© Lukas Anton
Jacques Offenbach
Hoffmanns Erzählungen
Inszenierung, Bühne und Kostüme: Dennis Krauß
Musikalische Leitung: Paul Taubitz
Nachmittags-Vorstellung
Hessisches Staatstheater Wiesbaden, 18. Oktober 2026
von Dirk Schauß
Ein Zirkuszelt ist im Grunde nichts anderes als eine großangelegte Illusion auf Zeit, ein Ort, an dem Sägemehl den Verfall kaschiert und das grellste Licht die tiefsten Schatten wirft. Wer den romantischen Dichter E.T.A. Hoffmann an einen solchen Ort verpflanzt, riskiert gewöhnlich den Absturz ins reine Spektakel.
Regisseur Dennis Krauß wagt im Staatstheater Wiesbaden genau diese Flucht nach vorn. Mit seinem Konzept hatte er 2025 den Europäischen Opernregie-Preis gewonnen; die Wiesbadener Realisierung ist der damit verbundene Preis. Seine Lesart von Jacques Offenbachs unvollendeter Schwanengesang-Oper verlegt das Geschehen auf einen rot schimmernden Jahrmarkt, der dem desillusionierten Poeten als Fluchtburg vor einer kalt gewordenen Gegenwart dient. Vor dem Zelt in der Rahmenhandlung sitzt Hoffmann als Straßenpoet und bietet für kleines Geld Gedichte an – und wird verspottet.