Schweitzers Klassikwelt 164: Kurze Bemerkungen über Opernaufführungen blieben uns im Gedächtnis haften

 

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Es ist schon lange her, es war Anfang der Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts: Die Wagner-Heroine Birgit Nilsson einmal nicht als Brünnhilde oder Isolde, sondern als eisgegürtete Prinzessin Turandot auf der Bühne der Wiener Staatsoper. Salopp ausgedrückt: Sie war eine Wucht. (Wucht bedeutet schriftdeutsch Kraft, Energie.) An meiner Seite auf der Galerie eine junge Amerikanerin. Sie lässt beim tosenden Schlussapplaus die Bemerkung auf Deutsch fallen: „Ein medizinisches Wunder.“ Wie war das wohl gemeint? Es klang nicht nach Enthusiasmus, mehr wie eine nüchterne Diagnose über die Stimmbänder. „Schweitzers Klassikwelt 164: Kurze Bemerkungen über Opernaufführungen
klassik-begeistert.de, 26. Mai 2026“
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Telemann glänzt als europäischer Innovator: norddeutsche Polyphonie, italienische Bravour und Pariser Nonchalance

CD-Besprechung:

GEORG PHILIPP TELEMANN
„PARIS QUARTETS“

Ensemble BAROCKIN’
Raumklang

3 CD-Box

von Dr. Ingobert Waltenberger

Das vorliegende Album enthält die Quadri à violino, flauto traverso, viola di gamba o violoncello e fondamento (Hamburg 1730) sowie die Nouveaux Quatuors en six suites à une flûte traversière, un violon, une basse de viole, ou violoncel, et basse continue (Paris 1738).

Wie schon an den Sprachen der originalen Titel erkennbar wird, sind die beiden Zyklen unterschiedlichen Ursprungs und ihrem Wesen nach auch verschiedenen Umfangs. Die „echten“ Pariser sind fast doppelt so lange (CD 2 und 3). Bis auf das siebensätzige dritte Quartett hat sie Telemann – fünf davon sechssätzig – als Suiten gestaltet. Die Nouveaux Quatuors bestehen aus typisch französischen Tanzrhythmen wie Gigue, Bourrée, Gavotte oder Polonaise. „CD-Besprechung: Georg Philipp Telemann, „Paris Quartets“
klassik-begeistert.de, 25. Mai 2026“
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„Il viaggio“ überzeugt in Salzburg als humorvoll sprühendes Feuerwerk von groteskem Humor

Mit dieser Premiere der Salzburger Pfingstfestspiele 2026 – unter der Aegide und pointierter Mitwirkung der großen Cecilia Bartoli – hat der renommierte Aufführungsort Salzburg einen fulminanten Start hingelegt.

Gioachino Rossini, Il viaggio a Reims

Salzburger Pfingstfestspiele, 22. Mai 2026

von Dr. Charles E. Ritterband

Musikalische Leitung: Gianluca Capuano

Regie: Barrie Kosky
Bühne: Rufus Didwiszus
Kostüme: Victoria Behr
Licht: Franck Evin

Corinna:  Cecilia Bartoli
Marchesa Melibea:  Marina Viotti
Contessa di Folleville:  Melissa Petit
Madame Cortese:  Tara Erraught
Cavalier Belfiore:  Edgardo Rocha

Les Musiciens du Prince, Monaco
Chœur de l’Opéra de Monte-Carlo
Chor-Einstudierung: Stefano Visconti

Die Inszenierung des australischen Star-Regisseurs Barrie Kosky hatte höchste Erwartungen geweckt – und diese wurden nicht enttäuscht, sondern weit übertroffen: farbensprühend, humorvoll, grotesk.

Sängerisch durchwegs überragend, darstellerisch hinreißend komisch und vom Orchester temperamentvoll, hoch musikalisch und in perfektem Stil des Großmeisters Rossini getragen, wurde diese Aufführung zu einem vom Premierenpublikum enthusiastisch bejubelten Großerfolg.

„Gioachino Rossini, Il viaggio a Reims
Salzburger Pfingstfestspiele, 22. Mai 2026“
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Mit der Wiederaufnahme von Verdis Luisa Miller setzt die Hamburgische Staatsoper einen Meilenstein

Colin Aikins (Un Contadino), Alexander Roslavets (Wurm), Gábor Bretz (Il Conte di Walter), Hovhannes Ayvazyan (Rodolfo), Elbenita Kajtazi (Luisa), Pavel Yankovsky (Miller), Kristina Stanek (Federica), Mariana Poltorak (Laura) (Foto: RW)

Wer Verdigesang vom Feinsten hören möchte, sollte sich diese Luisa Miller-Serie in der Hamburgischen Staatsoper nicht entgehen lassen.

Luisa Miller, Melodramma tragico in drei Akten nach Schillers Trauerspiel Kabale und Liebe

Komposition: Giuseppe Verdi

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Leitung: Henrik Nánási

Inszenierung: Andreas Homoki
Bühnenbild: Paul Zoller
Kostüme: Gideon Davey

Hamburgische Staatsoper, 24. Mai 2026

von Dr. Ralf Wegner

Luisa Miller nach Schillers Trauerspiel Kabale und Liebe gehört nicht zu den bekanntesten Opern Verdis und verfügt auch nicht über Ohrwürmer, die nach der Aufführung noch länger im Gedächtnis bleiben. Wer aber Verdigesang vom Feinsten hören möchte, sollte sich diese Serie in der Hamburgischen Staatsoper nicht entgehen lassen. „Giuseppe Verdi, Luisa Miller, Melodramma tragico
Hamburgische Staatsoper, 24. Mai 2026“
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Die Staatsoper für alle feiert mit grandiosen Sängern das Grundgesetz

Staatsoper für alle 2026 | 23. Mai 2026 | Live-Übertragung von Nabucco auf dem Bebelplatz © Peter Adamik

Staatsoper für alle in Berlin. So wörtlich wie in dieser Stadt wird das nirgends zelebriert: Alle, alle, alle sind sie da: Die Leute mit Picknickdecke, die Influencer mit den geilen Klamotten, die Herren mit Fliege und die Damen mit den tiefen Ausschnitten. Die Schauspieler aus allen Ecken der Republik, die Vertreter des Sponsors und die Presse von klassik-begeistert bis Super-Illu. Wenn man die Augen ein wenig zukneift, sieht man das Personal vieler Opern in den 30.000 Leuten auf dem Bebelplatz vor der großen Freiluftbühne und bei den geladenen sowie zahlenden Gästen im Opernhaus Unter den Linden.

Da ist eine Papagena mit Federn an den Blazerärmeln. Dort flüstern Valzacchi und Annina aus dem Rosenkavalier. Neben ihnen hält die elegante Elisabeth von Valois in Begleitung ihres schon etwas älteren Gemahls Philipp II. Ausschau nach – ja, wo ist eigentlich Don Carlo? Wir sehen nur Fiordiligi und Dorabella aus Così fan tutte. Offenbar sind die beiden jetzt ein Paar, ebenso wie ihre ehemaligen Liebhaber Guglielmo und Ferrando. Auch eine Lösung! Das bunte Völkchen, vom Sponsor auf den 1. Rang und in den Apollosaal sowie auf den Bebelplatz eingeladen, schwatzt bald über alle Rollengrenzen hinweg miteinander. Es gibt italienische Oper, und die Stimmung ist heiter bis sonnig. Draußen knallen erst 30°, später 27°C aufs Pflaster. Drinnen tut die Klimaanlage, was sie kann.

Giuseppe Verdi
Nabucco
Dramma lirico in vier Teilen (1842)
Text von Temistocle Solera

Musikalische Leitung   Francesco Lanzilotta

Inszenierung   Emma Dante
Bühne   Carmine Maringola
Kostüme   Vanessa Sannino

Nabucco   Ariunbaatar Ganbaatar
Abigaille   Lidia Fridman
Ismaele   Andrés Moreno García
Fenena   Elena Maximova
Zaccaria   Tareq Nazmi
Anna   Clara Nadeshdin
Abdallo   Junho Hwang
Hohepriester des Baal   Hanseong Yun

Staatsopernchor
Staatskapelle Berlin

Staatsoper Unter den Linden, 23. Mai 2026

 von Sandra Grohmann

Feststimmung im Haus Unter den Linden. Ein bayerischer Automobilhersteller, der Sponsor von Staatsoper für alle, lässt sich nicht lumpen, finanziert ein rauschendes Fest für alle und verkündet noch am Abend, dass die Partnerschaft trotz der wirtschaftlich schwierigen Zeiten durch einen just unterzeichneten Dreijahresvertrag gesichert ist. Das kann man nur wertschätzend anerkennen!

„Staatsoper für alle – Giuseppe Verdi, Nabucco
Staatsoper Unter den Linden, 23. Mai 2026“
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Rudis Klassikwelt 10: Bringt meine Asche nach Wien – Alexander Zemlinsky auf der Bühne der Josefstadt

Martin Vischer (Zemlinsky der Jüngere), Günter Franzmeier (Zemlinsky der Ältere) © Moritz Schell

Im Juli 1985 wurde die Urne mit der Asche Alexander Zemlinskys nach Wien überführt und in einem Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof beigesetzt. Das ist der Ausgangs- und Endpunkt des  Theaterstücks Zemlinskyvon Felix Mitterer. Es entstand als Auftragswerk des Alexander Zemlinsky Fonds bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien aus Anlass des 150. Geburtstags des Komponisten und wurde im März 2026 im Theater in der Josefstadt uraufgeführt.

Felix Mitterer    Zemlinsky

Regie:  Stephanie Mohr
Bühnenbild:  Miriam Busch
Kostüme:  Nini von Selzam

Musikalische Leitung: Wolfgang Schlögl
Choreografie „Broadway“: Kimberly Rydell

Wien, Theater in der Josefstadt, 22. Mai 2026

von Dr. Rudi Frühwirth

Peter Sommeregger hat in seiner Klassikwelt 206 den schwierigen Lebensweg Alexander Zemlinskys einfühlsam beschrieben. Den bedeutenden, viel zu lange sträflich vernachlässigten Komponisten im Mittelpunkt eines Theaterstücks zu sehen, berührt emotional freilich noch viel tiefer, vor allem dank der empathischen Inszenierung von Stephanie Mohr und den exzellenten schauspielerischen Leistungen. „Felix Mitterer, Zemlinsky, Auftragswerk
Theater in der Josefstadt, Wien, 22. Mai 2026“
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DIE MONTAG-PRESSE – 25. MAI 2026

DOB Siegfried, Ya-Chung Huang © Bernd Uhlig

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DIE MONTAG-PRESSE – 25. MAI 2026

Berlin/Deutsche Oper
Gigantische Stimmen retten einen schier unendlichen „Siegfried“
Überlange Unterbrechungen, eine überladene Inszenierung und ein zäher Meta-Wagner drohen diesen Siegfried zur Geduldsprobe zu machen. Donald Runnicles, ein herausragendes Sängerensemble und vor allem Ya-Chung Huang als unwahrscheinlich intensiver Mime verwandeln den Abend schließlich doch in ein nur selten erlebbares Kunstereignis.
Von Arthur Bertelsmann
Klassik-begeistert.de

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DIE SONNTAG-PRESSE – 24. MAI 2026

Peter Rose (Sir Morosus), Brenda Rae (Aminta), Serafina Starke (Isotta), Samuel Hasselhorn (Barbier Schneidebart), Ensemble © Bernd Uhlig

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DIE SONNTAG-PRESSE – 24. MAI 2026

Berlin/Staatsoper
Thielemann führt auch die zweite Berliner Schweigsame Frau zum Erfolg
Ein Jahr nach der Premiere begeistert die Staatsoper Unter den  Linden mit Richard Strauss’ leider recht rarem Werk „Die schweigsame Frau“. Dieser köstliche und musikalisch exzellente Strauss-Abend stand den deutlich populäreren Werken um nichts nach. Bereits mit der Premierenserie von Strauss’ Die schweigsame Frau letzten Sommer – übrigens die Erstaufführung dieses Werks überhaupt an der Lindenoper – hatten Christian Thielemann und sein Gesangensemble für Furore gesorgt. In fast identischer Besetzung kehrte das Werk nun zurück und lieferte einen ähnlich stimmigen Strauss-Abend wie die Kassenknaller Rosenkavalier, Elektra, Salome. Diese köstliche Komödie verdient dringend einen Stammplatz auf den Spielplänen der Opernwelt!
Von Johannes Karl Fischer
Klassik-begeistert.de

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Nézet-Séguin macht Mahlers 3. zum empathischen Ereignis

Foto: Archiv Yannick Nézet-Séguin © Michael Trippel

Gustav Mahler
Symphonie Nr. 3 d-Moll

Joyce DiDonato  Mezzosopran

Damen des Rundfunkchors Berlin
Knaben des Staats-und
Domchors Berlin

Yannick Nézet-Séguin  Dirigent
Berliner Philharmoniker

Philharmonie Berlin, 21. Mai 2026

 von Peter Sommeregger

Gustav Mahlers dritte Symphonie sprengte schon vom geforderten Apparat die Dimensionen der Symphonik des ausgehenden 19. Jahrhunderts, mit knapp 100 Minuten Dauer ist sie auch die längste Symphonie Mahlers. Die Interpretation und Aufführung dieses Mammutwerkes verlangt nach Kräften der Spitzenklasse, und die standen bei dieser Aufführungsserie in der Berliner Philharmonie zur Verfügung. „Mahlers 3. mit Yannick Nézet-Séguin und Joyce DiDonato
Philharmonie Berlin, 21. Mai 2026“
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Hamburg: Ein halbleerer Saal grüßt Kratzers köstliches Kunstwerk

Eine Tragödie war die Auslastung. In dem Haus mit 1,690 Plätzen nahmen gerade einmal gut 600 Gäste Platz, „halbleer“ wäre wohl Euphemismus. 1.000 (!!) freie Plätze an einem Abend, so viele dürften an der Wiener Staatsoper aufsummiert über die ganze Spielzeit nicht frei bleiben.

Frauenliebe und -sterben © Matthias Baus

Drei Werke, drei Epochen, ein spannender, kurzweiliger Opernabend und viele neue Entdeckungen selbst für eingefleischte Opernfans. Kratzers Kreativität lässt in seiner dritten Produktion in Hamburg nicht nach, auch das Gesangensemble überzeugt und das Philharmonische Staatsorchester spielt auf Spitzenniveau.

Frauenliebe und -sterben

Robert Schumann: Frauenliebe und -leben
Béla Bartók: Herzog Blaubarts Burg
Alexander Zemlinsky: Eine florentinische Tragödie

Tobias Kratzer, Regie
Karina Canellakis, Dirigat

Hamburgische Staatsoper, 22. Mai 2026

von Johannes Karl Fischer

So eine kurzweilige und kreative Regiearbeit hat die Opernwelt schon lange nicht mehr gesehen! Tobias Kratzer, Intendant und in dieser Spielzeit „Chefregisseur“ an der Hamburgischen Staatsoper, fusioniert Drama mit Kunstlied und entdeckt dabei völlig neue Facetten dieser gänzlich verschiedenen Werke. Jede Szene, jede Note weckt die Neugier auf das, was als nächstes kommt. Gemeinsame Nenner: Gefühle, Liebesgefühle, starke Emotionen. Ein bisschen als würde man durch die verwinkelten Gassen Venedigs spazieren und alle drei Meter neugierig um die nächste Ecke nach einem weiteren malerischen Lagunenblick gucken…  „Frauenliebe und -sterben, Tobias Kratzer, Regie
Hamburgische Staatsoper, 22. Mai 2026“
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