Händel meets Hollywood – spektakulärer Giulio Cesare in Zürich

Opernhaus Zürich, Giulio Cesare in Egitto, Cecilia Bartoli © Monika Rittershaus

Mit diesem opulenten Opernspektakel, kontrastierend zwischen Film und Theater, kunstvoll changierend zwischen Parodie und mörderischem Ernst, hat sich das Opernhaus Zürich einmal mehr selbst übertroffen: Man nimmt gerne die durch und durch großartige Version von David McVicar an der Met und der Royal Opera zum Maßstab, doch die in ihrer Originalität geradezu überwältigende Zürcher Produktion dieser zu Recht berühmtesten Oper Händels kann sich mit McVicars Inszenierung durchaus messen.

Georg Friedrich Händel
Giulio Cesare in Egitto

Dramma per musica in drei Akten
Libretto von Nicola Francesco Haym
nach Giacomo Francesco Bussani

Musikalische Leitung: Gianluca Capuano
Orchestra la Scintilla

Inszenierung: Davide Livermore
Kostüme: Mariana Fracasso
Video: D-Wok

Chöre: Alice Lapasin Zorzit
SoprAlti und Zusatzchor der Oper Zürich

Koproduktion mit der Opéra de Monte-Carlo

Opernhaus Zürich, 28. März 2026

von Dr. Charles E. Ritterband

In Zürich traten Weltstars wie die „Wahl-Zürcherin“ Cecilia Bartoli und die hervorragende Anne Sofie von Otter sowie der erstklassige Cesare des Carlo Vistoli auf. Vor allem aber wurde dem verwöhnten Zürcher Publikum eine bildgewaltige Krimikomödie als Oper, eine Synthese von Tragik, Sinnlichkeit und sprühendem Humor, treffsicher durchsetzt mit Ironie, Humor und perfekt eingesetzten parodistischen Elementen serviert. „Georg Friedrich Händel, Giulio Cesare in Egitto
Opernhaus Zürich, 28. März 2026“
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Schweitzers Klassikwelt 160: „Die Stimme ist eine Gottesgabe“...

Dr. med. Theodor Lierhammer © Look and Learn / Elgar Collection

… „die jederzeit zurückgenommen werden kann“ lehrte Theodor Lierhammer, Bariton und Gesangspädagoge, seinen Schülerinnen und Schülern.

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Das spüren wir auch sprachlich. In einem Bericht von der Wiederaufnahme der „Rusalka“ lesen wir aktiv, dass Nicole Car ihre Spitzentöne aufblühen lässt, doch im Vorsatz steht gewiss unbewusst, die Handelnde etwas in den Hintergrund rückend, dass ihre Stimme an Fülle gewonnen hat.

Wenn von einer Sängerin gesagt wird, dass ihr Mezzo in der Höhe eine stählerne Leuchtkraft von höchster Eindringlichkeit erhält, so wird dieses vielseitige Tätigkeitswort eher empfangen als aufrechterhalten bedeuten. „Schweitzers Klassikwelt 160: „Die Stimme ist eine Gottesgabe“…
klassik-begeistert.de, 31. März 2026“
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Verdis „Ballo in maschera“ wird Unter den Linden zum szenischen Desaster

Un ballo in maschera, Premiere 29. März 2026 © Stephan Rabold

Die Erwartungen waren groß gewesen: nach langer Abstinenz eine der schönsten Verdi-Opern in einer Neuinszenierung mit einer prominenten Besetzung. Drei Stunden später verlässt man das Haus Unter den Linden enttäuscht, ja sogar verärgert.

Giuseppe Verdi
Un Ballo in maschera

Riccardo:  Charles Castronovo
Renato:  Amartuvshin Enkhbat
Amelia:  Anna Netrebko
Ulrica:  Anna Kissjudit
Oscar:  Enkeleda Kamani

Regie:  Rafael R. Villalobos
Bühne:  Emanuele Sinisi
Kostüme:  Lorenzo Caprile

Dirigent:  Enrique Mazzola

Staatsoper Unter den Linden, Berlin, 29.März 2026 Premiere 

von Peter Sommeregger

Was war geschehen? Starbariton Ludovic Tézier stieg wohl während der Proben aus, er wird gewusst haben, warum. Aber Superstar Anna Netrebko sang, und das ausgezeichnet. Es ist erstaunlich, wie die Sängerin nach einer über dreißig Jahre währenden Karriere noch über eine völlig intakte, in allen Lagen sichere Stimme verfügt, sich eigentlich immer noch steigert. Das ist wohl einer guten Technik, aber auch einem klug entwickelten Repertoire geschuldet. Die Sängerin wurde nach ihren Arien frenetisch gefeiert, fast konnte man schon eine gewisse Hysterie bei den Bravo-Rufern ausmachen. „Giuseppe Verdi, Un Ballo in maschera PREMIERE
Staatsoper Unter den Linden, Berlin, 29.März 2026“
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Anne-Sophie Mutter sprengt die Grenzen der Tradition

CD/Blu-ray Besprechung:

East Meets West
Aftab Darvishi – Unsuk Chin – Jörg Widmann – Thomas Adès

Anne-Sophie Mutter (violin)
Nancy Zhou (violin)
Ye-Eun Choi (violin)
Muriel Razavi (viola)
Pablo Ferrández (cello)
Stephanie Gonley (violin)

London Symphony Orchestra
Thomas Adès, musikalische Leitung

Alpha Classics, Alpha 1244

von Dirk Schauß

Wenn eine Künstlerin nach fünf Jahrzehnten auf den Weltbühnen ihr Jubiläum nicht mit einer sentimentalen Rückschau auf das vertraute Repertoire feiert, sondern eine eigene Editionsreihe für die Gegenwart gründet, dann ist das eine klare Aussage. Mit „ASM Forte Forward“ bei Alpha Classics emanzipiert sich Anne-Sophie Mutter endgültig von den Erwartungen des klassischen Establishments. Das erste Album dieser Reihe trägt den programmatischen Titel „East Meets West“ und ist weit mehr als eine Zusammenstellung zeitgenössischer Werke. Es ist eine Demonstration: Die Violine wird hier zum Medium globaler Diskurse. „CD/Blu-ray Besprechung: East Meets West, Aftab Darvishi, Anne-Sophie Mutter (violin)
klassik-begeistert.de, 30. März 2026“
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DIE MONTAG-PRESSE – 30. MÄRZ 2026

© Duo Natalia

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE MONTAG-PRESSE – 30. MÄRZ 2026

Wien/Bösendorfer-Salon/1140
Ein Erlebnis der anderen Art: Das Duo Natalia füllt den kleinen Raum mit großer Musik
So müssen sich Könige gefühlt haben. Im Bösendorfer Salon spielt das Duo Natalia für eine Handvoll Leute. Drei Reihen, ein paar Stühle, zum Greifen nahe der 230-er Bösendorfer-Flügel. Für Pianistin Natalia Kovalzon ein großartiger Flügel, der auf alles sofort reagiert. Für Geigerin Natalia van der Mersch fast zu beengend. Dass der Luxemburgerin schon mal der Haarreif vom Kopf fetzt, liegt an der Energie, die sie in jeden Ton legt.
Von Jürgen Pathy
Klassik-begeistert.de

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Die konzertante Aufführung von “Le Prophète” wird in Paris zum musikalischen Ohrenschmaus

Le Prophète – Théâtre des Champs-Elysées, Foto Jean-Nico Schambourg

 “Le Prophète” (Der Prophet) von Giacomo Meyerbeer wird heute selten aufgeführt wegen der extrem hohen Anforderungen an die Sänger, aber auch wegen der szenischen Umsetzung dieser Oper in fünf Akten. Das Théâtre des Champs-Elysées in Paris umgeht die szenischen Probleme mit einer konzertanten Aufführung unter der Leitung des jungen Dirigenten Marc Leroy-Calatayud, die mit John Osborn, Marina Viotti und Emma Fekete auch gesanglich hochrangig besetzt ist.


Giacomo Meyerbeer (1791-1864)
LE PROPHÈTE
Grand Opéra in fünf Akten (Libretto von Eugène Scribe und Emile Deschamps)

Konzertante Aufführung

Musikalische Leitung:  Marc Leroy-Calatayud
Orchestre de Chambre de Genève

Théâtre des Champs-Elysées, Paris, 28. März 2026

von Jean-Nico Schambourg

Als im Jahre 1849 die Oper “Le Prophète” (Der Prophet) von Giacomo Meyerbeer an der Pariser Oper, Salle Le Peletier, aufgeführt wurde, handelte es sich um die teuerste Produktion, die es bis dato je in Paris gab. Aufwendige Szenenbilder, historische Kostüme für eine Unmenge von Mitwirkenden ließen die Kosten explodieren. Der riesige Erfolg gab den Verantwortlichen recht. Nach nur 27 Monaten kam es zur 100. Aufführung dieser Grand Opéra.

„Giacomo Meyerbeer, Le Prophète, Konzertante Aufführung
Théâtre des Champs-Elysées, Paris, 28. März 2026“
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George Petrou und Herbert Fritsch machen aus Händels „Belshazzar“ ein buntes Vergnügen

Belshazzar KOB © Jan Windszus Photography

George Petrous zweite Einstudierung an der Komischen Oper Berlin ist getragen von einem Gespür für Kurzweiligkeit und guten Geschmack,  in gut abgestimmter Zusammenarbeit mit dem Regisseur Herbert Fritsch.

Vor allem die Phalanx aus Chor der Komischen Oper sowie dem Vocalconsort Berlin bescherte der Produktion anderthalb Monate vor der nächsten Ausgabe der Göttinger Händelfestspiele einen Trumpf.

Georg-Friedrich Händel,  Belshazzar

Musikalische Leitung:  George Petrou

Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme:  Herbert Fritsch
Licht:  Olaf Freese

Chöre:  David Cavelius

Chorsolisten der Komischen Oper Berlin
Vocalconsort Berlin

Orchester der Komischen Oper Berlin

Komische Oper Berlin, Schillertheater, 28. März 2026, Premiere

von Kirsten Liese

George Petrou zählt für mich zu den kreativsten Köpfen in der Barockoper. So hat er bei den Händelfestspielen in Göttingen, die er seit 2022 künstlerisch leitet, mit raffinierten Improvisationen in der Oper „Giulio Cesare“ aufgewartet und mit „Sarrasine“ auf eine Novelle von Balzac ein packendes Opernpasticcio nach historischem Vorbild selber entworfen. „Georg-Friedrich Händel, Belshazzar
Komische Oper Berlin, 28. März 2026, Premiere“
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Common Ground: Das Band zwischen mir und den Tänzerinnen und Tänzern ist innig

Foto: Common Ground: Cacti, Carollina Bastos und Osiel Gouneo © Nicholas MacKay

Drei Konzepte. Das erste: der beschränkte kleinste Raum. Welch Dynamik! Das zweite: ein Raum, den sich die Tänzerinnen und Tänzer mit immer mehr hinzukommenden teilen müssen. Welch entstehende Freiheit! Das dritte: der Schein muss gewahrt bleiben. Oder wird dieser durchbrochen durch das sensible Band der Tänzerinnen und Tänzer mit den Zuschauerinnen und Zuschauern? Ich jedenfalls fühle dieses Band an diesem Abend. In allen drei Teilen.

Common Ground – dreiteiliger Ballettabend PREMIERE

„Cacti“ (UA 2010, Nederlands Dans Theater)
Choreographie Alexander Ekman
Musik Ludwig van Beethoven, Joseph Haydn, Franz Schubert (Arr. Andy Stein)

Bayerisches Staatsballett

Streichquartett So-Young Kim, Matjaž Bogataj, Tilo Widenmeyer, Benedikt Don Strohmeier

„Impasse“ (UA 2020, Nederlands Dans Theater)
Choreographie Johan Inger
Musik Ibrahim Maalouf, Amos Ben-Tal

Bayerisches Staatsballett

Bella Figura (1995, Nederlands Dans Theater)
Choreographie Jiří Kylián

Musik Lukas Foss, Alessandro Marcello, Giovanni Battista Pergolesi, Giuseppe Torelli, Antonio Vivaldi

Bayerisches Staatsballett

Nationaltheater, München, 28. März 2026

von Frank Heublein

An diesem Abend eröffnet das Bayerische Staatsballett mit seiner zweiten Premiere der Spielzeit „Common Ground“ die Ballettwoche 2026 auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters. Der Abend vereint drei Stücke, die allesamt am Nederlands Dans Theater in Den Haag uraufgeführt wurden.

„Common Ground – Alexander Ekman, Johan Inger, Jiří Kylián
Nationaltheater, München, 28. März 2026 PREMIERE“
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Hamburg findet mit Lohengrin zurück in die Spur!

Lohengrin, Archiv HSO © Arno Declair

Auch am Gänsemarkt in Hamburg kann Richard Wagner schwer begeistern. Denn kaum zeigte sich Omer Meir Wellber nach einem spektakulären ersten Lohengrin-Aufzug dem Publikum, tönten aus allen Rängen schon nach der ersten Pause gleich mehrere Bravos. Sowas gab’s in Hamburg noch nie!

Lohengrin, romantische Oper in drei Aufzügen
Libretto und Komposition von Richard Wagner

Inszenierung: Peter Konwitschny
Bühne: Helmut Brade

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Musikalische Leitung: Omer Meir Wellber

Hamburgische Staatsoper, 28. März 2026

von Johannes Karl Fischer

Dieser überaus spektakuläre Opernabend ging längst nicht nur auf das Konto des wohl stolzesten Alumnus der Hamburger Opernschmiede, Klaus Florian Vogt. Neben dem unter Omer Meir Wellbers Leitung begeisternd spielenden Orchester glänzte auch der Chor in Höchstform. Jener Chor, der beim letzten Lohengrin vor vier Jahren nicht gerade positiv auffiel, sang die sehr zahlreichen und fordernden Chornummern einfach souverän, wie entfesselt. Man spürte die Begeisterung jedes einzelnen Sängers in der musikalischen Seele brennen, am liebsten würde man selbst auf die Bühne stürmen und mitsingen.     „Lohengrin, romantische Oper von Richard Wagner
Die Hamburgische Staatsoper, 28. März 2026“
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Unter Omer Meir Wellber gelingt eine nahezu exemplarische Lohengrin-Aufführung

Nach dem zweiten Aufzug: Gabor Bretz (König Heinrich), Klaus Florian Vogt (Lohengrin), Sara Jakubiak (Elsa), Yulia Matochkina (Ortrud), Martin Ganter (Telramund), Szymon Mechlinski (Heerrufer) (Foto: RW)

 Unter Berücksichtigung des wunderbar aufspielenden Orchesters, des glanzvollen Chores und der sängerischen und darstellerischen Kraft von Klaus Florian Vogt und Sara Jakubiak sowie der spannungsgeladenen, in sich schlüssigen Inszenierung war es eine (nahezu) exemplarische Lohengrin-Aufführung.


Lohengrin, romantische Oper in drei Aufzügen
Libretto und Komposition von Richard Wagner

Inszenierung:  Peter Konwitschny
Bühne:  Helmut Brade

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Musikalische Leitung:  Omer Meir Wellber

Hamburgische Staatsoper, 28. März 2026

von Dr. Ralf Wegner

Peter Konwitschnys Lohengrin-Deutung funktioniert immer noch. Frisch wie bei der Premiere 1998 präsentierten sich Chor und Ensemble spiel- und sangesfreudig. Die Erscheinung des Gralsjüngers Lohengrin in der Klassenmitte und die sofort beginnende Verehrung für diesen Superstar inmitten begeisterungsfähiger Schülerinnen und Schüler ist psychologisch nach wie vor schlüssig und überzeugend. „Richard Wagner, Lohengrin
Hamburgische Staatsoper, 28. März 2026“
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