DIE DIENSTAG-PRESSE – 19. MAI 2026

HSO Il barbiere di Siviglia, Jonah Hoskins Johannes Martin Kränzle © Tanja Dorendorf

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE DIENSTAG-PRESSE – 19. MAI 2026

Hamburg/Staatsoper/Gioachino Rossini: Il barbiere di Siviglia
Männer sind lächerliche Figuren … und Frauen lassen sich nicht mehr alles gefallen
Rossinis Barbier ist unverwüstlich, zumindest wenn das Orchester so packend und dynamisch abgestuft, mehr kammermusikalisch als auftrumpfend wie unter der Leitung von Omer Meir Wellber aufspielt. Das Bühnenbild bestand aus einer reduzierten, deutlich angehobenen Spielfläche, hinter der sich eine wohl knapp 7 m hohe und etwa 3 m breite Treppenhausfassade um sich selbst drehen ließ. Damit erschöpfte sich der bühnentechnische Aufwand bereits. So hätte man das Stück auch in der Hamburger Kammeroper ausstatten können.
Von Dr. Ralf Wegner
Klassik-begeistert.de

Auf den Punkt 92: Rossini in der Villa Kunterbunt
Gioachino Rossini   Il barbiere di Siviglia: Pippi Langstrumpf wohnt in der Villa Kunterbunt. Was hat diese Information hier zu suchen, fragen Sie? Nun, in Pippis quietschbuntem Haus ist Kindern alles erlaubt, was man dem Nachwuchs sonst gerne abspricht. So wollte es Astrid Lindgren. Im Titelsong der Verfilmung ihrer Romanvorlage gipfelt dieser Lifestyle in dem berühmten Refrain: „Ich mach mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt!“ Jedenfalls im deutschen Text. Die SPD-Politikerin Andrea Nahles hat das Mal im Bundestag gesungen oder, wie der SPIEGEL damals schrieb, geträllert.
Von Jörn Schmidt
Klassik-begeistert.de

„DIE DIENSTAG-PRESSE – 19. MAI 2026
klassik-begeistert.de, 19. Mai 2026“
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Männer sind lächerliche Figuren ... und Frauen lassen sich nicht mehr alles gefallen

Das wie für ein Kammertheater eingerichtete Bühnenbild, Omer Meir Wellber mit dem Ensemble (Foto: RW)

Mattia Olivieris klangschöner, viriler Bariton überstrahlte seine männlichen Kollegen und man fragte sich, warum nicht er sondern der jünglingshaft auftretende Graf Almaviva um Rosinas Gunst warb. Auch stimmlich hätten Figaro und Rosina (Bariton und Mezzosopran) besser zueinander gepasst.

Il barbiere di Siviglia, Melodramma buffo in zwei Akten
von Gioachino Rossini

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Leitung: Omer Meir Wellber
Inszenierung: Tatjana Gürbaca
Bühne und Licht: Klaus Grünberg, Kostüme: Barbara Drosihn

Hamburgische Staatsoper, Premiere am 17. Mai 2026

von Dr. Ralf Wegner

Rossinis Barbier ist unverwüstlich, zumindest wenn das Orchester so packend und dynamisch abgestuft, mehr kammermusikalisch als auftrumpfend wie unter der Leitung von Omer Meir Wellber aufspielt. Das Bühnenbild bestand aus einer reduzierten, deutlich angehobenen Spielfläche, hinter der sich eine wohl knapp 7 m hohe und etwa 3 m breite Treppenhausfassade um sich selbst drehen ließ. Damit erschöpfte sich der bühnentechnische Aufwand bereits. So hätte man das Stück auch in der Hamburger Kammeroper ausstatten können. „Gioachino Rossini, Il barbiere di Siviglia
Hamburgische Staatsoper, Premiere, 17. Mai 2026“
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Auf den Punkt 92: Rossini in der Villa Kunterbunt

HSO Il barbiere di Siviglia, Mattia Olivieri, Lilly Jørstad © Tanja Dorendorf

Pippi Langstrumpf wohnt in der Villa Kunterbunt. Was hat diese Information hier zu suchen, fragen Sie? Nun, in Pippis quietschbuntem Haus ist Kindern alles erlaubt, was man dem Nachwuchs sonst gerne abspricht. So wollte es Astrid Lindgren. Im Titelsong der Verfilmung ihrer Romanvorlage gipfelt dieser Lifestyle in dem berühmten Refrain: „Ich mach mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt!“ Jedenfalls im deutschen Text. Die SPD-Politikerin Andrea Nahles hat das Mal im Bundestag gesungen oder, wie der SPIEGEL damals schrieb, geträllert.

Gioachino Rossini   Il barbiere di Siviglia

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Omer Meir Wellber   Dirigent
Tatjana Gürbaca   Inszenierung

Hamburgische Staatsoper, 17. Mai 2026 +++ PREMIERE +++

 Von Jörn Schmidt

Wie Frau Nahles der Vortrag gelang? Sehen Sie sich das – wenn es wirklich sein muss – bitte selber auf YouTube an. Hier nur so viel: An das durchweg hohe künstlerische Niveau der heutigen Premiere von Gioachino Rossinis  Il barbiere di Siviglia reichte Frau Nahles nicht heran. „Auf den Punkt 92: Rossini in der Villa Kunterbunt
Hamburgische Staatsoper, 17. Mai 2026 +++ PREMIERE +++“
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Das MusikTheater an der Wien lässt einen wieder an die Oper glauben

Stiffelio, Joyce El-Khoury (Lina), Luciano Ganci (Stiffelio) © Werner Kmetitsch

Mittlerweile hat das MusikTheater an der Wien schon seit längerer Zeit der Wiener Staatsoper den Rang als führendes Opernhaus schlicht und ergreifend zu Recht abgelaufen. Die meisten Produktionen im nicht zu Unrecht bezeichneten „bestes Opernhaus 2025“ sind schlicht und ergreifend spitzenmäßig. Das auch hier wieder bei Verdis „Stiffelio“.

Giuseppe Verdi    Stiffelio
Dramma lirico in drei Akten
Libretto von Francesco Maria Piave

Mit  Luciano Ganci, Joyce El-Khouri, Franco Vassallo, Alessio Cacciamani, Luigi Morassi u.a.

Regie   Vasily Barkhatov
Arnold Schoenberg Chor
ORF Radio-Symphonie Orchester Wien
Dirigent   Jérémie Rhorer

Musiktheater an der Wien, 17. Mai 2026

von Herbert Hiess

Eigentlich verweigerte man schon fast seit längerem den Besuch der Wiener Staatsoper, da dort mehr oder weniger willkürlich fast alle Neuproduktionen „versenkt“ wurden  und da offenbar durch die (zumindest im musikalischen Bereich) Ahnungslosigkeit des Intendanten auch in weiterer Zukunft keine Besserung bemerkbar sein wird. „Giuseppe Verdi, Stiffelio
Musiktheater an der Wien, 17. Mai 2026“
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Avdeeva singt, Schostakowitsch schlägt zu

© Alte Oper Frankfurt/Tibor-Florestan Pluto

Sergej Rachmaninow
Klavierkonzert Nr. 2 c-moll op. 18

Dmitri Schostakowitsch
Sinfonie Nr. 10 e-moll op. 93

Yulianna Avdeeva, Klavier
Gewandhausorchester Leipzig
Andris Nelsons, musikalische Leitung

Alte Oper Frankfurt, 17. Mai 2026

von Dirk Schauß

Es gibt Konzertabende, die man vergisst, sobald man den Mantel anzieht. Und es gibt solche, die einem noch auf dem Heimweg durch den Kopf hallen, als hätte das Orchester eine Spur in den Schädel gebrannt. Der
17. Mai in der Alten Oper Frankfurt gehörte unzweifelhaft zur zweiten Sorte. „Gewandhausorchester Leipzig, Andris Nelsons
Alte Oper Frankfurt, 17. Mai 2026“
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Mit Heinz Ferlesch und Barucco erleben wir die wahre Macht der Musik

Heinz Ferlesch am Pult von Barucco © Haydnregion Niederösterreich

 Der Abend der Klassik-Konzertreihe “Haydnregion Niederösterreich” bot im Schloss Petronell einem musikalischen Leckerbissen: das “Alexanderfest” von Georg Friedrich Händel, in der von Heinz Ferlesch intensiv und mitreißend gestalteten Interpretation durch das Originalklangensemble Barucco und Barucco Vokal. Das Programm wurde eingeleitet mit einem “Te Deum” des Namenpatrons Joseph Haydn.

Joseph Haydn
Te Deum für Fürst Nikolaus Esterházy in C-Dur Hob/XXIIIc:1

Georg Friedrich Händel
Alexander’s Feast HWV 75

Barucco Orchester und Vokalensemble
Heinz Ferlesch, Dirigent

Festsaal des Schlosses Petronell, Petronell-Carnuntum (NÖ), 17. Mai 2026

von Dr. Rudi Frühwirth

Das einleitende “Te Deum” von Joseph Haydn entstand um 1760, als Haydn seinen Dienst als Vizekapellmeister am Hof des Fürsten Nikolaus Esterházy antrat. Das strahlende Gotteslob kann durchaus auch als Huldigung an den Brotgeber verstanden werden. Orchester wie Chor, geleitet von Heinz Ferlesch, verhalfen dem kurzen, aber ausdrucksstarken Werk zu prächtiger Geltung. „G.F. Händel, Alexander’s Feast, Barucco Orchester und Vokalensemble Heinz Ferlesch,
Schloss Petronell, 17. Mai 2026“
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„Und dann spricht’s aus der Wand heraus“ – Der Lübecker „Wozzeck“ wird noch intensiver!

Foto © Olaf Malzahn / Theater Lübeck

Alban Berg     Wozzeck

Brigitte Fassbaender, Inszenierung

Theater Lübeck, 17. Mai 2026 (Premiere am 25. April 2026)

Bo Skovhus, Bariton
Adrienn Miksch, Sopran
Peter Lodahl, Tenor
Changjun Lee, Bass
Noah Schaul, Tenor
Frederike Schulten, Mezzosopran
Roman Payer, Tenor
Steffen Kubach, Bariton
Robin Frindt, Bassbariton
Thomas Stückemann, Tenor

Chor des Theaters Lübeck

Kinder- und Jugendchor Vocalino des Theaters Lübeck und der Musik- und Kunstschule Lübeck

Stefan Vladar, Dirigent
Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck

von Dr. Andreas Ströbl

Bereits die umjubelte Premiere von Alban Bergs Oper „Wozzeck“ in der Regie von Brigitte Fassbaender in Lübeck ging musikalisch und darstellerisch unter die Haut (https://klassik-begeistert.de/alban-berg-wozzeck-brigitte-fassbaender-inszenierung-theater-luebeck-25-april-2026-premiere/). Aber die Produktion entwickelt eine noch intensivere Wirkung, wovon sich ein erneut begeistertes Publikum am 17. Mai 2026 im Lübecker Jugendstiltheater mit manchem Gänsehautschauer überzeugen konnte.

Eine kaum fassbare Komplexität …

Wie unglaublich komplex Alban Bergs „Wozzeck“, die erste abendfüllende Oper der Moderne, in ihrer musikalischen Struktur mit all den Zitaten, Motiven, Querverweisen und vor allem dem Gesamtaufbau gestaltet ist, machten GMD Stefan Vladar und Dramaturg Michael Sangkuhl am 5. Mai 2026 im Studio des Lübecker Theaters greifbar. Mit zahlreichen Beispielen vom Band oder auf dem Klavier und einer Präsentation erläuterten die beiden gleichermaßen verständlich und faszinierend kenntnisreich, wie Berg hier vorgegangen ist. „Alban Berg, Wozzeck, Brigitte Fassbaender, Inszenierung
Theater Lübeck, 17. Mai 2026“
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Glanzstücke der deutschen und französischen Romantik vereinigen sich

Daniele Gatti © Markenfotografie

10. Sinfoniekonzert Sächsische Staatskapelle Dresden 

Richard Wagner
Vorspiel zum 3. Aufzug und „Karfreitagszauber“ aus „Parsifal“
Camille Saint-Saëns
Konzert für Violoncello und Orchester Nr.1 a-Moll op. 33
Claude Debussy „La Mer“
Richard Wagner
Vorspiel und „Isoldes Liebestod“ aus „Tristan und Isolde“

Sächsische Staatskapelle Dresden 
Gautier Capuçon, Violoncello
Daniele Gatti, musikalische Leitung

Semperoper, 15. Mai 2026

von Henriette Müller

Das Konzert begann mit vertrauten Klängen.

Schon einmal in dieser Spielzeit erfreuten uns die Dresdner Staatskapelle und ihr Chefdirigent Daniele Gatti mit den Klängen von Wagners „Parsifal“. Damals allerdings wurde das Werk in voller Länge gespielt. Besonders der „Karfreitagszauber“ erschien mir dort auch schon, als ein außergewöhnlicher Moment. „10. Sinfoniekonzert Sächsische Staatskapelle Dresden, Gautier Capuçon 
Semperoper, 15. Mai 2026“
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Das Duo Cristian de Sá and Keigo Mukawa trifft bei den Amigos de Música seine Freunde

Foto: Dr. Guido Grass

Zwischen spätem Sonnenlicht über der Algarve und einer zur Konzertbühne verwandelten Scheune entfaltet sich ein Kammermusikabend von seltener Intensität: Cristian de Sá und Keigo Mukawa verbinden Beethoven, Debussy, Kreisler und Grieg zu einem leidenschaftlichen Dialog zweier Musiker. In Os Agostos begegnen sich Publikum und Musiker als Freunde. Am Ende bleibt die Frage, wann dieses Duo endlich auch in Deutschland zu erleben ist.

Cristian de Sá (Violine )
Keigo Mukawa (Klavier)

Ludwig van Beethoven
Violinsonate Nr. 5 in F-Dur, op. 24 „Frühlingssonate“
Claude Debussy
Sonate in g-Moll, L. 141
Fritz Kreisler
Aucassin und Nicolette. Canzonette aus dem Mittelalter
Sérénade Espagnole (nach Cécile Chaminade)
Tempo di minuetto (im Stile von Gaetano Pugnani)
Liebesleid
Edvard Grieg
Sonate Nr. 2 in G-Dur, op. 13
Zugabe: Jules Massenet
Méditation (aus „Thaïs“, Bearbeitung für Violine und Klavier)

Os Agostos, Algarve, Budens, Portugal, 14. Mai 2026

von Petra und Dr. Guido Grass

Das Klassik-Konzertangebot an der Algarve ist leider überschaubar, aber einem Club mit nur 100 Mitgliedern gelingt es monatlich, exquisite Konzerte zu organisieren. Nur wenn ein Mitglied nicht am Konzert teilnimmt, kann man eine Konzertkarte ergattern.

Wir hatten Glück und kurven voller Vorfreude zum malerischen Landgut „Os Agostos“. Allein der Ort ist schon magisch. Bei delikaten Häppchen und Wein treffen sich die Amigos de Música, plaudern in den letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Tages, bevor der Schatzmeister mit der Glocke in die nun als Konzertsaal dienende „Scheune“ ruft. „Cristian de Sá (Violine ), Keigo Mukawa (Klavier)
Os Agostos, Algarve, Portugal, 14. Mai 2026“
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DIE MONTAG-PRESSE – 18. MAI 2026

2024 Das Rheingold, Regie: Stefan Herheim, Deutsche Oper Berlin © Bernd Uhlig

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DIE MONTAG-PRESSE – 18. MAI 2026

Berlin/Deutsche Oper
Thomas Blondelles Loge ist von absolutem Weltrang
Während die Deutsche Oper mit hohen Preisen und überschaubarer Starbesetzung kämpft, überzeugt der musikalische Auftakt des „Rheingold“ unter Donald Runnicles. Eine durchweg starke Sänger-Besetzung entwirrt die handlungsdichte Oper. Stefan Herheims Regieideen wirken hingegen überladen und chaotisch – Augen schließen bleibt die beste Strategie.
Von Arthur Bertelsmann
Klassik-begeistert.de

„DIE MONTAG-PRESSE – 18. MAI 2026“ weiterlesen