

Die Anfänge meiner beruflichen Laufbahn vor 25 Jahren waren nicht einfach. Die Feministin Alice Schwarzer hatte Recht, als sie damals sagte, eine Frau müsse doppelt so gut sein wie ein Mann. In den Redaktionen, für die ich arbeitete, saßen überwiegend Männer.

Heute bin ich auf Premieren, Pressekonferenzen und Festspielen immer noch überwiegend von männlichen Korrespondenten umringt, aber in den Redaktionen bin ich nur noch selten mit Machos konfrontiert, muss weniger kämpfen und erfahre mehr Wertschätzung. Und profitiere davon, dass in vielen Bereichen der Hochkultur ausdrücklich mehr Frauen erwünscht sind. Das nenne ich Fortschritt! „Lieses Klassikwelt 4/2019
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